Wirbelsturm SandyNew York kämpft sich in den Alltag zurück

Überfüllte Busse, gesperrte Straßen – der Neustart nach Sandy gestaltet sich in der Sturmregion schwierig. Noch immer fehlt es an Wasser und Strom. von afp, dpa, reuters, dapd und

Bus an der First Avenue in New York

Bus an der First Avenue in New York  |  © Stan Honda/AFP/GettyImages

Im Sturm-Katastrophengebiet an der US-Ostküste versuchen die Geschädigten und Verantwortlichen, sich den Weg zurück zur Normalität zu bahnen. Erste Busse und Bahnen sind wieder in Betrieb, die Börse in New York handelt wieder. Die Regierung lässt Hilfsgüter in die von Wirbelsturm Sandy überzogene Region bringen. Derzeit treibt der Sturm gewaltige Schneemassen über das Gebiet der Großen Seen, was dort weitere Probleme nach sich ziehen dürfte.

Besonders in den Millionenstädten verläuft der Neustart zäh : Trotz der Wiederaufnahme des Busbetriebs gestaltete sich der Weg zur Arbeit und wieder nach Hause am Mittwoch für viele New Yorker extrem schwierig. Weil die wenigen eingesetzten Busse überfüllt waren und die wichtigsten U-Bahnen wegen überfluteter Schächte erst ab dem heutigen Donnerstag wieder fuhren, nahmen Berufstätige lange Fußmärsche in Kauf. Andere versuchten, eines der wenigen Taxis zu stoppen. Immerhin ist der Nahverkehr noch bis Freitag gratis. Bürgermeister Michael Bloomberg ordnete an, dass nur noch Autos mit mindestens drei Insassen nach Manhattan fahren dürfen, damit die enorme Staugefahr sinkt.

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Drei der sieben Tunnel unter dem East River sind inzwischen leergepumpt. Die Schulen bleiben diese Woche geschlossen. "Mir ist klar, dass das für Eltern große Unannehmlichkeiten bedeutet", sagte Bloomberg.

Explosion im Umspannwerk

Viele New Yorker hatten zuvor eine weitere Nacht im Dunkeln und ohne warmes Wasser zugebracht. An einigen Plätzen brannten Feuer, an denen sich Sturmgeschädigte wärmten. Mehr als 760.000 der rund drei Millionen Kunden von Consolidated Edison sind nach Angaben des Energieversorgers ohne Elektrizität.

Überleben in New York
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Die Explosion in einem Umspannwerk hatte die südliche Hälfte Manhattans von der Energieversorgung abgeschnitten. Allein dort wohnen 250.000 Menschen. Der Wiederanschluss an das Stromnetz werde mindestens eine Woche dauern, teilte der Energieversorger mit. Um ihre Handys aufzuladen, nehmen viele lange Wege in Kauf, um an öffentlich zugängliche Steckdosen in Hotels zu gelangen.

In den am dichtesten besiedelten Gebieten New Yorks, vor allem in Manhattan und Brooklyn , läuft die Stromversorgung über unterirdische Leitungen. Wind und umfallende Bäume können dem Stromnetz so nichts anhaben. In vielen anderen Teilen des Landes war das anders, dort hat Sandy ebenfalls die Stromversorgung unterbrochen. Doch einmal beschädigt, sind die unterirdischen Kabel weit schwerer zu reparieren. Denn vielerorts steht noch immer das Wasser und selbst wenn es zurückgeht, müssen erst einmal Leitungen und Geräte aus den Schächten gezogen, getrocknet, repariert und dann wieder eingesetzt werden.

Weitere Klinik evakuiert

An der gesamten Ostküste hatten mehr als acht Millionen Menschen keinen Strom. Besondere Unruhe bewirkte die Evakuierung eines Krankenhauses. Wegen der Schäden, die das Bellevue Hospital Center erlitt, mussten etwa 500 Patienten in anderen Kliniken untergebracht werden. Dort war auch der Notstromaggregator ausgefallen.

Mit dem John F. Kennedy Airport in New York und dem internationalen Flughafen von Newark nahmen zwei der drei wichtigsten Flughäfen der Stadt den Notbetrieb auf. Der überschwemmte LaGuardia-Flughafen bleibt wegen Überschwemmung bis auf weiteres geschlossen.

Der New-York-Marathon soll – trotz kritik – am Sonntag wie geplant stattfinden. Allerdings dürfte die Anreise der Teilnehmer wegen 16.000 ausgefallener Flüge und der Reparaturen an der U-Bahn schwierig werden.

"Einer der teuersten Stürme"

Rückkehr zur Lebensfreude signalisierten auch die Theater am Broadway. Viele Vorstellungen fanden am Mittwochabend wieder statt. Dagegen wurde der traditionelle Halloween-Umzug abgesagt.

Nach und nach wird das Ausmaß der Schäden deutlich . Experten schätzen eine Summe von bis zu 50 Milliarden Dollar (38,7 Milliarden Euro). Der auf Risikoanalysen spezialisierte Versicherungsdienstleister Eqecat geht von direkten Schäden von bis zu 20 Milliarden Dollar aus, die Hälfte davon dürfte versichert sein. Der Risikospezialist AIR kommt auf eine ähnliche Summe. Präsident Barack Obama besichtigte am Mittwoch in New Jersey die Schäden.

"Es war einer der teuersten, wenn nicht sogar der teuerste Sturm unserer nationalen Geschichte", sagte Heimatschutz-Ministerin Janet Napolitano . Die Zahlenangaben zu den Toten liegen zwischen 40 und 50. Allein im Bundesstaat New York kamen 27 Menschen ums Leben, davon 22 in der Stadt.

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Leserkommentare
  1. ... hat sich der Sturm ausser Landes (USA) bewegt, isser weg, quasi in Luft aufgelöst. Danke Vincent Raven, sie haben ganze Arbeit geleistet.

  2. Herausforderung fertigt wird, dann die US- amerikanische.
    Größten Respekt vor diesen Menschen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, dapd, Reuters, AFP, tst
  • Schlagworte Alltag | Barack Obama | Airport | Broadway | Evakuierung | Janet Napolitano
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