Antisemitismus: Immer diese Juden!
Das Buch von Tuvia Tenenbom sorgt für Aufregung – bloß weil Tenenbom (auch) über Antisemitismus in Deutschland schreibt. Und unser Kolumnist Eric T. Hansen wundert sich.
© Johannes Eisele/AFP/Getty Images

Der Schriftsteller Tuvia Tenenbom auf einer Pressekonferenz in Berlin
Diese Juden! Sie haben es schon wieder geschafft: die Deutschen in helle Aufregung zu versetzen.
Gerade ist das erste Buch des witzigen israelisch-amerikanischen ZEIT ONLINE-Kolumnisten Tuvia Tenenbom auf Deutsch erschienen, in dem er von seinen vielen lustigen Erfahrungen Allein unter Deutschen, wie der Titel es ausdrückt, berichtet.
Darin behauptet Tenenbom unverschämterweise, Antisemitismus in Deutschland gäbe es noch. Um dies zu beweisen besucht er sogar einen Neonazi-Treff in Neumünster: Stimmt auch, dort trifft er auf Neonazis.
Die Empörung über Allein unter Deutschen ist seltsam groß. Man könnte fast meinen, dieser Vorwurf wäre in Deutschland zum ersten Mal laut geworden. Dabei marschieren die Neonazis jedes dritte Wochenende durch eine peinlich berührte Großstadt, in zwei Landtagen sitzt die NPD und jedes Mal, wenn der Nobelpreisträger Günter Grass ein Gedicht über Israel schreibt, schreit jemand "Antisemitismus". Richtig neu ist das Thema nicht.
Warum dann die Aufregung?

Es ist ja nicht so, dass Tenenbom behauptet, es gäbe Antisemitismus nur in Deutschland. Im Gegenteil, wer seine Kolumne liest, weiß, dass ihm dergleichen fast überall begegnet. Auch in Amerika ist dies neben anderen Formen von Rassismus weit verbreitet. Der Ku-Klux-Klan, die American Nazi Party, die Aryan White Resistance sind alle Antisemiten; Verlage wie Institute for Holocaust Review und Noontide Press verbreiten eifrig entsprechende Verschwörungstheorien.
Ich kann mir sogar vorstellen, dass es vergleichsweise weniger Antisemitismus und Rassismus in Deutschland gibt: Erstens betreiben die Deutschen immer wieder so viel staatsfinanzierte Öffentlichkeitsarbeit für Toleranz, dass mehrere große Werbeagenturen allein davon leben können, zweitens haben wir Amis auch mehr Ethnien insgesamt und auch – da könnt ihr wirklich nur neidisch sein – mehr Juden. (Wäre es antisemitisch zu sagen, das ist eines der Geheimnisse unseres Erfolges?)
Doch während die Amerikaner mit den Schultern zucken und sagen, "Ja, Rassismus ist schlimm, da muss man wirklich was tun, und was gibt’s heute zu Essen?", erstarren die Deutschen wie das Kaninchen vor der Schlange.
In den USA macht sich kein Mensch wirklich vor, dass eine Welt ohne jede Art von Rassismus möglich ist. Wir sind ein Land von Einwanderern und wir wissen: Frieden und Harmonie ist was für die Titelstorys auf einem Flugblatt der Zeugen Jehovas.
Auf Hawaii, wo ich aufgewachsen bin, gibt es nur Minderheiten. Die Weißen, die Chinesen und die Japaner machen jeweils rund 25% der Bevölkerung aus. Dazu kommen noch die Native Hawaiians, die Schwarzen, die Portugiesen… Wer ist da die Mehrheit? Ich hatte kein Problem damit, ab und zu auf die ahnungslosen Haoles zu schimpfen – obwohl ich mit meiner weißen Haut selber einer war.





Die erste Seite des Artikels fand ich wirklich ansprechend, aber die zweite ist ein einziges großes Klischee.
