StudieFast jeder sechste Ostdeutsche denkt rechtsextrem

Immer mehr Deutsche haben laut einer Studie ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild. Besonders stark gestiegen ist die Ausländerfeindlichkeit in Ostdeutschland. von dapd

In den ostdeutschen Bundesländern breitet sich rechtsextremes Gedankengut laut einer aktuellen Studie massiv aus. Seit 2006 hat sich die Gruppe der Menschen mit einem rechtsextremen Weltbild in Ostdeutschland von 6,6 auf 15,8 Prozent mehr als verdoppelt, so das Ergebnis einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung. In Westdeutschland sei die Quote von 9,1 auf 7,6 Prozent dagegen geschrumpft.

Wie die Autoren der Studie Die Mitte im Umbruch. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2012 berichten, stieg die Anzahl der Menschen mit einem "geschlossenen rechtsextremen Weltbild" in den vergangenen beiden Jahren bezogen auf ganz Deutschland von 8,2 auf 9,0 Prozent. In Ostdeutschland lag dieser Wert vor zwei Jahren bei 10,5.

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Von einem "geschlossenen rechtsextremen Weltbild" sprechen Forscher, wenn die Befragten einer Vielzahl von Aussagen auf dem "Barometer antidemokratischer Einstellungen" zustimmen. Darin sind Aussagen enthalten, wie "Die Ausländer kommen nur hierher, um unseren Sozialstaat auszunutzen". Oder: "Die Bundesrepublik ist durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet."

Laut der Studie bleibt die Zufriedenheit mit der Demokratie im Vergleich zu anderen Staatsformen bei den Befragten mit 94,9 Prozent (West: 95,5 Prozent; Ost: 92,1 Prozent) allerdings hoch.

Einfluss der Bildung hoch

Die Autoren mahnten angesichts der Ergebnisse, "dass es menschenfeindliches Denken und Rassismus in ihrer alltäglichen Ausprägung sind, die den Resonanzboden bilden für das Entstehen von organisiertem, gewalttätigem Rechtsextremismus".  Vor allem bei den 14- bis 30-jährigen Ostdeutschen sei der Befund besorgniserregend. "Hier wächst eine Generation heran, die alle bisherigen Gruppen in ihrer rechten Einstellung zu überbieten droht", schreiben die Autoren. Man könne inzwischen von einem klaren Trend in Ostdeutschland sprechen.

Die Studie zeige auch erneut den Einfluss von Bildung auf die Verbreitung von rechtsextremen Ansichten: "Die Zustimmungswerte der Befragten ohne Abitur zu den einzelnen Dimensionen sind durchgehend mehr als doppelt so hoch wie bei der Gruppe, die mindestens den Bildungsabschluss Abitur hat", heißt es in der Untersuchung.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung untersucht seit 2002 alle zwei Jahre antidemokratische Einstellungen in der Bevölkerung. Für die diesjährige Erhebung wurden im Sommer 2012 mehr 2.415 deutsche Staatsangehörige sowie 95 Personen ohne deutsche Staatsbürgerschaft vom Berliner Meinungsforschungsinstitut USUMA befragt.
 

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Leserkommentare
  1. Ich denke es gibt meist noch einen Unterschied dazwischen, ob man nun rechtsextrem und diskriminierend denkt, oder auch so dann handelt.
    Ich kenne einige, die zwar aus "Spass" so tun, aber eigentlich mit jedem Menschen, egal wie dieser aussieht oder woher dieser kommt, normal und ordentlich umgeht.

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    Ich denke auch, dass es da ganz viele Nuancen der Haltung zur Migrationspolitik gibt und daher diese rechtsextreme Bezeichnung nicht so pauschal vorgenommen werden sollte.

    Bin ich dafür, dass Kriminelle (Kapitalverbrechen!) Ausländer konsequent abgeschoben werden sollten?
    Ja!
    Sollte man Zuwanderern zu Sprachkursen verpflichten?
    Ja!
    Sollte man Zuwanderern die Migration in den Sozialstaat erlauben?
    Nein!
    Ist das Kopftuchverbot für Angestellte des öffentlichen Dienstes gerechtfertig?
    Ja!

