UnglückGasheizgerät löste Brand von Titisee-Neustadt aus

Die Feuerwehr hat ein Gasheizgerät als Auslöser des Feuers ausgemacht, bei dem im Schwarzwald 14 Menschen starben. Der Brandschutz war aus Behördensicht ausreichend.

Ein Heizgerät hat die Brandkatastrophe von Titisee-Neustadt ausgelöst. Brandermittler und Spurensicherung ermittelten nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein mobiles Gasheizgerät als Ursache des Feuers, bei dem in einer Behindertenwerkstatt der Caritas am Montag 14 Menschen gestorben waren.

Aus dem mit einer Gasflasche betriebenen Gerät sei am Montagnachmittag unkontrolliert Gas ausgeströmt, sagte der Freiburger Oberstaatsanwalt Peter Häberle. Das Gas sei schließlich verpufft und habe den Werkstattraum in Brand gesetzt. Ob der Heizer zum Unglückszeitpunkt in Betrieb war oder nicht, und woran sich das ausströmende Gas entzündet hatte, blieb unklar.

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In das schrankförmige, etwa einen knappen Meter hohe Gerät wird von der Rückseite her die Gasflasche hineingestellt, wie der örtliche Kreisbrandmeister beschrieb. Das Gas verbrennt in einem Vlies an der Vorderseite, von wo aus sich die Wärme im Raum verbreitet.

Qualm aus dem Haus

Ob das Drehventil der Gasflasche offen oder geschlossen war, konnte der Fachmann noch nicht sagen. Das Gerät sei aber für den Betrieb in geschlossenen Räumen geeignet und zugelassen gewesen.

Häberle sagte, alle Getöteten seien in diesem Werkstattraum gewesen. Ein Mensch konnte sich durch das Fenster retten. Ein Feuerwehrmann und acht weitere Menschen, darunter Mitarbeiter und Betreuer, wurden durch Rauch verletzt.

Die Feuerwehr wurde durch die automatische Brandmeldeanlage des Hauses alarmiert. Als es aus dem Haus qualmte, riefen viele Anwohner den Notruf an.


Von den 97 Menschen, die sich aus dem Gebäude retten konnten, schafften es nach Darstellung der Behörden 86 aus eigener Kraft. Nur elf Menschen musste die Feuerwehr aus dem Gebäude bringen. Dies spreche für das Funktionieren des Rettungskonzepts über eine Rampe für Rollstuhlfahrer und eine Stahltreppe, sagte Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer.

Routinemäßig leitete die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt ein – wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Der Brandschutz in der Behindertenwerkstatt im Schwarzwald war aus Sicht der Behörden allerdings völlig ausreichend. Auch der Einsatz der Rettungskräfte sei "vorbildlich gelaufen", sagte Regierungspräsidentin Schäfer. Dem schloss sich Innenminister Gall (SPD) an.

Die Brandkatastrophe löste weit über die Region hinaus Trauer aus. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), Bundeskanzlerin Angela Merkel und viele andere kondolierten den Angehörigen. Papst Benedikt XVI. schickte nach Angaben des Freiburger Erzbistums ein Beileidstelegramm.

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Leserkommentare
  1. Es geht nicht um Besserwisserei. Wenn das wirklich die Ursache war, sollte man diese Geraete moeglichst schnell aus Gebaeuden verbannen.

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    • th
    • 27. November 2012 18:18 Uhr

    Krankenhäusern, öffentlichen Gebäuden mit Publikumsverkehr usw.

    Ich habe die Dinger vor vielen Jahren zum ersten mal in Frankreich gesehen, dort sogar zwischen Kleiderständern in einem Textilgeschäft. Damals waren sie in Deutschland völlig unbekannt, und sicherlich an solchen Orten nicht zugelassen.

    Die Verbrennung erfolgt mittels einer Art Katalysator in dem "Vlies": man sieht kurze Zeit nach dem Anzünden eigentlich nicht mehr, ob das Ding arbeitet oder nicht. Da es mit Flaschengas arbeitet, handelt es sich vermutlich um Propan oder Butan, welche schwerer als Luft sind und sich am Boden sammeln anstatt nach oben zu entweichen ...

    Es ist mir völlig unverständlich, warum so etwas heutzutage in Deutschland in geschlossenen Räumen zugelassen ist - wahrschenlich im Zug der europäischen Harmonisierung ?

    Heizen mit Gas aus Flaschen, kenne ich nur vom Camping oder in Gartenlauben.

    Man sollte genau untersuchen, warum die Caritas in ihrer Werkstatt mit Flaschengas heizte.