Wir haben also kein Wort für "Deutscher mit anderer Hautfarbe" - zeugt von Rassismus. Um eine Gruppe wirklich zu integrieren, muss man sie sprachlich wohl klar und unmissverständlich von der restlichen Bevölkerung abgrenzen können. Wusste ich nicht, aber ich bin ja lernbegierig!
Auf der anderen Seite haben wir den Begriff "Mitbürger mit Migrationshintergrund". Der heißt aber natürlich was anderes, der dient nur dazu die damit bezeichnete Gruppe der Ausländer sprachlich abzugrenzen - klarer Fall von Rassismus.
Die Deutschen denken nur in den Kategorien "Wir und sie", während die Amerikaner sich als Weltbürger verstehen und jedermann willkommen heißen.
Das erklärt auf jeden Fall, warum die Amerikaner diese Arbeit in ihre Südgrenze gesteckt haben. Nichts sagt "Herzlich Willkommen" wie meterhohe Betonwände, Stacheldraht und Menschen mit vollautomatischen Waffen.
Ich bin jetzt jedenfalls überzeugt!
...sollte man vielleicht mal sagen, daß sein Buch in erster Linie einfach nur schlecht ist.
Hier eine Rezension bei Deutschlandfunk mit dem Titel “Literarisches Fastfood”:
http://www.dradio.de/dlf/...
Man kann sagen, Tenenbom ging an sein Buch heran mit der vorgefertigten Absicht, Antisemitismus finden zu wollen (alles andere ließe sich ja auch nicht so gut verkaufen), machte dann leider durchgehend gegenteilige Erfahrungen, ließ sich aber dadurch nicht beirren und bog sich seine Erfahrungen dann eben so zurecht, bis das Nicht-Passende passend gemacht war.
Tenenbom bekommt mehr Aufmerksamkeit als er verdient. Er profitiert von dem falschen Umkehrschluß, daß er, nur weil er Jude ist, zwangsläufig ein anspruchsvolles Werk zustande gebracht haben müsse.
Und die Aufregung? Daß Deutsche beim Antisemitismus-Vorwurf etwas dünnhautig sind, ist doch klar: Sie werden in schöner Regelmäßigkeit mit einem vage gehaltenen Rassismus- und Antisemitismusvorwurf konfrontiert. Es ist ja nun wirklich nicht zum ersten Mal.
Dieser perfide Vorwurf, die NS-Vergangenheit auf diese Weise instrumentalisierend, wird aber nicht dadurch richtiger, daß man ihn dauernd wiederholt. Es ist schon ganz schön viel verlangt, bei kalkuliertem Rufmord und systematisch wiederholter(!) Übler Nachrede immer cool und entspannt bleiben zu müssen.
Gut auf den Punkt gebracht!
In den Genuß der berühmten amerikanischen Willkommenskultur kommen wohl hauptsächlich weiße Akademiker. Vielleicht sind auch mal einige Angehörige der höchsten Kaste Indiens, afrikanische Prinzen und Nachfahren der osmanischen Oberschicht dabei. Für Arme und Ungebildete zeigt sich die amerikanische Willkommenskultur dagegen in Form eines meterhohen und kilometerlangen Zauns entlang der Grenze zu Mexiko.
Insofern ist die Integrationsleistung Deutschlands keine schlechte! Gemessen daran, daß Deutschland bislang fast NUR arme und ungebildete Einwanderer aufgenommen hat, haben allen Unkenrufen zum Trotz eine Menge von Migranten hier einen sozialen Aufstieg hingelegt!
[Zynismus ein]
Um den Rassismus in Deutschland zu bekämpfen, schlage ich vor, die Leute in ihrem Alltag einfach mit mehr positiven Beispielen für Einwanderung zu konfrontieren! Vorbild könnte die Einwanderungspolitik in den USA sein; wenn sich herumspricht, daß jeder Zuwanderer erstmal viel Geld für ein Stipendium bezahlt hat, um an einer deutschen Universität studieren zu dürfen, und noch mehr Geld für eine simple Aufenthaltserlaubnis, dürften die Deutschen Migranten gegenüber eine andere Einstellung an den Tag legen, als wenn sie den Eindruck haben, daß ein Zuwanderer bei seiner Ankunft in Deutschland als Erstes Sozialleistungen beantragt, für die neunköpfige Kinderschar gleich mit, und die Deutschen dürfen arbeiten, damit genügend Steuergelder zur Verfügung stehen.
