Wegen der tödlichen Schüsse auf einen Staatsanwalt im Dachauer Amtsgericht hat das Landgericht München einen 55-jährigen Angeklagten zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Die Richter sprachen den früheren Unternehmer des Mordes und des versuchten dreifachen Mordes schuldig. Außerdem erkannten sie auf eine besondere Schwere der Schuld, wodurch eine Haftentlassung bereits nach fünfzehn Jahren ausgeschlossen ist.

Der insolvente Transportunternehmer hatte im Januar im Amtsgericht Dachau eine Pistole gezogen und den 31 Jahre alten Staatsanwalt erschossen. Außerdem feuerte er auf den Richter, seine eigene Verteidigerin und einen Protokollführer. Der ehemalige Unternehmer stand in Dachau wegen des Vorenthaltens von Sozialbeiträgen vor Gericht, er hätte zu einer Bewährungsstrafe verurteilt werden sollen.

Im Prozess vor dem Landgericht hatte der Angeklagte zugegeben, dass er auch den Richter töten wollte, der mit dem Protokollführer und der Anwältin hinter der Richterbank Schutz gesucht hatte. Darin sah das Gericht Mordversuche. 

Bei Angehörigen entschuldigt

Ein Gerichtspsychiater beschrieb den Angeklagten als notorischen Querulanten, der häufig Ärger mit der Justiz hatte. Der beinamputierte 55-Jährige, der den Prozess vom Krankenbett aus verfolgte, hatte sich in der vergangenen Woche bei der Familie des getöteten Staatsanwalts entschuldigt.

Der Fall hatte auch eine Debatte über die Sicherheitsvorkehrungen in Gerichtsgebäuden ausgelöst. Die als Nebenkläger auftretenden Eltern des Staatsanwalts kritisierten, dass ein Metalldetektor am Eingang des Gerichts ihrem Sohn das Leben gerettet hätte.