UtopienGern arbeiten mit dem bedingungslosen Grundeinkommen

Der Unternehmer Götz Werner fordert das bedingungslose Grundeinkommen. Wie sähe die Gesellschaft aus, wenn es Realität wäre? Die Art der Arbeit wäre eine ganz andere. von 

Was wäre, wenn...? Diese Frage haben wir Wissenschaftlern, Aktivisten, Unternehmern gestellt. Was wäre, wenn eine Utopie Realität werden würde, die man heute für verrückt oder wenigstens undurchführbar hält? Wie würde unsere Welt aussehen, wie würde die Gesellschaft funktionieren? Damit beschäftigt sich diese Serie .

In dieser Folge beschreibt der Unternehmer Götz Werner , was passieren würde, wenn sein Lebenstraum in Erfüllung ginge: Seit Jahren kämpft der Gründer der Drogeriekette dm für das Bedingungslose Grundeinkommen. Seine Idee wird gern als unrealistisch und unfinanzierbar abgetan.

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Derartige Gegenargumente sollen in dieser Serie nicht interessieren. Sie kümmert sich nicht darum, ob eine Idee leicht oder schwer zu realisieren ist. Sie schert sich nicht um Widerstände und Vorbehalte.

Utopien: Eine Video-Serie

Wie könnte, wie sollte unsere Gesellschaft in 40 Jahren aussehen, wenn die Utopien einer besseren Welt Wirklichkeit würden? Wissenschaftler, Unternehmer, Denker schildern ihre Utopie für die nächste Generation in einer Video-Serie.

Weitere Folgen

Harald Welzer: Eine Welt ohne Wachstum

Gesche Joost: Die Kommunikation nach der E-Mail

Götz Werner: Bedingungsloses Grundeinkommen für alle!

Wolfgang Gründinger: Mehr Einfluss für die junge Generation

Hier zählt nur die Idee und was sie bewirkt. Die Auswirkungen wären dramatisch, wenn das Bedingungslose Grundeinkommen Realität wäre. Götz Werner sagt: Es würde uns Freiheit bringen. Arbeiten würden die meisten Menschen trotzdem: "Ein Mensch kann gar nicht ohne Arbeit sein." Aber es wäre eine andere Art von Arbeit. Unsere Gesellschaft wäre eine Tätigkeitsgesellschaft.

Welche Utopien soll ZEIT ONLINE in dieser Serie Wirklichkeit werden lassen? Schreiben Sie uns Ihre Vorschläge als Leserkommentar. Ihre Utopie sollte nicht zu vage sein, sondern sich auf einen konkreten Gesellschaftsbereich beziehen.

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Leserkommentare
  1. vor ein paar Wochen gab es hier einen Leserartikel zum Thema (die Suchfunktion funktioniert gerade nicht, daher kann ich den Link nicht einstellen), geschrieben von einem studierten Mathematiker, der sich mit Gelegenheitsjobs durchschlagen muß.

    Welch ein verschwendetes Potential! Hätten wir das Grundeinkommen, könnte jener - anstatt für 8€ bei Lidl zu arbeiten, endlich das NP-in-P-Problem lösen, oder sonstwie die Mathematik weiter führen.

    Künstler könnten Kunst schaffen, ohne sich um die Mode zu scheren.

    Menschen könnten Ehrenamtlich arbeiten.

    Alles in allem wäre es ein großer zivilisatorischer Schritt, der bei heutiger Produktivität durchaus machbar wäre. Doch leider steht zu viel Ideologie in der Politik dem entgegen.

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    ... denn Menschen brauchen auch das Gefühl, gebraucht zu werden, und etwas, das sie vorantreibt und motiviert und erst einmal dazu bringt, aus dem Bett zu kommen. Wer das nicht hat, versinkt leicht in Apathie oder kommt nicht mehr vom Fernseher los - manche Langzeitarbeitslose geraten ja in einen solchen Zustand. - Insofern finde ich, das ein Grundeinkommen die Bedingung haben sollte , das man sich in irgendeiner Weise sinnvoll für die Gesellschaft engagiert, so man das denn kann.

    • dp80
    • 14. November 2012 12:26 Uhr

    "Hätten wir das Grundeinkommen, könnte jener - anstatt für 8€ bei Lidl zu arbeiten, endlich das NP-in-P-Problem lösen"

    Und wer steht dann bei LIDL an der Kasse und räumt die Regale ein? Roboter? Wer entwickelt den Roboter? Wer repariert den Roboter, wenn er kaputt ist? Gibt es überhaupt noch genügend Leute, die sich für Robotik interessieren, wenn sie genauso gut NP-Probleme lösen könnten oder Bilder malen?

    "Alles in allem wäre es ein großer zivilisatorischer Schritt, der bei heutiger Produktivität durchaus machbar wäre. Doch leider steht zu viel Ideologie in der Politik dem entgegen."

