Ländervergleich : Indiens Städte sind für Frauen gefährlich, Chinas nicht

Im Sicherheitsvergleich der Metropolen schneidet China besser ab als Indien. Dafür kontrolliert Peking seine Bürger mehr und toleriert keine Querdenker.
Demonstrantinnen werden in der indischen Stadt Hyderabad abgeführt; sie hatten gegen die wachsende Gewalt gegen Frauen protestiert. © NOAH SEELAM/AFP/Getty Images

Wer hat nicht schon vom chinesischen Überwachungsstaat gehört? Wem ist nicht unbehaglich, wenn er hört, dass das Amt für Öffentliche Sicherheit in Peking , wie zuletzt 2009, fast drei Millionen Kameras installieren lässt? Es geht nicht nur um Sicherheit, sondern um Bespitzelung.

Für viele Chinesen jedoch ist die Allgegenwärtigkeit von Kameras normal. Mehr noch: Man fühlt sich sicher unter den starren Blicken der Objektive, denn die Kameras schrecken auch Kriminelle ab und helfen bei der Aufklärung von Verbrechen. Im demokratischen Indien ist an eine derartige Kontrolle durch den Staat nicht zu denken. Im Bereich Kriminalität hat in Indien die Terrorismusbekämpfung oberste Priorität, sagt der Sprecher der Polizei von Neu-Delhi , Rajan Baghat. Die Terroranschläge von Mumbai im Jahr 2008 wirken noch nach.

Doch bei der Videoüberwachung ist selbst die Hauptstadt nicht auf dem neuesten Stand. Man habe jetzt etwa fünfzig Prozent der geplanten Kameras installiert, sagt Rajan Baghat, aber die Geräte seien teuer, gibt er zu verstehen. Ein paar Sandsäcke kosten dagegen nicht viel. Sie finden sich in jeder U-Bahn-Station und vor jedem Regierungsgebäude und sollen den Polizisten Schutz bieten, wenn es zu einem Angriff kommt. Auch die Sicherheitskontrollen in der Hauptstadt wirken kaum professioneller als die Sandsäcke. Zwar werden Taschen durchleuchtet und Personen abgetastet, dies jedoch mit einer wenig vielversprechenden Halbherzigkeit.

In China können Frauen auch spät noch aus dem Haus gehen

Ein weiterer wesentlicher Unterschied zwischen China und Indien ist die Sicherheit von Frauen . Sexuelle Vergehen gegen Frauen und Mädchen gehören laut Rajan Baghan in Delhi noch immer zu den häufigsten Verbrechen. Was er sagt, gilt für ganz Indien. Delhi, Mumbai und Kalkutta streiten sich um den fragwürdigen Ruf als Asiens Rape City . Die Medien berichten täglich von neuen Fällen, Indiens Frauen sind verschreckt. Kaum mögen sie in der Dunkelheit das Haus verlassen. Selbst Taxifahrern ist nicht zu trauen.

In China brauchen Frauen keine Angst zu haben, auch spät noch allein aus dem Haus zu gehen. Chinas Städte gelten als sicher. Jedes Taxi ist registriert, Name und Lichtbild des Fahrers am Handschuhfach angebracht, darunter die Nummer des Taxiunternehmens, falls es Beschwerden gibt. Häufigste Delikte in China sind Betrug und Internetkriminalität. Ansonsten gilt paradoxerweise, dass gerade die übermäßige Überwachung für ungewohnte Freiheit sorgt. Denn in kaum einem Land kann man sich sorgloser und freier bewegen als im modernen China. Der gläserne Bürger kann sich darauf verlassen, dass der Überwachungsstaat für maximale Sicherheit sorgt. Das größte Sicherheitsmanko ist hier der Staat selbst.

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Kommentare

30 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Das Böse macht ein freundliches Gesicht

Schon wieder ein China-Indien-Vergleich, der die Gemüter erhitzen will. Doch ich will anmerken: wir Leser müssen uns nicht zwischen diesen beiden Ländern entscheiden. Sie sind beide keine Vorbilder. Punkt.
Und dennoch finde ich diesen Hauch von Sympathie, den ich gelegentlich in Artikeln über China finde, etwas bedenklich. Denn aller "Effizienz", allem "wirtschaftlichem Erfolg" zum Trotz ist China eine Diktatur. Und Diktaturen verdienen keine Anerkennung und schon gar keine Sympathie. Ich schätze mal, die Vergewaltigungsquote ist in Saudi-Arabien noch geringer als in China. Ich bin mir dennoch nicht sicher, ob es mich als Frau dorthin ziehen würde.

Und wie hoch ist eigentlich die Vergewaltigungsrate in tibetischen Gefängnissen? Nur mal so am Rande gefragt.