JustizskandalMollaths Zwangsunterbringung soll überprüft werden

Gustl Mollath sitzt in der Psychiatrie, weil er im Wahn seine Frau angezeigt und verletzt haben soll. Der Wahn war aber wohl keiner, der Fall wird neu aufgerollt. von 

In Bayern soll die Zwangsunterbringung eines mutmaßlich unschuldigen Mannes juristisch neu untersucht werden. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg will nach Informationen der Süddeutschen Zeitung vor Gericht prüfen lassen, ob Gustl Mollath zu Recht eingesperrt ist.

"Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth wird anregen, dass man hier ein weiteres Gutachten einholt", zitierte die Zeitung Sprecher Thomas Hammer. Insbesondere solle die Verhältnismäßigkeit der langen Unterbringung geprüft werden. Die Staatsanwaltschaft habe sich zu dem Schritt entschlossen, "um weiteren Schaden von der Justiz abzuwenden", so Hammer.

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Der 56-jährige Mollath sitzt seit 2006 in verschiedenen geschlossenen psychiatrischen Einrichtungen in Bayern, weil er seine damalige Frau wegen Schwarzgeldgeschäften beschuldigt und verletzt haben soll.

Dem Urteil des Landgerichts Nürnberg zufolge soll Mollath psychisch krank sein: Er glaubt, dass seine Exfrau, einst Vermögensberaterin der Hypo-Vereinsbank (HVB) in Nürnberg, für ihre Kunden in großem Stil Schwarzgeld in die Schweiz verschoben hat. Für diese Unterstellung wurde ihm ein "paranoides Wahnsystem" bescheinigt. Neue Erkenntnisse deuten aber darauf hin , dass die Vorwürfe Mollaths berechtigt sind.

Der Justizirrtum brachte auch die bayerische Landesregierung zunehmend in Erklärungsnot, allen voran Justizministerin Beate Merk ( CSU ). Wohl auch deshalb drängt der bayerische Ministerpräsident auf eine zügige Überprüfung der Vorwürfe. "Ich möchte in diesem Fall, dass man sich auf die Frage konzentriert, ob alles in Ordnung ist", zitierte die SZ Horst Seehofer . Er respektiere die Unabhängigkeit der Gerichte, sagte er. Jedoch sei die Justiz aus seiner Sicht "gut beraten, den Fall noch einmal neu zu bewerten".
 

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Leserkommentare
    • bhs
    • 28. November 2012 7:00 Uhr

    ... Gutachtens [...] in der Psychiatrie landen kann [...], kann ich Ihnen aus eigenem Erleben schildern.

    Ich hatte mich 2002 zur Behandlung anhaltender, schwerer Depressionen selbst in ein oberbayerisches Bezirkskrankenhaus einweisen lassen. Eines schönen Morgens wurde ich einer netten Richterin vorgeführt, die mir - mit Bedauern und Unverständnis zwar - eröffnete, ich würde zur Erstellung eines Gutachtens zwangsweise in die Forensik desselben Hauses untergebracht, weil von mir lt. Attest "weitere, schwere Straftaten zu erwarten seien".  

    Mein Rechtsbruch und meine spätpubertäre Dummheit: Ich hatte aus legalen Chemikalien einen illegalen 1-Gramm-Knaller gebastelt und gezündet und eine Signalpistole ohne Waffenbesitzkarte zu Hause. 

    Mein Pech: Zwei Wochen zuvor hatte Robert Steinhäuser in Erfurt  sich selbst und 16 Personen erschossen und ich selbst war zu der Zeit Familienvorstand von 16 Personen. 

    Mein Glück: Ich kam nach drei Monaten zwar als "akzentuierte Persönlichkeit" (Gutachten) aber ungeschoren frei mit unvorstellbaren Erfahrungen von der dunklen Seite des Lebens, für die ich als normalsterblicher, bürgerlicher Mensch bis heute dankbar bin. 

    Späteres Statement des Oberarztes mir gegenüber, der das obige Attest stellte und der mich seit Jahren persönlich kannte: "Wenn hier ein Staatsanwalt anruft und jemand einweisen lassen möchte, diskutiere ich nicht mit ihm. Ich will schliesslich nicht meine Laufbahn gefährden."

  1. Kröber hat gar nicht erst versucht, mit Mollath zu reden! Er hat sich direkt auf die Vorgutachten und die Akten gestützt. Und auch er hat den entscheidenden Hinweis, dass ein solches Gutachten mit Mängeln behaftet ist, nicht gebracht.