    Nun könnte man mir sicherlich einen latenten Rechtsextremismus vorwerfen, da das ja alles so furchtbar ausländerfeindlich klingt. Tatsächlich aber, wollte ich für nix auf der Welt Murat, den Obst- und Gemüsehändler meines Vertrauens missen, der vor über 20 Jahren nach Deutschland gekommen ist, die Sprache spricht und fleissig arbeitet.

    Genauso wenig, wie Maurizios herzlichen italienischen Akzent und die vielen Rotwein und Pizzaabende bei ihm, nach Geschäftsschluss.

    Wenn ich aber die Zuwanderer anschaue, die hier sich einen Lenz machen, nach 40 Jahren immer noch keinen geraden Satz hinkriegen und für 5 Kinder Stütze beziehen, oh ja dann werd ich zur Wildsau und würd die am Liebsten aus dem Land werfen.

    Ausländerfeindlich ist das trotzdem nicht, denn die entsprechenden deutschen Staatsbürger, würde ich am liebsten gleich hinterherwerfen. Nur leider geht das nicht!

    Solange man nicht ethnisch diskriminiert, ist man (nicht zwingend) rechtsextrem!

    Anmerkung: Diesen Kommentar haben wir wieder hergestellt. Danke, die Redaktion/ds

    • mizuki
    • 12. November 2012 15:22 Uhr

    Mit dieser eigenwilligen Auflistung,
    hat diese Friedrich-Ebert-Stiftung (FES)
    sich nicht deutlicher positionieren können im ausglimmenden Ex-Glanz.
    Allein die Bezeichnung Rechtsextrem,
    scheint im Mittelpunkt zu stehen!
    die von der Staatsräson abweichende Sichtweise ist Extrem, Rechtsextrem? sich zur Wehrsetzen, rechtsextreme Gewalttäter

    Ich warte immer noch auf eine vom BIM Friedrich heraus gegebenen Erklärung,
    wie Rechtsextrem, Rechtsterrorist, Terrorist sich definiert?
    und was ist „Rechtes Gedankengut“?

    Ein Bürger muss sich abgrenzen können von Straftatbeständen,
    alles andere ist *Willkür des Polizeistaates*!
    und
    Sozialismus ist Sozialismus, der National- oder der Welt-!

    • JR71
    • 12. November 2012 20:05 Uhr

    herumrassisteln? Lacht doch über was Lustiges!

    • Peter_M
    • 13. November 2012 8:23 Uhr

    Nun ich denke um diese Menschen, die "aus Spaß" diskriminierend sind, geht es hier gar nicht. Mittlerweile hat gehört es ja auch schon u.a. zur Fernsehunterhaltung, dass man über die Herkunft Witze macht. Das macht noch keinen Rechtsextremen aus.
    Man könnte das als Fortschritt sehen, dass sich Deutschland nicht mehr so steif verhält, was dieses Thema angeht, aber ich finde, dass es langsam auch ein bisschen zu weit geht. Ich kenne viele, die im Freundeskreis Witze über Ausländer machen. Diese sind auch teilweise selbst, wie ich auch, "halb-halb".
    Außerdem gilt: Nervige Witze sind mir lieber als sinnlose Gewalt.

  2. Wenn ich diesen Begriff höre würde ich am liebsten etwas kaputt machen, so DUMM ist er.

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    Die Probleme, denen sich die Menschen gegenübersehen, werden immer komplexer. Die Glaubwürdigkeit von Politikern und damit der Politik insgesamt verschwindet. Ghettoisierung und Verschweigen von Gewaltstrukturen in Immigrantenkreisen frustrieren. Der Wert von Familie wird negiert, hinzu kommen Ängst um Job und Alter. Kein Wunder, daß rechtes Gedankengut zunimmt. Dies muß aber keine Hinwendung zum Extremismus bedeuten. Was fehlt, ist eine konservative, klar auf den Werten des Abendlands aufbauende Partei, die solche Sorgen ernst nimmt und diesseits des Demokratieverständnisses auffängt. Das "C" in CDU/CSU ist ja nur noch ein fehlfarbenes Relikt.

  3. 3. [...]

