Der Fall des seit Jahren in der Psychiatrie zwangseingewiesenen Gustl Mollath soll komplett neu aufgerollt werden. Bayerns Justizministerin Beate Merk wies die Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg an, beim zuständigen Gericht die Wiederaufnahme des Verfahrens zu beantragen.

Ein Ministeriumssprecher bestätigte einen entsprechenden Bericht der Augsburger Allgemeinen . Auch Ministerpräsident Horst Seehofer hatte eine Neubewertung des Falles gefordert . Anlass für den Schritt sind neue Hinweise auf mögliche Ungereimtheiten in dem Fall.

Die Nürnberger Nachrichten berichteten, dass die Anzeige Mollaths gegen seine Frau und weitere Mitarbeiter der HypoVereinsbank (HVB) 2004 auch bei den Nürnberger Finanzbehörden landete, dort aber relativ schnell als "erledigt" zu den Akten gelegt wurde.

Das habe der Richter, der damals im Fall Mollath urteilte, erreicht, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Behördenkreise. Er habe bei den Finanzbehörden angerufen und darauf hingewiesen, dass Mollath nicht klar bei Verstand sei. Zu dem Zeitpunkt gab es allerdings das psychiatrische Gutachten noch gar nicht, das Mollath später unter anderem ein "paranoides Gedankensystem" und Gemeingefährlichkeit attestierte.

Seit 2006 in der Psychiatrie

Mollath sitzt seit 2006 in einer psychiatrischen Klinik , weil er seine Frau misshandelt und Reifen zerstochen haben soll. Mehrere Gutachter haben ihm inzwischen Gefährlichkeit bescheinigt. Brisant ist der Fall, weil Mollath 2003 – nachdem er bereits angeklagt war – seine Frau, weitere HVB-Mitarbeiter und 24 Kunden beschuldigte, in Schwarzgeldgeschäfte verwickelt zu sein.

Doch während die Nürnberger Staatsanwaltschaft keine Ermittlungen einleitete, hat ein vor Kurzem bekanntgewordenes HVB-Papier manche Vorwürfe Mollaths bestätigt.