Tibetische Mönche"Selbstverbrennungen sind frei von Hass"

In Westchina verbrennen sich Tibeter aus Protest gegen Peking. Tibets Exilführung versucht die Toten zu rechtfertigen, dem Land droht eine Radikalisierung. von Imke Vidal

Der erste öffentliche Selbstmord eines Tibeters durch Verbrennung geschah im südwestchinesischen Sichuan . Der Norden dieser Provinz ist tibetisch geprägt, 2009 entzündete sich hier ein Tibeter aus Protest gegen die Unterdrückung seines Volkes und starb. Er löste damit eine Welle der Nachahmungen aus, seitdem setzten sich mehr als 60 Menschen selbst in Brand, die meisten davon Mönche und Nonnen. In den letzten Tagen waren es allein sechs Tibeter, darunter eine junge Mutter. Inzwischen sind in Westchina zudem Unruhen ausgebrochen. Tausende Tibeter, darunter viele Jugendliche, demonstrierten am Freitag im Kreis Tongren in der Provinz Qinghai. In Tongren waren zwei der letzten Selbstverbrennungen passiert.

Der Dalai Lama und die tibetische Exilregierung in Indien zeigen sich angesichts der öffentlichen Selbsttötungen tief betroffen. "Wir beten für die Verstorbenen. Wenigstens das kann man im Exil für sie tun", sagt Tempa Tsering, der Vertreter des Dalai Lama in Delhi . Auch der noch junge Karmapa Lama , das religiöse Erbe des Dalai Lama, verlangt Verständnis für die Selbstverbrennungen. Der wichtigste tibetische Heilige nach dem Dalai Lama spricht von der Verzweiflung, die einen Menschen zu einer solchen Tat dränge.

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China hingegen verhält sich gewohnt distanziert zu den Ereignissen. Zum Parteitag der Kommunisten in Peking betonen die staatlich dominierten Medien die zweistelligen Wachstumsraten in Tibet und sprechen vor allem von der vielversprechenden wirtschaftlichen Entwicklung. Politisch weicht man keinen Millimeter von der bisherigen Linie ab, die Selbstverbrennungen bleiben unerwähnt. Etwas anderes ist auch nach dem geplanten Führungswechsel in Peking nicht zu erwarten.

Sind Selbstmorde Ausdruck von Fanatismus?

Unterdessen spitzt sich laut der tibetischen Exilregierung die Lage in Tibet zu. Für die Exilregierung belegen die Selbstverbrennungen, dass Chinesen und Tibeter keine "harmonische Gesellschaft" ergeben, so wie sie die Parteipropaganda in Peking verordnet. Auch deshalb hält die Führung in Peking den Dalai Lama für einen Aufwiegler . Tibets geistige und exilpolitische Führung aber gibt die Schuldzuweisung ebenso vehement zurück. Der Verzweiflung der Tibeter, so gibt Dalai-Lama-Botschafter Tsering zu verstehen, könne nur die chinesische Regierung ein Ende bereiten.

Doch sind die Selbstmorde wirklich allein auf Verzweiflung zurück zuführen? Oder sind sie nicht auch Ausdruck von patriotischem und religiösem Fanatismus? Eine unbequeme Frage, die zu stellen man nicht gewohnt ist, wenn es um die sonst so friedlichen Tibeter geht.

Tsering geht ihr nicht aus dem Weg. Er ist zwar kein Mönch, aber auch er spricht wie ein tibetischer Heiliger. Stets freundlich, ruhig und lächelnd. 1959 floh er wie der Dalai Lama aus Tibet. Er sei damals 11 oder 12 gewesen. Genaue Erinnerungen an Tibet habe er kaum, berichtet er. Tsering trägt eine dunkelgraue Hose, ein ungebleichtes weißes Hemd und eine schlichte Brille, die einen Teil der buschigen Augenbrauen verdeckt. Gefragt nach dem Grund für die Selbstverbrennungen der Tibeter, schildert er die Lage in Tibet und Chinas aus seiner Sicht starrköpfige Haltung. Jahrzehntelange Unterdrückung und ein offensichtliches Scheitern friedlicher Proteste seien Auslöser für die Taten. Man könne die Selbstverbrennungen nicht gutheißen, aber man müsse Verständnis für die Opfer haben.

