Selbst die geschichtswissenschaftliche Aufklärung hat die Stadt anderen überlassen. Das Museum Haus am Checkpoint Charlie tut so, als sei es die offizielle Erinnerungsstätte am Ort. In Wahrheit ist es die überwiegend konzeptlose, vom kalten Krieg ideologisch geprägte Privatveranstaltung der Museums-Chefin Alexandra Hildebrandt. Welcher Tourist weiß das?

Wer kann sich vorstellen, dass genau hier, in der Zimmerstraße, die Mauer verlief? Man kann Erinnerung auf einem riesigen Rundum-Foto zeigen, wie es das Panorama von Yadegar Asisi derzeit tut . Oder auf dem Computer, wie beispielsweise das Cultural Institute von Google . Virtuell aber berührt Geschichte kaum. Menschen brauchen Anschauung, gerade wenn sie die Geschichte nicht selbst erlebt haben.

Deutlich gezeigt hat sich das vor ein paar Jahren. Da nämlich hatte besagte Alexandra Hildebrandt die Idee, ein Stück der Mauer am Checkpoint Charlie wieder aufzubauen. Was wurde im Vorfeld darüber gezetert ! Der Senat versuchte das Projekt zu verhindern, die Berliner Medien schimpften fast unisono: Skandal, die Mauer wird wieder aufgebaut!

Wow-Effekt

Doch als das Mauerstück in der Zimmerstraße stand, war man schwer beeindruckt von der trennenden Wucht dieses Bauwerks. Was kümmerte es da, dass es aus geschichtswissenschaftlicher Sicht nicht alles stimmte. Dass Hildebrand den ehemaligen Todesstreifen gleichzeitig mit furchtbar plakativen Holzkreuzen hatte zupflastern lassen. Alles egal. Was zählte, war die Ansicht einer meterhohen Mauer mitten in der Stadt. Es war ein Wow-Effekt. 2005 wurde das Mauerstück schließlich weggeklagt .

Berlin sollte aufhören, Erinnerung wie billigen Tand zu verkaufen. Immerhin gibt es Überlegungen, auf einer von zwei Brachen am Checkpoint Charlie ein staatliches Museum zum Kalten Krieg einzurichten. Wenn die Stadt es ernst meint, baut sie genau dort die Mauer wieder auf.