Terrorismus : Die Männer im Umfeld von Beate Zschäpe

Die rechtsextreme Zelle um Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos sollen zahlreiche Mitwisser und Helfer gehabt haben. Fünf Männer sollen neben Zschäpe angeklagt werden.

Beate Zschäpe , Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, die drei Mitglieder der rechtsextremen Zelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU), sollen eine Reihe von Helfern und Mitwissern gehabt haben. Das Trio, dem eine Serie von zehn Morden angelastet wird, soll dabei auf alte Kontakte im Neonazi-Milieu zurückgegriffen haben. Nach dem Tod von Böhnhardt und Mundlos vor einem Jahr werden zusammen mit Zschäpe im kommenden Jahr wohl fünf weitere Männer vor Gericht gestellt – nur einer von ihnen sitzt aber noch in Haft.

RALF W.: Der Ex-NPD-Funktionär sitzt seit inzwischen fast einem Jahr in Untersuchungshaft – fast genauso lange wie Zschäpe. Er wurde inzwischen nach München verlegt, wo der NSU-Prozess wohl stattfinden wird. W., der es bis zum stellvertretenden NPD-Vorsitzenden von Thüringen brachte, soll der NSU 2001 oder 2002 mit Hilfe eines Kuriers eine Schusswaffe und Munition verschafft haben.

W. soll billigend in Kauf genommen haben, dass die Waffe für rechtsextremistische Morde verwendet werden könnte, was als Beihilfe zum Mord bestraft werden könnte. Der am 27. Februar 1975 geborene W. soll dem Trio außerdem 1998 beim Untertauchen geholfen und es danach finanziell unterstützt haben. W., der als Fachinformatiker arbeitete, ist inzwischen nicht mehr NPD-Mitglied.

HOLGER G.: Der am 14. Mai 1974 in Jena geborene G. war der erste mutmaßliche NSU-Helfer, den die Polizei festnahm. G. soll seit dem Ende der neunziger Jahre Kontakt mit dem aus Thüringen stammenden Trio gehabt haben. Den Dreien soll er seinen Führerschein, eine Krankenversichertenkarte und noch im Jahr 2011 einen Reisepass überlassen haben. So soll er ihnen ermöglicht haben, weiterhin verborgen zu agieren und rechtsextreme Gewalttaten zu verüben.

Mit den Ausweispapieren von G. sollen Wohnmobile für die Gruppe angemietet worden sein, darunter das Fahrzeug, das bei dem Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn benutzt wurde. Er soll auch versucht haben, eine Flucht des Trios ins Ausland zu organisieren, und ihnen zudem eine Waffe, die allerdings nicht zum Einsatz kam, beschafft haben. G. sagte gegenüber den Ermittlern umfassend aus. Im Mai hob der Bundesgerichtshof den gegen ihn bestehenden Haftbefehl auf, weil er vor allem für den von der Bundesanwaltschaft erhobenen Vorwurf der Beihilfe zum Mord keine hinreichenden Anhaltspunkte sah.

ANDRÉ E.: Der aus Sachsen stammende 33-Jährige war vergangenes Jahr in einem spektakulären Einsatz von Elitepolizisten der GSG 9 in Brandenburg festgenommen worden . Seit Juni ist auch er aufgrund einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs wieder frei. Zwar unterhielt E. nach Auffassung des BGH auch nach deren Untertauchen eine freundschaftliche Beziehung zu den NSU-Mitgliedern. Auch soll E. den Dreien etwa Bahncards beschafft haben. Einen Beleg, dass er etwas von den Morden wusste und sogar – wie von der Bundesanwaltschaft angenommen – das Bekennervideo der Gruppe produzierte, sah der BGH dagegen nicht.

MATTHIAS D.: Der 37-Jährige gilt ebenfalls als NSU-Unterstützer. D. wird von der Bundesanwaltschaft verdächtigt, der Terrorzelle in den Jahren 2001 und 2008 zwei Wohnungen in Zwickau beschafft zu haben. Nach der Freilassung von Holger G. wurde auf Antrag der Bundesanwaltschaft auch sein Haftbefehl wieder aufgehoben.

CARSTEN S.: Der 32-Jährige soll zusammen mit Ralf W. die Tatwaffe zu den Morden an neun Kleinunternehmern mit Migrationshintergrund beschafft haben und damit der Beihilfe zum Mord in neun Fällen schuldig sein. Nachdem S. aber umfassend aussagte, ließ die Bundesanwaltschaft ihn im Mai wieder frei. S. sagte sich nach Auffassung der Ermittler glaubhaft vom Rechtsextremismus los . Außerdem war er zur Tatzeit erst 19 Jahre alt, ihm wird wohl nach dem milderen Jugendstrafrecht der Prozess gemacht.

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