[Zynismus aus]
...sollte man vielleicht mal sagen, daß sein Buch in erster Linie einfach nur schlecht ist.
Hier eine Rezension bei Deutschlandfunk mit dem Titel “Literarisches Fastfood”:
http://www.dradio.de/dlf/...
Man kann sagen, Tenenbom ging an sein Buch heran mit der vorgefertigten Absicht, Antisemitismus finden zu wollen (alles andere ließe sich ja auch nicht so gut verkaufen), machte dann leider durchgehend gegenteilige Erfahrungen, ließ sich aber dadurch nicht beirren und bog sich seine Erfahrungen dann eben so zurecht, bis das Nicht-Passende passend gemacht war.
Tenenbom bekommt mehr Aufmerksamkeit als er verdient. Er profitiert von dem falschen Umkehrschluß, daß er, nur weil er Jude ist, zwangsläufig ein anspruchsvolles Werk zustande gebracht haben müsse.
Und die Aufregung? Daß Deutsche beim Antisemitismus-Vorwurf etwas dünnhautig sind, ist doch klar: Sie werden in schöner Regelmäßigkeit mit einem vage gehaltenen Rassismus- und Antisemitismusvorwurf konfrontiert. Es ist ja nun wirklich nicht zum ersten Mal.
Dieser perfide Vorwurf, die NS-Vergangenheit auf diese Weise instrumentalisierend, wird aber nicht dadurch richtiger, daß man ihn dauernd wiederholt. Es ist schon ganz schön viel verlangt, bei kalkuliertem Rufmord und systematisch wiederholter(!) Übler Nachrede immer cool und entspannt bleiben zu müssen.
Gut auf den Punkt gebracht!
In den Genuß der berühmten amerikanischen Willkommenskultur kommen wohl hauptsächlich weiße Akademiker. Vielleicht sind auch mal einige Angehörige der höchsten Kaste Indiens, afrikanische Prinzen und Nachfahren der osmanischen Oberschicht dabei. Für Arme und Ungebildete zeigt sich die amerikanische Willkommenskultur dagegen in Form eines meterhohen und kilometerlangen Zauns entlang der Grenze zu Mexiko.
Insofern ist die Integrationsleistung Deutschlands keine schlechte! Gemessen daran, daß Deutschland bislang fast NUR arme und ungebildete Einwanderer aufgenommen hat, haben allen Unkenrufen zum Trotz eine Menge von Migranten hier einen sozialen Aufstieg hingelegt!
[Zynismus ein]
Um den Rassismus in Deutschland zu bekämpfen, schlage ich vor, die Leute in ihrem Alltag einfach mit mehr positiven Beispielen für Einwanderung zu konfrontieren! Vorbild könnte die Einwanderungspolitik in den USA sein; wenn sich herumspricht, daß jeder Zuwanderer erstmal viel Geld für ein Stipendium bezahlt hat, um an einer deutschen Universität studieren zu dürfen, und noch mehr Geld für eine simple Aufenthaltserlaubnis, dürften die Deutschen Migranten gegenüber eine andere Einstellung an den Tag legen, als wenn sie den Eindruck haben, daß ein Zuwanderer bei seiner Ankunft in Deutschland als Erstes Sozialleistungen beantragt, für die neunköpfige Kinderschar gleich mit, und die Deutschen dürfen arbeiten, damit genügend Steuergelder zur Verfügung stehen.
[Zynismus aus]
zwischen einem echten Einwanderungsland und einem nur aus politischen Motiven so umbenannten Nationalstaat.
Auch die USA reden von sich von einer Nation. Auch das heutige Deutschland ist nur per definitionem ein Nationalstaat.