Leserkommentare
  1. "Hat schon mal jemand gehört, dass auf Grund einer Selbstverbrennung irgend etwas besser geworden ist?"

    Da wäre die Selbstverbrennung von Thich Quang Duc (die mit dem bekannten Foto) zu nennen, die zu starken Reaktionen der westlichen Öffentlichkeit - und damit der US-Amerikanischen Politik geführt hat.

    "Man mag es anders empfinden - für mich ist politischer Selbstmord in erster Linie Hinweis auf einen psychischen Defekt. Kampf ist in jedem Falle zu bevorzugen."

    - das kann ich gut verstehen; ich könnte mir aber vorstellen, daß manch einer Kampf und Gewalt an sich als psychischen Defekt ansieht.
    Wahrscheinlich einfach ein Unterschied, der tief in den jeweiligen Kulturen wurzelt.

    Eine Leserempfehlung
    • ST_T
    • 10. November 2012 1:16 Uhr

    Der Dalai Lama hatte auch eine Zeit lang von den Tätigkeiten der CIA profitiert und er profitiert ebenso von dem Attentätern in Tibet die sich gegen die chinesische Regierung stellen.
    Also eine so "gewaltlose" Darstellung ist mitnichten mit der Realität gleichzusetzen.
    Ich halte ihn für einen Politiker, aber mit seiner Arroganz, sich als Oberhaupt der Buddhisten zu präsentieren schießt er weit über das Ziel hinaus, noch dazu, da er etwa den Ausbeuter-Konzern Apple, der übrigens auch in China (!) zu Billiglöhnen produziert, medial unterstützt hat.

    Zum Status Tibets:
    Tatsache ist, dass Tibet Teil Chinas ist.
    Tatsache ist auch, dass China somut die Souveränität über Tibet besitzt.
    Tatsache ist auch, dass China Menschenrechtsverletzungen begeht, aber die Tibeter sind auch bei weitem nicht so glorifiziert "friedlich" wie so gerne behauptet.
    Und die vierte Tatsache ist, dass westliche Medien seit Jahren (wahrscheinlich aufgrund der Angst vor der "gelben Gefahr", wie die ZO ja zur Olympiade schön betitelte) systematisch versuchen, medial durch einseitige Darstellung die Öffentlichkeit zu beeinflussen.

    Ich möchte mal folgende Frage stellen: Wenn Tibet die Freiheit erlangt, was wird aus China?
    China wird auseinanderbrechen weil es "nur" aus Minderheiten besteht und es kein "chinesisches Volk" gibt.
    Natürlich müssen die Bedingungen für die Tibeter verbessert werden, aber das ändert nunmal nichts an den oben dargestellten grundlegenden Tatsachen.

    3 Leserempfehlungen
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    • mick08
    • 10. November 2012 1:51 Uhr

    Was hatt(e) der Dalai Lama denn von der CIA und den Selbsmördern? Das sind ja üble Unterstellungen. Die finanziellen Zuwendungen der CIA an die Exil-Tibeter und den Dalai Lama haben diese genutzt um im Exil Schulen und Verwaltungen aufzubauen, die den Tibetern nutzen. Der Dalai Lama war weder in die Kämpfe der CIA finanzierten Guerilla verwickelt noch befehligte er sie. Er verweigerte explizit spirituelle Führung für die Freiheitsbewegung (Guerilla) der Tibeter. Auch stellt er sich nicht als Oberhaupt der Buddhisten dar.