    Lesen Sie mal, was Kröber selbst zu dem Thema schreibt. (Besser im Original in der nächsten Uni, weil hier Passagen fehlen - fürs erste reicht Googlebooks Erste)
    http://tinyurl.com/cmm4upa

    Seitenlang lässt sich Kröber über die Anforderungen bei der persönlichen Begutachtung aus! Und ihm (und den Vorgutachtern) will nicht aufgefallen sein, dass eine derartige Untersuchung nie stattgefunden hat? Und wo ist er seiner Pflicht zur aktiven Informationsgewinnung nachgekommen, wenn er angesichts der Rahmenbedingungen nicht mal in Erwägung gezogen hat, dass an der Ausgangsthese etwas dran ist? Und ihn macht ganz nebenbei nicht stutzig, dass ein angeblich gemeingefährlicher nach 2 Jahren Psychiatrie nicht einen einzigen dokumentierten aggressiven Vorfall zu verzeichnen hat?

    Ein Punkt, der mich übrigens in dem Zusammenhang gleich doppelt fassungslos macht: Einerseits, weil für mich Mollath fast ein Wunder ist, dass der nach dem, was ihm angetan wurde, noch so normal geblieben (!) ist, er hätte allen Grund auszuticken, was ihm zugegeben nichts nützen würde. Das zeugt aber von positiver Charakterstärke! Andererseits, dass mehrere Gutachter Gemeingefährlichkeit attestieren, wo sich der Mann unter 7 Jahren Dauerbeobachtung nie auffällig gezeigt hat!

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    Noch eine wichtige Ergänzung: Kröber hat in Deutschland eine ganz besondere Position. Der Mann hat einen Ruf! Man stellt sich nicht einfach so gegen einen Kröber. Da geht es weniger um die allgemeine Öffentlichkeit, sondern um das Untereinander!

    Da das so ist, hat Prof. Kröber eine besonders große Verantwortung und Verpflichtung, Sorgfalt an seine Begutachtung anzulegen. Denn es wird nur wenige Gutachter geben, die bereit sind, sich gegen eines seiner Gutachten zu stellen.

    Dieser Verantwortung und Sorgfalt ist Kröber ganz eindeutig nicht nachgekommen. Und das ist eben umso ärgerlicher, als dass er umgekehrt nicht scheut, andere Gutachter wegen solcher handwerklicher Fehler auf schärfste zu kritisieren.

    dazu möchte ich ergänzen.

    H. Mollath war nach diversen Berichten bis zur Anzeige durch seine Ex-Frau meines Wissens nach offenbar sein ganzes Leben nie gewalttätig, übrigens auch nicht während der Zeit des mutmaßlichen ehelichen Vorfalls bis zur Anzeige desselben etwa 1,5 Jahre danach! und natürlch auch nicht in den Jahren nach der Einweisung.

    Von daher finde ich es grotesk wie die Ministerin Merk und die Justiz mantramäßig von der Gefährlichkeit Mollats schwafelt. Das sollten sie erstmal untermauern. Das biiherige Verhalten der Jusitz ist eine absolute Geisterfahrt.

    Man stelle sich nur mal vor, für die Einweisung genügte quasi eine einzige Aussage! Und seine Exfrau hatte nun wirklich starke Motive und wurde zudem wohl nicht grundlos von Ihrer Bank entlassen. Auch das sehr viel später eingereichte Attest ihrer Hausärtin zum angezeigten Vorfall ist äußerst zweifelhaft (Ihre Freundin arbeitete z.B. in dieser Praxis). Jetzt beschäftigt sie sich die EX-Frau wohl mit "Geistheilung".

    Nach den bei Mollath angelegten Kriterien könnte unsere Justiz leicht 1/3 der Bevölkerung wegsperren! Und Merk und viele Juristen würde dies sicher auch noch verteidigen und begründen.

    Zu dem Gutachterunwesen sagt der Link in Post 2 über den Hochstapler-Postboten eigentlich alles - Ich hab es mir angeschaut. Köstlich und leider treffend

  2. Noch eine wichtige Ergänzung: Kröber hat in Deutschland eine ganz besondere Position. Der Mann hat einen Ruf! Man stellt sich nicht einfach so gegen einen Kröber. Da geht es weniger um die allgemeine Öffentlichkeit, sondern um das Untereinander!

    Da das so ist, hat Prof. Kröber eine besonders große Verantwortung und Verpflichtung, Sorgfalt an seine Begutachtung anzulegen. Denn es wird nur wenige Gutachter geben, die bereit sind, sich gegen eines seiner Gutachten zu stellen.

    Dieser Verantwortung und Sorgfalt ist Kröber ganz eindeutig nicht nachgekommen. Und das ist eben umso ärgerlicher, als dass er umgekehrt nicht scheut, andere Gutachter wegen solcher handwerklicher Fehler auf schärfste zu kritisieren.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Nachlesen"
  3. seinen Buergern hat?
    Diktatur? Oder jetzt als Parallele Germanismen!
    Ansonsten ist dieses Vorgehen der Politik ohne Worte und einfach in keinster Weise zu rechtfertigen!

    • krister
    • 28. November 2012 8:06 Uhr

    3." Psychatrische Gutachten
    Was wir von psychatrischen Gutachten zu halten haben, wissen
    wir ja spätestens seit der Postbote Gert Postel zwei Jahre
    eine psychatrische Klink leitete:
    http://www.youtube.com/wa..."

