Gaza"Wir werden maximal vier Jahre Ruhe haben"

In Gaza liegt über beschossenen Ruinen noch Ruß in der Luft, es riecht verbrannt. Die Menschen hier glauben nicht an einen dauerhaften Frieden. von 

Gaza-Stadt

Gaza-Stadt, 21. November  |  © REUTERS/Mohammed Salem

Schon auf den ersten Metern im Gaza-Streifen donnert es gewaltig. So laut und nah, als würde der Himmel zusammenbrechen. Der erste Gedanke: Eine Bombe, eine Rakete – das Ende der Waffenruhe , das muss es ein. Doch Sekunden später flutet Regen die Straßen. Es ist nur ein Gewitter, das sich nun über dem Erez-Checkpoint entlädt. Es regnet in Strömen, aber es ist immer noch Frieden; für den Moment.

Sieben Tage lang war Gaza unter Beschuss, mehr als 1.500 Ziele hat Israel nach eigenen Angaben angegriffen. Im Gegenzug feuerte die Hamas auf den Süden Israels. Auf Gewalt folgte noch mehr Gegengewalt: Israel mobilisierte seine Armee, 75.000 Reservisten standen für einen Einmarsch bereit. Am Mittwochmorgen explodierte in Tel Aviv ein Linienbus. Ein Krieg schien unvermeidbar.

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Dann, nur wenige Stunden später, die Überraschung: Die Hamas und Israel haben sich auf einen Waffenstillstand geeinigt. Seitdem bleibt es auf beiden Seiten weitgehend ruhig.

Zwei Tage ist der Waffenstillstand nun alt, doch wo die Bomben niedergingen, raucht es noch immer. Über einem zerstörten Ministerium in Gaza-Stadt stehen Rauchschwaden, zwischen den Trümmern kokeln Akten und Ordner. Alle Fenster um das Gebäude sind zerborsten, neue Scheiben nicht eingesetzt. Wie die Menschen sich in diesen Wohnungen vor dem Wolkenbruch schützen, mag man sich nicht vorstellen.

"Es ging darum, dass Netanjahu die Wahlen gewinnen will"

Adli Elhelou hat schon begonnen, sein Haus wieder herzurichten. Der Hauseingang ist freigeräumt, die ersten Fenster sind neu verglast. Der 39-Jährige lebt nun mit seiner Frau und drei Kindern direkt neben einem Krater: Das Palestine-Fußballstadion wurde zwei Mal von der israelischen Armee getroffen, weil radikale Palästinenser von hier aus gefeuert haben sollen. Eine Tribüne steht noch, die andere ist über dem Spielfeld verteilt. Auch hier liegt Ruß in der Luft, es riecht verbrannt.

"Terrible", sagt Elhelou. Es fällt ihm sichtlich schwer, die Zerstörung zu beschreiben. Nach dem Einschlag brachte er seine Familie in einer anderen Gegend unter, erst gestern sind sie in ihre Wohnung zurückgekehrt. Der Schutt türmt sich auf den Gehsteig, aber ihre Wohnung im vierten Stock wurde nicht beschädigt. "Ich bin froh, dass wir einen Waffenstillstand haben", sagt Elhelou. Aber an einen dauerhaften Frieden glaubt er nicht. "Zwei Jahre werden wir Ruhe haben, maximal vier. Dann geht es wieder von vorne los."

Viele Menschen in Gaza sind derselben Meinung: Sie denken nicht, dass die Waffen lange ruhen werden. "Es ging doch nicht darum, die Hamas zu schwächen", sagt Elhelou. "Sondern darum, dass Netanjahu die Wahlen gewinnen will ." Barack Obama , sagt der Familienvater, habe Osama bin Laden getötet, um Stimmen zu gewinnen. "Und Netanjahu tötet eben uns."

Doch noch wird verhandelt, ob die Grenzbestimmungen gelockert werden sollen. Die Menschen in Gaza verbuchen das als Erfolg. Aber dass sich wirklich etwas ändert, können sie noch nicht glauben. Zu groß ist das Misstrauen gegenüber der israelischen Regierung. "Die nächste Wahl kommt bestimmt", sagt Elhelou seufzend.

Der Krieg ist vorbei – und der Regen ebenfalls. Die Autos quälen sich nun durch die Sturzbäche, die in Richtung Meer fließen. Kinder spielen in den Pfützen, die Sonne dringt zwischen den Wolken hervor.

