Das betrifft vor allem Dissidenten und Querdenker, die vor seiner Willkür nicht sicher sind. Die "Staatsdiener" bedrohen Bürger, welche die Grenzen der chinesischen Variante der Meinungsfreiheit überschreiten und vermeintlich die "staatliche Sicherheit" gefährden. Dass der Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei , der Pekings Olympiastadion mit entwarf, 2009 in Sichuan krankenhausreif geprügelt wurde, hatte nichts mit Straßenkriminalität zu tun. Es war die Regierung, die demonstrieren wollte, dass Ai zu weit gegangen war. Der bekannte Künstler aber ist kein Einzelfall. Immer wieder werden Regimegegner von der Polizei belästigt – vom Hausarrest bis hin zur Internierung in psychiatrischen Anstalten. Es ist die Schattenseite des autoritären Regimes, das nicht jedem die gleiche Sicherheit zugesteht.

Doch auch im demokratischen Indien hat die Meinungsfreiheit Grenzen. Diese bekamen unlängst zwei junge Frauen aus Mumbai zu spüren. Eine der beiden postete anlässlich des Todes des umstrittenen Hindu-Nationalisten Raj Thackeray einen kritischen Kommentar bei Facebook. Thacherays Parteischergen randalierten daraufhin in einer Klinik, die einem Verwandten der Frau gehörte. Sie selbst wurde wegen des Facebook-Kommentars verhaftet. Zur Festnahme einer weiteren jungen Frau reichte aus, dass diese unter dem kritischen Kommentar "gefällt mir" klickte. Im Unterschied zu China wurden schließlich beide aufgrund des medialen Drucks freigelassen. Aber den Parteischergen tat trotzdem keiner etwas, sie sind in Thackerays Heimatstadt Mumbai mächtiger als die Polizei.

Opfer werden verhöhnt

Dennoch, in Indien dominieren andere Sicherheitsfragen den Alltag, und das sind zuletzt vor allem die hohen Vergewaltigungsraten. In der Hauptstadt gibt es jetzt in jedem Polizeirevier weibliche Beamte, die sich speziell um Frauen kümmern. Seitdem, so Polizeisprecher Baghat, seien die registrierten Vergewaltigungen in Delhi deutlich angestiegen. Paradoxerweise ein gutes Zeichen, weil mehr Vergewaltigungsopfer es wagten, zur Polizei zu gehen. Doch noch immer schweigen die meisten Opfer, aus Scham, aus Angst vor den Reaktionen in der Familie und auch, weil sie öffentlich verhöhnt werden. "Provokative Kleidung führt zum Anstieg der Vergewaltigungsrate", sagte kürzlich der Polizeichef des südlichen Bundesstaats Andhra Pradesh – zahlreiche Politiker sprechen eine ähnlich verächtliche Sprache.

Die Täter zu fassen, ist schwierig. Strafen sind selten, denn ohnehin muss man vor den überlasteten indischen Gerichten durchschnittlich zehn Jahre auf ein Urteil warten. Die Reaktionen der Behörden sind zudem hilflos. Als in Gurgaon, einem der modernsten Außenbezirke von Delhi, die Vergewaltigungen in diesem Jahr Überhand nahmen, ordnete die Lokalregierung an, dass Frauen nach 20 Uhr nicht mehr arbeiten dürften. Später wurde die Richtlinie noch mal verschärft: "Frauen sollen sich nach 20 Uhr nicht mehr in der Öffentlichkeit aufhalten".

Chinas Mega-Überwachung dagegen bietet im Vergleich für den Einzelnen mehr Sicherheit. Der einfache Chinese kann sich auf die Polizei verlassen und darf mit einem schnellen Gerichtsurteil rechnen – allerdings auch nur dann, wenn er es nicht mit einem Parteikader aufnehmen muss. Deshalb bleibt auch hier ein grundsätzliches Misstrauen bestehen. Die Polizei, dein Freund und Helfer? Dem würden wohl weder die meisten Chinesen noch Inder zustimmen.