Zentralrat der Juden : Merkel beklagt Antisemitismus in Deutschland

Die Bundeskanzlerin hat ein "großes Maß an Antisemitismus" in Deutschland festgestellt. Vor dem Zentralrat der Juden kritisierte sie den Tenor der Beschneidungsdebatte.
Angela Merkel bei ihrer Rede vor der Ratsversammlung des Zentralrats der Juden in Frankfurt a. Main © Daniel Roland/AFP/Getty Image

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich besorgt über Judenfeindlichkeit in Deutschland geäußert. "Es gibt ein großes Maß an Antisemitismus , was leider sich an bestimmten Vorfällen immer wieder zeigt", sagte Merkel in Frankfurt während der Ratsversammlung des Zentralrats der Juden

"Es bringt uns alle auch noch einmal dazu, darüber nachzudenken, was es bedeutet, Toleranz gegenüber Religionen zu zeigen", sagte die Kanzlerin. Religionsfreiheit drücke sich auch darin aus, dass Religion ausgeübt werden könne, sagte Merkel auch mit Blick auf die Beschneidungsdebatte , die teilweise antisemitisch geführt worden sei.

Auslöser war ein Urteil des Kölner Landgerichts , das die rituelle Beschneidung eines minderjährigen Jungen als rechtswidrige Körperverletzung eingestuft hatte. Das Urteil führte zu einer Protestwelle von Juden und Muslimen. Die Bundesregierung will rituelle Beschneidungen in Deutschland weiter ermöglichen. Das Gesetz könne hoffentlich noch vor Weihnachten verabschiedet werden, sagte Merkel.

"Israel hat das Recht auf Selbstverteidigung"

Gleichzeitig wiederholte die Kanzlerin ihre Unterstützung Israels im Nahostkonflikt . "Jedes Land hat das Recht auf Verteidigung, Selbstverteidigung und den Schutz seiner Bürger", sagte Merkel. Letzteres sei sogar die Pflicht jeder Regierung.

Es war das erste Mal, dass ein deutscher Kanzler bei der Ratsversammlung zu Gast war. Zentralratspräsident Dieter Graumann sprach von einem wichtigen Signal dafür, "dass jüdisches Leben in Deutschland willkommen ist".

Die einmal im Jahr tagende Ratsversammlung ist das höchste Beschlussorgan des Zentralrats der Juden in Deutschland. Sie berät über alle Grundsatzfragen der jüdischen Gemeinschaft. Der Ratsversammlung gehören alle Landesverbände und einzelne Großgemeinden wie Berlin , München , Frankfurt und Köln an.

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Kommentare

516 Kommentare Seite 1 von 36
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Gerade bei der Beschneidungsdebatte...

...ging es nicht um Juden, nicht um Mulims - womit der Antisemitismus schon mal in Frage steht - sondern um Kinder und um Gesetze.
Jetzt wird das Gesetz dementsprechend geändert, so sei es. Aber Kritik an Beschneidungen, nachdem ein deutsches Gericht es für unvereinbar mit dem deutschen Gesetz erklärt hatte auch nur in einem Absatz mit Antisemitismus zu erwähnen ist eine Sauerei.

Sauerei und völlig lachhaft

Stimmt, nur wenn jemand am liebsten sofort ein Gesetz hätte, das in seiner Konsequenz viele Juden zur Auswanderung treiben würde, muss er doch kein Antisemit sein. Nicht einmal, wenn er die sofortige Auslöschung Israels will, muss er ein Antisemit sein. Hier ist der Beweis:

http://www.heute.at/news/...

"Skandiert wurde: "Wir sind gegen 2-Staatenlösung… Wir sind für ein Palästina das frei von der Westbank bis zum Mittelmeer reicht, und Israel ausgelöscht wird." Die Menge, die Großteils aus Menschen türkischer und arabischer Abstammung bestand, quittierte die Ansprachen mit "Allah-u-akbar"-Rufen.

Vorwürfe gegen vorherige antiisraelische Demonstrationen, es würden antisemitische Tendenzen mitschwingen, wurden von den Veranstaltern zurückgewiesen. Die Vorwürfe seien "lachhaft", sagte Organisator Abu Rus. Es gehe um eine friedliche Unterstützung der Bevölkerung Gazas."

