Zentralrat der JudenMerkel beklagt Antisemitismus in Deutschland

Die Bundeskanzlerin hat ein "großes Maß an Antisemitismus" in Deutschland festgestellt. Vor dem Zentralrat der Juden kritisierte sie den Tenor der Beschneidungsdebatte. von afp, dpa, reuters und dapd

Angela Merkel bei ihrer Rede vor der Ratsversammlung des Zentralrats der Juden in Frankfurt a. Main

Angela Merkel bei ihrer Rede vor der Ratsversammlung des Zentralrats der Juden in Frankfurt a. Main  |  © Daniel Roland/AFP/Getty Image

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich besorgt über Judenfeindlichkeit in Deutschland geäußert. "Es gibt ein großes Maß an Antisemitismus , was leider sich an bestimmten Vorfällen immer wieder zeigt", sagte Merkel in Frankfurt während der Ratsversammlung des Zentralrats der Juden

"Es bringt uns alle auch noch einmal dazu, darüber nachzudenken, was es bedeutet, Toleranz gegenüber Religionen zu zeigen", sagte die Kanzlerin. Religionsfreiheit drücke sich auch darin aus, dass Religion ausgeübt werden könne, sagte Merkel auch mit Blick auf die Beschneidungsdebatte , die teilweise antisemitisch geführt worden sei.

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Auslöser war ein Urteil des Kölner Landgerichts , das die rituelle Beschneidung eines minderjährigen Jungen als rechtswidrige Körperverletzung eingestuft hatte. Das Urteil führte zu einer Protestwelle von Juden und Muslimen. Die Bundesregierung will rituelle Beschneidungen in Deutschland weiter ermöglichen. Das Gesetz könne hoffentlich noch vor Weihnachten verabschiedet werden, sagte Merkel.

"Israel hat das Recht auf Selbstverteidigung"

Gleichzeitig wiederholte die Kanzlerin ihre Unterstützung Israels im Nahostkonflikt . "Jedes Land hat das Recht auf Verteidigung, Selbstverteidigung und den Schutz seiner Bürger", sagte Merkel. Letzteres sei sogar die Pflicht jeder Regierung.

Es war das erste Mal, dass ein deutscher Kanzler bei der Ratsversammlung zu Gast war. Zentralratspräsident Dieter Graumann sprach von einem wichtigen Signal dafür, "dass jüdisches Leben in Deutschland willkommen ist".

Die einmal im Jahr tagende Ratsversammlung ist das höchste Beschlussorgan des Zentralrats der Juden in Deutschland. Sie berät über alle Grundsatzfragen der jüdischen Gemeinschaft. Der Ratsversammlung gehören alle Landesverbände und einzelne Großgemeinden wie Berlin , München , Frankfurt und Köln an.

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Leserkommentare
  1. ... hat längst begonnen. In der Vergangenheit hat Merkel mehr als oftmals bewiesen, dass mehr als oftmals genau ihre eigenen Aussagen dazu vor den entsprechenden Wahlen mit zumindest ihr als Zugpferd nach den Wahlen rein gar nichts mehr gelten. Wenn ich mir dann zusätzlich in der Gesamtheit all ihre Einknickerei, 180° und 360° Wendungen betrachte so komme ich zum Ergebnis, dass ich ihr auf keinen Fall auch nur mehr ein Wort glauben kann, welches ihren Mund verlässt. Damit will ich ihr keinesfalls unterstellen, vor dem Zentralrat gelogen zu haben. In der Folge weiss sie meiner Meinung nach als kinderlose Frau keinesfalls, wovon sie in der Beschneidungsdebatte spricht.

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    Also der letzte Satz ist doch einfach nur Schrott, oder?

  2. Dass die alte Taktik, die Wähler mit sich selbst kämpfen zu lassen, immer wieder aufgeht.

    Natürlich ist der Vorwurf des Antisemitismus gespielt. Aber er zündet doch so schön! In der ZEIT war zuletzt auch G. Grass ein Antisemit, weil er die Politik(!) des Staates Israels hinterfragte.

