NSU-Prozess : Zschäpe will vor Gericht schweigen

Im Ermittlungsverfahren zu den Morden des NSU hat sich die angeklagte Beate Zschäpe bislang nicht geäußert. Auch vor Gericht wird sie laut ihren Anwälten nicht sprechen.
Ein von der Polizei veröffentlichtes Foto der angeklagten Beate Zschäpe aus dem Jahr 2009 © Bundeskriminalamt/Reuters

Die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe will nach Angaben ihrer Anwälte auch vor Gericht schweigen. Sie seien sich mit Zschäpe einig, dass diese keine Angaben zur Sache machen werde, sagten ihre Verteidiger der Süddeutschen Zeitung .

"Wir mussten Frau Zschäpe nicht dazu überreden", sagte ihr Kölner Anwalt Wolfgang Heer. Ob diese Ankündigung für die gesamte Dauer des Prozesses Bestand haben werde, stehe allerdings nicht fest. "In einem Hauptverfahren sind viele Entwicklungen möglich, die man nicht vorhersagen kann. Derzeit gilt: Frau Zschäpe wird schweigen", sagte ihre Berliner Anwältin Anja Sturm. Zschäpe hatte in dem seit zwölf Monaten andauernden Ermittlungsverfahren die Aussage verweigert.

Die Verteidiger warfen Generalbundesanwalt Harald Range eine "Vorverurteilung" vor, weil er frühzeitig über eine Kronzeugenregelung gesprochen und diese abgelehnt habe. Hinter der Debatte über die Kronzeugenregelung stehe die Annahme, dass Zschäpe in allen Anklagepunkten verurteilt werde. Davon aber sei nach den Worten der Anwälte nicht auszugehen.

Prozessbeginn noch offen

Die 37-Jährige muss sich als mutmaßliches Mitglied der rechtsextremen Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) und als Mittäterin bei zehn Morden und 15 Raubüberfällen verantworten . In früheren Interviews hatten die Zschäpe-Anwälte bereits bestritten, dass Zschäpe als Mittäterin an der NSU-Mordserie beteiligt gewesen sei.

Neben Zschäpe sind auch vier mutmaßliche Unterstützer und Helfer der sogenannten Zwickauer Zelle angeklagt, darunter der frühere NPD-Funktionär Ralf Wohlleben. Der Prozess soll nach dem Willen der Bundesanwaltschaft in München stattfinden, der Beginn ist noch offen.

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Kommentare

49 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Ob das eine Nachricht wert ist?

"Wir mussten Frau Zschäpe nicht dazu überreden", sagte ihr Kölner Anwalt Wolfgang Heer. Ob diese Ankündigung für die gesamte Dauer des Prozesses Bestand haben werde, stehe allerdings nicht fest."

Hier sind wir eigentlich wieder beim Zeitungseinheitsbrei, da wundern sich natürlich die Redakteure wenn niemand mehr Zeitungen kauft. Steht ja überall das gleiche drin. Eigentlich hätte man auch eine zwei Zeilen Artikel draus machen können.

"Mutmaßliche Neonazi-Terroristin" es muss ganz dünn aussehen mit der Anklage wenn zuerst die Öffentlichkeit und dann der Verteidiger informiert wird.

Zum Glück haben die Medienrichter schon das Urteil vorformuliert.

homestory

Mir ist auch aufgefallen, dass es bei der NSU immer so nette homestories gibt und die tatsächlich als Menschen gezeigt werden.
Bei der RAF kann ich mich nur an grimmige Fahndungsfotos erinnern, bei denen jedem sofort klar war, dass die durchweg das personifizierte Böse sind.
Bei der Zschäpe finden es Viele als normal, dass sie schweigt, bei den RAF-Mitgliedern wurde das strafverstärkend bewertet und es wurde sogar gefordert, dass sie so lange in Haft bleiben, bis sie endlich ausgesagt haben.
Kommt wohl darauf an wen man umgebracht hat.

