Der Abschlussbericht der Untersuchungskommission zum Abhörskandal bei der britischen Boulevardzeitung "News of the World" © Andrew Winning/Reuters

Die Kommission zur Aufklärung der Abhöraffäre um die britische Boulevardzeitung News of the World hat ihren 2.000 Seiten umfassenden Abschlussbericht vorgelegt. Als Konsequenz fordert sie, skrupelloses Verhalten von Pressevertretern durch ein neues Gesetz zu regulieren. "Es ist zu oft vorgekommen, dass Teile der Presse bei der Jagd nach einer Story sich so verhalten haben, als ob ihr eigener Verhaltenskodex einfach nicht existiere", sagte Richter Brian Leveson, der Leiter der sechsköpfigen Kommission.

Leveson warf einigen britischen Journalisten vor, dass sie mit ihrem Vorgehen nicht nur für Prominente, sondern auch für normale Bürger tragische Ereignisse "viel, viel schlimmer gemacht" hätten. Dieses Verhalten könne nur "abscheulich" genannt werden. Der Kommissionsvorsitzende kritisierte außerdem das Verhältnis zwischen Presse und Politik als zu eng.

Bislang reguliert die britische Presse sich über eine Beschwerdekommission, die sich aus Medienvertretern zusammensetzt – Kritiker bezeichnen sie jedoch als "zahnlosen Tiger". Über eine veränderte Regelung zur Kontrolle durch ein unabhängiges Gremium müssen Parlament und Regierung entscheiden. Das britische Unterhaus will am Montag über Schlussfolgerungen aus dem Bericht debattieren.

Premierminister David Cameron wandte sich gegen die zentrale Forderung der Kommission, die Presse stärker durch ein Kontrollorgan zu regulieren: Ein Gesetz könne das Recht auf freie Meinungsäußerung verletzen und gegen die Pressefreiheit verstoßen. Das britische Parlament sei über Jahrhunderte ein Bollwerk der Demokratie gewesen, und die Abgeordneten sollten sehr sorgfältig nachdenken, bevor sie diese Linie überschreiten würden, sagte der konservative Premierminister laut Guardian.

Die Kommission war im Juli 2011 von Cameron eingesetzt worden, nachdem bekannt wurde, dass Journalisten von News of the World jahrelang Handy-Mailboxen von Prominenten, Angehörigen getöteter Soldaten und Kriminalitätsopfern abgehört hatten. Acht Monate wurden Opfer des Abhörskandals befragt, darunter Schauspieler und andere Prominente, aber auch Politiker, Ermittler und Medienvertreter. Der Medienunternehmer Rupert Murdoch hatte sich nach Aufdeckung der Affäre gezwungen gesehen, die 168 Jahre alte Zeitung News of the World einzustellen.