Wirbelsturm SandyHaitis Regierung ruft den Notstand aus

Das ärmste Land Amerikas steht vor einer Hungersnot: Hurrikan Sandy hat einen Großteil der Ernte zerstört. Jetzt werden die Lebensmittel in Haiti knapp. von dpa

Ein Kind läuft durch zerstörte Felder in Leogane, südlich der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince.

Ein Kind läuft durch zerstörte Felder in Leogane, südlich der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince.  |  © THONY BELIZAIRE/AFP/Getty Images

Angesichts der schweren Zerstörungen durch Hurrikan Sandy hat die haitianische Regierung den Notstand ausgerufen. Nach Angaben von Kommunikationsminister Ady Jean Gardy wird das ärmste Land der westlichen Hemisphäre vom Hunger bedroht, nachdem die Regenfälle des Wirbelsturmes in weiten Teilen des Landes die Ernte zerstört haben. Nun werden in dem noch immer unter der Erdbebenkatastrophe von 2010 leidenden Karibikstaat die Lebensmittel knapp.

Die Zeitung Le Nouvelliste berichtete in ihrer Online-Ausgabe, nach vorläufigen Schätzungen des nationalen Koordinationsbüros für Lebensmittelsicherheit (CSNA) sei ein Schaden von mehr als 104 Millionen Dollar entstanden. Der Ausnahmezustand erlaube es der Regierung, Notstandsmaßnahmen zu ergreifen, um den Menschen zu helfen und dem drohenden Hunger zu begegnen, sagte Gardy dem Blatt zufolge. Mindestens 60 Menschen kamen ums Leben und Tausende wurden obdachlos, seit die Ausläufer des Sturmes vor zwei Wochen Haiti trafen.

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In Haiti war zuletzt im Januar 2010 der Ausnahmezustand ausgerufen worden. Damals hatte ein schweres Erdbeben die Hauptstadtregion und weite Teile des Südens zerstört und mehr als 220.000 Menschen den Tod gebracht. Trotz internationaler Hilfe leidet das Land noch immer unter den Folgen der Katastrophe, etwa unter der Cholera, die im Oktober desselben Jahres ausbrach und an der seitdem mehr als 7.600 Menschen gestorben sind.

Nach Angaben von Hilfsorganisationen hat die Zahl der Infizierten in den Tagen nach dem Sturm wegen der Überschwemmungen wieder zugenommen. In den vergangenen Tagen hätten fast doppelt so viele Patienten behandelt werden müssen wie vor Sandy, teilte die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen mit.

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Leserkommentare
  1. <zynismus>

    In NYC ist der Marathon abgesagt worden.

    </zynismus>

  2. an der Cholera gestorben - und diese Krankheit wütet noch immer. Das ist den meisten Zeitungen in diesem Lande eine Notiz unter ferner liefen wert.
    Cholera ist eine der großen Epidemien (sie trat früher auch in Europa auf), die, und das ist der 'Witz', sehr gut medizinisch behandelbar sind. Im Grunde braucht der Patient nur sehr viel sauberes Wasser und Antibiotika, dann sind die Überlebenschancen sehr hoch. Unbehandelt hingegen sterben die Menschen wie die Fliegen.
    Da es sich aber 'nur' um Haiti handelt, findet man, wie gesagt, meist nur eine Notiz am Rande.

    • TDU
    • 04. November 2012 10:09 Uhr

    Man sieht, dass auch das Netz beim Betrachten der schieren Größe (USA) die Kleinen zunächst mal übersieht. Das Netz wird eben von Menschen gemacht, und wir sind halt so. Das Laute hört man eben besser.

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    Ich stelle das deshalb fest, da Sie "wir" schreiben.
    Aber vielleicht sind Sie ja auch adlig und möchten mit "Eure Hoheit" angesprochen werden:-) Sie sprechen nicht für mich. Ich schätze die Qualitäten von Menschen etwas positiver ein.

    Ich nehme eher die schiere Menge der Opfer in Haiti wahr, als den abgesagten Maraton in NY.
    Diese sind mir auch die Meldungen wert, die übrigens in der linken Zeitung "Neues Deutschland" sofort nach dem Wirbelsturm über Haiti thematisiert wurden.

    Also schreiben Sie doch einfach nur für sich. Anonymisieren Sie sich nicht über das "Wir".

    SIE übersehen die kleinen und armen Länder!

  3. Am 5. Dezember 1492 entdeckte Christoph Kolumbus Hispaniola. Zu diesem Zeitpunkt lebten auf der Insel geschätzt 400.000 bis 3 Millionen Ur-Amerikaner. 1542 - 50 Jahre später - lebten auf der Insel ca 5.000 Spanier und 30.000 schwarze Sklaven und noch 200 Indianer. Heute ist der Teil der Insel Hispaniola, welcher zu Haiti gehört, ausgeplündert und dramatisch überbevölkert mit den Nachfahren der Spanier und Sklaven. Von den Ur-Einwohnern blieb nichts übrig, als die Erwähnung in Chroniken. Nach der nahezu vollständigen Rodung der Bewaldung ist eine dramatische Erosion der landwirtschaflich nutzbaren Fläche im Gange. Die Lage ist bei einem weiter anhaltenden Bevölkerungswachstum hoffnungslos.