    China hat als Kolonialmacht Tibet militärisch besetzt und annektiert. Und diese Ungerechtigkeit und das Leid, dass dies den Tibetern antat und tut kann durch nichts gerechtfertigt werden. Natürlich haben uns Ostdeutschen Russland und die kommunistische Propaganda auch eingetrichtert, dass das alles nur für unser Wohl wäre. War es aber nicht.

    "Wenn Tibet die Freiheit erlangt, was wird aus China?"
    1. Die Exil-Regierung fordert Autonomie und keine Unabhängigkeit.
    2. Was aus China wird hängt nicht an erster Stelle von Tibet ab. In jedem Fall würden China mehr Respekt und Vertrauen bekommen, wenn sie den Tibetern Autonomie gewähren oder gar (schön wärs!) ihr Land zurückgeben würden.

    Ich stimme Ihnen aber zum ersten Teil des letzten Satzes zu:
    "Natürlich müssen die Bedingungen für die Tibeter verbessert werden …" Sehe ich auch so. Vielen Dank!

    • Chaled
    • 10. November 2012 10:01 Uhr

    Der Dalai Lama profitierte weder von der Tätigkeit der CIA noch von der der Attentätern gegen China. Ganz im Gegenteil, er lehnte jede nicht gewaltfreie Aktion ab.

    Die „gewaltlose“ Darstellung ist nicht mit der Realität gleichzusetzen. Tibet wurde gewaltsam erobert, alle tibetanischen Soldaten wurden sofort hingerichtet oder in Arbeitslager verschleppt in denen sie dann starben.

    Tibet wird seitdem von China ausgebeutet, geplündert und als „neuen Lebensraum“ missbraucht. China tötete sehr viele tibetanischer Mönche und siedelt massenhafte Chinesen an. Es betreibt extensiven Abbau von Rohstoffen mit der chinaübliche Kontaminierung und Verschandelung der Umwelt in unaussprechlichem Masse.

    Zum Status Tibets:

    Tibet war nie Teil von China und wurde vor 1950 nie von Han-Chinesen regiert. War Tibet von China besetzt, war China ebenfalls besetzt z.B. von den Mongolen.

    China war immer Besatzungsmacht in Tibet. Tibeter halten sich so wenig für Chinesen wie sich Franzosen für Deutsche halten.

    China hat keine Souveränität über Tibet. Die Effektivität tatsächlicher Herrschaftsgewalt über ein Gebiet vermag völkerrechtlich keinen Gebietserwerb zu bewirken.

    Westliche und im besonderen deutsche Medien Stellen durch ihre China-freundliche Berichterstattung die schweren Menschenrechtsverletzungen, Umweltzerstörungen sowie die massiven wirtschaftlichen, soziale, rechtlichen und politischen Benachteiligungen der tibetischen Bevölkerung nicht korrekt dar.

    • mick08
    • 10. November 2012 12:14 Uhr

    Wenn sie sagen: "Wenn Tibet die Freiheit erlangt, was wird aus China?"

    Ich würde mal so fragen: Was hat es China bisher gekostet Tibet zu besetzen und besetzt zu halten?
    - sehr viele Menschenleben – auf beiden Seiten, besonders aber auf Seiten der Tibeter (für deren angebliches Wohl das ja alles sein soll)
    - sehr viel Geld, auch durch den massiven Polizei und Militäreinsatz der die Tibeter kontrollieren soll und der ignoranten Idee, dass allein materielles Wohl Tibeter zufrieden machen würde
    - internationaler Verlust an Ansehen, Misstrauen, Heuchelei (China hat nicht die Herzen der Tibeter gewonnen – ganz im Gegenteil – und die Tibeter entziehen mittlerweile China sogar durch die Selbstverbrennung die Kontrolle über ihre Körper)
    - Tibet bindet viele Ressourcen von China ohne die Herzen der Menschen zu gewinnen (Harmonie kann man nicht mit Waffen und Geld erzwingen)

    Sie können auch fragen, was hat die Freiheit den Ostdeutschen gebracht? Was wurde aus Russland? Russland konnte seine Ressourcen abziehen und kann sie für den Aufbau des eigenen Landes verwenden. Freiheit bringt Verlust an Macht für die Mächtigen, deshalb wird sie von Despoten gefürchtet.

