Ein Tag in New York ohne Kapitalverbrechen, das ist eine Sensation – und damit eine Titelseite wert. Das fand zumindest die Boulevardzeitung New York Daily News , die auf ihrer Seite 1 meldete: "Keine Schießereien, keine Messerstechereien, kein Aufschlitzen – verbrechensfreier Tag in Gotham City!" "Gotham City" ist ein gut 200 Jahre alter Spitzname New Yorks, der auch schon für die Batman-Geschichten herhalten musste.

Sogar ältere Polizisten könnten sich nicht an einen Tag wie diesen "mit drei Nullen" erinnern, sagte der Sprecher des New York Police Department . In diesem Jahr wurde bisher auf durchschnittlich fünf Personen pro Tag geschossen. 1994 waren es sogar noch täglich 14 Schießereien.

Insgesamt zeigt der Trend, dass die Zahl der Kapitalverbrechen abnimmt und die Stadt immer sicherer wird. In diesem Jahr gab es bislang 366 Morde, ein Fünftel weniger als im Jahr zuvor. 2011 schloss die Statistik mit 472 Toten ab.

Der ungewöhnliche Friede, der den Montag so besonders gemacht hatte, währte allerdings nur bis Dienstagmittag, als ein 27-Jähriger in Brooklyn erschossen wurde. 36 Stunden zuvor wurde ein Mann in Bedford-Stuyvesant durch einen Kopfschuss schwer verletzt.

1990 erreichte New York einen traurigen Spitzenwert, als 2.245 Morde registriert wurden. "Wir lebten in einer Stadt, in der sich Leute nicht aus dem Haus trauten und Babys aus Angst vor Querschlägern in Badewannen schlafen gelegt wurden", zitiert die Daily News den Polizeihistoriker Tom Reppetto, der Autor des Buchs American Police, 1945-2012 ist. "Aber jetzt wirken die Programme zur Bekämpfung der Kriminalität. Wir könnten in diesem Jahr die niedrigste Mordrate seit 1960 haben."