Das, was heute Deutschland ist, war früher ein Staatengebilde im Herzen Europas, bestehend aus hunderten kleinen und kleinsten Fürstentümer, viele sogar mit eigener Währung und Sprache. Wenn irgendwo in Europa zwischen zwei oder mehreren Ländern Krieg geführt wurde, und das war bis zum Ende des 2. Weltkriegs quasi ständig der Fall, war "Deutschland" immer mittendrin, schon rein geologisch gesehen. Es sind also im Laufe der Jahrhunderte hunderttausende Soldaten aus zig Ländern durch das "deutsche" Staatengebilde marschiert, und viele haben sich dort niedergelassen bzw. sind einfach "hängengeblieben". Kaum ein Land in Europa besteht daher aus so einem bunten Bevölkerungsgemisch wie Deutschland.
...eine dieser "Deutschen mit Migrationshintergrund" (zu denen ich auch gehöre) und fragte sie woher sie komme. "Ich bin Marokkanerin" sagte sie. "Oh" antwortete ich, "dein Deutsch ist aber wirklich hervorragend" "Ja, ich bin ja auch in Deutschland geboren. Aber ich bin ja nicht Deutsch; meine Familie kommt ja aus Marokko."
Wenn man aber einen Libanesen, der seit vielen Jahren in Frankreich lebt, fragt "Where are you from?", wird er vermutlich antworten: "I'm French". Ein Einwanderer aus China, wohnhaft in London, sagt: "I'm British". (Das ist also keine Sache des "Nationalstaats" vs. "Einwandererstaats")
Das Integrationsproblem der Deutschen besteht nicht darin, dass sie rassistischer sind als andere Nationalitäten, sondern im Gegenteil, dass sie immer so furchtbar selbstkritisch sich selbst gegenüber sind.
Deutscher Nationalismus ist eigentlich verpönt im Alltag. Er wird in Deutschland häufig mit "rechts" und "Rassismus" assoziiert. Das führt dazu, dass diejenigen die damit nun wirklich nichts am Hut haben möchten, sich gar nicht erst in diese Richtung äußern. Wenn also nicht einmal Deutsche sich trauen zu sagen "Ich liebe es Deutsch zu sein", wie soll man von Migranten erwarten, dass sie sich mit Deutschland identifizieren?
Auch die USA reden von sich von einer Nation. Auch das heutige Deutschland ist nur per definitionem ein Nationalstaat.
Das, was heute Deutschland ist, war früher ein Staatengebilde im Herzen Europas, bestehend aus hunderten kleinen und kleinsten Fürstentümer, viele sogar mit eigener Währung und Sprache. Wenn irgendwo in Europa zwischen zwei oder mehreren Ländern Krieg geführt wurde, und das war bis zum Ende des 2. Weltkriegs quasi ständig der Fall, war "Deutschland" immer mittendrin, schon rein geologisch gesehen. Es sind also im Laufe der Jahrhunderte hunderttausende Soldaten aus zig Ländern durch das "deutsche" Staatengebilde marschiert, und viele haben sich dort niedergelassen bzw. sind einfach "hängengeblieben". Kaum ein Land in Europa besteht daher aus so einem bunten Bevölkerungsgemisch wie Deutschland.
...eine dieser "Deutschen mit Migrationshintergrund" (zu denen ich auch gehöre) und fragte sie woher sie komme. "Ich bin Marokkanerin" sagte sie. "Oh" antwortete ich, "dein Deutsch ist aber wirklich hervorragend" "Ja, ich bin ja auch in Deutschland geboren. Aber ich bin ja nicht Deutsch; meine Familie kommt ja aus Marokko."
Wenn man aber einen Libanesen, der seit vielen Jahren in Frankreich lebt, fragt "Where are you from?", wird er vermutlich antworten: "I'm French". Ein Einwanderer aus China, wohnhaft in London, sagt: "I'm British". (Das ist also keine Sache des "Nationalstaats" vs. "Einwandererstaats")
Das Integrationsproblem der Deutschen besteht nicht darin, dass sie rassistischer sind als andere Nationalitäten, sondern im Gegenteil, dass sie immer so furchtbar selbstkritisch sich selbst gegenüber sind.