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Leserkommentare
    • R.Heyer
    • 23. November 2012 17:48 Uhr

    Zitat aus dem Artikel
    * Sieben Tage lang war Gaza unter Beschuss, mehr als 1.500 Ziele hat Israel nach eigenen Angaben angegriffen. Im Gegenzug feuerte die Hamas auf den Süden Israels.*
    Ende.
    Umgedreht wird ein Schuh daraus, die Autorin verwechselt hier Ursache und Wirkung.
    Warum sie das tut wird wohl ihr Geheimnis bleiben.
    Wer im übrigen wissen möchte wie die Hamas tickt, hier folgender Film
    Soldatinnen Gottes, die Frauen der Hamas
    http://www.youtube.com/wa... <--Teil eins von acht
    Gruß

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    der feind ist gnadenlos und will uns vernichten
    deshalb müssen wir gnadenlos sein,obwohl wir das garnicht wollen, und ihn vernichten
    das tun wir wirklich nicht gern und das uns diese notwendigkeit vom gegner als persöhnliche preferenz unterstellt wird mit der er seine vernichtungsfantasien legitimiert zeigt doch wieder nur das er zu allem fähig ist

    http://www.youtube.com/wa...

    Weglassen ist auch Lüge, denn die Raketenangriffe sind eine Antwort auf die gewaltsame Durchsetzung der israelischen Siedlungspolitik. Man selbst hat halt weder Kampfpanzer und Raketenabwehrsysteme noch die Deckung der Weltöffentlichkeit, die jedes Verbrechen gegen die Menschlichkeit kommentarlos hinnimmt, allen voran den USA.

    In der deutschen Sprache gibt es einen Ausdruck dafür.

    • scoty
    • 23. November 2012 18:03 Uhr

    1. Palästinenser menschenwürdig behandeln
    2. Sie in Zukunft nicht bestehlen
    3. aus dem Openairgefängnis entlassen

    20 Leserempfehlungen
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    wäre es dennoch klüger, nicht zu den Waffen zu greifen, sondern es auf anderem Wege zu versuchen.

    das die "Palaestinenser" in Gaza sich erst in diese Lage gebracht haben?

  1. 6. hmmm..

    ich denke mal, das wäre iene gute Idee. man kümmert sich einfach mal um sich , anstatt das man Raketen rüberfeuert und irgendwelche komischen Sachen plant.

    und vor allen Dingen man wählt halt nicht die Hamas und versucht halt ein wenig gemäßigter zu sein. Es gibt noch was Anderes wie Haß...

    vielleicht wären das die ersten Maßnahmen. kann und sollte man dochmal drüber nachdenken. aber ist halt auch sehr einfach, wenn man alles auf Israel abschieben kann, dann braucht man sich erst gar nicht groß bemühen...

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  2. Weglassen ist auch Lüge, denn die Raketenangriffe sind eine Antwort auf die gewaltsame Durchsetzung der israelischen Siedlungspolitik. Man selbst hat halt weder Kampfpanzer und Raketenabwehrsysteme noch die Deckung der Weltöffentlichkeit, die jedes Verbrechen gegen die Menschlichkeit kommentarlos hinnimmt, allen voran den USA.

    13 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Ursache und Wirkung "
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    • xy1
    • 23. November 2012 20:50 Uhr

    Ja, natürlich, arabische!!! :-)

    • Rend
    • 23. November 2012 22:21 Uhr

    Ich bin weit davon entfernt, zu behaupten in Gaza wäre alles toll, aber Siedlungspolitik findet dort seit ich glaube 2005 nicht mehr statt, alle 21 israelischen Siedlungen (ich frage mich, wo da überhaupt Platz für gewesen ist) wurden damals geräumt.

    Sie meinen die Siedlungspolitik in der Westbank, die in der Tat ziemlich extrem ist, frage mich im übrigen bis heute was der Unterschied zwischen einer "legalen und illegalen" Siedlung auf fremdem Boden ist, wenn dort ab und zu von Räumungen die Rede ist.

    Wow dachte doch tatsaechlich das da was vor 7 Jahren war. Dachte ich koenne mich erinnern, machte damals gerade meinen Felddienst und war da. Mmmhh.... Nun zweifle ich gerade an mir, wer damals wohl von uns geraeumt wurde!
    Bitte informieren Sie sich und legen Sie sich ein Grund und Basiswissen ueber den Konflikt zu und dann kommentieren sie.

  3. "Sieben Tage lang war Gaza unter Beschuss, mehr als 1.500 Ziele hat Israel nach eigenen Angaben angegriffen. Im Gegenzug feuerte die Hamas auf den Süden Israels."

    Wenn ich mich an die Berichterstattung hier und anderswo richtig erinnere, müsste es eigentlich heißen:
    Die Hamas (oder jemand anderes aus dem Gazah-Streifen) feuerte auf den Süden Israels. Im Gegenzug ...

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    langsam die erinnerung
    trug der esel nicht eine augenklappe?
    ach nein
    das war der eine onkel...

    „"Sieben Tage lang war Gaza unter Beschuss, mehr als 1.500 Ziele hat Israel nach eigenen Angaben angegriffen. Im Gegenzug feuerte die Hamas auf den Süden Israels."
    Wenn ich mich an die Berichterstattung hier und anderswo richtig erinnere, müsste es eigentlich heißen:
    Die Hamas (oder jemand anderes aus dem Gazah-Streifen) feuerte auf den Süden Israels. Im Gegenzug ...“

    Da haben Sie natürlich recht. Aber man könnte auch noch ein paar Tage weiter zurückgehen: Unmittelbar, nachdem Israel den Hamas-Politiker al-Dschabari getötet hat, der soeben einen unterschriftsreifen langfristigen Waffenstillstand mit ausgehandelt hatte, begannen die Angriffe auf den Süden Israels (ob von der Hamas oder noch extremeren Gruppen, ist unklar).

