Frankreich : Fluggesellschaft von Schuld an Concorde-Katastrophe freigesprochen

Ein Berufungsgericht hat die Airline Continental von der Verantwortung für den Concorde-Absturz vor zwölf Jahren freigesprochen. Auch die Luftfahrtbehörde sei schuldlos.
Feuerwehrmänner und Polizisten am Wrack der im Jahr 2000 abgestürzten Concorde (Archiv) © Pierre Verdy/AFP/Getty Images

Zwölf Jahre nach dem Absturz des Überschallflugzeugs Concorde bei Paris ist die US-Fluggesellschaft Continental von der Verantwortung für die Katastrophe freigesprochen worden. Ein Berufungsgericht in Versailles sprach zudem zwei frühere Mitarbeiter der Fluggesellschaft sowie einen früheren Verantwortlichen der französischen Luftfahrtbehörde DGAC frei. Bei dem Absturz der Concorde der französischen Fluggesellschaft Air France waren am 25. Juli 2000 113 Menschen ums Leben gekommen, unter ihnen 97 Deutsche.

Die Concorde war kurz nach dem Start explodiert, nachdem sie auf der Startbahn des Pariser Flughafens Roissy Charles-de-Gaulle über ein Metallteil raste, das eine Continental-Maschine verloren hatte. Im Herbst 2010 machte ein französisches Strafgericht Continental für das Unglück verantwortlich .

In dem Prozess war ein Continental-Angestellter zu 15 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Er wurde jetzt freigesprochen. Sein Vorgesetzter und der französische Behördenverantwortliche waren bereits im ersten Prozess freigesprochen worden, mussten sich aber im Berufungsverfahren erneut verantworten.

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Kommentare

12 Kommentare Kommentieren

naja,

was hätte denn die Continental unternehmen sollen, falls sie den Verlust überhaupt bemerkt hat?

Wenden und das Teil einsammeln?

Es geht hier nicht um ups, kann ja mal passieren, sondern um persönliche Schuld. Wenn Sie Ihren Auspuff wissentlich nurmehr mit sich mitschleifen, statt dass er vernünftig angebracht wurde, würden Sie dann in dem von Ihnen geschilderten Beispiel nicht auch wenigstens ein schlechtes Gewissen haben?

Falscher Gedankengang

Bei Ihrem Gebrauchtwagen reist der für sie völlig intakte Auspuff ab. Der Hersteller hat ursprünglich den Auspuff mit dem falschen Bauteil befestigt und bei der Inspektion wurde die Aufhängung mit einem Ersatzteil gleicher Bauart ersetzt. Der Motorradfahrer bricht sich das Genick.

Wer ist jetzt schuld? Sie? Der, der den Auspuff erneuert hat? Der, der ihn zuerst eingebaut hat? Die Qualitätskontrolleure?

Das ist das Problem in dem Fall.

Ich wünsche Ihnen das geschilderte Szenario nicht ...

und ich gehe davon aus, dass Sie nicht wissentlich mit einem defekten, losen Auspuff losgefahren sind.

Ich würde Ihnen keinerlei Schuld am Unfall attestieren. Sie würden mit dem Wissen, das ihr abgefallener Auspuff das Leben eines Menschen gekostet hat, eine Bürde mit sich tragen.

Können wir nicht mehr akzeptieren das es auch Dinge im Leben gibt die einfach geschehen ohne nach einem Schuldigen zu suchen? In diesem Falle waren doch eindeutig kommerzielle Interessen Motiv dieser gerichtlichen Untersuchung. Irgendeiner muss ja verantwortlich sein, dem man eine Schadensersatzklage zukommen lassen kann.

Als Naturwissenschaftler akzeptiere ich die Tatsache dass eine Kette von Umständen unser teilweise starres Gedankenmodell total auf den Kopf stellen kann. Nennen Sie es einfach Schicksal.

Jetzt nur die Zivilrechtsaspekte

Bitte bedenken Sie den Unterschied zwischen straf- und
zivilrechtlichem Urteil: um dieses letztere geht es jetzt!
Ich finde die Summe allerdings viel zu niedrig.
Der Verlust der Triebwerksschaufel und die fatalen Folgen
sind schon im Strafprozess vor Jahren gewürdigt worden - m.E
unzulänglich. Auf Verletzung einer Sorgfaltspflicht (Wartung
smangel bei Continental, fehlende Startbahnkontrolle durch
Aeroport Paris/ChdeGaulle) wurde nicht erkannt, ebensowenig
auf Konstruktive Sicherheitsmängel des Fluggeräts Concorde.