Deutscher Nationalismus ist eigentlich verpönt im Alltag. Er wird in Deutschland häufig mit "rechts" und "Rassismus" assoziiert. Das führt dazu, dass diejenigen die damit nun wirklich nichts am Hut haben möchten, sich gar nicht erst in diese Richtung äußern. Wenn also nicht einmal Deutsche sich trauen zu sagen "Ich liebe es Deutsch zu sein", wie soll man von Migranten erwarten, dass sie sich mit Deutschland identifizieren?
... das ist doch eben gerade eines der Probleme: viele Auslaender in Deutschland versuchen sich anzupassen. Weil man ihnen aber ansieht, dass sie einen "Migrationshintergrund" oder dergleichen haben, werden sie nicht akzeptiert.
Glauben Sie mir, wenn man als (halb) Deutsche/r in Deutschland aufgewachsen ist und sich dann wegen dunkler Haare und Augen oder einer sonst Deutschland-untypischen Physiognomie anhoeren muss "Sie schwaetze awwa gudd Deutsch!" und das womoeglich auch noch als Kompliment auffassen muss, dann vergeht einem echt die Lust an diesem Land.
Wenn Sie nach China reisen und dort einen typischen Angehörigen der afroamerikanischen Rasse sehen und mit ihm zufällig etwas ins Gespräch kommen würden, würden Sie dann ausschließen, dass Sie Fragen stellen würden wie:
Wie gefällt Ihnen das Land denn so?
In welchem Hotel übernachten Sie?
Wo haben Sie so gut Mandarin gelernt?
Obwohl der Mann theoretisch natürlich ein Chinese sein könnte, würden die meisten Menschen (mich eingeschlossen) erstmal davon ausgehen, dass er ein Tourist ist. Ich würde daher sagen, dass so etwas in einem Land mit ethnisch halbwegs homogener Bevölkerung, meist nicht böse gemeint ist (auch wenn es für Sie sicher manchmal nervtötend ist).
Abseits solcher Missverständnisse gilt, dass Deutscherist, wer einen Deutschen Pass hat. So sagt es das Grundgesetz.
Wenn Ihnen das nächste mal jemand zu Ihrem guten Deutsch gratuliert, sagen Sie doch einfach so etwas wie: "Oh, Sie aber auch, mein Lieber!".
Ich, seit Generationen durch und durch "deutsch", wurde schon so oft von ausländischen Mitbürgern gefragt "aus was für einem Land ich denn herkomme", "seit wann ich denn in Deutschland sei", etc..
Nur weil vielleicht nicht "typisch deutsch" aussehe oder auch bin.
Es käme mir nie in den Sinn, deswegen beleidigt zu sein oder mich zu ärgern.
gesegnet mit Eltern verschiedenster Herkunft und ja, ich kenne diese Probleme, vor allem wenn dann noch ein "ausländischer" Name da hinzu kommt.
Jeder Erdenbewohner muß sich damit abfinden, daß in der Vielzahl der Mitmenschen sehr unterschiedlich angenehme und intelligente oder weniger intelligente Menschen unseren Lebensweg kreuzen. Ich generalisiere nicht "Ausländer", auch wenn mich gerade ein türkischstämmiger Jugendlicher bedrohte. In Wirklichkeit sehen wir, wenn wir halbwegs bei Trost sind, jeden Menschen danach an, wie er "ist", sich verhält - freundlich-hilfreich-interessiert oder das Gegenteil, was insbesondere am müden Feierabend dem Besten mal unterläuft.
