US-Justiz"Nur ein Idiot würde auf dem Gehsteig einen Schulbus überholen"

Ein Richter hat eine Verkehrssünderin dazu verdonnert, ein Schild hochzuhalten, auf dem sie sich als Idiotin bezeichnet. Sie hatte unrechtmäßig einen Schulbus überholt. von dapd

Eine Verkehrssünderin in den USA leistet ihre Strafe ab.

Eine Verkehrssünderin in den USA leistet ihre Strafe ab.  |  © Tony Dejak/dapd

Wegen eines Verkehrsvergehens musste eine Frau in den USA eine Stunde mit einem Schild am Straßenrand stehen, auf dem sie sich selbst als Idiotin bezeichnet. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt stand sie mit Kopfhörern und Zigaretten rauchend an einer Straßenecke in Cleveland .

Auf dem Schild stand: "Nur ein Idiot würde auf dem Gehsteig einen Schulbus überholen." Eine Stunde versuchte die Frau, neugierige Passanten, hupende Autos und den Medientrubel um sie herum zu ignorieren. Am Mittwoch sollte die 32-Jährige noch einmal eine Stunde ableisten.

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Zusätzlich zur richterlichen Prangerstrafe wurde der Frau der Führerschein für 30 Tage entzogen und sie musste 250 Dollar Strafe zahlen. Ihr gefährliches Überholmanöver war von einer Videokamera festgehalten worden.
 

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Leserkommentare
  1. pragmatisch, konsequent; vor allem - höchst EFFIZIENT!

    Mir hatte bei meinem 1.USA-Aufenthalt mal in New Orleans der Wind eine Sandwitchtüte aus der Hand geblasen und weiter geweht, weil ich mich mit dem Riesenteil in der Hand nicht rechtzeitig danach gebückt hatte.

    Dies wurde von mehreren Passanten aufmerksam beobachtet, und mir freundlich drohend bedeutet,dass dies 1000 $ kosten würde (Taxe für "Papier auf die Straße schmeißen")

    Ich hielt das für einen Jux. Aber nicht lange!
    Als kurz darauf 2 Ordnungshüter mit martialischer Entschlossenheit auf mich zusteuerten, rannte ich der Tüte hinterher so schnell ich nur konnte.
    Wer mein dabei verlustig gegangenes Sandwich gefressen hat, ob ein Hund oder die Polizisten, habe ich vorsichtshalber nicht recherchiert ...

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    Antwort auf "Vorschlag:"
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    Wollen Sie tatsächlich in so einem Staat leben?

    Beste Grüße
    FSonntag

  2. einfach ekelhaft!

    Das hat nichts mit einem demokratischen Rechtsstaat zu tun.

    Beste Grüße
    FSonntag

    2 Leserempfehlungen
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    ... demokratischer Rechtsstaat?
    Ein Gesetz, ein juristisch abgeklärter Text, dass solcher Art Strafen möglich sind, eine Mehrheit im Parlament, eine Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt - was soll daran nicht demokratisch und rechtsstaatlich sein?

  3. Wollen Sie tatsächlich in so einem Staat leben?

    Beste Grüße
    FSonntag

    2 Leserempfehlungen
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    Inwiefern widerspricht es einem Rechtsstaat, wenn an Stelle der Freiheitsberaubung oder finanzieller Strafen die öffentliche Sühne tritt?

    Ziel von Strafe soll ja Anerkennung der Schuld und Vorsatz der Besserung sein.

    Ich stelle diese Fragen als jemand, der den klassischen Pranger eigentlich ablehnt, der sich aber zunehmend fragt, inwiefern der Pranger denn eigentlich die inhumanere Alternative zur Freiheits- oder Geldstrafe ist.

    und da denke ich manchmal, nur ein wenig "amerikanische Verhältnisse" dieser Art, würden dem Ruf Berlins, die "dreckigste Großstadt Deutschlands" zu sein vermutlich nicht unbedingt abträglich sein ...

