Aktuelle StundeRegierung lehnt Lockerungen für Asylbewerber ab

Das Innenministerium hat die Residenzpflicht für Asylbewerber gegen Kritik im Bundestag verteidigt. Die Opposition stellte sich auf Seiten der Flüchtlinge. von dpa, dapd und

Vor dem Brandenburger Tor in Berlin protestieren Asylbewerber für mehr Bewegungsfreiheit, die Bundesregierung aber lehnt eine Lockerung der sogenannten Residenzpflicht ab. Die Auflage, wonach Flüchtlinge die ihnen zugewiesenen Landkreise nicht verlassen dürfen, habe sich bewährt, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Innenministerium , Ole Schröder ( CDU ), in einer von den Linken beantragten Aktuellen Stunde im Bundestag. Mit dieser Regelung könnten etwa die Anerkennungsverfahren verkürzt werden.

Reinhard Grindel von der Unionsfraktion sagte, man dürfe nicht signalisieren, dass es attraktiv sei, nach Deutschland zu kommen. Um Missbrauch beim Asylrecht zu verhindern, müsse man stattdessen das Sozialleistungsniveau in der Europäischen Union anpassen. Hartfried Wolff von der FDP beschied der Koalition ein herausragendes Abschneiden bei der Asylpolitik.

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Die Oppositionsparteien kritisieren in der Aussprache die Unions- und FDP-Fraktionen für ihre Haltung. Die Thüringer SPD-Abgeordnete Daniela Kolbe forderte mehr Bewegungsfreiheit für die auf Asyl wartenden Flüchtlinge und rechtliche Änderungen. "Am absurdesten ist die Residenzpflicht", sagte sie. Der Grünen-Politiker Josef Philip Winkler sprach von einer Verhöhnung der Flüchtlinge.

Die Residenzpflicht legt fest, wo sich Asylbewerber aufhalten dürfen, meist ist das auf den Landkreis beschränkt. Die Flüchtlingsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer , hatte empfohlen, die Regel abzuschaffen.


Halina Wawzyniak von der Linksfraktion, die die Aktuelle Stunde beantragt hatte, forderte die Bundesregierung auf, "dieses diskriminierende Regelwerk" endlich abzuschaffen. Mit menschenunwürdigen und rechtswidrigen Mitteln werde versucht, Asylbewerbern das Leben schwer zu machen.

Seit Anfang Oktober protestieren am Brandenburger Tor Asylbewerber gegen die Residenzpflicht. Sie fordern zudem, Gemeinschaftsunterkünfte abzuschaffen sowie einen Abschiebestopp. Vor Tagen verlangten sie, offiziell mit Abgeordneten des Bundestages sprechen zu können . Die SPD-Parlamentarierin Kolbe und weitere Oppositionsvertreter waren bereits dort. Erschwert ist der Dauerprotest durch Auflagen der Versammlungsbehörde, die etwa das Mitbringen von Schlafsäcken verbietet.

Evangelische Kirche solidarisch

Im September waren 20 Demonstranten in Würzburg zu dem Protestmarsch in die Hauptstadt aufgebrochen. 28 Tage und fast 600 Kilometer waren sie unterwegs. Im Laufe des Marsches schlossen sich weitere Asylbewerber und Sympathisanten an.

Die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) – das oberste Kirchenparlament  – erklärte sich solidarisch mit den Flüchtlingen. Sie forderte den EKD-Rat auf, sich bei der Bundesregierung und den Fraktionen unter anderem für eine Abschaffung der Residenzpflicht einzusetzen. Gemeinsam mit anderen europäischen Kirchen wolle man "weiterhin aufmerksam und konsequent" die Situation beobachten und für menschenwürdige Lebensbedingungen von Flüchtlingen eintreten, hieß es.

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Leserkommentare
  1. sind auf eigenes Risiko gekommen, und man kann ja wohl von ihnen erwarten, dass sie die Ayslregelungen der Regierung respektieren. Ausserdem geht es ihnen so schlecht nicht. Beispiel: eine 6 koepfige Roma-Familie aus Mazedonien stellte einen Asylantrag in Unna, lebt in einem recht ordentlichen Heim und erhaelt insgesamt eine Unterstuetzung von ca. 1700 euro.

    Das haben deutsche H4 Empfaenger nicht.

    PS: es ist nicht bekannt, dass Romas in Mazedonien politisch verfolgt wuerden.

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    Warum zum Teuel stellen Sie Asylanten, HartzIV-Empfängern gegenüber?

    Beide haben ein Anrecht auf ein menschenwürdiges Leben. Beide haben in dem bundesrepublikanischen System diese Menschenwürde aktiv einzufordern.

    wenn ein Mensch, dem es augenscheinlich blendend geht, sich über die hermacht, die am unteren Rand leben. Und natürlich haben sie immer hervorragende Beispiele, mit denen sie alle über einen Kamm scheren. Menschen kommen zu uns, weil sie in Not leben und nicht selten haben sie Erfahrungen gemacht, die ich diesem hartherzigem Schreiber und seinen ebenso kalten Befürwortern gönne. Vielleicht hülfe es ihrem Verstand ein wenig auf die Sprünge, wenn ihre Herzen schon nicht erreichbar sind.

  2. Asyl ich richtig und wichtig, das steht vollkommen außer Frage. Wer ernsthaft politisch verfolgt wird aufgrund seines Glaubens, seiner Herkunft etc. hat NATÜRLICH das Recht darauf, Asyl zu beantragen.

    Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass die Regeln darüber immer noch von den Asyl gewährenden Ländern vorgegeben werden. Jedes Land bestimmt selbst, in welcher Weise es zu helfen bereit ist.
    Deutschland investiert, nach den USA, am meisten in die Entwicklungshilfe, vor einigen Monaten erschienen Studien die belegen, dass Deutschland derzeit auch die meisten Flüchtlinge beherbergt.

    Niemand ist dazu gezwungen, dier einen Asylantrag zu stellen. Es existieren etliche Länder, die ebenfalls bereit zur Aufnahme bereit sind. Außerdem gibt es natürlich kein Recht auf Asyl, sofern man aus wirtschaftlichen Gründen einreisen möchte. Bei diesem Wunsch gibt es normale Einreisewege über den Antrag auf ein Visum und die Wahrnehmung von Arbeitsplätzen, die für qualifizierte Bewerber angeboten werden.

    Alles im Rahmen der Gesetze.

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  3. Warum zum Teuel stellen Sie Asylanten, HartzIV-Empfängern gegenüber?

    Beide haben ein Anrecht auf ein menschenwürdiges Leben. Beide haben in dem bundesrepublikanischen System diese Menschenwürde aktiv einzufordern.

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Die Asylanten"
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    • Thetis
    • 08. November 2012 13:06 Uhr

    Sie meinen, die Roma haben das Recht versorgt zu werden und die deutschen Steuerzahler müssen das erarbeiten?

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/se

    • NeoZech
    • 08. November 2012 7:12 Uhr

    Deutschland zu kommen."

    Das Grundprinzip deutscher Politik. Es ist ja auch nicht attraktiv, in Deutschland zu bleiben.

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    • sharia
    • 08. November 2012 8:44 Uhr

    die residenzpflicht für asylsuchende so toll fanden, konnte man sie auf andere ausdehnen. es finden sich immer welche, die gute gründe dafür anführen können. denn der satz "residenzpflicht beschleunigt anerkennungsverfahren" läßt sich problemlos umschreiben in "residenzpflicht beschleunigt arbeitsvermittlung". wenn sich dann alle daran gewöhnt habe, dass dies bei arbeitslosen so ist - wer ist dann als nächstes dran? hausfrauen? alleinerziehende?versicherungsvertreter? - das mag erst mal absurd scheinen. aber: gründe dafür, warum eine ganz bestimmte gruppe in ihrer freizügigkeit eingeschränkt werden sollte, finden sich immer. und sie werden denen, die nicht zu dieser gruppe gehören, immer vernünftig erscheinen.

    dabei wird immer gern vergessen: residenzpflicht zieht kontrolle nach sich. über das ganze leben der ihr unterliegenden, nicht nur über ihre bewegungsfreiheit. wer jedes mal, wenn er den landkreis verlassen möchte, einen antrag stellen muß, der liefert der behörde ein bewegungsbild frei haus. dabei: was geht es eine behörde an, wie oft wer zu UNHCR, dem anwalt, dem behandlungszentrum für folteropfer, in die stabi, zur amnesty, zur caritas/diakonie, zu freunden und familie, zu politischen veranstltungen etc. möchte?

    unser GG ist nicht anwendbar auf asylsuchende? da staune ich aber! hat das BVerfG in sachen asylbewerberleistungsG doch gerade unser GG auf asylsuchende angewandt. sollten etwa unsere allerhöchsten verfassungsrichter die verfassung gebrochen haben?

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    • TDU
    • 08. November 2012 9:27 Uhr

    "Die Thüringer SPD-Abgeordnete Daniela Kolbe forderte mehr Bewegungsfreiheit für die auf Asyl wartenden Flüchtlinge und rechtliche Änderungen. "Am absurdesten ist die Residenzpflicht", sagte sie. Der Grünen-Politiker Josef Philip Winkler sprach von einer Verhöhnung der Flüchtlinge."

    Die Residenzpflicht und das Arbeitsverbot haben die doch nun jahrzehnte toleriert. Und zwar vermutlich auch mit Gründen. Jetzt wird wieder Stimmung gemacht, statt sich um die Sache zu bemühen.

    Denn alle wissen genau, dass die Residnezplicht, wenn sie aufgehoben wird mehr Bürokratie schafft. Wechselt ein Anspruchsinhaber auf Transferleistungen das Bundesland wirds zum Streit kommen, wer zahlt.

    Es ist einfach zum Kotzen wie sich hier wieder profiliert wird mit Parolen, ohne überhaupt Lösungen parat zu haben.

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  4. und die Residenzpflicht in meinen Augen auch nicht. Ich staune immer, was in Deutschland alles gegen die Menschenwürde verstößt, was in anderen, zugegeben deutlich ärmeren, Ländern täglicher Standard ist.
    Meiner Meinung nach ist das Problem auch nicht die Residenzpflicht, sondern dass der Schwebezustand zwischen Antrag und Entscheidung so lange andauert. Würden die Asylanträge schneller abgearbeitet, wäre verutlich auch die Residenzpflicht kein Thema mehr.

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    • gooder
    • 07. November 2012 21:37 Uhr

    Das hätte die Opposition auch schon tun können, als die heutigen Opposition aus SPD und Grünen, zwischen 1998 und 2005 keine Oppositionsparteien waren,sondern die Möglichkeit gehabt hätten, die Gesetze zu ändern.
    Die Linke empfand die Residenzpflicht schon immer für unsäglich,SPD und Grüne haben das offensichtlich erst heute erkannt.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, dapd, tst
  • Schlagworte Bundesregierung | Regierung | CDU | Innenministerium | Unionsfraktion | Asyl
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