Eine von der BBC selbst beauftragte Untersuchung über den Missbrauchsskandal stellt der renommierten Sendeanstalt ein verheerendes Zeugnis aus. "Chaos und Konfusion" habe verhindert, dass ein Bericht über die Machenschaften des früheren BBC-Moderators und Kinderschänders Jimmy Savile ausgestrahlt werden konnte, heißt es im Untersuchungsergebnis.

Die Prüfkommission wurde geleitet von dem ehemaligen Chef des Konkurrenzsenders Sky , Nick Pollard. Er sagte, es gebe keine Hinweise dafür, dass der Sender systematisch versucht habe, den Fall zu vertuschen.

Die BBC-Sendung Newsnight hatte Recherchen zu Missbrauchsvorwürfen gegen Savile gestartet, letztlich aber keinen Bericht dazu gesendet. Den Verantwortlichen der Sendung wurde später vorgeworfen, die Reportage gestrichen zu haben, weil sie zu sehr im Widerspruch zu einer Hommage an Savile gestanden habe, die Ende 2011 nach dem Tod des Moderators gesendet wurde. Auch gab es Vorwürfe, Savile habe vom Sender gedeckt werden sollen.

"Erheblicher Mangel an Führung"

"Die Entscheidung, die ursprünglichen Recherchen fallenzulassen, war mangelhaft und die Art, wie sie getroffen wurde, falsch, aber ich denke, dies geschah in gutem Glauben", sagte Pollard. Man habe nicht das Programm zu Ehren Saviles zu schützen versucht.

Pollard sagte, in seinen Augen sei nicht die Entscheidung, den Bericht zu streichen, das eigentliche Problem, sondern "die komplette Unfähigkeit, mit den nachfolgenden Ereignissen umzugehen". Die BBC sei von internen Grabenkriegen und "einem erheblichen Mangel an Führung und Koordinierung" geprägt gewesen.

Die BBC hatte die Untersuchung selbst in Auftrag gegeben, mit Pollard aber einem Externen die Leitung der Kommission anvertraut. Der Skandal war durch eine Dokumentation des britischen Senders ITV aufgedeckt worden. In der Sendung berichteten fünf Frauen davon, wie Savile sie als Minderjährige sexuell missbraucht habe.

Im Oktober wurden Ermittlungen eingeleitet, in deren Folge mehrere britische Prominente vorübergehend festgenommen wurden. Savile selbst war im Jahr 2011 gestorben. Inzwischen haben sich rund 450 mutmaßliche Opfer des Moderators gemeldet, der unter anderem durch die Musiksendung Top of the Pops geführt hatte.