    Bitte verzichten Sie auf die Verbreitung von Verschwörungstheorien. Danke, die Redaktion/fk.

  4. auch wenn man sich hier im Westen an Stammtischen und auf der Straße umhört drängt sich einem dieses Bild auf. Irgendwie wundert mich das nicht. Obwohl es schrecklich ist. Diejenigen, die am härtesten Betroffen sind vom Verdrängungswettbewerb die müssen die Last dessen tragen was die Politik mal eben am grünen tisch beschließt. Und genau denen werden dann immer mehr Mittel gekürzt. da sie sich nicht gegen Hand auflehnen können und wollen, von der sie immer och gefüttert werden richten sie ihre Aggression eben gegen den direkten Konkurrenten. Arbeitslose, Immigranten, von denen man direkt im Viertel natürlich auch ein Verhalten mitbekommt, dass in gepflegten Wohngegenden der Politiker wahrscheinlich unvorstellbar erscheint. Die Politik lässt ihre Bürger im Stich.
    Ich fand den letzten Tatort auf Dortmund ("Mein Revier") sehr interessant -auch zu diesem Thema!

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    Sie schreiben: "[...] richten sie ihre Aggression eben gegen den direkten Konkurrenten. Arbeitslose, Immigranten, von denen man direkt im Viertel natürlich auch ein Verhalten mitbekommt, dass in gepflegten Wohngegenden der Politiker wahrscheinlich unvorstellbar erscheint."

    Nur ist es so, dass genau in den Gegenden, nämlich im Osten, in denen das rechte Gedankengut besonders verbreitet ist, keine große Zahl an Immigranten haben, die ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen. So gesehen ist das Argument aus meiner Sicht nicht richtig. Und genauso sehe ich eher, dass in Gegenden, wo der Ausländeranteil hoch ist, rechtes Gedankengut eher weniger verbreitet ist. Ich glaube, Sie haben Recht, es hat viel mit Ängsten zu tun, aber eher vor dem, was man nur vom Hörensagen kennt.

  5. eine bedenkliche Enwicklung, insbesondere da es wirklich keine zu erkennende reale Motivation dafür gibt.

    Bei einem Forum im Radio kürzlich zu diesem Thema meldete sich ein Bürger aus Ostdeutschland und sagte dazu, das er nicht verstehen könnte warum er als NPD-Anhänger etwas Verwerfliches macht da diese Partei genau so wie die anderen auf dem Wahlzettel stehen und nicht verboten ist.

    Der Moderator hatte darauf keine passende Antwort und ich hätte auch keine gehabt, denn es ist ja leider so.

    Allerdings gibt es in den neuen Bundesländern ja auch nach Befragung von vor zwei Wochen einen sehr hohen Prozentsatz der sagte die Mauer wäre wieder ok.

    Ich persönlich glaube das es sich immer wieder für Schlagzeilen eignet dieses Ostdeutschland und deshalb gezielt diese Trennung insbesondere in den Medien vollzogen wird um Quote zu bekommen.

    Rechter Sumpf im Westen ist durch viele Berichterstattungen immer wieder aufgezeigt worden und das in allen Bundesländern.

    Ob rechts oder links ist nicht die Frage, die Frage ist wie können unsere Politiker ein größeres Vertrauen in unsere Demokratie wieder herstellen damit es weniger Menschen gibt die sich von rechts- und linksextremen Parolen nicht mehr locken lassen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Ich persönlich glaube das es sich immer wieder für Schlagzeilen eignet dieses Ostdeutschland und deshalb gezielt diese Trennung insbesondere in den Medien vollzogen wird um Quote zu bekommen."
    das ist zumindest EIN Grund und eine Vermutung, die sich mir auch öfter aufdrängt, der doofe Ossi ist schuld - wir sind die Guten