Tja, die rechtsstaatliche Würdigung der "RAF",

war sicher auch ein Grund dafür das sich Helmut Schmidt so äußerte:

"Wir sind dankbar dafür das die deutsche Juristen den Umgang mit der RAF nie nach rechtststaatlichen Gesichtspunkten untersucht haben..."

Es sei nur nochmal an des fragwürdige "Kontaktschuldkonstrukt" erinnert!

Und Sie haben sicher Recht, der Verfolgungseifer weist einen unterschiedlichen Charakter auf, ganz je nachdem, ob "Repräsentanten" oder "normale Steuerzahler" die Zielgruppe sind!

Wurden zu RAF-Zeiten doch auch Personenschutzkommandos und individuelle Schutz/Gefährdungsstufe zu einem Statussymbol innerhalb der politischen Klasse!

MFG KM

@wutbürger #7

"Warum wird diese Täterin als lächelnd dargestellt."

Diese Frage habe ich mir im Laufe der Berichterstattung auch schon häufiger gestellt. Ich bin zu zweierlei Ergebnis gekommen und kann mich leider nicht entscheiden:

1. Gerade *weil* sie auf manchen Bildern so sympatisch lächelt ist es eben auch notwendig, den offensichtlichen Widerspruch zwischen "Engel und Teufel" zu stilisieren.

2. Zschäpe ist eine Frau. Eine Frau als Monster darzustellen scheint im Post-Schwarzerischen Zeitalter ein ähnliches Paradoxon zu sein wie die Verwendung des Binnen-Is bei Negativbegriffen wie TäterInnen, VergewaltigerInnen, MörderInnen aber auch schon im Kleinen, den sanktionierten HartzIV-EmpfängerInnen.

Selbstverständlich sind das nur bescheidene Theorien meinerseits und entbehren jeder wissenschaftlichen Grundlage. Ganz persönlich "fasziniert" mich die Tatsache durchaus, dass ein augenscheinlich so sympathisch aussehender Mensch zur Teilnahme an solchen Taten fähig sein konnte. Es ist dieser extreme Widerspruch, ja fast schon meine persönliche Enttäuschung über meine eigene Menschenkenntnis, weil man einer "so netten Frau" so etwas wohl nie zugetraut hätte.

Unter diesem Aspekt ist es durchaus ok, wenn der Widerspruch des Bauchgefühls zwischen Sympathie und Taten so extrem aufgezeigt wird. Tschäpes Mittäterschaft wird zumindest bei mir dadurch nicht im geringsten geschmälert und eine endlose Beugehaft halte ich durchaus für angemessen.

@Drago: "Fröhliche Lächelbilder der RAF"

Doch, es gibt diese Bilder, und nicht zu knapp. Die meisten von ihnen hat RAF-Mitgründerin Astrid Proll gemacht und später auch als Bildband herausgegeben: "Hans und Gretel. Die RAF 1967 - 1977", Steidl Verlag 1998. Die Proll-Porträts der RAF-Protagonisten gehören teilweise zum Inventar des Hauses der Geschichte, Bonn. Hier das bekannteste der Motive, es zeigt Gudrun Ensslin und Andreas Baader:

http://www.hdg.de/lemo/ob...

@Drago:

Sie haben recht, die meisten der Bilder waren in der von Ihnen so genannten "Heißen RAF-Phase" nicht in Zeitungen zu sehen. Eine Ausnahme war das bekannte Bild von Thorwald Proll, Horst Söhnlein, Andreas Baader und Gudrun Ensslin im Oktober 1968 im Frankfurter Landgericht wegen des Kaufhausbrandstiftungsprozesses, wobei die Personen damals noch nicht als RAF firmierten (http://www.faz.net/aktuel... )

Aber auch die Urlaubsbilder der NSU sind ja auch erst nach deren "heißer Phase" für die Presse verfügbar.