Angesichts des mutmaßlich terroristischen Hintergrunds des versuchten Anschlags am Bonner Hauptbahnhof hat Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich zur Wachsamkeit aufgerufen. "Wir nehmen den Sachverhalt sehr ernst. Er unterstreicht unsere Einschätzung, dass Deutschland im Fadenkreuz des dschihadistischen Terrorismus steht", sagte der CSU-Politiker. "Dennoch lassen wir uns in unserem alltäglichen Leben nicht beeinträchtigen." Die Sicherheitsbehörden unternähmen alle Anstrengungen, der Bedrohung entgegenzutreten.

Zuvor hatte die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen und mitgeteilt, dass sie hinter dem Anschlagsversuch eine Terrorgruppe islamistischer Prägung vermutet. Bonn ist demnach am vergangenen Montag nur knapp einem islamistischen Terroranschlag entgangen.

Die Bombe war nach Erkenntnissen der Ermittler prinzipiell zündfähig. Wahrscheinlich wurde der Sprengsatz auch ausgelöst, explodierte aber laut Medienberichten wegen einer Fehlkonstruktion nicht. Das Bundeskriminalamt wurde beauftragt, die polizeilichen Ermittlungen zu führen.

Tatverdächtiger identifiziert

Die Ermittler verfolgen dabei eine Spur in die rheinische Islamistenszene. Mehrere Medien berichten unter Berufung auf Sicherheitskreise, das ein Tatverdächtiger identifiziert wurde. Nach einem Bericht des Magazins Focus gleicht das Phantombild eines der beiden mutmaßlichen Täter dem Fundamentalisten Abdirazak B., der auch über Kontakte zum Terrornetzwerk Al-Kaida verfügt.

Auch die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtete, dass die Ermittler in B. den dunkelhäutigen Mann erkannt haben, der in Bonn eine Bombe deponiert haben soll.

B. soll sich 2011 mit dem Bonner Konvertiten Andreas M. den radikalislamischen Shabaab-Milizen in Somalia angeschlossen haben und außerdem in Verbindung mit einer Gruppierung namens "Deutsche Shabaab" stehen, der vor allem deutsch-somalische islamische Extremisten angehören würden.

B. wird beim Landeskriminalamt in Nordrhein-Westfalen als "Gefährder" eingestuft. Im Jahr 2008 war er auf dem Kölner Flughafen aus einer Maschine geholt und festgenommen worden. Er wollte angeblich zu einer Reise nach Ostafrika aufbrechen, um sich dort in einem Terrorlager ausbilden zu lassen. Er musste freigelassen werden und tauchte unter.