    Ihre Argumentation ist mir zu platt. Ich weiß nicht wo Sie wohnen, aber vielleicht sollten Sie einmal nach Berlin oder nach Frankfurt gehen, dann können Sie eine reale Motivation sehr schnell erkennen. Vor allem, sas ist Rechtsextremismus? Ich denke, dass in Deutschland und damit meine ich nicht nur Ostdeutschland, sehr viele Menschen mit der Ausländerpolitik der vergangenen 20 Jahre überfordert sind. Die wenigsten Menschen kennen z. B. den Unterschied zwischen Moslim und Islam, viele sehen eine Gefahr in diesen Religionen. Teilweise ist diese Befürchtung auch konkret vorhanden, da wir immer mehr in Deutschland mit "religiösem Terrorismus" konfrontiert werden. Mittelalter mit Internetanschluss wird immer mehr zur Realität.Die Zahl der ausländischen Hartz IV-Empfänger in Deutschland wächst und wächst, während man der arbeitenden Bevölkerung erzählt, dass die Rente nach über 40 Jahren Arbeit sich nur noch am Existenzminimum bewegt. Ist man ein Nazi, wenn man diese Probleme offen anspricht? Ein klares Nein. Ich denke auch, dass die meisten Bürger mit der Israelpolitik nicht einverstanden sind. Wir leugnen nicht den Holocaust, aber die Menschen in 3. und 4. Generation möchten nicht länger Abbitte leisten müssen. Die hündische Politik unserer Regierung treibt der braunen Brut die Menschen regelrecht in die Arme.

    • ekbül
    • 12. November 2012 16:10 Uhr

    Wo sind denn die ganzen Gewalttaten von Linken? In welchen Stadtvierteln muss ich denn Angst haben auf die Straße zu gehen, weil der linke Mob mich bedroht?
    Ach, Sie fühlen sich von Türkischen und Arabischen Mobstern bedroht? Die sind i.d.R. nicht links, sondern haben genau so ein geschlossenes rechtes Weltbild, wie ihre arischen Brüder im Geiste.
    Nein, nein mein Freund. Die Gefahr geht von Rechts aus. Es spielt eine sehr große Rolle, ob rechts oder links.

    "das ist ja eine bedenkliche Enwicklung, insbesondere da es wirklich keine zu erkennende reale Motivation dafür gibt."
    ----------------
    Doch, die gibt es, (zumindest scheinbar) für die rechtsextrem denkenden zumindest. Sie sind größtenteils widerlegbar, teilweise nur dumm oder eben einfach Vorurteile, aber es gibt sie.
    Da sie aber nicht öffentlich geäußert werden dürfen, gibt es eben auch keine öffentliche Debatte darüber. So kann es schön weiter gähren und sich vermehren.
    Fast schon amüsant, wie sich die Hüter der Political Correctness sich hier so ins eigene Fleisch schneiden.
    Würde eine andere Gruppa als die hier benannte wachsen, so würde ich darüber lachen.

    • Quadrat
    • 12. November 2012 12:30 Uhr

    auf die Verhamlosung dieser Studie.
    Wer rechtsextrem denkt der wird auch rechtsextrem handeln. Ich lebe hier im Westen (Ruhrgebiet) und muss machtlos anschauen, wie gut ausgebildete ausländische junge Menschen, aufgrund ihrer Herkunft und eines ausländisch klingenden Namen keine Praktikumsplätze erhalten. Es sind Maschinenbauer E-techniker, die sich benachteiligt fühlen und es dann auch sind. Solch ein Verhalten findet sich nicht irgendwo in einem Dorf, in dem die Leute schlecht gebildet und somit anfälliger für solche idiotischen Weltbilder sind. Solche Einstellungen findet sich auch in der Mittelschicht. Ich frage mich wieso Deutschland so eine große Angst vor Ausländern hat. Gerade aus der Vergangenheit sollte doch die Gesellschaft gelernt haben.

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    [...]Ich wohne ebenfalls im Ruhrgebiet und in manchen Stadtteile liegt der Anteil meist islamischer Migranten bei 50 bis 90%!
    Viele davon mit nur geringer Schulbildung, was auch die Wurzel ihrer geringen Arbeitsmarkt Chancen ist. Die gut ausgebildeten Migranten von den sie sprechen,haben meist asiatische oder osteuropäische Wurzeln und finden in der Regel auch eine Anstellung -oder eben nicht,wie andere Deutsche auch.
    Das alles sind Produkte Verfehlter Ausländerpolitik, die bereits von einigen Politikern angesprochen wurden.Doch diese Leute wie Sarrazin und Buschkowsky werden beschimpft, die Probleme geleugnet und die Bürger als rechtsextrem bezeichnet.Nur Probleme werden durch nicht gelöst, dass man sie leugnet und ihre Mahner beschimpft.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/ls

    • Peugeot
    • 12. November 2012 13:26 Uhr

    "... irgendwo in einem Dorf, in dem die Leute schlecht gebildet und somit anfälliger für solche idiotischen Weltbilder sind..."

