GroßbritannienBBC zahlt Entschädigung wegen falscher Missbrauchsvorwürfe

Die BBC hatte einem Tory-Politiker Kindesmissbrauch vorgeworfen und entschädigt ihn dafür. Im eigentlichen Missbrauchsskandal der BBC soll es mehr als 400 Opfer geben. von afp, dpa und

Ein Fernsehschirm mit dem BBC-Logo hängt vor der Zentrale des britischen Senders in London.

Ein Fernsehschirm mit dem BBC-Logo hängt vor der Zentrale des britischen Senders in London.  |  © Carl Court/AFP/Getty Images

Nach einem falschen Bericht über die angebliche Verwicklung in einen Kindesmissbrauchsskandal will die BBC den konservativen Politiker Alistair McAlpine entschädigen. Der Tory-Politiker erhalte 185.000 Pfund (229.000 Euro), teilte der britische Sender mit.

Die Summe entspreche einer Vereinbarung mit McAlpine, nachdem dieser eine Verleumdungsklage eingereicht hatte, hieß es aus der BBC. Die umfangreiche Zahlung stehe für die Schwere der Vorwürfe, die fälschlicherweise erhoben worden seien.

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Neben der Entschädigungszahlung sollen McAlpine, der zur Zeit von Premierministerin Margaret Thatcher tätig war, auch seine Kosten erstattet werden. Zudem soll vor Gericht eine Erklärung verlesen werden, mit der sich die BBC bei ihm entschuldigen will.

Weitere Festnahme

McAlpine begrüßte die "schnelle und frühe Einigung mit der BBC". Er wolle jetzt auch eine Einigung mit weiteren Organisationen erzielen, "die verleumderische Äußerungen" über ihn veröffentlicht hätten sowie mit Einzelpersonen, die diese über Twitter verbreitet hätten.

Der falsche Bericht war von der renommierten BBC-Nachrichtensendung Newsnight gesendet worden. Dabei ist die BBC selbst in einen Missbrauchsskandal verwickelt . Der einstige Starmoderator Jimmy Savile soll über Jahre Hunderte Kinder missbraucht haben. Die Zahl der mutmaßlichen Missbrauchsopfer ist nach Angaben der britischen Polizei auf 450 gestiegen.

Die Taten sollen zum Teil auf dem Sendergelände der BBC geschehen sein. Savile starb vergangenes Jahr im Alter von 84 Jahren, erst danach wurden die Vorwürfe öffentlich. Der Sendung Newsnight wird vorgeworfen, Hinweise auf den Missbrauch zurückgehalten zu haben. BBC-Mitarbeiter stehen zudem unter Verdacht, Savile gedeckt zu haben.

Im Zuge der Ermittlungen gab es am Donnerstag eine vierte Festnahme. Bei dem Verdächtigen handele es sich um Saviles BBC-Kollegen Dave Lee Travis, berichteten britische Medien . Die Polizei sprach lediglich von einem etwa 60 Jahre alten Mann, dem Sexualstraftaten vorgeworfen würden. Wie am Abend bekannt wurde, kam der Mann nach seiner Aussage auf Kaution wieder frei.

Travis arbeitete zusammen mit Savile 25 Jahre lang für BBC Radio 1, bevor er zum Programm World Service Network wechselte. Bislang gibt es keine Hinweise, dass Travis Pädophilie zur Last gelegt wird. Allerdings werfen ihm zwei Frauen vor, er habe sie in den siebziger und achtziger Jahren belästigt, was Travis bestreitet.

Die Affäre Savile bringt seit Wochen immer neue Enthüllungen ans Licht. Auch drei britische Prominente wurden festgenommen – unter ihnen Ex-Glamrock-Star Gary Glitter. Alle drei kamen gegen Kaution wieder auf freien Fuß.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, tis
  • Schlagworte Margaret Thatcher | Ermittlung | Polizei | Premierminister | Sender | Sendung
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