US-Justiz"Nur ein Idiot würde auf dem Gehsteig einen Schulbus überholen"

Ein Richter hat eine Verkehrssünderin dazu verdonnert, ein Schild hochzuhalten, auf dem sie sich als Idiotin bezeichnet. Sie hatte unrechtmäßig einen Schulbus überholt. von dapd

Eine Verkehrssünderin in den USA leistet ihre Strafe ab.

Eine Verkehrssünderin in den USA leistet ihre Strafe ab.  |  © Tony Dejak/dapd

Wegen eines Verkehrsvergehens musste eine Frau in den USA eine Stunde mit einem Schild am Straßenrand stehen, auf dem sie sich selbst als Idiotin bezeichnet. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt stand sie mit Kopfhörern und Zigaretten rauchend an einer Straßenecke in Cleveland .

Auf dem Schild stand: "Nur ein Idiot würde auf dem Gehsteig einen Schulbus überholen." Eine Stunde versuchte die Frau, neugierige Passanten, hupende Autos und den Medientrubel um sie herum zu ignorieren. Am Mittwoch sollte die 32-Jährige noch einmal eine Stunde ableisten.

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Zusätzlich zur richterlichen Prangerstrafe wurde der Frau der Führerschein für 30 Tage entzogen und sie musste 250 Dollar Strafe zahlen. Ihr gefährliches Überholmanöver war von einer Videokamera festgehalten worden.
 

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Leserkommentare
    • dudu45
    • 14. November 2012 15:44 Uhr
    57. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unpassende Vergleiche. Danke. Die Redaktion/kvk

    2 Leserempfehlungen
  1. In aller Öffentlichkeit für etwas ausgelacht zu werden ist höchst effektiv, um erneute "Fehltritte" derselben Art zu unterlassen. Viele Verkehrssünder lachen über Geldstrafen, Punkte kann man sammeln, bis sie verfallen. Aber sich wohlmöglich noch im heimischen Wohngebiet derartig zum Objekt des Gelächters machen zu müssen - das dürfte äußerst peinlich und auf längere Dauer hochwirksam sein.

    Antwort auf "Creative Sentencing"
    • ribera
    • 14. November 2012 16:39 Uhr

    "Die öffentliche, medial begleitete, Erniedrigung dieser Person aber ist schon mehr als fragwürdig-es ist mittelalterlich und skandalös."
    Zunächst einmal hat diese Frau als Wiederholungstäterin öffentliches Verkehrsrowdytum begangen. Verbunden mit Gefährdung anderer Menschen. Warum soll also das Verhalten des "öffentlichen Täters" nicht auch öffentlich geahndet werden.
    Und losgelöst vom Fall. Vielleicht wäre auch bei manchen Straftätern in Deutschland eine unverzügliche und öffentliche Ahndung wirkungsvoller als die vielfach gescheiterte Kuschelpädagogik. Oder Diskussionen um Warnschußarreste für Intensivschläger nach 10 Delikten.
    Wobei regelmäßig Opfer und zukünftige Opfer weniger Zuwendung erhalten als die Täter. Da nützt beispielsweise Wowis Betroffenheitsmiene dem toten Opfer herzlich wenig.
    Wenn bei bestimmten Tätergruppen der Staat bisher offensichtlich scheitert, dann muß es erlaubt sein, über alternative maßnahmen der Ahndung nachzudenken. Wobei der Abschreckungsgedanke nicht vergessen werden sollte.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Und was"
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    Die Herabwürdigung eines Menschen zum Zwecke der Strafe ist unangemessen.
    Es gibt wirkungsvolle, abschreckende Sanktionen für derartiges Verhalten. Das geht vom Fahrverbot, über die Entziehung der Fahrerlaubnis bis zu Geld und Freiheitsstrafe. Ich bin allerdings der Meinung, daß in Sachen Sanktionierung von Verkehrsdelikten gesetzgeberisch gerne etwas mehr Kreativität an den Tag gelegt werden könnte.
    Meines Erachtens sind in diesem Zusammenhang viele Möglichkeiten gegeben.
    Wie wäre es z. B. mit spürbaren, einkommensbezogenen Geldbußen? Ein Rotlichtverstoß könnte ein Bußgeld von 1/10 Bruttomonatsgehalt, mindestens jedoch 100 € zur Folge haben. Oder wie wäre es, wenn ein notorischer Raser nur noch eine Fahrerlaubnis der Kategorie X erhält, mit der er nur noch PKW mit max. 60 PS oder 130 km/h (max) bewegen darf?
    Man müßte einfach mal etwas kreativer sein.

  2. In den USA werden Richter(innen) i.d.R. gewählt. Ich denke, das steigert die Neigung zum medienwirksamen Populismus.

  3. Die Herabwürdigung eines Menschen zum Zwecke der Strafe ist unangemessen.
    Es gibt wirkungsvolle, abschreckende Sanktionen für derartiges Verhalten. Das geht vom Fahrverbot, über die Entziehung der Fahrerlaubnis bis zu Geld und Freiheitsstrafe. Ich bin allerdings der Meinung, daß in Sachen Sanktionierung von Verkehrsdelikten gesetzgeberisch gerne etwas mehr Kreativität an den Tag gelegt werden könnte.
    Meines Erachtens sind in diesem Zusammenhang viele Möglichkeiten gegeben.
    Wie wäre es z. B. mit spürbaren, einkommensbezogenen Geldbußen? Ein Rotlichtverstoß könnte ein Bußgeld von 1/10 Bruttomonatsgehalt, mindestens jedoch 100 € zur Folge haben. Oder wie wäre es, wenn ein notorischer Raser nur noch eine Fahrerlaubnis der Kategorie X erhält, mit der er nur noch PKW mit max. 60 PS oder 130 km/h (max) bewegen darf?
    Man müßte einfach mal etwas kreativer sein.