Übertrieben und unsachlich

Sie übertreiben. Antisemitismus ist bei den meisten Gegnern der Neuregelung nicht im Spiel. Der Vorwurf ist beleidigend (erst recht von der Bundeskanzlerin), aber er wird gebraucht, weil man die Motive seines Gegners in Frage stellen muss, wenn man in der Sache keine überzeugenden Argumente hat (das zentrale Argument "Gott befiehlt es" kann man bei religiös geprägten Menschen ja tolerieren, vernünftigerweise aber nicht, wenn es um Grundrechte geht).

Zur Auswanderung wären nur diejenigen Leute gezwungen gewesen, die noch immer nicht den Pragmatismus aufbringen, eine problematische religiöse Praxis mit universell geltenden Grundrechten in Einklang zu bringen (d.h. entweder zu verändern, d.h. "humanisieren", oder abzuschaffen). Ich bezweifle, dass das es zum großen Exodus der sowieso nicht zahlreichen Juden in Deutschland gekommen wäre. In den Medien hören wir immer nur die Funktionäre, die natürlich besonders lautstark protestieren. Entspricht deren harte Position tatsächlich der Befindlichkeit der gesamten jüdischen Gemeinschaft? Oder könnte es sein, dass mit wachsender Entfernung vom Zentralrat auch die Opposition/Gleichgültigkeit gegenüber dessen Haltung zunimmt?

Und ihr Link zur Anti-Israel-Demonstration hat erstens mit dem Thema Beschneidung nichts zu tun, und zweitens gibt es demonstrierende extremistische Schwachköpfe auch auf pro-israelischer Seite.

Also ich weiß nicht

Wie kann man den Ton der Debatte als antisemitisch empfinden, ohne damit den Gegnern in der Auseinandersetzung indirekt Antisemitismus vorzuwerfen?

Es gab sicher auch antisemitische (und antiislamische - das stört offenbar weniger) Töne, aber die kamen dann eben auch von Antisemiten (oder Anti-Islamisten).

Es ist eine sehr unangenehme Debattenkultur, sich von seinen Kritikern nur die übelsten Vertreter und deren absurdeste Argumente herauszupicken und diese dann als repräsentativ für die Gesamtheit hinzustellen.

Ich hab's immer noch nicht kapiert

Schön, dass Sie mir recht geben, allerdings eben nur ein bisschen "selektiv".

Noch mal: Wie kann man den Ton der Debatte als antisemitisch empfinden, ohne damit den Gegnern in der Auseinandersetzung indirekt Antisemitismus vorzuwerfen (und sie damit zutiefst zu beleidigen)?

Sie haben da einen Unterschied konstruiert (#77), denn ich nicht verstehe.

Und könnte es sein, dass der harte Kern der Beschneidungsbefürworter im Grunde gar nichts gegen vereinzelte "antisemitische Töne" hatte, weil diese ihnen die Möglichkeit gaben, die Auseinandersetzung in der Sache zu vermeiden und die Kritik insgesamt als antisemitisch zu diskreditieren?

war ja klar

dass es für einige nur den bedingungslosen schulterschluss oder die totale vernichtung gibt. die welt ist schliesslich schwarz und weiss, die guten dort, die bösen da drüben. auf die idee, dass vielleicht jede seiten indiskutable kritikpunkte hat, an denen sie etwas ändern sollte, wenn sie ein friedliches zusammenleben erwarten, kommen solche leute natürlich grundsätzlich nicht.

das liegt aber fairer weise gesagt auch an der einseitigen berichterstattung. wann hat man zb das letzte mal etwas über jüdische rassistisch motivierte fanatiker gehört, für die alle nicht-juden "tiere" sind und die eine 4000 jahre alte schrift als einzig gültige markierung ihres gebiets ansehen? unter dem gesichtspunkt ist übrigens auch syrien ein teil israels, denn dort ist historisch das land, wo milch und honig floss. hier würden doch die meisten davon ausgehen, dass solche mißstände garnicht existieren und dem kranken hirn eines antisemiten entsprungen sind.

hier ist ein link zu einer demo aus israel
http://www.youtube.com/wa...

ich habe mich übrigens klar gegen die beschneidungsdebatte ausgesprochen, weil mir eben statt konstruktiver inhalte definitiv antisemitische parolen mitschwangen.man braucht sich aber auch nicht zu wundern, wenn nach kopftuchdebatten und co, verfechter des abendlandes eine derartige kampagne starten. ich frage mich auch, wo der unterschied zwischen mohammed- und jüdischen hetzkarikaturen im namen der pressefreiheit liegt.