    Also die Politik, die sich auf das Recht zur Verteidigung beruft (was ihr zusteht), aber geschickt überspielt, dass die Verhältnismäßigkeit dabei gewahrt bleiben sollte. Nun gut, man will sich dort ja auch präventiv gegen den Iran "verteidigen". Genau.

    In der Hitze einer fast schon verstummten Beschneidungsdebatte verteidigt es sich vielleicht ruhiger. Wer weiß? Terminplan.

    Dass sich der deutsche Staat, welcher sich sich - in Form Merkels - nun mit Toleranz brüstet, damit vor allem gegen die Körperliche Unversehrtheit ausspricht, dass ist Frau Merkel sicher bewusst.

    Und wenn es nicht die Juden beträfe, sondern "nur" die Muslime Deutschlands, dann hätten wir eine andere Debatte und der Bundestag keinen Finger gerührt.

    Eine seltsame Art der Gerechtigkeit und der Besorgnis um "religiöses Leben" in Deutschland. Einseitig. Gespielt.

    Ich pflichte den Vorredner bei, das Urteil brachte eine notwendige Diskussion. Zweifel dürften aufkommen, ob der G.-Entwurf den Frieden bringt, den Merkel mit dem grotesken Antisemitismusvorwurf befohlen hat.

    Auch verwundert, dass die so toleranten und besorgten Verbände nichts Besseres zu tun hatten, als Holocaust-Vergleiche zu ziehen. Selbstoffenbarung.

    Antwort auf "Ihre Ansicht"
    • mehrmut
    • 25. November 2012 22:18 Uhr

    Ehrlich, solche psychologisierenden Unterstellungen ohne jeglichen individuellen Beleg (aber trotzdem gleich mal "kollektiviert"), sind auf dem gleichen Niveau wie rassistische oder anderweitig diskriminierende Kommentare.

    An Ihrem "Argument" ist nichts, aber wirklich gar nichts dran.

    Antwort auf "schuldprojektion"
  3. Moment mal: wer hat eigentlich diese Debatte angefangen?
    In diesem Land finden seit Jahrtausenden Beschneidungen statt. Seit die Republik besteht (das sind nun 63 jahre) gibt es den § 223 StGB und werden jüdische Jungs beschnitten.
    Dann kam dieser Prof Putzke (Geburtsort: Sachsen), den kein Mensch kannte und der sich einen Namen machen wollte und der schrieb einen Aufsatz über dieses Thema - mit den bekannten Thesen.
    Das LG hat diese Thesen übernommen - und nun gab es die Debatte.
    Also: kein Mensch wollte dem deutschen Michel irgend etwas.
    Im Gegenteil: eine Praxis, die hier immer legal war, stand plötzlich nach Ansicht eines LG unter Strafe.
    Dieses Selbstmitleid es dt Michel ist peinlich und dumm.

    Antwort auf "Weil es einfach ist"
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    "Dieses Selbstmitleid es dt Michel ist peinlich und dumm."
    ---------
    Eben. Die Äußerungen Merkels sind hier klar ein zu beziehen.

