RundfunkBBC-Chef George Entwistle tritt zurück

Ein falscher Missbrauchsvorwurf gegen einen früheren Politiker kostet den Generaldirektor des britischen Senders seinen Job. Zuvor hatte er sich öffentlich entschuldigt. von afp, dpa und dapd

BBC-Direktor George Entwistle

BBC-Direktor George Entwistle  |  © Carl Court/AFP/Getty Images

Der Generaldirektor des britischen Senders BBC , George Entwistle, ist wegen eines umstrittenen Beitrags über eine Missbrauchsaffäre zurückgetreten. "Ich habe beschlossen, dass es ein Gebot der Ehre ist, das Amt des Generaldirektors aufzugeben", sagte Entwistle am Samstagabend in London . Als Generaldirektor sei er "letztlich verantwortlich für den gesamten Inhalt" der BBC-Sendungen. Der Film hätte niemals gezeigt werden dürfen. In dem Beitrag hatte die BBC den ehemaligen Schatzmeister der Konservativen Partei, Alistair McAlpine , als vermeintlichen Täter ins Spiel gebracht.

Als er mit 23 Jahren Erfahrung als Produzent und Leiter bei der BBC an die Spitze des Senders berufen worden sei, sei er die anstehenden Herausforderungen und Chancen zuversichtlich angegangen, sagte Entwistle. "Aber nach den gänzlich ungewöhnlichen Ereignisse der vergangenen Woche bin ich zur Erkenntnis gelangt, dass die BBC einen anderen Direktor berufen sollte." Entwistle war erst vor acht Wochen zum Generaldirektor der Sendergruppe ernannt worden.

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Die BBC hatte sich bereits am Freitagabend bei McAlpine entschuldigt . Am Samstag hatte Entwistle dem BBC-Radio zunächst gesagt, die Ausstrahlung des Berichts der Sendung Newsnight sei "grundlegend falsch" gewesen. "Was hier passiert ist, ist vollkommen inakzeptabel. Ich habe klare und entschiedene Schritte veranlasst, um herauszufinden, was passiert ist und um die Dinge geradezurücken." Am Abend dann trat der BBC-Chef vor die Fernsehkameras und erklärte seinen Rücktritt. Auch George Monbiot , Kolumnist des Guardian , entschuldigte sich. Er hatte den Namen von McAlpine in einer Twitter-Kurznachricht erwähnt. 

Auch Opfer widerspricht Vorwürfen gegen McAlpine

Newsnight hatte in den vergangenen Tagen über Steve M. berichtet, der in den siebziger Jahren in einem Kinderheim in Wales missbraucht worden war. Obwohl der Täter in der Sendung nicht namentlich identifiziert wurde, kursierte kurz darauf im Internet das Gerücht, es handele sich um McAlpine. Der frühere Schatzmeister der Konservativen bestritt am Freitag die Vorwürfe, und auch Steve M. selbst teilte mit, dass es sich bei McAlpine nicht um den Täter gehandelt habe.

In seiner Entschuldigung hatte Entwistle eingeräumt, dass der Newsnight -Beitrag dem Vertrauen in die BBC geschadet habe. Vor seinem Rücktritt sagte er zudem, vor der Ausstrahlung keine Kenntnis von der umstrittenen Sendung gehabt zu haben. Rückblickend hätte er sich gewünscht, dass man sich in der Angelegenheit an ihn gewandt hätte.

Missbrauchsskandal um Savile belastet BBC

Die BBC muss sich seit einigen Wochen mit scharfer Kritik auseinandersetzen , die sich an einem Missbrauchsskandal um den ehemaligen Moderator Jimmy Savile entzündet. Scotland Yard hat inzwischen wegen des Verdachts auf "Missbrauch in noch nie dagewesenem Ausmaß" durch den Fernsehmoderator Ermittlungen eingeleitet. Die Polizei hat Hinweise darauf, dass Savile rund 40 Jahre lang Kinder missbrauchte. Sie geht von 300 möglichen Opfern aus. Savile war 2011 im Alter von 84 Jahren gestorben. Im Zusammenhang mit dem Skandal wurden bereits mehrere britische Prominente wegen Missbrauchsvorwürfen festgenommen. 

Die Verantwortlichen bei der BBC sehen sich mit der Frage konfrontiert, wer in der renommierten Sendeanstalt von den Vorgängen gewusst hat. 2006, als Savile nach mehr als 40 Jahren die letzte reguläre Sendung seiner Reihe Top of the Pops moderiert hatte, waren Spekulationen über die Missbrauchsfälle schon im Umlauf gewesen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, dapd, nf
  • Schlagworte BBC | Moderator | Sender | Sendung | Ermittlung | Internet
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