    Ihre Sichtweise auf's Dorf ist, mit Verlaub, diejenige von vor 80 Jahren...

    Und deshalb sollte es Sie nicht verwundern, dass bestimmte Einstellungen in der *Mittelschicht* (übrigens, die gibt es auch auf'm Dorf...)auch vorhanden sind.

    • Gephard
    • 12. November 2012 13:39 Uhr

    Ich finde es eine gewagte These, zu behaupten, Denken führt immer zu Handeln. Sicher, wer nicht so denkt, wird auch schwer so handeln, aber der Umkehrschluss ist fatal. Das ist ein Vorverurteilung aller, die aus ihrer Lebenssituation her momentan gewisse Gedanken in sich tragen. Gedanken können immer überdacht werden, das Gehirn ist sehr flexibel. Es muss halt für die Person auch eine Alternative erkennbar sein. Und die scheint es für viele nicht zu geben. Es ist zu kurz gedacht, das Gedankengut zu verurteilen. Das entsteht ja nicht aus einer persönlichen, unveränderbaren sozialen Inkompatibilität zu einer Wunschgesellschaft.

    Die Freiheit der Gedanken ist unser größtes Gut. Freiheit hat immer Risiken, doch die machen uns Menschen auch zu einer sehr bunten Spezies. Es muss nicht immer alles Glatt laufen, erst dadurch lernen wir und erst dadurch entwickeln wir uns. Gäbe es nicht das Rechtsextreme Gedankengut, würde auch niemand über seine eigene Einstellung nachdenken. Damit will ich es nicht schönreden, aber es ist nun mal so, dass der Verstand größtenteils dualistisch arbeitet. Etwas existiert, wenn es eine Art Gegenteil gibt.

    Jeder kann seinen Beitrag leisten, indem er sichtbar eine Alternative vorlebt und sich nicht verkriecht. Menschen mit diesem Gedankengut zu meiden ist also zu kurz gegriffen, auch wenn das jetzt sehr einfach klingt. Ich weiß, dass dem nicht so ist.

    "Solch ein Verhalten findet sich nicht irgendwo in einem Dorf, in dem die Leute schlecht gebildet und somit anfälliger für solche idiotischen Weltbilder sind."

    Sorry, aber wo bitte ist der Unterschied zwischen jemand, der Ausländern pauschal Sozialschmarotzertum unterstellt und jemand, der Menschen aufgrund ihres Wohnortes für minderintelligent hält?

    "Idiotische Weltbilder" gibt es viele verschieden...

    Sie beschreiben im Prinzip den Faschismus, der eher indirekt vorgefunden, bzw. empfunden wird (ich nenne es Sozialfaschismus), von denjenigen, die ihn aber erfahren, oder erfahren haben. Da liegt ein beachtliches Potenzial, was man nicht unterschätzen sollte. Sie haben ja beschrieben, wie es ist mit Migranten, zum Beispiel türkischer Herkunft und die bei gleicher Bildung, Qualifikation eher den Kürzeren ziehen, wenn es um Personalfragen geht. Das ist nur ein Beispiel für verfehlte Migrationspolitik. Im Osten denke ich, treten Dinge eher zu Tage, da hier für viele ein empfundenes Frust-Potenzial existiert und viele sich als Verlierer empfinden und geben das evtl. auch an ihre nachfolgende Generation weiter, die ihre Kinder sind. Die leider erleben müssen, dass NPD-Aufmärsche normal sind und das einige von denen eben ne Kita spendieren, wo Berlin leider Lichtjahre weg ist. Da entvölkern Landstriche, all das spielt solchen Kräften in die Hände. Dort sieht man es eben explizit, was ist aber mit den ganzen Sympathisanten im Geiste, die sich aber selbst als eher gerecht sehen würden, als normale Bürger. Was ist auch mit Politikern, die in ihrer abgeschotteten, bürgerlichen "Bildungswelt" leben und von der Realität keine Ahnung haben. Würde Claudia Roth auch neben einem Asylantenheim wohnen, auch Frau Künast? Im Fernsehen könnte ich auch gut reden und mit dem Finger auf andere zeigen: Die waren das. Das ist einfach.