    • war-hog
    • 10. November 2012 13:45 Uhr

    "Tatsache ist, dass Tibet Teil Chinas ist.
    Tatsache ist auch, dass China somut die Souveränität über Tibet besitzt."

    Wieso ist Tibet Teil Chinas?
    Mit welcher Berechtigung?

    Weil Russen und Briten das irgendwann mal so beschlossen haben?

    Erklären sie es mir,bitte.

    dass China gegen das "17-Punkte-Abkommen zur friedlichen Befreiung Tibets" verstösst.

    Inhalt des Abkommens ist die Zusicherung innenpolitischer Autonomie (!) und Religionsfreiheit (!) Tibets von Seiten der Volksrepublik China.

    Ganz unabhängig davon, ob Tibet Teil Chinas ist oder nicht:

    China bricht Menschenrechte. Wie wir wissen nicht nur in Tibet, sondern auch in allen anderen Teilen Chinas.

    • mick08
    • 10. November 2012 1:26 Uhr

    das können weder Sie noch sonst jemand beurteilen. Das können nur die wissen, die sich selbst so grausam töten – furchtbar.

    Hass oder Nicht-Hass ist eine Emotion, basierend auf Gedanken und diese kann eben keiner wirklich wissen, außer der Person, die sie denkt / empfindet. Einige der sich selbst verbrennenden Tibeter sehen das als Opfer für Ihr Land, als "Lichtopfer" sogar. Sie haben keinen Gedanken "gegen China" geäußert, sondern f ü r Ihre religiöse Freiheit und f ü r die Rückkehr des Dalai Lama. Das mag alles fremd für Westler sein, aber es ist eben so, dass Tibeter eher tief religiös sind, ein Umstand den China mit seiner materiell-kapitalistischen Orientierung völlig ausblendet und wenige Westler wirklich nachvollziehen können. China denkt, wenn sie den Mönchen und Nonnen Geld geben, geht es ihnen besser … so eine Dummheit und Arroganz! Und Mönche und Nonnen werden nach wie vor in der tibetischen Gesellschaft sehr respektiert und sind hoch angesehen.

    In jedem Fall ist es traurig. Es wäre schön, wenn diese Taten nicht mehr nötig wären. Ob sie von Fanatismus sprechen, das weiß ich nicht. Was ich aber deutlich sehe ist, dass die Autoren des Artikels den Tibetern ihre Interpretation der Ereignisse keinen Glauben schenken, eher anzweifeln und sich in gewisser Weise klüger dünken.

    Trotzdem, der Artikel wirft mal ein paar neue Blickwinkel auf, ohne allerdings in die Tiefe zu gehen.

    2 Leserempfehlungen
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    • spalter
    • 10. November 2012 2:24 Uhr

    Es stimmt natürlich, ich weiß nicht, was wirklich in den Köpfen speziell dieser tibetischen Mönche vor sich geht.

    Ich wollte damit auch gar nicht den Tibetern das Recht auf Wut und Hass absprechen. Ich finde, sie haben Grund genug, die Chinesen zu hassen.

    Aber ich glaube nicht, dass solch extreme Taten ohne eine immense Wut, sprich Hass, möglich wären. Ich glaube, das sind letztlich Menschen wie alle anderen auch, und mit meinen bescheidenen psychologischen Erkenntnissen und Erfahrungen glaube ich sagen zu können, dass dahinter nicht "nur" Verzweiflung steckt. Sich aufzuhängen wäre vielleicht eine reine Verzweiflungstat, aber sich öffentlich zu verbrennen, das ist ein Frontalangriff gegen die chinesische Besatzungsmacht. Es ist im Prinzip ein Selbstmordattentat, nicht gegen unschuldige Menschen, aber gegen die chinesische Besatzung.