    Glauben Sie es macht Ihr Argument ueberzeugender, wenn Sie darauf hinweisen, dass Prof. Putzke in Sachsen geboren wurde? Haben Sie etwas gegen Ostdeutsche? Ja, es stimmt es hat 63 Jahre zu lange gedauert, bis jemand die Erkenntnis hatte, dass die Beschneidung von Kindern strafrechtlich problematisch ist. Leider sind Menschen nicht mit dem vollkommenen Wissen auf die Welt gekommen, weshalb es ja Professoren gibt. Ja die werden dafuer bezahlt, neue Erkenntnisse zu gewinnen und zu verbreiten. Und sich einen Namen als Professor zu machen ist Teil des Jobs. Aber man hat auch lange geglaubt die Erde waere ein Scheibe, haette man deshalb nur aus historischen Gruenden daran weiter glauben sollen? Galileo war auch so ein Wichtigtuer. Ja bis vor ein Jahren, war es auch noch normal, dass man Kinder zu Erziehungszwecken verpruegelte, trotzdem ist es jetzt verboten, weil man zu der Erkenntnis kam, dass das wohl aus verschiedenen Gruenden bedenklich ist. Uebrigens Gomulka ist ein in Deutschland durchaus gaengiger Name, weshalb eine Verbindung zu dem frueheren polnischen Politiker eher sehr unwahrscheinlich ist. Oder wollen Sie jedem Koreaner mit Namen Kim unterstellen er haette etwas mit der Familie Kim Il Sung zu tun? Aber machen Sie das mal, so koennen Sie garantiert fast alle Koreaner gegen sich aufbringen. Es scheint aber Ihre Strategie zu sein, Menschen, die nicht Ihrer Meinung sind zu diskreditieren zu wollen.

    "Dann kam dieser Prof Putzke (Geburtsort: Sachsen).."

    da scheint mir ein wenig chauvinismus auf. nur so; zu meinem verständnis: was hat das mit sachsen zu tun? mögen sie keine sachsen? meinen sie "der sachse" an sich ist antisemitisch? sind sie antisächsisch? ich glaube, sie machen sich langsam lächerlich.

  4. es geht hier darum, die jüdische Religion zu verbieten? Es geht um die Abwägung des Rechtes auf körperliche Unversehrtheit bzw. dem Recht auf gewaltfreie Erziehung im Widerstreit zum Recht auf religöse Erziehung. Wie schon in anderen Posts angedeutet, sind nicht nur jüdische Familien, sondern auch muslimsche betroffen. Mal davon abgesehen geht es nicht darum "Beschneidungen" zu verbieten, sondern darum "Beschneidungen an Schutzbefohlenen" zu verbieten.

    Der Vorwurf des Antisemitismus, den sie hier herauszulesen meinen wäre dann korrekt, wenn sie nachweisen könnten, dass die Foristen anders darüber urteilen würden, wenn von diesem Gesetz Christen oder Hindus oder sonstige Religionsgemeindschaften betroffen wären. Bis dahin bleibt der Vorwurf des Antisemitismus eine einseitge, unbelegte Behauptung ihrerseits.

    Mal ganz davon abgesehen, wenn sie schon auf die deutsche Geschichte anspielen:
    Ich finde es gar nicht so ungewöhnlich, das gerade aufgrund unserer Geschichte sehr stark auf Verstöße gegen die Grundrechte von schwachen Mitgliedern der Gesellschaft geachtet wird. Weil wir eben gelernt haben was passieren kann, wenn die Starken außerhalb von Grund- und Menschenrechten handeln.

    Das in diesem Fall die Eltern gegenüber ihren Kindern die Starken sind mag aus ihrer Sicht mglw. im Falle von jüdischen Familien zu einer seltsamen Situation führen. Dies aber im Großteil der Debattenbeiträge als Antisemitismus zu diagnostizieren, ist eine Unterstllung ihrerseits.

    Antwort auf "Makaber"
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    1. Beschneidung ist - Sie mögen es mögen oder auch nicht - ein wesentlicher Ritus des Judentums. Wer diesen Ritus unter Strafe stellt, stellt also einen wesentlichen Teil dieser Religion unter STrafe.
    2. Die angebliche besondere Sensibilität der Deutschen in Grundrechtsfragen drängt sich mir sonst eher selten auf. Auch finde ich das Argument: die Großelterngeneration hat gemordet, deshalb sind wir heute besonders moralisch hochstehend ehrlich gesagt etwas seltsam.

  5. 166. Schrott

    Also der letzte Satz ist doch einfach nur Schrott, oder?

