NSU-ErmittlungenBundesanwaltschaft schreibt Zschäpe größere Bedeutung zu

Beate Zschäpe galt bislang nicht als Haupttäterin des NSU. Einem Zeitungsbericht zufolge schätzt die Bundesanwaltschaft ihren Einfluss aber als deutlich größer ein. von afp, dpa und

Die Bundesanwaltschaft schreibt der mutmaßlichen rechtsextremen Terroristin Beate Zschäpe einem Zeitungsbericht zufolge eine deutliche wichtigere Rolle bei den Taten des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) zu als bislang angenommen. Die Anklageschrift der Bundesanwaltschaft zeichne ein neues Bild Zschäpes , berichtete die Zeitung Die Welt .

Dem Bericht zufolge wirft die Anklage der 37-Jährigen insgesamt 27 "rechtlich selbstständige Handlungen gemeinschaftlich mit Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos" vor, darunter zehn Morde, einen versuchten Mord, zwei Sprengstoffexplosionen, eine Brandstiftung mit versuchter Tötung in drei Fällen.

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Zschäpe soll entgegen der bisherigen Einschätzungen nicht nur Mitläuferin gewesen sein, sondern könnte entscheidenden Einfluss auf die beiden anderen NSU-Mitglieder gehabt haben. So soll sie nach der Aussage ihres Cousins Mundlos und Böhnhardt "im Griff" gehabt haben.

Kontrolle über die Finanzen

Zschäpe ist die einzige Überlebende der NSU-Terrorgruppe. Ihre mutmaßlichen Komplizen töteten sich selbst. Als "Managerin des Geldes" habe sie einen bestimmenden Einfluss gehabt, schreibt Die Welt zur Anklageschrift. Zschäpe habe die Beute verwaltet, die Mundlos und Böhnhardt bei mehr als einem Dutzend Banküberfällen gemacht hätten – insgesamt mehr als 600.000 Euro. Als sich die Männer nach Südafrika absetzen wollten, sei dies etwa am Einspruch Zschäpes gescheitert, die Deutschland nicht verlassen wollte, berichtete die Zeitung.

Die Bundesanwaltschaft nahm nicht inhaltlich Stellung zu den Berichten und verwies auf ihre Erklärung zur Anklageerhebung vor einer Woche . Die Zuständigkeit liege jetzt beim Oberlandesgericht München .

Die Bundesanwaltschaft hält für Zschäpe nach einem Bericht des Tagesspiegels eine Sicherungsverwahrung für notwendig. Diese kann bei Straftätern, die ein besonders schweres Verbrechen begangen haben und auf unabsehbare Zeit als extrem gefährlich gelten, für die Zeit nach der zu verbüßenden Haftstrafe angeordnet werden.

Die 37-Jährige muss sich vor dem Oberlandesgericht München als Mitglied des NSU und als Mittäterin verantworten. Neben Zschäpe sind auch vier mutmaßliche Unterstützer und Helfer der sogenannten Zwickauer Zelle angeklagt, darunter der frühere NPD-Funktionär Ralf Wohlleben.

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Leserkommentare
  1. “Aus Berliner Sicherheitskreisen ist die Vermutung zu hören, dass die später untergetauchte Gruppe vom Verfassungsschutz eine neue Identität erhielt und dann als Informant in der rechten Szene geführt wurde.“(n.tv 2011)

    "Faber erlebt die Frauen aus der Szene als deutlich schlauer und als Informanten effektiver als die männlichen Kameraden. Im Nachhinein würde es ihn nicht wundern, wenn es bei Zschäpe einen Anwerbeversuch des Verfassungsschutzes gegeben hätte." (n-tv 2012)

    "“Es gibt ja die von mir immer wiederholte Information, dass unmittelbar nachdem die beiden tot in ihrem Camper lagen, der Bundesnachrichtendienst und der militärische Abschirmdienst hier in Thüringen in Erscheinung getreten ist. Die Polizisten erinnern sich, als sie die Ermittlungsarbeiten gemacht haben, dass, so die Information eines Polizisten, die Geheimsten aller Geheimen sich gegenseitig auf den Füßen ‘rumgelascht sind. Das fanden die Polizisten sehr seltsam, weil bei einem normalen, “normalen Sparkassenraub”, konnte man sich gar nicht erklären, was der BND und der MAD da tut. (…) Ich habe von Anfang an immer die Frage gestellt: Was macht der Bundesnachrichtendienst hier ? Auf die Frage habe ich bis heute noch keine Antwort gekriegt. Ich weiß aber: Er war involviert. Wie weiß ich nicht. Ich weiß aber auch seit damals, dass der Militärische Abschirmdienst involviert war. Das hat der Schäfer Bericht mittlerweile dokumentiert. Der MAD mit V-Leuten des MAD ist dokumentiert." (Bodo Ramelow)

    4 Leserempfehlungen
    • akomado
    • 18. November 2012 0:56 Uhr

    so heißt es - meiner Ansicht nach berechtigt - im Blog "Morgenländers Notizbuch".
    Der NSU-Komplex ist eine Staatsaffäre sondergleichen. Wer halbwegs rational denkt, kann in den unzähligen "Ermittlungspannen" nur Indizien für die staatliche Verstrickung in den Fall sehen. Allein die zahlreichen Aktenvernichtungen bis zum Juli 2012 zeigen: Die Behörden waren aufgefordert, Akten zum NSU-Komplex zu suchen - sie haben die relevanten Akten gefunden - und umgehend vernichtet.
    Alle wohlwollenderen Interpretationen kennzeichnen dagegen nur das Versagen der Medien. Auch das meiner geliebten ZEIT.
    [...]
    Es ist offensichtlich, daß all dies keine "Pannen" sein können. So weit sollte jeder kritische Journalist denken können. Uns kritischen Bürgern fehlen meist die Instrumente, tiefgründig nachzuforschen. Das müßten die Medien tun. Die aber verweigern sich. Haben sie Angst vor dem Fall, daß die staatliche Autorität nachhaltig geschwächt werden könnte? Es gibt Netz-Heroen, die immerhin versuchen, unablässig auf die Ungereimtheiten und Widersprüche des NSU-Komplexes hinzuweisen (z. B. in: www.friedensblick.de). Sie finden bisher kein Echo. Die Hauptverantwortung lastet deshalb auf Haupt-Medien wie der ZEIT. So lange sie keinen Zweifel an der behördlichen Version der Tatumstände äußern, kann man uns anscheinend jede noch so hanebüchene Version als "die Wahrheit" verkaufen. Dashalb: Aufklärung!!!

    Gekürzt. Bitte richten Sie Fragen zur Moderation direkt an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/jp

    2 Leserempfehlungen
  2. zunächst einmal eine möglichst heftige Tatbeteiligung behaupten.
    Jetzt gehts es an das Beweisen.

    Eine Leserempfehlung
    • SonDing
    • 20. November 2012 7:14 Uhr

    Und was wird man nun, mit diesem ihrem Wissen tun?

    Schreddern?

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, tis
  • Schlagworte Beate Zschäpe | Uwe Böhnhardt | Finanzen | Brandstiftung | Bundesanwaltschaft | Mord
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