Frage ich einen Menschen nach der ethnischen Herkunft, ist das Teil meines Versuches, ihn zu verstehen. Jedenfalls sortiere ich ihn wegen Herkunft oder Abstammung nirgendwo ein, aber ich weiß dann vielleicht etwas über die Geisteswelt oder die Geographie usw. der Erdgegend, aus der Befragter stammt. Und ich kann ihn selber dazu befragen, wenn er bereit zum Gespräch darüber ist. Wenn nicht, kann ich es ihm auch nicht übel nehmen - man mag eben manchmal nicht viel sprechen oder Fragen beantworten.
Kurz: Für mich gibt es nicht "die Deutschen", "die Amerikaner", "die Türken", "die Juden", sondern Menschen wie ich, die in jedem Moment ihres Lebens bereit sein müssen, sich mit gutem Willen über eventuelle nationale Denk-Besonderheiten oder Denk-Beschränkungen hinwegsetzen, um den Anders-Denkenden zu verstehen. Die Verwendung von Generalisierungen "die Deutschen" usw. weist bereits auf eine überwindungwürdige Denkbeschränkung hin.
Wenn Sie nach China reisen und dort einen typischen Angehörigen der afroamerikanischen Rasse sehen und mit ihm zufällig etwas ins Gespräch kommen würden, würden Sie dann ausschließen, dass Sie Fragen stellen würden wie:
Wie gefällt Ihnen das Land denn so?
In welchem Hotel übernachten Sie?
Wo haben Sie so gut Mandarin gelernt?
Obwohl der Mann theoretisch natürlich ein Chinese sein könnte, würden die meisten Menschen (mich eingeschlossen) erstmal davon ausgehen, dass er ein Tourist ist. Ich würde daher sagen, dass so etwas in einem Land mit ethnisch halbwegs homogener Bevölkerung, meist nicht böse gemeint ist (auch wenn es für Sie sicher manchmal nervtötend ist).
Abseits solcher Missverständnisse gilt, dass Deutscherist, wer einen Deutschen Pass hat. So sagt es das Grundgesetz.
Wenn Ihnen das nächste mal jemand zu Ihrem guten Deutsch gratuliert, sagen Sie doch einfach so etwas wie: "Oh, Sie aber auch, mein Lieber!".
Ich, seit Generationen durch und durch "deutsch", wurde schon so oft von ausländischen Mitbürgern gefragt "aus was für einem Land ich denn herkomme", "seit wann ich denn in Deutschland sei", etc..
Nur weil vielleicht nicht "typisch deutsch" aussehe oder auch bin.
Es käme mir nie in den Sinn, deswegen beleidigt zu sein oder mich zu ärgern.
gesegnet mit Eltern verschiedenster Herkunft und ja, ich kenne diese Probleme, vor allem wenn dann noch ein "ausländischer" Name da hinzu kommt.
Jeder Erdenbewohner muß sich damit abfinden, daß in der Vielzahl der Mitmenschen sehr unterschiedlich angenehme und intelligente oder weniger intelligente Menschen unseren Lebensweg kreuzen. Ich generalisiere nicht "Ausländer", auch wenn mich gerade ein türkischstämmiger Jugendlicher bedrohte. In Wirklichkeit sehen wir, wenn wir halbwegs bei Trost sind, jeden Menschen danach an, wie er "ist", sich verhält - freundlich-hilfreich-interessiert oder das Gegenteil, was insbesondere am müden Feierabend dem Besten mal unterläuft.
Frage ich einen Menschen nach der ethnischen Herkunft, ist das Teil meines Versuches, ihn zu verstehen. Jedenfalls sortiere ich ihn wegen Herkunft oder Abstammung nirgendwo ein, aber ich weiß dann vielleicht etwas über die Geisteswelt oder die Geographie usw. der Erdgegend, aus der Befragter stammt. Und ich kann ihn selber dazu befragen, wenn er bereit zum Gespräch darüber ist. Wenn nicht, kann ich es ihm auch nicht übel nehmen - man mag eben manchmal nicht viel sprechen oder Fragen beantworten.