    Ich kann nicht glauben, dass auch nur einer dieser Mönche keinen Hass empfindet auf China. Vielleicht nicht mal bewusst, aber innerlich. Es sind Menschen, und wenn sie sich existenziell von brutaler Ungerechtigkeit bedroht fühlen, dann müssen sie hassen. Wenn sie keine Übermenschen sind (was ich nicht glaube), dann muss ihr Hass gewaltig sein.

    Und wenn sie dann ihr eigenes Leben vernichten im Kampf gegen diese Ungerechtigkeit, dann frage ich mich: wie soll das ohne Hass möglich sein?

    Wie gesagt, ich will nicht in Frage stellen, dass sie Grund zu Verzweiflungstaten hätten. Ich finde es nur unglaubwürdig zu sagen, da wäre kein Hass im Spiel.

    • mick08
    • 10. November 2012 1:34 Uhr

    Eine Sache die leider ausgeblendet wurde (oder nicht gewusst wird) von den Autoren ist außerdem, dass Tibeter, die friedlich demonstrierten, wieder und wieder verhaftete wurden und häufig so stark gefoltert wurden, dass sie wenn sie aus dem Gefängnis kamen, sie so geschädigt waren, dass einige von ihnen sowie so sterben mussten. So werden wahrscheinlich auch einige Tibeter, die einfach nur protestieren wollen, sich denken, dann kann ich mich auch gleich verbrennen, wenn nach dem Protest eh nur Knast und Folter auf mich warten. Diese "Radikalisierung" hat vielleicht weniger mit religiösem Fanatismus zu tun, als mit Aussichtslosigkeit, so wie es auch die Tibeter selbst sagen. Wer treibt denn die unter chinesicher Besatzun groß gewordenen und den "Segnungen Chinas" ausgesetzten Tibeter in die Radikalisierung? Die Religion oder die Politik der Chinesen? Vor der Besetzung durch China gab es keine solchen Proteste. Die Zeit Redakteure scheinen diesen Umständen aber keine Beachtung zu schenken. In dem Zuammenhang wäre auch zu beachten, dass Zeugen berichteten, dass Verbrennungsopfer die überlebten sogar noch von chinesischen Militärs gedemütigt und geschlagen worden sein soll.

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    • Moriaan
    • 10. November 2012 1:47 Uhr

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie einen konstruktiven Beitrag leisten möchten. Danke, die Redaktion/ls

    • Moriaan
    • 10. November 2012 1:47 Uhr
    13. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie einen konstruktiven Beitrag leisten möchten. Danke, die Redaktion/ls

    • mick08
    • 10. November 2012 1:51 Uhr

    Was hatt(e) der Dalai Lama denn von der CIA und den Selbsmördern? Das sind ja üble Unterstellungen. Die finanziellen Zuwendungen der CIA an die Exil-Tibeter und den Dalai Lama haben diese genutzt um im Exil Schulen und Verwaltungen aufzubauen, die den Tibetern nutzen. Der Dalai Lama war weder in die Kämpfe der CIA finanzierten Guerilla verwickelt noch befehligte er sie. Er verweigerte explizit spirituelle Führung für die Freiheitsbewegung (Guerilla) der Tibeter. Auch stellt er sich nicht als Oberhaupt der Buddhisten dar.

    China hat als Kolonialmacht Tibet militärisch besetzt und annektiert. Und diese Ungerechtigkeit und das Leid, dass dies den Tibetern antat und tut kann durch nichts gerechtfertigt werden. Natürlich haben uns Ostdeutschen Russland und die kommunistische Propaganda auch eingetrichtert, dass das alles nur für unser Wohl wäre. War es aber nicht.