    Ja, es wäre ein großer Schritt. Aber erstens ist der Automatisierungsgrad dafür nicht hoch genug, und zweitens müsste der Schritt global vollzogen werden. Oder warum sollen Chinesen unsere iPhones bauen, während wir uns der Selbstverwirklichung hingeben?

    Sie schreiben: "Oder warum sollen Chinesen unsere iPhones bauen, während wir uns der Selbstverwirklichung hingeben?"

    Dieses Denkmuster ist mir kürzlich in einem ganz anderen Kontext begegnet. Hartmut Krauss, Soziologe und Redakteur der Zeitung ´Hintergrund´, hat einen sehr lesenswerten Artikel zu Anders Breivik geschrieben. Darin deckt er auf, dass Breivik kein Freiheitskämpfer ist, sondern bloss ein "spiegelverkehrter Djihadist". Welches Verständnis von Freiheit hat jemand, der Al Qaida bewundert und sich im Kampf gegen den Islam selber zum reaktionären Monster entwickelt?

    Wenn wir uns über die Zukunft Gedanken machen, dann sollten wir uns überlegen, wo wir uns - und zwar von unserem eigenen Werte- und Wirtschaftssystem aus! - hin entwickeln wollen. Götz Werner hat es ja auf den Punkt gebracht: Die Zukunft liegt in unseren Köpfen.

    Zurzeit versuchen die Chinesen, Anschluss an den Westen zu finden. Dass das so ist, liegt sicher an der Überlegenheit (Kreativität und Humanität) des westlichen Systems in der Vergangenheit. Einfach nur im Ist-Zustand zu verharren, wäre deshalb falsch. Hätte sich der Westen in der Vergangenheit an Gesellschaften orientiert, die rückständiger sind, dann hätte es nie eine Aufklärung gegeben. Nie eine Deklaration der Menschenrechte.

    Ich fände es gut, wenn sich die Chinesen auch dann noch am Westen orientieren, nachdem sie flächendeckenden Wohlstand erreicht haben.

    • Mike M.
    • 19. November 2012 11:00 Uhr

    ...sollte vor uns irgendeine Gesellschaft einmal mit Erfolg ausprobiert haben, auch wenn das Versprechen in Schlaraffia zu wohnen natürlich verheißungsvoll erscheint. Große gesellschaftliche Experimente sind nämlich geeignet Volkswirtschaften völlig vor die Wand zu fahren. Eigentlich kenne ich überhaupt kein gelungenes theorienbasiertes Experiment in der Geschichte (Großer Sprung nach vorn...).

    Niemand kann beim BGE garantieren, dass nach Einführung erst einmal 40% der Bevölkerung aufhören zu arbeiten. Da dann zwangsläufig die Steuerlast für den Rest steigt, sie zu 90% nur noch für andere arbeiten (was unmenschlich wäre), lohnt es sich für diese dann auch nicht mehr.

    Wie Deutschland, seine Sozialsysteme, die Lebensmittelversorgung etc. etc. aussähe, wenn das BGE-Experiment grandios gescheitert ist, kann keiner prognostizieren.

  2. für diesen Beitrag !

    Ich bin dafür, soziale Kälte und Härte mehr miteinander weniger gegeneinander kaum Neid - das wäre doch eine "geile" deutsche Gesellschaft.

    44 Leserempfehlungen
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    hier eine interessante Betrachtung von Erich Fromm (50 Jahre alt!!)
    http://www.archiv-grundei...
    Aber BGE erweitert und dehnt aus Macht und Einfluss des Staatsapparates. "Statt des konservativen Mottos: ‚Ein guter Lohn für gute Arbeit!‘ sollte sie (die Arbeiterklasse) auf ihr Banner die revolutionäre Losung schreiben: ‚Nieder mit dem Lohnsystem!‘“ K. Marx, Lohn, Preis und Profit
    Buchenberg:
    Die Forderung nach Grundeinkommen ist ein gigantisches Verstaatlichungsprogramm. Verstaatlichung führt aber nicht zum Kommunismus. Das hat der Staatssozialismus der Vergangenheit bewiesen ...
    Dabei hat die Grundeinkommensgesellschaft noch die besondere Unlogik und Pikanterie, dass es weiter Kapitalisten gibt, die Eigentümer der Produktionsmittel bleiben und sogar weiter Mehrwert (Luxusmittel) erhalten.
    Wir sollen also unser heutige Gesellschaft völlig umkrempeln, um anschließend die Kapitalisten doch zu behalten und um unsere Lebensbedürfnisse in die Hände der Staatsbürokratie zu legen.
    Ausgerechnet die Staatsbürokratie, die in der heutigen Gesellschaft den Ärger und die Not nur vergrößert, wird zum Heilsbringer einer gerechteren Gesellschaft erklärt. Da wird der staatliche Bock zum antikapitalistischen Gärtner gemacht. Man erwartet also von uns, dass wir Revolution machen, um anschließend in doppelter Abhängigkeit von Kapital und Staat zu bleiben.

    http://marx-forum.de/disk...