Kurz: Für mich gibt es nicht "die Deutschen", "die Amerikaner", "die Türken", "die Juden", sondern Menschen wie ich, die in jedem Moment ihres Lebens bereit sein müssen, sich mit gutem Willen über eventuelle nationale Denk-Besonderheiten oder Denk-Beschränkungen hinwegsetzen, um den Anders-Denkenden zu verstehen. Die Verwendung von Generalisierungen "die Deutschen" usw. weist bereits auf eine überwindungwürdige Denkbeschränkung hin.
Es trifft uns Deutsche, da wir doch so gerne moralisch erhaben wären und besser als die Amerikaner. Daher gibt es auch ein Sturm der Entrüstung, wenn jemand offensichtliches feststellt (wie z.B. es gibt Antisemitismus in Deutschland, es gibt Leute, die sich die DDR-Diktatur zurückwünschen).
Es darf eben nicht sein, was nicht sein soll.
"Genau so macht ein deutsche Pass ein Individuum zu keinem Mitglied der hiesigen Gesellschaft."
Selbstverständlich macht er das. Selbst die Asylbewerber ohne Deutschen Pass sind Teil dieser Gesellschaft.
Diese Leute sind natürlich nicht der "Mainstream" oder die "Mehrheit"; aber sie sind Teil der Gesellschaft.
anderen Post bitte lesen. Ein Stück Papier macht kein Nationalität, Volljährigkeit auch keinen Erwachsenen, finde da auch nicht "schlimmes" dran.
anderen Post bitte lesen. Ein Stück Papier macht kein Nationalität, Volljährigkeit auch keinen Erwachsenen, finde da auch nicht "schlimmes" dran.
"Die Empörung über Allein unter Deutschen ist seltsam groß"
Neben den von EH genannten Gründen kommt sicher auch ein etwas eigenwilliges Verhältnis mancher Deutscher in Sachen Humor zum Tragen, für die TTs Anarchowitz offenbar nur schwer verdaulich ist. Mir persönlich hat er enorm viel Vergnügen und keine Magenschmerzen bereitet, liegt aber vielleicht daran, dass ich nur zur Hälfte Deutscher bin (allerdings hat mein frankokanadischer sysadmin mal gesagt, dass er im Umgang mit mir besonders vorsichtig ist, weil ich gleich von zwei Herrenrassen abstamme)
Vielleicht liegts ja auch an dem, was Robin Williams mal über ein Gespräch in einer deutschen Talkshow erzählte: "and this woman said to me, "Mr. Williams, why do you think there is not so much comedy in Germany?" And I said, "Did you ever think you killed all the funny people?"
Oder das Ganze in bewegten Bildern:
http://www.youtube.com/wa...
Gelegentlich mal über sich selbst lachen hilft vielleicht ;-)
hab mir das auch mal gedacht. Jüdischer Humor ist wirklich eine Marke, so wie englischer Humor. Um das zu begreifen muss man sich aber eben mal mit jüdisch/amerikanischem Humor aussetzen. Zum Glück gibts youtube;p
Danke für den Link! Ich fürchte, die meisten Deutschen können, wenn sie nicht Auslandserfahrungen haben, nicht verstehen, wie humorlos unser Land ist.
hab mir das auch mal gedacht. Jüdischer Humor ist wirklich eine Marke, so wie englischer Humor. Um das zu begreifen muss man sich aber eben mal mit jüdisch/amerikanischem Humor aussetzen. Zum Glück gibts youtube;p
Danke für den Link! Ich fürchte, die meisten Deutschen können, wenn sie nicht Auslandserfahrungen haben, nicht verstehen, wie humorlos unser Land ist.
wie auch Tenenbom ist zweierlei festzustellen:
1. USAmerikaner scheinen gelegentlich einen Humor zu bevorzugen, der nicht von allen Deutschen geteilt wird
2. Nicht alle Deutschen lassen sich gerne durch pauschale Invektiven belehren.
Aber in einem hat Herr Hansen recht: Es wird viel zu viel über dieses Druckerzeugnis geschrieben.
Die Deutschen werden den Juden den Holocaust nie verzeihen können.
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