Sehr schoen

Es ist sehr schoen, dass Sie meine Gedanken und die Gedanken von Millionen anderer besser kennen, als ich und die anderen Betroffenen. Und ich habe keine Lust ein neues Fass aufzumachen, aber Abtreibung und Beschneidung in Bezug zueinander zu setzen ist ja wohl eher laecherlich. Die Argumente werden immer kruder. Darf denn jemand der eine Fliege totschlaegt gegen Beschneidung sein?

Darum geht es nicht

"...der harte Kern der Beschneidungsbefürworter..."

Es geht nicht um Befürwortung und nicht um harte Kerne. Es geht um ein Gesetzt, das Beschneidung straffrei stellt. Circa 95 Prozent in den Foren bei ZON sprechen sich gegen das Gesetz aus, circa fünf Prozent dafür. Ich bin für das Gesetz. Wie letztlich mit der Beschneidung in der Praxis umgegangen wird, entscheiden die Religionsgemeinschaften selbst. Im Judentum wird darüber seit der Aufklärung diskutiert. Und dort soll diese Diskussion auch bleiben. Ein so zentraler Glaubensinhalt ist Sache der Gläubigen und nicht Sache derer, die bis zum Kölner Urteil zu diesem Thema schwiegen. Das danach inszenierte Kulturkampfgetöse gewinnt dadurch nicht gerade an Glaubwürdigkeit.

Sie weichen immer wieder aus

Der Hinweis auf antisemitische Töne in der Debatte ist sehr nebulös. Den Vorwurf des Antisemitismus sollte man konkret auf Teilnehmer und Argument beziehen, mit Zitat und Begründung. Alles andere ist ablenkendes Geschwätz.

So sollte man die Diskussion führen:
1. den Begriff Antisemitismus nicht allzu großzügig auslegen,
2. die tatsächlichen Antisemiten (begründet) ausgeklammern,
3. sich mit den Argumenten der ernsthaften Gegner auseinandersetzen.

Gesetze betreffen alle Bürger Deutschlands, unabhängig von der Religion, und insbesondere das Beschneidungsgesetz kann alle Jungen, unabhängig von der Religion der Eltern, treffen. Das Gesetz wurde (offenbar aus Gleichbehandlungsgründen) nicht auf die auftraggebenden Religionsgemeinschaften beschränkt, und diese haben dann auch die Pflicht, nachdem sie ihren Standpunkt erläutert haben, sich der Kritik zu stellen. Schließlich wurde ein neues Gesetz erschaffen, das für viele fragwürdig ist und normalerweise (d.h. ohne massive Intervention von jüdischen und muslimischen Religionsfunktionären) niemals zustande gekommen wäre.

Einer Diskussion darüber kann man sich nicht entziehen, indem man die Teilnehmer vage als "von antijüdischen Ressentiments bewegt" darstellt.

Anmerkung 1

Es gibt 2 unterschiedliche Dinge, und sie sind beide bedeutsam und haben ihren Ort: die Frage der Strafbarkeit der Beschneidung - und die Frage des Antisemitismus in D. Der Inhalt des Artikel hier ist letzteres - und ich finde, Frau Merkel hat mit ihren Worten und Handlungen völlig recht gehabt.
Aber: man kann natürlich sehr gerne über die Frage diskutieren, ob in D. die rituelle Beschneidung eine Straftat sein soll oder nicht. Dazu müsste man sich klar machen, was das eigentlich für Folgen für die Betroffenen hätte.
Ich finde: der rechtliche Kern dieser Debatte ist: wie weit geht das Elternrecht nach Art. 6 GG bzw welche Handlungen und Entscheidungen missbrauchen dieses Recht. Eine schwierige Frage. Ich bin der Meinung: angesichts des hohen Ranges der Religionsfreiheit, der besonderen Bedeutung der Beschneidung als Eintrittsritus, der Tradition und der allgemeinen Akzeptanz in allen Demokratien spricht sehr viel dafür, dass die Zustimmung zur Beschneidung durch Art. 6 und Art. 4 GG geschützt wird.
Im Kern sehen das die meisten Verfassungsrechtler in dieser Debatte auch so. So wird auch das BVerfG urteilen.