  3. Ehrgeiz und Gier waren immer schon ein Anreiz unternehmerischer Tätigkeit. Was ist, wenn diese Impulse ins Leere laufen?
    Warum sollten diese Impulse bei Vorhandensein eines BGE ins Leere laufen? Meinem Verständnis eines BGE nach verbietet ein solches weder abhängige Beschäftigung gegen Lohn, noch eine nicht-unentgeltliche, selbständige Tätigkeit. Hinzuverdienst.

    Eine diskriminierungsfreie Existenzsicherung würde aber diesem menschenunwürdigen Niedriglohnsektor (der wohl einzige Arbeitsmarkt mit nennenswertem "nachhaltigem" Wachstum) den Garaus machen, bei dem private Gewinne (nämlich der Arbeitgeber auf diesem Markt) absurderweise auch noch vom Steuerzahler (die Überreste der Mittelschicht, die genug Einkommen hat, um Steuern zu zahlen, aber nicht genug, um sich flexibel der Besteuerung zu entziehen; Stichwort Steuerbauch) subventioniert werden.
    Das ganze auf Kosten gebrochener Menschen, die auch noch garantiert allesamt in eine garantierte Altersarmut rutschen werden.

    Nein: wer sich notorisch auf die faule Haut legen will, der tut das mit aber auch ohne BGE. Mein Menschenbild untersagt es mir, dies von mehr als einer Minderheit anzunehmen.

    Der Rest ist sicher durchaus gewillt, etwas zu leisten - aber doch nicht weil man sonst hartzverwaltet und von ABM zu Fortbildung und zurück verschachert (!) wird, sondern gegen einen angemessenen Lohn!

    BGE = "Leistung muss sich lohnen" - das ist eigentlich nicht gerade ein Spruch aus der kommunistischen Ecke ...

    29 Leserempfehlungen
    Antwort auf "auf lange Sicht.."
  4. ## Die Idee eines bedingslosen Grundeinkommens basiert auf kommunistischem Gedankengut das bisher nirgendwo dem Praxistest standhielt. Den Menschen darauf hinzutrimmen haben einige vergeblich versucht, - von Stalin bis Pot.##

    Auch wenn Sie das vielleicht nicht wissen; aber der Kapitalsmus selbst war weder eine natürliche Ordnung des Menschen, noch eine die die Vielzahl freiwillig angenommen hätten.
    Kapitalismus setzte sich mit Gewalt durch; in der Regel mit staatlicher Gewalt und stand in dessen grausamer Umerziehung der Menschen dem Vorgehen von Stalin oder Pot in nichts nach.
    Siehe die Einrichtung von Arbeitshäusern, die Repression gegen Bettler etc.
    Ein Grund für die rasante Ausbreitung von Kinderarbeit war die Tatsache, dass die zur Erwerbsarbeit greifbaren Erwachsenen kein Interesse daran hatten, ihr Leben mit der Schufterei in der Fabrik zu vergeuden, zu undiszipliniert waren.
    Kinder waren eine hervoragende Alternative; die waren noch formbar, anpassbar an die "Notwendigkeiten" kapitalistischen Ausbeutung.
    Umfassend dazu:
    http://www.exit-online.or...

    Geändert hat sich das nicht; im Gegenteil. Wir passen nicht den Krisen-Kapitalismus den Menschen an, sondern die Menschen dem Kapitalismus, zwingen sie "wettbewerbsfähiger" zu werden, ökonomistisch reduziert zu denken.
    Aus Menschen werden Waren, die sich verkaufen sollen, müssen.
    Ergebnis dieser Umerziehung: Der asozial-narzistische homo oeconomicus der für geldwerten Vorteil seine Mutter verkauft.

    18 Leserempfehlungen
  5. BGE ist nicht die Abschaffung der Marktwirtschaft und der Löhne. Den Müll wird immer noch jemand abholen, aber der wird vermutlich deutlich besser bezahlt werden. War früher übrigens schonmal so, dass Müllmänner sehr gut bezahlt worden sind.

    Im Grund ist das ein bisschen vergleichbar mit Vollbeschäftigung. Unpopuläre Jobs müssen dann gut bezahlt werden damit sie jemand macht.

    Ich meine ein BGE von 1000€ wird den meisten nicht reichen. Nur wenige werden sich mit dem Existenzminimum zufrieden geben.

    16 Leserempfehlungen

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  • Serie Utopien
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Arbeit | Grundeinkommen | Widerstand
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