    Haiti - ein Musterbeispiel der "Zivilisierung" nach den Regeln des christlich geprägten Materialismus. Und ein Vorbote dessen, was im globalen Maßstab passieren wird, nachdem der Rest der Welt die materialistische "Werteordnung" übernommen hat.

    Haiti ist ein Spiegel in die Zukunft ... doch wer wird erst nehmen, was er da sieht ? Es ist einfach zu unangenehm.

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    • gooder
    • 04. November 2012 10:57 Uhr

    Für mich ist es unverständlich, wie es dazu kommen konnte daß Welten zwischen dem einen Teil der Insel(Haiti) und dem anderen Teil (Dominikanische Republik)liegen. Liegt der Niedergang des westlichen Inselteils womöglich an der französischen Kolonialzeit?

    • gooder
    • 04. November 2012 10:57 Uhr

    Für mich ist es unverständlich, wie es dazu kommen konnte daß Welten zwischen dem einen Teil der Insel(Haiti) und dem anderen Teil (Dominikanische Republik)liegen. Liegt der Niedergang des westlichen Inselteils womöglich an der französischen Kolonialzeit?

  4. 6. [...]

    Entfernt. Kein sachlicher Beitrag. Danke, die Redaktion/jp

  5. ... bevorzugt über Länder, denen wir nahe sind. Und die USA sind, abgesehen von der schieren Größe, wichtige Handelspartner und Verbündete für Deutschland. Hinzu kommt, dass viele Deutsche persönliche Erfahrungen und Bezüge zu Land und Leuten haben. Insofern kann ich durchaus nachvollziehen, dass bezüglich des Wirbelsturms v.a. über die USA berichtet wurde.

    Allerdings sollen verantwortungsvolle Medien nicht nur Themen wiedergeben, sondern auch ihre Deutungshoheit nutzen und ein Thema dadurch zum Thema machen, indem sie es ansprechen. Hiermit geschehen im Artikel über Haiti. Dieses Immer-wird-nur-über-Amiland-berichtet-Geschrei nervt langsam.

    greetz, BG

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    Entschuldigung, aber es ist kein "Immer-wird-nur-über-Amiland-berichtet-Geschrei", wenn man auf das Mißverhältnis in der Berichterstattung über ein großes, reiches und mächtiges Land wie die USA und dem gegenüber ein armes, in der Weltpolitik irgendwo am Rand stehendes Land wie Haiti berichtet.

    Die Anteilnahme sollte doch unteilbar sein. Es ist aber ziemlich unleugbar, dass das Ungleichgewicht zwischen der Aufmerksamkeit für die USA und der für Haiti immens groß war und ist. Ich möchte dazu etwas anderes anmerken, das bei dieser Katastrophe sicher von Bedeutung war: über die USA wurde schon im Vorfeld, also bevor "Sandy" nahte, umfassend berichtet. Über die Toten und Verletzten sowie über die Schäden, die "Sandy" zeitgleich bereits in der Karibik verursacht hatte, fand sich dagegen extrem wenig in den deutschen Medien. Das hat auch damit zu tun, dass die USA im Fokus von Korrespondenten und Nachrichtenagenturen stehen, und dass damit diese Nachrichten über den katastrophalen Sturm unmittelbar vor den Präsidentschaftswahlen ein für die Medien perfektes Thema gewesen sind.

  6. Entschuldigung, aber es ist kein "Immer-wird-nur-über-Amiland-berichtet-Geschrei", wenn man auf das Mißverhältnis in der Berichterstattung über ein großes, reiches und mächtiges Land wie die USA und dem gegenüber ein armes, in der Weltpolitik irgendwo am Rand stehendes Land wie Haiti berichtet.

    Die Anteilnahme sollte doch unteilbar sein. Es ist aber ziemlich unleugbar, dass das Ungleichgewicht zwischen der Aufmerksamkeit für die USA und der für Haiti immens groß war und ist. Ich möchte dazu etwas anderes anmerken, das bei dieser Katastrophe sicher von Bedeutung war: über die USA wurde schon im Vorfeld, also bevor "Sandy" nahte, umfassend berichtet. Über die Toten und Verletzten sowie über die Schäden, die "Sandy" zeitgleich bereits in der Karibik verursacht hatte, fand sich dagegen extrem wenig in den deutschen Medien. Das hat auch damit zu tun, dass die USA im Fokus von Korrespondenten und Nachrichtenagenturen stehen, und dass damit diese Nachrichten über den katastrophalen Sturm unmittelbar vor den Präsidentschaftswahlen ein für die Medien perfektes Thema gewesen sind.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Regierung | Arzt | Ausnahmezustand | Cholera | Dollar | Erdbeben
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