Unglück in TitiseeBrandursache in Behindertenwerkstatt noch unklar

Die Polizei sucht nach der Ursache des Brands, bei dem in einer Werkstatt in Titisee-Neustadt 14 Menschen starben. Die Identität der Toten ist inzwischen geklärt. von Heinz Siebold

Ein Feuerwehrfahrzeug an der Einsatzstelle in Titisee-Neustadt (Baden-Württemberg)

Ein Feuerwehrfahrzeug an der Einsatzstelle in Titisee-Neustadt (Baden-Württemberg)  |  © Patrick Seeger/dpa

Die Ursache des Brandes in einer Behindertenwerkstatt der Caritas in Neustadt im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald ist noch immer nicht bekannt. Klar ist nur so viel: Am Montag, um 13.58 Uhr war die Freiwillige Feuerwehr Titisee-Neustadt durch die Brandmeldeanlage der Einrichtung alarmiert worden. Sechs Minuten später war das erste Einsatzfahrzeug vor Ort und sofort gingen die Männer mit Atemschutzgeräten in das erste Stockwerk, um Personen aus dem Gebäude zu holen. "Wir kennen die Lokalität sehr genau", sagte Feuerwehrkommandant Gotthard Benitz, "wir machen hier oft Übungen". Die meisten der 120 Menschen, die sich bei Ausbruch des Brandes im Gebäude der Caritas "Im Bildstöckle" aufhielten, hatten sich bis zu diesem Zeitpunkt selbst retten können. Doch 14 kamen durch den Brand um.

Unter den Toten sind auch Rollstuhlfahrer, die sich nicht aus der Gefahrenzone bringen konnten. Wiederbelebungsversuche der Rettungskräfte blieben vergebens. Wolfgang Schäfer-Mai, Geschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Freiburg, wies darauf hin, das schon zwei, drei kräftige Atemzüge genügten, um eine Rauchgasvergiftung zu erleiden und bewusstlos zu werden. Somit seien weniger die Flammen als vielmehr das hochgiftige Rauchgas den 13 Behinderten und einer Betreuerin zum Verhängnis geworden.

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Inzwischen hat die Polizei alle Opfer identifiziert: Zehn Frauen und drei Männer mit Handicaps kamen demnach ums Leben, außerdem eine 50-jährige Betreuerin. Die behinderten Frauen waren im Alter von 28 bis 68 Jahren, die Männer zwischen 45 und 68 Jahren.

120 Männer und Frauen von Wehren aus dem ganzen Hochschwarzwald waren im Einsatz, 80 Rettungskräfte versorgten die Verletzten. Um Ersthelfer und Angehörige kümmerten sich psychologisch ausgebildete Betreuer. Winfried Kretschmann, Ministerpräsident des Landes, und Reinhold Gall, der Innenminister, flogen per Hubschrauber an den Unglücksort, um den Angehörigen ihr Beileid auszudrücken. Mit versteinerter Miene überbrachte Winfried Kretschmann auch die Anteilnahme von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Die Ermittlungen zur Brandursache laufen weiter. Noch in der Nacht machte sich ein Team der Polizei an die Arbeit. Das Gebäude der Caritas war 1979 gebaut und den Angaben zufolge sicherheitstechnisch immer instand gehalten worden. "Der Brandschutz hat gehalten", sagte Feuerwehrkommandant Benitz, Brandmauern und Schutzmaßnahmen hätten ihre Aufgabe erfüllt, sodass sich das Feuer nicht weiter ausbreitete.

Ob es vor dem Feueralarm einen Knall gegeben hat, wie eine Zeugin angeblich berichtet hat oder nicht, ist noch nicht geklärt. Auf jeden Fall hat sich das Feuer sehr schnell im ersten Stock ausgebreitet. Dafür verantwortlich könnte auch das dort gelagerte und verwendete Material gewesen sein. Die Werkstatt war für Metallverarbeitung, Holzverarbeitung, Montage und Elektromontage ausgestattet. In der Werkstatt wurden Holzgegenstände und andere leicht brennbare Materialien verpackt.

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Leserkommentare
  1. die Lüge von Billig & trotzdem Fair entzaubern,
    lässt dieses Unglück Fragen zurück, ob es, auch wenn es gut gemeint ist, auch tatsächlich gut ist, so viele bewegungseingeschränkte Personen an einem Fleck zu konzentrieren, dass dann, wenn was passiert, einige nicht mehr weg kommen.

  2. Es soll ein mit Flaschen betriebener Gasofen in die Luft geflogen sein.

    Super, da macht man die tollsten Brandschutz auflagen und dann wird da ein "Campuing-Ofen" betrieben.

    Wer kommt auf solche Ideen?

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Angela Merkel | Winfried Kretschmann | Caritas | Behinderte | Brand | Brandschutz
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