    Da kann (und müsste) man nicht nur ein paar Tage zurückgehen - angefangen hat es vor der momentanen Zeit(geschichte).
    Ich kann mich nicht wörtlich erinnern, aber mir fällt Perez ein mit dem Zitat "so lange sie ihre Kinder nicht mehr lieben als sie uns hassen ...". Das beschreibt es - für mich, in aller Kürze - ganz gut.

    • lamara
    • 23. November 2012 18:41 Uhr

    Ich versteh die Palästinenser nicht Aufwand und Ertrag stehen bei diesen Aktionen immer im krassen Missverhältnis. Kosten und Nutzen hält sich nicht mal die Waage, die Palästinenser gehen jedesmal als Verlierer vom Platz und trotzdem ziehen sie in schöner Regelmässigkeit solche Aktionen durch.

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    Ich versteh die Palästinenser nicht Aufwand und Ertrag stehen bei diesen Aktionen immer im krassen Missverhältnis.

    Nein das stimmt nicht. Sie können Erfolg oder Misserfolg in diesem Fall nicht an der Zahl der Toten festmachen. Der Konflikt hat diesmal vorallem eins gezeigt: die Weltöffentlichkeit steht hinter Palästina. Lässt man die USA, Deutschland und vielleicht GB mal beiseite, ist die Welt für einen staat Palästina und ein Ende des Konfliktes in dieser Form.

    Es bewegt sich etwas. In einer Woche entscheidet die UN Vollversammlung über den Beobachterstatus von Palästina. Die Mehrheit gilt als sicher. Die Verhältnisse und Gesetzmäßigkeiten werden sich ändern.

    Ausserdem hat der Konflikt gezeigt, dass der Nahe Osten auf der Seite Palästinas steht. Kommt es hart auf hart, ist Israel inmitten von verfeindeten Armeen. Niemand will das, aber irgentwann muss Israel einfach klar werden, dass es nicht so weitergehen kann.

    In Sachen PR hat Palästina gewonnen.

    Man kann den Gaza-Streifen als Lager begreifen, indem die "Insassen" mit den Hamas lediglich eine demokratisch gewählte, interne Selbstverwaltung haben. Bis auf die Grenze zu Ägypten bestimmen die Israelis vollständig, welche Güter und Geldströme in den Gaza-Streifen gelangen und welche Personen diesen Streifen verlassen dürfen. Interessant sind hierbei insbesondere die (Steuer-)Zahlungen, die der Palästinenser-Verwalttung eigentlich vertraglich zustehen, von Israel aber widerrechtlich zurückgehalten werden.
    Die Israelis haben also weit jenseits der Siedler-Problematik viele Stellschrauben, um die Palästinenser unter Druck zu setzen und bereichern sich an der aktuellen Situation.

    Auf der anderen Seite sind die Militäreinsätze der Israelis ziemlich teuer. Wer noch die Zahlen des amerikanischen Irak-Kriegs im Hinterkopf hat, bekommt eine Ahnung, wie teuer die Angriffe der ISDF für die Israelis sein müssen.

    Nebenbei hemmen die permanenten Angriffe und der latente Kriegszustand auch die gesellschaftliche Entwicklung in Israel und negieren diese sogar teilweise schon.
    Das Land entfernt sich immer weiter von der westlichen Wertegemeinschaft, wird auch für viele Juden als Lebensraum unattraktiv und isoliert sich außenpolitisch immer mehr. (Z.B. zur Türkei.)

  4. Selbstverständlich nicht, Frau Rojkov!
    Es wurde ja schließlich auch kein Friedensvertrag unterzeichnet, sondern lediglich ein Waffenstillstandsabkommen vereinbart. Und was ein Waffenstillstandsabkommen mit der Hamas bedeutet, wissen alle in der Region.

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    „Und was ein Waffenstillstandsabkommen mit der Hamas bedeutet, wissen alle in der Region.“

    Stimmt. Und was ein Waffenstillstandsabkommen mit Israel bedeutet, wissen auch alle in der Region...
    http://tinyurl.com/af3o7t5

    „[W]ith every person who is killed we are engendering the next generation of haters and terrorists“ - dem ist nichts hinzuzufügen.

  5. 25. ja ja,

    man hat halt andere Dinge zu tun. Raketen auf Israel abschießen zum Beispiel, Anschläge auf Grenzpatrouillen usw. usw. da bleibt nur marginal Raum für solche Sachen wie Bildung, Wasserversorgung etc. etc. warum auch... schlechte Lebensbedingungen schüren ja den Haß auf Israel auch ein wenig weiter...

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Barack Obama | Gaza | Hamas | Osama bin Laden | Israel | Waffenruhe
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