    Mich ärgert, dass diese Frage nicht von der Caritas beantwortet wird, aber gut:

    Vermutlich gehört die Caritas auch zu den "christlichen" Organisationen, die gegen das Streikrecht ihrer Mitarbeiter bis zum Bundesarbeitsgericht prozessiert haben
    http://tinyurl.com/bl8zkmp

    • TDU
    • 27. November 2012 18:16 Uhr

    Schrecklich und so sinnlos weil scheinbar banal entstanden.

    Hat da einer gesagt, ich möchte auch mal anmachen, ich kann das, und einer der es konnte hat nicht kontrolliert?. Jede Menge Camping-Unglücke hat es dadurch gegeben.

    Meine herzliche Anteilnahme möchte ich den Angehörigen ausdrücken.

    • th
    • 27. November 2012 18:18 Uhr

    Krankenhäusern, öffentlichen Gebäuden mit Publikumsverkehr usw.

    Ich habe die Dinger vor vielen Jahren zum ersten mal in Frankreich gesehen, dort sogar zwischen Kleiderständern in einem Textilgeschäft. Damals waren sie in Deutschland völlig unbekannt, und sicherlich an solchen Orten nicht zugelassen.

    Die Verbrennung erfolgt mittels einer Art Katalysator in dem "Vlies": man sieht kurze Zeit nach dem Anzünden eigentlich nicht mehr, ob das Ding arbeitet oder nicht. Da es mit Flaschengas arbeitet, handelt es sich vermutlich um Propan oder Butan, welche schwerer als Luft sind und sich am Boden sammeln anstatt nach oben zu entweichen ...

    Es ist mir völlig unverständlich, warum so etwas heutzutage in Deutschland in geschlossenen Räumen zugelassen ist - wahrschenlich im Zug der europäischen Harmonisierung ?

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    • rainow
    • 27. November 2012 21:20 Uhr

    Sebstverständlich ist es unmöglich, dass deutschen Normen schuld sein könnte, oder? Aber. Brandschutz hängt nicht nur von gut ausgestätteten Gebäude ab, sondern auch Sicherheitsverfahren und ausreichender betrieblicher Ausbildung. Die EU verhindert Deutschland nicht die Gewährleistung höchstmöglicher Sicherheitsnormen innerhalb ihren eigenen Grenzen.

    • th
    • 27. November 2012 18:19 Uhr

    verfügen doch über eine ganz normale Zentralheizung?

  2. aber der Brandschutz war völlig ausreichend??

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    Hier geht es um eine Verpuffung und die Opfer hielten sich in der direkten Umgebung zum Zündort auf.
    Vor solchen Ereignissen kann man sich schlecht durch Brandschutz schützen.

  3. Hier geht es um eine Verpuffung und die Opfer hielten sich in der direkten Umgebung zum Zündort auf.
    Vor solchen Ereignissen kann man sich schlecht durch Brandschutz schützen.

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    • th
    • 27. November 2012 18:34 Uhr

    solche mobilen, mit Gasflaschen versehenen Heizgeräte dort gar nicht aufzustellen. Gegen eine Verpuffung hilft keine Sprinkleranlage - nur gegen die weitere Ausbreitung des Feuers.

    Wenn man ihn durch solche "Aktionen" ausgehebelt wird.

    • th
    • 27. November 2012 18:34 Uhr

    solche mobilen, mit Gasflaschen versehenen Heizgeräte dort gar nicht aufzustellen. Gegen eine Verpuffung hilft keine Sprinkleranlage - nur gegen die weitere Ausbreitung des Feuers.

    Antwort auf "Kann schon sein!"
  4. ...dass es kein Verbrechen ist. Sondern technisches Versagen. Unglücke gehören dazu und absolute Sicherheit gibt es eben nicht.
    Ich bin "froh", dass es ein technischer Defekt war und kein Brandanschlag.

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    Wenn zB des Ventil nicht richtig angeschlossen wurde oder versäumt wurde auf eine ordentliche Zündung zu achten.

    Aber solange die Zündquelle nicht bekannt ist, kann man nur spekulieren.

    Schon die Tatsache, das dieses Gerät in diesen Räumen betrieben wurde, ist als menschliches Versagen einzuordnen.
    Der Betrieb dieser Geräte setzt allergrösste Sorgfalt vom Anschluss der Gasflasche, den Betrieb an sich sowie den Umgang
    im Umfeld des Gerätes voraus. Nur wenn sich ausschliesslich Personen im Umfeld aufhalten, von denen dies erwartet werden kann, ist der Betrieb hinnehmbar. In Kindertagesstätten, Altenheimen oder in Einrichtungen für behinderte Menschen ist die Nutzung dieser Geräte grob fahrlässig.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Angela Merkel | Bärbel Schäfer | SPD | Benedikt XVI | Caritas | Behörde
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