    willkommenskultur, z.B. in der arbeitswelt. dabei übersehen sie, daß es über jahrzehnte, für deutsche alles andere, als eine willkommenskultur gegeben hat. ich habe gerade so ein uni-magazin vor mir, wo 7 testosteronbolzen und eine frau als personalchefs von unternehmen zu dos and don´ts bei bewerbungen stellung nehmen. nur die äußerungen der personalchefin von sartorius kann ich als human rezipieren, ohne einen wutanfall zu bekommen. da kommt auch mal das wort "offen" drin vor.
    die 7 anderen gefährlich starrenden schnauzbart- und buschigeaugenbrauenträger
    scheinen hingegen ein sehr verengtes menschenbild zu haben, verlangen vor allem lückenlosigkeit und historisch konsistente
    synchronisation mit der buschtrommel der arbeitswelt , sowie jede menge einschlägiger erfahrung. das sind archaische aussonderer, die von der plastizität von hirnen und der grundsätzlichen fähigkeit des menschen sich anzupassen und in der praxis besser zu lernen, als im nachlässigen simulationsgeschehen der belehrungsbürokratie nichts wissen, sondern genau so hohle phrasen dreschen, wie sie es den mitarbeit suchenden vorwerfen. sie sind äußerst formal, werfen den bewerbern aber die verwendung formaler floskeln, wie "über eine einladung zu einem persönlichen gespräch wuerde ich mich freuen" vor.
    dieser satz ist also ein no go beim weltmarktführer für "orthesen". wie sollen da erst ausländer eine chance haben, wenn selbst korrekte deutsche sätze nicht reichen ?

    • big1953
    • 12. November 2012 12:31 Uhr

    komme gerade aus einem Sachsenurlaub - die Zahl der dort optisch erkennbaren Migranten (meist selbständige Türken oder Vietnamesen) ist gering (Polen oder Tschechen erkennt man kaum) -

    und dann steigt die Ausländerfeindlichkeit.

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    • Pnin05
    • 12. November 2012 12:46 Uhr

    Es geht um die Projizierung auf etwas "Fremdes", und das funktioniert am besten, wenn man es nicht aus dem Alltag kennt. Beispielsweise lebe ich in einer Großstadt mit hohem Ausländeranteil. Da macht man im Alltag die Erfahrung, dass es solche und solche gibt. Gerüchteweise soll es die unter Blutsdeutschen auch geben. Will sagen: man empfindet dann Ausländer als völlig normale Erscheinung, die eben dazugehört. Will man allerdings Vorurteile pflegen, dann finden sich immer Anhaltspunkte (nicht nur bei Fragen der Herkunft, auch beispielsweise bei Fragen der sozialen Schichtung).

    So sind dann Vorurteile gegen eine Bevölkerungsgruppe gerade dort besonders stark, wo diese kaum wahrnehmbar ist. Die Analogie zum Antisemitismus und dem Judenanteil in der Bevölkerung ist bekannt und liegt auf der Hand (auch historisch!).

    • tapster
    • 12. November 2012 13:26 Uhr

    ... das in Artikel so beschrieben wird:

    Von einem "geschlossenen rechtsextremen Weltbild" sprechen Forscher, wenn die Befragten einer Vielzahl von Aussagen auf dem "Barometer antidemokratischer Einstellungen" zustimmen. Darin sind Aussagen enthalten, wie "Die Ausländer kommen nur hierher, um unseren Sozialstaat auszunutzen". Oder: "Die Bundesrepublik ist durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet."

    habe ich, während ich im Berliner "Speckgürtel" aber auch sehr oft von alteingesessenen ehemaligen linientreuen DDR-Bürgern zu hören bekommen.
    Da fielen dann Argumente wie: "Wir waren doch immer die besseren Deutschen. - Wir waren doch die Antifaschisten - Wir haben in der DDR die Reparationen für die Nazis bezahlt. Und jetzt? Wir sind abgewickelt, kriegen nur 'ne kleine Rente und die da, denen wird das Geld hinterhergeschmissen."
    Und diese Haltung wird von den Mitgliedern der SEDPDSdieLINKE noch gefördert, denn durch solche Stimmungmache und die Versprechen: Wir sorgen für euch, die bringen ja Stimmen.