Anmerkung 2

Aber selbst wenn Sie es anders sehen: ich verstehe einfach nicht, wie man empfinden kann, dass Antisemitismus als Thema (!) unwichtig sei! Wie leben Juden in D. heute? Im Grunde müssten wir uns als Land in Grund und Boden schämen, dass es überhaupt noch Antisemitismus in D. gibt. Wenn nicht Auschwitz "reicht", um dieses Vorurteil zu beerdigen - was denn dann?
Aber: es gibt ihn. Ein (!) kleines Beispiel:
http://www.faz.net/aktuel...
Lesen Sie mal die 3. Lesermeinung. So etwas wird heute (!) publiziert. Einfach so!

Fraglich

"Mir konnte noch niemand stichhaltig erklären wie man die Unversehrtheit von Babys mit Vehemenz fordern kann und gleichzeitig es akzeptieren oder gar wünschen kann, dass Babys vor ihrer Geburt nach einem Beratungsgespräch getötet werden dürfen."
---------
Nach Ihrer Logik diese zwei Themen nicht gegensätzlich betrachten zu können, müssten sämtliche Juden Befürworter von Abtreibungen sein. Ob das so hin haut?

Wie kommen Sie darauf?

Ich setze hier nichts gleich und erwähne nichts, was einen Umkerschluss erlauben würde.

Wenn ich sage: "Bei Regen spanne ich einen Regenschirm auf" bedeutet dies nicht, dass ich glaube, dass ich durch das Aufspannen eines Regenschirms regen erzwinge.

Nein, mir geht es um etwas anderes. Die körperliche und seelische Unversehrtheit von Kindern ist ein hohes gut. Religionsfreiheit auch, diese beiden Güter können nicht in ein zwei Forenbeiträgen abgewogen werden. Die Faktenlage ist hierfür deutlich zu komplex.
Ich habe im Laufe der Diskussion über dieses Thema gute Argumente von beiden Seiten gehört aber auch scheinheilige Argumente von beiden Seiten. Ich habe an der Sache interessierte und engagierte Menschen erlebt und Pöbler.

Aber bis heute habe ich noch niemanden jemanden erlebt, dem das Kinderwohl so sehr am Herzen liegt, dass er aufgrund des Kinderwohls auch eine Beschneidung FREMDER Kinder vehement ablehnt und gleichzeitig legale Schönheits-OPs von Kindern und die aktuelle legale Situation um Abtreibungen befürworten kann.

Regen und Riemen

"Wie kommen Sie darauf? Ich setze hier nichts gleich und erwähne nichts, was einen Umkerschluss erlauben würde."
-----------
Doch, das taten Sie:
..
"Wenn ich sage: "Bei Regen spanne ich einen Regenschirm auf" bedeutet dies nicht, dass ich glaube, dass ich durch das Aufspannen eines Regenschirms regen erzwinge."
-------------
Hier reden Sie von einer logischen Abfolge, von Kausalität, bei Abtreibung und Beschneidung handelt es sich um einen Vergleich und nicht um eine Kausalität. Ein Vergleich funktioniert allerdings bidirektional. Andernfalls erläutern Sie mir bitte, warum Sie die beiden Themen nicht vergleichen sondern als kausale Folge sehen.

In der Tat...

es ist ein Vergleich, keine Kausalität. Wie schon mehrfach davor erwähnt halte ich den Umkehrschluss nicht für statthaft oder erklären Sie mir, wie sie auf diesen kommen.

"Natürlich" halte ich das Töten eines ungeborenen Babys für schlimmer als die Beschneidung eines frisch geborenen Babys. Allein dadurch ergibt es sich, dass der Umkehrschluss ähnlich absurd wäre, wie der des oben erwähnten Beispiels - auch wenn es dort einen kausalen Zusammenhang gibt.

Aber sie können mir gern folgende Fragen beantworten.

a) Halten Sie die Entfernung der Vorhaut von Babys (ohne med. Indikation) für schlimm? Sollte sie gar gesetzlich verboten werden?
b) Halten Sie das Töten von (gesunden) Babys vor der Geburt auch für schlimm oder gar schlimmer?

Umkehrschluss

""Natürlich" halte ich das Töten eines ungeborenen Babys für schlimmer als die Beschneidung eines frisch geborenen Babys. Allein dadurch ergibt es sich, dass der Umkehrschluss ähnlich absurd wäre"
-----------
Dann gestatten Sie anderen Menschen doch, dieses anders herum zu sehen. Ich sehe die "Reihenfolge" der Schwere zwar so wie Sie, aber das trifft offensichtlich nicht auf jeden zu. Dann wäre auch ein Umkehrschluss möglich.

