Bei einem Brand in einer Behindertenwerkstatt im Schwarzwald sind 14 Menschen ums Leben gekommen. Sie starben nach Angaben der Polizei vermutlich direkt durch das Feuer oder vergifteten sich durch Rauch. Zudem erlitten sieben Menschen Verletzungen.

In dem Ort Titisee-Neustadt war eine Einrichtung des katholischen Wohlfahrtverbandes Caritas in Brand geraten. In dem Haus befanden sich etwa 120 Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung. Feuerwehrleute mit schwerem Atemgerät bargen etwa 50 Menschen aus dem brennenden und völlig verrauchten Gebäude. Viele flüchteten auch aus eigener Kraft ins Freie.

Die Einsatzkräfte konnten den Brand vollständig löschen, die Bergung der Opfer ist beendet. "Das Gebäude ist leer, es gibt keine weiteren Toten", sagte ein Polizeisprecher. Unter den Opfern sind Betreuer und Behinderte.

In den Werkstätten wird Holz verarbeitet, die Beschäftigten montieren zudem Elektroteile. Nach Angaben der Polizei soll es in einem Lagerraum am Nachmittag eine Explosion gegeben haben. Ob in dem Raum Chemikalien gelagert worden seien, sei noch unklar, hieß es.

Feuerwehr und Rettungsdienste waren mit einem Großaufgebot im Einsatz. Die Polizei richtete in einer benachbarten Spedition eine Personensammelstelle ein.

Auf einer Pressekonferenz informierten Verantwortliche und Katastrophenhelfer über den Stand der Dinge. Alarmiert wurde die Feuerwehr demnach durch eine automatische Brandmeldeanlage in dem Gebäude. Kurz danach riefen viele Nachbarn den Notruf an: Der erste schilderte, er habe ein explosionsartiges Geräusch gehört. Als die Feuerwehrleute eintrafen, seien ihnen auf der Straße schon viele Menschen in Panik entgegengelaufen, hieß es.

Anteilnahme und Bestürzung

Landesweit reagierten Verantwortliche bestürzt. Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) äußerte sich erschüttert. Die Nachricht über das schreckliche Ausmaß des Unglücks habe ihn "zutiefst getroffen", sagte er. In Gedanken sei er bei den Opfern. Sein tiefes Mitgefühl gelte ihren Angehörigen. "Ganz Baden-Württemberg trauert mit ihnen."

Sozialministerin Katrin Altpeter ( SPD ) sprach den Angehörigen ihr Beileid aus. Ihre Gedanken seien auch bei den Verletzten, sagte sie. Der Ministerpräsident besichtigte mit Innenminister Reinhold Gall (SPD) den Unglücksort, um sich über die näheren Umstände zu informieren. Medienvertreter waren bei dem Rundgang nicht zugelassen.

Die Caritas-Führung äußerte sich entsetzt über das Unglück. "Wir sind völlig fassungslos, wie in einer modernen und gut ausgestatteten Werkstatt am helllichten Tag eine solche Katastrophe passieren kann", sagte der Stellvertreter des Vorstands, Rainer Gantert. Die Brandsicherheit entspreche nach jetzigem Stand "absolut jeglichen Anforderungen".

Mit bundesweit rund 25.000 Einrichtungen und Diensten sowie etwa 240.000 hauptamtlichen Mitarbeitern ist die Caritas eigenen Angaben zufolge der größte Wohlfahrtsverband Deutschlands. Die Organisation mit Sitz in Freiburg im Breisgau engagiert sich seit 115 Jahren insbesondere in der Krankenpflege sowie bei der Betreuung von Senioren, Kleinkindern und Behinderten.