    "Wenn Tibet die Freiheit erlangt, was wird aus China?"
    1. Die Exil-Regierung fordert Autonomie und keine Unabhängigkeit.
    2. Was aus China wird hängt nicht an erster Stelle von Tibet ab. In jedem Fall würden China mehr Respekt und Vertrauen bekommen, wenn sie den Tibetern Autonomie gewähren oder gar (schön wärs!) ihr Land zurückgeben würden.

    Ich stimme Ihnen aber zum ersten Teil des letzten Satzes zu:
    "Natürlich müssen die Bedingungen für die Tibeter verbessert werden …" Sehe ich auch so. Vielen Dank!

    4 Leserempfehlungen
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    • ST_T
    • 10. November 2012 19:14 Uhr

    Ist das, was der Dalai Lama fordert Separatismus.
    Und das es dabei auch militante Aktionen gibt ändert nichts an der Tatsache, dass diese ihm im Endeffekt auch zu Gute kommen.
    Und zum Oberhaupt: Er wird in den Medien gerne so dargestellt, und da er selbst nicht widerspricht, so ist es eine indirekte Zustimmung. Das sehe ich ihm nach.

    Thema China/Tibet:
    Ja, das gibt es aber leider überall.
    Juden haben palästinensisches/arabisches Land annektiert, Deutschland hat Elsaß und Lothringen in zwei Kriegen verloren (neben Ostpreußen), viele chinesische Minderheiten haben auch ihre Gebiete verloren.
    Würde man nach jeder Grenzziehung nachgehen dann gäbe es in Europa sicherlich keinen Frieden ebenso wie in der restlichen Welt. Die üblichen Geplänkel im gelben Meer zeigen, wieviel noch im Argen liegt.

    Ich wollte aber explizit auf HEUTIGEN Stand zu sprechen kommen und nicht auf historische Mutmaßungen über den Stand Tibets. Fakt ist, dass es einen solchen Fall bisher nicht gab...

    Nicht das wir uns falsch verstehen: Ich bin weit davon entfernt pro-chinesisch argumentieren zu wollen, allerdings sind solche Konflikte nunmal nicht nur von einer Seite zu betrachten. Zweitens ist ein positiver Effekt einer Abspaltung von China mehr als fragwürdig, vor allem da bestimmte Gruppierungen andere Ziele verfolgen als der Dalai Lama. Drittens sollte man lieber die Lebensbedingungen der Menschen verbessern...

    • spalter
    • 10. November 2012 2:24 Uhr

    Es stimmt natürlich, ich weiß nicht, was wirklich in den Köpfen speziell dieser tibetischen Mönche vor sich geht.

    Ich wollte damit auch gar nicht den Tibetern das Recht auf Wut und Hass absprechen. Ich finde, sie haben Grund genug, die Chinesen zu hassen.

    Aber ich glaube nicht, dass solch extreme Taten ohne eine immense Wut, sprich Hass, möglich wären. Ich glaube, das sind letztlich Menschen wie alle anderen auch, und mit meinen bescheidenen psychologischen Erkenntnissen und Erfahrungen glaube ich sagen zu können, dass dahinter nicht "nur" Verzweiflung steckt. Sich aufzuhängen wäre vielleicht eine reine Verzweiflungstat, aber sich öffentlich zu verbrennen, das ist ein Frontalangriff gegen die chinesische Besatzungsmacht. Es ist im Prinzip ein Selbstmordattentat, nicht gegen unschuldige Menschen, aber gegen die chinesische Besatzung.

    Ich kann nicht glauben, dass auch nur einer dieser Mönche keinen Hass empfindet auf China. Vielleicht nicht mal bewusst, aber innerlich. Es sind Menschen, und wenn sie sich existenziell von brutaler Ungerechtigkeit bedroht fühlen, dann müssen sie hassen. Wenn sie keine Übermenschen sind (was ich nicht glaube), dann muss ihr Hass gewaltig sein.