  4. Das ist der typische Fall des "Creative Sentencing".
    Es ist unter Soziologen schon ziemlich beliebt, auch in deutschen Kreisen, der Grund ist recht einfach.
    Scham ist eine sehr starke Emotion.

    Ich darf die Süddeutsche zitieren: "Der Soziologe Amitai Etzioni, seit langem einer der prominentesten Verfechter solcher Schuldsprüche, glaubt an die Macht der Scham und empfiehlt beispielsweise ganz ernsthaft, Ersttätern im Dealermilieu den Kopf zu scheren und sie ohne Hose nach Hause zu schicken."

    Berühmter Fall ist auch der Richter Michael Cicconetti aus Painesville/Ohio, der eine Frau dazu verurteilte, eine Nacht allein im Wald zu verbringen weil sie dort ein Kätzchen aussetzte.
    Oder ein Mann, der einen Polizisten als Schwein beschimpfte verurteilte er dazu mit einer Sau durch ein Dorf zu laufen, mit einem Schild auf dem Stand "Das ist kein Polizist".

    Und soetwas ist weitaus humaner als drakonische Gefängnisstrafen, die man in den USA schon bei paar Gramm Gras bekommt.

    Es mag vielen befremdlich vorkommen, dennoch ist der "Gesichtsverlust" wirkungsvoll, zumal jede Person die ein "Creative Sentencing"-Urteil bekam, nicht rückfällig wurde.
    Schließlich werden dort weder Name oder Adresse preisgegeben.

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    In aller Öffentlichkeit für etwas ausgelacht zu werden ist höchst effektiv, um erneute "Fehltritte" derselben Art zu unterlassen. Viele Verkehrssünder lachen über Geldstrafen, Punkte kann man sammeln, bis sie verfallen. Aber sich wohlmöglich noch im heimischen Wohngebiet derartig zum Objekt des Gelächters machen zu müssen - das dürfte äußerst peinlich und auf längere Dauer hochwirksam sein.

  5. Sie haben recht, da hätte ich wohl wirklich vorher nochmal genau nachlesen sollen. Das Überholverbot gilt nur wenn der Bus den Blinker gesetzt hat um sich wieder in die Spur einzufädeln.

    Trotzdem ist im Zweifelsfall, auch in Deutschland, anhalten angesagt sofern dadurch eine Gefährdung der Passagiere (ein- und aussteigende) verhindert wird und natürlich um dem Bus ein einfädeln in die Spur zu ermöglichen.

    Antwort auf "Genau lesen"
  6. Inwiefern widerspricht es einem Rechtsstaat, wenn an Stelle der Freiheitsberaubung oder finanzieller Strafen die öffentliche Sühne tritt?

    Ziel von Strafe soll ja Anerkennung der Schuld und Vorsatz der Besserung sein.

    Ich stelle diese Fragen als jemand, der den klassischen Pranger eigentlich ablehnt, der sich aber zunehmend fragt, inwiefern der Pranger denn eigentlich die inhumanere Alternative zur Freiheits- oder Geldstrafe ist.

    Eine Leserempfehlung
  7. und da denke ich manchmal, nur ein wenig "amerikanische Verhältnisse" dieser Art, würden dem Ruf Berlins, die "dreckigste Großstadt Deutschlands" zu sein vermutlich nicht unbedingt abträglich sein ...

  8. Irgendwann hat der Busfahrer gefilmt und der Polizei gezeigt. Am nächsten Tag hat die Polizei gewartet...

    http://www.youtube.com/wa...

    In Deutschland wäre wohl der Führerschein weg für ein paar Monate. Die Strafe wäre teuerer.

    Das mit dem Schild würden wir lassen.

    Aber wem die 2 Minuten sparen so wichtig sind, der verliert wohl lieber einen Monat statt 6 seinen Führerschein.

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    Zitat:"In Deutschland wäre wohl der Führerschein weg für ein paar Monate. Die Strafe wäre teuerer."

    Das glaube ich nicht, Tim...

    http://web.de/magazine/au...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dapd, zz
  • Schlagworte Auto | Dollar | Führerschein | Strafe | USA | Cleveland
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