    Antwort auf "Warum nicht?"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Auch Ihnen stelle ich die Frage: Inwiefern ist materieller Verlust und dessen Konsequenzen oder gar Freiheitsentzug weniger Herabwürdigung als öffentliches Bloßstellen? Wir rühmen uns damit, den "Pranger" verbannt zu haben, schicken unsere Sündigen deshalb lieber hinter Mauer und Stacheldraht? Wie emanzipiert ist das?

    "Die Herabwürdigung eines Menschen zum Zwecke der Strafe ist unangemessen.
    Es gibt wirkungsvolle, abschreckende Sanktionen für derartiges Verhalten."

    Tja, ebend nicht.
    Das Schamgefühl des Menschen ist eine sehr sensible Emotion.
    Denn ein "Machst du das nochmal, geben wir dich wieder der Lächerlichkeit preis." ist wirkungsvoller als ein: "Machst du das nochmal, wird es diesmal eine Bewährungsstrafe."

    "daß in Sachen Sanktionierung von Verkehrsdelikten gesetzgeberisch gerne etwas mehr Kreativität an den Tag gelegt werden könnte."

    Das ist doch eigentlich schon ziemlich kreativ.
    In Sacramento musste ein Raser einen Tag lang das Ampelmännlein spielen, in einem fremd anmutenden Kostüm versteht sich."

    Die Gefängnisse sind voll, da muss man sich bemühen andere Wege zu finden, wie den Mann in Ohio, den man mit einem Ferkel durch ein Dorf laufen lies mit einem Schild um den Hals "Das ist kein Polizist", weil er einen Polizisten als Schwein beschimpfte.
    Juristisch gesehen, ziemlich kreativ.

    Am schönsten finde ich immernoch: "Ein 19 jähriger aus Iowa, der mit zu lauter Musik durch die Stadt fuhr und somit alle Anwohner belästigte, musste zur Strafe 4 Stunden lang, Polka hören."

    • sauce
    • 14. November 2012 17:35 Uhr
    62. Würde

    Fehlverhalten hinter dem Steuer muß geahndet werden,keine Frage - besonders wenn dabei Menschen gefährdet werden. Die Strafe sollte dabei so bemessen sein, daß der Täter eine Wiederholung lieber nicht riskiert.
    Trotzdem gilt (zumindest in Deutschland und zumindest ziemlich oft) Artikel 1 des Grundgesetzes "Die Würde des Menschen ist unantastbar"
    In den USA scheint dieser Gedanke nicht verbreitet zu sein.

  4. Es ist interessant zu sehen, dass viele sich darüber aufregen, dass eine Person, die sich wie ein Idiot verhalten hat, per Gerichtsbeschluss gezwungen wird, dies öffentlich kund zu tun und nicht darüber, dass sie sich widerholt rücksichtslos verhalten und andere Verkehrsteilnehmer damit gefährdet hat.

    Ich war in meinen Frischlingszeiten selbst ein überaus aggressiver Fahrer, und die Tatsache, dass ich keinen Personenschaden verursacht habe, kann ich letztlich wohl nur guten Reflexen, unverdientem Glück und guter Schutzengelarbeit zuschreiben. Diverse Blechschäden haben mich lange genausowenig wie Geldbussen und dgl. beeindruckt.

    Erst nach und nach und nicht zuletzt dank wiederholter und längerer Aufenthalte in den USA und CDN - wo in i.d.R. ein weitaus zivilerer Fahrstil als in Europa üblich ist - habe ich mir ein umgänglicheres Verhalten angewöhnt.

    Hätte ich mich in meinen "wilden Zeiten" nach einer Karambolage aller Öffentlichkeit mit einem Pappschild als Idiot outen dürfen, wäre dies vielleicht sogar früher der Fall gewesen, bzw. hätte dies vielleicht sogar dem einen oder anderen als abschreckendes Beispiel gedient.

    Ich halte viel davon, Menschen für ihre Handlungen in die Verantwortung zu nehmen, bzw. sie ggf. auch zu zwingen, öffentlich dafür einzustehen. Umso mehr wenn die Sicherheit anderer davon betroffen ist.

    Für europäische Verhältnisse ein ungewöhnliches Urteil - aber ein gutes. Man wäre gut beraten, sich daran ein Beispiel zu nehmen.

    2 Leserempfehlungen
  5. Auch Ihnen stelle ich die Frage: Inwiefern ist materieller Verlust und dessen Konsequenzen oder gar Freiheitsentzug weniger Herabwürdigung als öffentliches Bloßstellen? Wir rühmen uns damit, den "Pranger" verbannt zu haben, schicken unsere Sündigen deshalb lieber hinter Mauer und Stacheldraht? Wie emanzipiert ist das?

    Antwort auf "Darum nicht!"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dapd, zz
  • Schlagworte Auto | Dollar | Führerschein | Strafe | USA | Cleveland
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