    Und diese feindliche Stimmung gilt auch dem Ausländer aus der Alt-BRD, dem Wessi. Ich erinnere mich noch schaudernd an einige Berichte in den Anfangsjahren dieses Jahrhunderts in brandenburger Zeitungen über gewälttätige Überfälle auf westdeutsche Schulklassen während diese Schulausflüge in die neuen Bundesländer unternahmen.

    • Peugeot
    • 12. November 2012 13:36 Uhr

    diese rechtsextreme Grundhaltung denn auch bemerkt, oder waren die Nazis gleichfalls alle in Urlaub?

    Ich würde mal davon ausgehen, dass hohe Arbeitslosigkeit und Perspektivenlosigkeit ihren Beitrag zur Extremisierung der Gesellschaft leisten.
    Durch die Sozialisierung in der DDR ist natürlich auch von klein auf nicht gerade freiheitlich-demokratisches Gedankengut gelehrt worden. Einige mögen von den alten Heilsversprechen Enttäuscht sich ein neues einfaches Weltbild im anderen Extrem gesucht haben.

    • AndreD
    • 13. November 2012 19:13 Uhr

    dass diese Haltung ursächlich gar nichts mit den Ausländern zu tun hat...

    • ST_T
    • 12. November 2012 12:33 Uhr

    Die letzte Studie der FE-Stiftung war auch nicht gerade für ihre gute Methodik sowie Fragestellung bekannt. Teilweise wurden Suggestivfragen übernommen, teilweise war die Kausalität und die Konklusion vollkommen falsch, und teilweise war die Wissenschaftlichkeit nicht gegeben.

    Und wenn ich mir, so wie eben wieder die nachgefragten Aussagen teilweise durchlese, so ist mein Schluss, dass es sich wieder um billige und polemische Meinungsmache handelt.

    Eine Leserempfehlung
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    Leider lebt der Verein, dessen Partei ich nicht gerade abgeneigt bin, hauptsächlich von Schreckensnachrichten. Wie in so wenigen Jahren auf einmal der Anteil an Rechtsextremen eine Verdreifachung geschafft haben soll, bleibt wohl ein Rätsel.

    Stattdessen gibt es Fragen wie "Glauben Sie auch, daß eine starke Regierung unser Land besser durch Krisen führen kann?", was dann mit dem Wunsch nach einem Führer in einem gleichgeschalteten Staat gleichgesetzt wird.

    und legen dar, was an dieser Studie methodisch fragwürdig sein soll. Ansonsten ist Ihr Vorwurf polemisch und substanzlos!

    • JR71
    • 12. November 2012 21:26 Uhr

    der "Leserempfehlungen" belegen die Ergebnisse der Studie.

    Arme, traurige Redaktion!

    Es ist nicht nötig die Umfrage kritisch zu betrachten, befragen Sie einfach Ihre Umgebung, lesen Sie Leserkommentare und Sie werden feststellen, dass die Ausländerfeindlichkeit extrem zugenommen hat.
    Nationalismus wird längst nicht mehr nur von ungebildeten HONKs (Hauptschüler Ohne Nennenswerte Kenntnisse) propagiert, inzwischen ist er in der Mittel- und Oberschicht angelangt. Er trägt nicht mehr Glatze und Springerstiefel sondern Anzug und Krawatte.
    Dass der Ausländerhass steigt zeigt allein schon wie gut Ihr Kommentar bewertet wird, der diese Entwicklung, die tatsächlich wahrzunehmen ist, derart verharmlost und ins Unglaubwürdige zieht.

  • Quelle ZEIT ONLINE, dapd, tok
  • Schlagworte Ausländer | Bevölkerung | Friedrich-Ebert-Stiftung | Abitur | Autor | Bildung
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