    Antwort auf "Der Wahlkampf ..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
  6. 167. Eben.

    "Dieses Selbstmitleid es dt Michel ist peinlich und dumm."
    ---------
    Eben. Die Äußerungen Merkels sind hier klar ein zu beziehen.

    Antwort auf "Die Affaire"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entfernt. Wir bitten alle User Ihre Privatfehden zu beenden. Danke, die Redaktion/se

  7. 1. Beschneidung ist - Sie mögen es mögen oder auch nicht - ein wesentlicher Ritus des Judentums. Wer diesen Ritus unter Strafe stellt, stellt also einen wesentlichen Teil dieser Religion unter STrafe.
    2. Die angebliche besondere Sensibilität der Deutschen in Grundrechtsfragen drängt sich mir sonst eher selten auf. Auch finde ich das Argument: die Großelterngeneration hat gemordet, deshalb sind wir heute besonders moralisch hochstehend ehrlich gesagt etwas seltsam.

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    "Auch finde ich das Argument: die Großelterngeneration hat gemordet, deshalb sind wir heute besonders moralisch hochstehend ehrlich gesagt etwas seltsam."
    ----------------
    Sie biedienen sich der Tatsache dieses Zusammenhangs merkwürdiger weise allerdings recht häufig.

    Zu ihrem ersten Punkt:
    Dem mag so sein. Allerdings ist nicht die Tatsache für das (von vielen gewünschte) Verbot relevant, das es sich hierbei um einen Ritus des Judentums handelt, sondern das dieser Ritus gegen eine der Grundrechte der BRD verstößt. Mal ganz davon abgesehen das es, wie ich im Verlauf dieser Debatte lernen durfte, auch jüdische Gruppen gibt, die diesen Ritus durch eine Art Zeremonie ersetzt haben, die ohne eine Gewaltanwendung gegenüber dem Säugling durchgeführt wird.

    Wenn ihr Vorwurf des Antisemitismus nun zuträfe (Def. Anitisemitismus: Hassen der Menschen jüdischen Glaubens aufgrund ihres Glaubens), dann müßten die Foristen ebenso gegen diese veränderte Form des Rituals Sturm laufen. Einen solchen Post habe ich allerdings noch nicht entdecken können.

    Sie sehen, es geht nicht darum, jüdisches Leben in Deutschland zu verbieten. Allerdings werden sich mglw. auch Menschen jüdischen Glaubens zu einem gewissen Grad anpassen müssen, genau wie jeder andere auch.

    Zu ihrem zweiten Punkt:
    Da würde ich Ihnen durchaus widersprechen. Ich finde es (angenehm!) auffallend, wie sehr in Deutschland immer wieder auf die Grundüberzeugungen des GG in Diskussionen zurückgegriffen wird um durch logische Schlüsse zur eigenen Position zu kommen.
    Anders als Sie würde ich der Diskussionkultur in Deutschland also tatsächlich eine (sehr) große Sensibilität in Bezug auf Menschenrechte unterstellen. Beispielhaft hierfür sei an die Debatte um "Racial profiling" verwiesen.

    • lispm
    • 25. November 2012 23:17 Uhr

    Religionen haben in ihrer Historie immer einige haltlose Dogmen vertreten. Es hat dann sehr lange gedauert, um z.B. zu erkennen dass die Sonne nicht um die Erde kreist, dass es unveräusserliche Menschrechte gibt, etc.

    Ich würde es sehr begrüssen, wenn Juden und Muslime lernfähig wären und die unsägliche Beschneidung von Säuglingen einstellen. Gemessen an der Historie der Religionen insgesamt habe ich da allerdings wenig Hoffnung.

    Wir sollten nicht das Recht auf Unversehrtheit aufgeben.

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, dapd, Reuters, nf
  • Schlagworte Angela Merkel | Bundesregierung | Recht | Zentralrat der Juden | Antisemitismus | Bundeskanzler
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