    Man kann das sicher nicht pauschalisieren,denn die Einzelfälle die auf falschen Gutachten beruhen sind natürlich immer sehr schlagzeilenträchtig.
    ich meine,es wäre sinnvoll,wenn Psych.Gutachten nicht von einzelnen Gutachtern,sondern von Grupppen also mehreren Gutachtern erarbeitet würden.

    • TDU
    • 28. November 2012 8:16 Uhr

    "Im Interview im Moma heute Morgen: Es war auch ein Gutachter der Verteidigung beteiligt und die Angelegenheit Hypovereinsbank spielte keine Rolle." So die Ministerin. Damit setzte sich der Moderator nicht auseinander, sondern behauptet alles noch mal unter anderem Aspekt. Einschliesslich der unterschwelligen Behauptung, es hätten vom Staatsnawalt über Politik bis zum Gericht alle zusammen gearbeitet.

    Das ist nicht Aufklärung, sondern so soll es sein und wir kriegen es hin. Kennt man von einem anderen Radiosender aus dem Haus seit den 1970iger Jahren.

    Sollte ich mal in so ein Verfahren geraten behüte man mich vor allen Dingen vor denen, die meinen Fall als Wahlkampfinstrument nutzen. Egal von welcher politischer Seite.

    Mal wieder ein Grund zu fragen, warum man sich ausser den Schalgzeilen mit medialer politischer Berichterstattung beschäftigen sollte. Der beklagte Rückgang der Printmedien hängt auch damit zusammen. Warum sollte man ausser zur Unterhaltung Zeitung lesen?

    Folgen wird politisches Desinteresse der Jugend,was sich im Online Bereich auch auswirken wird und auf die Gesellschaft sowieso. "Die schreiben doch was Politk sagt", wird die Begründung sein.

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    Ich habe das nicht gesehen. Aber nur weil die Ministerin das behauptet, soll es richtig sein? Was sind Sie naiv und leichtgläubig.

    Lesen Sie mal nach:
    http://www.gustl-for-help...

    Sie haben offenbar gar nicht verstanden, worum es geht. Die Straftaten an sich wurden Mollath nie nachgewiesen. Man hat vor Gericht darauf verzichtet, weil man ihn stattdessen (auf unbestimmte Zeit!) Richtung Psychiatrie abschieben wollte. Zentrales Element des ersten, wichtigen Gutachtens ist aber, dass Mollath unter Wahnvorstellungen leidet und deshalb gemeingefährlich sei. Die ganze psychiatrische Diagnose fusst darauf! Mollath hat sich nie (nachgewiesen!) auffällig gezeigt! Die einzigen "Wahnvorstellungen", die Mollath aber hatte, waren eben jene Vorwürfe über die Hypovereinsbank. Auch der Gutachter benennt keine weitere "Wahnvorstellung".

    Insofern ist es schon zynisch, wenn Merk behauptet, dass die Vorwürfe zur Hypovereinsbank keine Rolle gespielt haben. Wenn Mollath Gemeingefährlichkeit und sein jahrelanges Weggesperrtsein NUR begründet wird mit einem Wahn, der wiederum NUR begründet wird auf Basis der These, die Vorwürfe zur Hypovereinsbank seien falsch, dann ist der Bezug zur Hypovereinsbank schlicht nicht mehr zu leugnen! Dafür ist die in dem Verfahren gezogene Kausalitätskette viel zu gradlinig.

  4. Letztlich finde ich auch die Beweggründe der Staatsanwaltschaft "Schaden von der Justiz abzuwenden traurig und kleingeistig". Denn eigentlich steht der Mensch im Mittelpunkt des Verfahrens und der erste Grund ein verpatztes Verfahren wieder aufzurollen sollten sein, den fälschlicherweise verursachten Schaden am Menschen wieder gutzumachen (wenn das überhaupt möglich ist) bzw. zu reduzieren.

    • Vanita
    • 28. November 2012 9:10 Uhr

    Mollath hat den "Fehler" gemacht die Verfilzung von Politik und Justiz hinsichtlich Schwarzgeld aufklären zu wollen.

    Dafür wurde der Mann weggesperrt und dürfte für sein Leben lang gezeichnet sein.

    Ministerin Merk, Seehofer, Mollath`s Ex-Frau... alle dürfte ein weit schlimmeres psychologisches Gutachten erhalten, wenn man ihr Verhalten bedenkt.

    Dank der SU wird das immer mehr aufgedröselt und Mollath hoffentlich bal entlassen, der immerhin noch soviel Mut beweist und sich einer Zwangsmedikamentarisierung verweigert.

    Irgendwann ist der Byerische Rundfunk gefolgt, nachdem die SZ so mutig war, nun traut such auch die ZEIT... aber es war und ist die SZ, die da einen Preis verdient.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, tis
  • Schlagworte Gustl Mollath | CSU | Horst Seehofer | Recht | Beate Merk | Gericht
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