Ihre Fragen würde ich beide mit Ja beantworten.

Und was ist mit dem Ton

Der Befürworter?
Holocaust-Vorwürfe, Verunglimpfung von Millionen Toten, Respektlosigkeit gegenüber dem Rechtsstaat bis hin zu antidemokratischen Tendenzen...

Aber stimmt, nennt man ja nicht. Sind nur die üblichen Vorwürfe um die eigene Meinung durchzusetzen.
Eine Schande für alle, die unter dem Holocaust tatsächlich zu leiden hatten und deren Familien nun instrumentalisiert werden für politische Forderungen.
Einfach nur schändlich!
Dabei wird vergessen das selbst ein Verbot von Beschneidungen nicht einmal im Ansatz mit den Maßstäben des 3. Reichs verglichen werden kann.

Der Unterschied

Es mag einzelne Missgriffe gegeben haben.
Aber: a) der Antisemitismust ist (siehe Geschichte und Gegenwart) eine mörderische Ideologie. Heute noch gedacht - morgen schon die Tat. Deshalb ist besondere Achtsamkeit erforderlich.
b) ein Gemeinwesen beweist seinen Grad an Zivilisiertheit am Umgang mit Minderheiten.
c) "Missbrauch des Holocaust": naja. Würden Sie Vertrauen fassen? Fragen Sie sich das mal!

Einzelne Missgriffe?

Graumann, Präsident des ZdJ

http://www.nh24.de/index....

Rabbiner: Schwerster Angriff auf jüdisches Leben seit Holocaust

http://www.sueddeutsche.d...

Und Frau Knobloch (ehem. Präsidentin ZdJ) sagt dasselbe.
Komisch nur dass alle diese Interessensgruppen welche wohl 90% der Juden vertreten genau so argumentieren.
Es gibt keine "einzelnen Missgriffe", sondern genau das was ich sagte: Eine Form von Missbrauch der Opfer, mehr nicht!

"b) ein Gemeinwesen beweist seinen Grad an Zivilisiertheit am Umgang mit Minderheiten."

Und die Individuen der Minderheit beweisen ihre Rechtsstaats - und Demokratietreue, indem sie eben nicht versuchen durch Totschlagsargumente eine vernünftige Diskussion zu unterbinden über den Status umstrittener Praktiken.

"c) "Missbrauch des Holocaust": naja. Würden Sie Vertrauen fassen? Fragen Sie sich das mal!"

Wenn sie kein Vertrauen hätten würden sie hier nicht leben.
Diese Argumentation ist ziemlich scheinheilig. Juden dürfen hier frei leben, sie haben ebenso Rechte wie jeder andere Mensch auch in Deutschland.
Schauen sie sich die Zuwandererzahlen von Juden an und wiederholen Sie ihr Argument nochmal...

präferenz

"Nein - aber dies ist der rechtlich richtige Ansatzpunkt."

ach, wissen sie; zum sogenannten "recht" bilde ich mir meine eigene meinung. solange eine altenpflegerin in deutschland, die für die mitnahme von liegengebliebenen maultaschen härter bestaft wird, als ein steuerhinterzieher, erlaube ich mir - wenn nicht müde zu lächeln - meine sicht auf die dinge zu präferieren.

Das ist gar nicht so schwer

Die Sache mit der Abtreibung ist zwar eine typische Nebelkerze der Beschneidungsbefürworter, aber ich versuche es trotzdem mal.

Bei der Abtreibung geht es darum, die Entwicklung eines Embryos abzubrechen. Es handelt sich noch nicht um ein eigenständiges Wesen, seine Schutzwürdigkeit ist eingeschränkt ist, da noch eine weitere Person direkt körperlich betroffen ist, nämlich die Frau, die nach der Befruchtung eine neunmonatige Schwangerschaft überstehen muss. Es gibt nachvollziehbare Gründe für einen Abbruch der Schwangerschaft:
* Vergewaltigung,
* Gefahr für die Gesundheit der Schwangeren,
* voraussehbare Missbildung des Kindes.
* Abtreibungswunsch der schwangeren Frau (innerhalb festgeleger Frist und nach Beratung) aus persönlichen Gründen - die sind sehr individuell und vielfältig - diese Regelung war am meisten umstritten, aber auch hier muss man bedenken, dass man die Schwangere nicht zu einer Geburt zwingen sollte, eben weil sie es ist, die am stärksten von der Schwangerschaft betroffen ist.