    Und wenn sie dann ihr eigenes Leben vernichten im Kampf gegen diese Ungerechtigkeit, dann frage ich mich: wie soll das ohne Hass möglich sein?

    Wie gesagt, ich will nicht in Frage stellen, dass sie Grund zu Verzweiflungstaten hätten. Ich finde es nur unglaubwürdig zu sagen, da wäre kein Hass im Spiel.

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    • mick08
    • 10. November 2012 12:25 Uhr

    Vielen Dank für Ihren Kommentar.

    Wie Sie selbst an Ihrem Kommentar sehen können, übertragen Sie das eigene Wertesystem und kulturell-psychologische Verständnis auf Tibeter und schlussfolgern damit, dass da Hass dahinter stehen muss – immenser sogar.

    Das ist aber nicht zwangsläufig der Fall. Es kann sein, es muss nicht sein. Dazu muss man allerdings das Wertesystem und die Kultur der Tibeter sehen und verstehen. Für Tibeter und speziell Mönche und Nonnen ist klar, dass alle Handlungen aus Hass an sich negativ sind und negative Konsequenzen haben. Deshalb werden die meisten versuchen mit einer positiven Motivation für eine Sache ihr Leben "darzubringen". Man kann das auch den Abschiedsbriefen oder Testamenten die sich selbst verbrennende Tibeter hinterließen direkt entnehmen.Ich vermute das ist die Basis dafür, dass die Autoren eine "religiöse Radikalisierung" dahinter vermuten – was allerdings zu kurz greift.

    Nun ist nicht jeder Tibeter oder Mönch/Nonne ein Heiliger, aber die Ideale werden doch zumindest bewundert und manchmal auch gelebt: So äußerte sich ein Mönch der in chinesischer Haft gefolterte wurde und nach Jahren nach Indien fliehen konnte auf die Frage des Dalai Lama: "Und was war die größte Gefahr für Dich in der Zeit Deiner Haft? Gab es da große Gefahren?" "Ja, diese gab es. Ich stand mehrmals davor mein Mitgefühl für die chinesischen Folterer zu verlieren."

    Tibeter kannten bis mindestens 1960 auch keinen Selbst-Hass oder Minderwertigkeitsgefühle.

    • nuvalis
    • 10. November 2012 2:30 Uhr

    Ich moechte folgenden Link nahelegen, in dem eine halbstuendige Dokumentation sehr genau Auskunft gibt ueber die Entstehung und Hintergruende der Selbstverbrennungen, und deren Interpretation jenseits seichter Vorstellungen erleichtert:
    http://tibetgermany.com/s...

    Der Artikel der Zeit bringt leider nicht die gebotene Ernsthaftigkeit in seinen Recherchen auf. Er ist unertraeglich seicht und fokusiert nicht tief genug.
    Trotzdem ist es erfreulich, dass das Thema in dem Medien praesent bleibt.
    Ein Hauptgrund , warum Selbstverbrennungen passieren, ist auch in der anbiedernde Haltung der Wirtschaft und Globalpolitik gegenueber China zu finden. Wuerde die internationale Gemeinschaft und jeder einzelne klar fuer die Wuerde und kulturellen und politischen Selbstbestimmungsrechte der Tibeter einstehen, wuerden sich die Selbstverbrennungen als Ausduck hoechster Verzweiflung und hoechster Entschlossenheit, diese gewaltfrei zum Ausdruck zu bringen, sich eruebrigen.

    3 Leserempfehlungen
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    • mick08
    • 10. November 2012 14:50 Uhr

    hier äußern sich Tibeter selbst und nicht Westler über Tibeter. Vielen Dank für den Link.

    (hier noch einmal für die, die es interessiert: http://tibetgermany.com/s... )

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Tibet | Brille | Buddhismus | China | Lama | Exil
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