Niemand findet Abtreibungen gut, wie Sie unterstellen, aber angesichts dieser Argumente ist das Zulassen der Abtreibung in gewissen Grenzen vernünftig, aus Respekt vor der Schwangeren.

Die Schutzwürdigkeit des geborenen Kindes ist aber unumstritten, und sie betrifft für mich auch die Beschneidung.

Ihr Argument "Nur wer gegen Abtreibungen ist, darf auch gegen Beschneidungen sein" ist Unsinn. Beide Standpunkte (Abtreibung ja, Beschneidung nein) kann man widerspruchsfrei begründen.

Was Merkel & Co nicht so recht begreifen

Wenn diese Leute weiterhin den Weg gehen und das Volk maultot in eine Ecke stellen, die nichts weiter tun als kritisch zu hinterfragen, warum eben elementare demokratische Bestandteile unserer Verfassung für eine kleine Gruppierung von Leuten nicht gilt, dann wird eine sachliche Diskussionsbereitschaft früher oder später tatsächlich in Hass umschlagen.
Das was Merkel tut, und das sollte ihr aus der Geschichte eigentlich bewusst sein, ist die klassische Wegbereitung für extremes Gedankengut in der Bevölkerung.

Danke für's pauschalisieren!

Weil auch Antisemiten die Beschneidungsdebatte genutzt haben, um Ihren geistigen Müll an den Mann und die Frau zu bringen, sind jetzt alle die der Beschneidung kritisch gegenüberstehen Antisemiten?

Bitte denken Sie nochmal nach...

---

@ Frau Bundeskanzlerin:

Wurden Sie gewählt um zu "beklagen"?
Oder um das Land nach Ihrer Regierungszeit besser zu hinterlassen als Sie es vorgefunden haben?

Tun Sie etwas!

Ach, und bevor wir uns missverstehen: Ich habe Sie nicht gewählt! Weil ich Sie für nicht fähig (und nicht gewillt) halte, die erforderlichen Dinge zu tun!

Beschneidung und Abtreibung

Bei der Abtreibung scheinen die Interessen der Mutter schwerer zu wiegen als die des Kindes, während es sich bei der Beschneidungsdebatte andersherum verhält. Ich denke das ist das, was Ihr Vorredner ausdrücken wollte.

Dass die Schutzwürdigkeit eines Embryos nur eingeschränkt gilt scheint dabei der Schlüssel zu dieser Argumentation. Aber wer bestimmt diese Eingeschränktheit? Und warum nehmen Sie sich diese Freiheit heraus, sprechen sie den anderen aber ab?

Antworten

"Weil auch Antisemiten die Beschneidungsdebatte genutzt haben, um Ihren geistigen Müll an den Mann und die Frau zu bringen, sind jetzt alle die der Beschneidung kritisch gegenüberstehen Antisemiten?"
Nein - nicht alle. Aber: es gibt sie (haben Sie ja selber gesagt) und deshalb lohnt es sich, dort anzusetzen

"@ Frau Bundeskanzlerin:

Wurden Sie gewählt um zu "beklagen"?
Oder um das Land nach Ihrer Regierungszeit besser zu hinterlassen als Sie es vorgefunden haben?"
Es ist richtig und gut, dass die Kanzlerin die Dinge klar anspricht.

Sauerei???

Ich frage mich wirklich wo sie die sauerei genau sehen?

Dass sich ein kleines Amtsgericht aufschwingt und einen Brauch moralisch als falsch bewertet, der 4.000 Jahre alt ist und der häufigste chirurgische Eingriff weltweit ist? Wenn Sie das meinen stimme ich Ihnen zu.

Und die Diskussion ist in Teilen genauso antisemitisch wie antiislamisch geführt worden. Nur weil diesmal beide Religionen dran waren ändert das allerdings nichts an den antisemitischen Tendenzen in der Diskussion.

Falsch!

Natürlich gibt es Antisemitismus, aber die Beschneidungsdebatte hatte damit recht wenig zu tun.
Von daher ist es Grundverkehrt, sie als Beispiel für Antisemitismus zu nehmen.

Wasser auf die Mühlen der Verharmloser: "Da, seht her, aus jeder noch so abstrusen Sache konstruieren die Antisemitismusvorwürfe..."

Eher kontraproduktiv statt hilfreich!

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Und Frau Merkel wird für's abstellen bezahlt, nicht für's darüber reden!

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