Bombenfund Bonn : Kölner Polizei muss auf McDonald's-Video zurückgreifen

Ermittler suchen die Bombenleger von Bonn jetzt mit dem Video aus dem Fast-Food-Restaurant, weil Gleis 1 nicht überwacht war – nicht das einzige Problem der Beamten.

Snackautomaten, Sitzbänke, leuchtende Anzeigetafeln – Gleis 1 am Bonner Hauptbahnhof ist mit vielem ausgestattet, womit die Deutsche Bahn das Reisen angenehm und sicher macht, nur Videoüberwachung gibt es keine. Bei der Suche nach dem Mann, der dort am Montag eine Tasche mit einem Sprengsatz abstellte, hat sich das nun als Problem erwiesen: Die Kölner Polizei griff dafür auf Aufnahmen aus einer nahe gelegenen McDonald's-Filiale zurück. Sie zeigen einen Mann, der dort den Restaurantbereich durchquert, in der Hand augenscheinlich jene leuchtendblaue Tasche, die später den Bombenalarm am Bahnhof auslöste.

Zwei Tage nach dem Vorfall hat die Polizei noch viele offene Punkte, aber auch einige konkrete Spuren: Schon am Montag erstellten Spezialisten das Phantombild eines zweiten Mannes – nach Angaben eines Schülers, vor dem der Täter die Tasche auf dem Bahnsteig abgestellt hatte. Hinzu kommen nun jene wenigen Sekunden Videomaterial , die zwar nicht das Gesicht, aber Größe und Gangbild des ersten Verdächtigen zeigen. Er soll die Tasche später dem anderen Gesuchten übergeben haben.

Die Polizei hätte gern mehr: "Es ist ein Dilemma, dass wir am Gleis 1 keine Videoüberwachung haben", sagte der Kölner Einsatzleiter Norbert Wagner. In der Tat sind Kameras und Bildaufzeichnungen mittlerweile in Deutschland in vielen Großstadtbahnhöfen üblich. Zwar appellieren Datenschützer, bei der Überwachung öffentlichen Raumes die Verhältnismäßigkeit zu wahren. Doch etwa in Ballungszentren Großbritanniens hat man sich an flächendeckende Kamerapräsenz längst gewöhnt – und davon kann die Polizei häufig profitieren.

Tilman Steffen

Tilman Steffen ist Redakteur bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Die Kölner Ermittler hoffen nach Veröffentlichung der Bilder nun auf weitere Hinweise. Parallel versuchen die Beamten in einer eigens gebildeten Ermittlergruppe zu klären, welche Wirkung der Sprengsatz gehabt hätte und ob er tatsächlich auf dem Bahnhof explodieren sollte oder anderswo. Die laut Polizei "unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtung" bestand aus einem 40 Zentimeter langen und acht Zentimeter großen Metallzylinder, gefüllt mit Ammoniumnitrat, "wie es für Sprengladungen verwendet wird", sagte Wagner. Die Ladung hätte einen "großen und gefährlichen Feuerball gegeben". Ihre "beachtliche Sprengkraft" hätte eine "große Splitterwirkung verursacht", sagte Wagner.

Vier an dem Zylinder befestigte Halbliter-Gaskartuschen sollten die Substanz zur Explosion bringen. Einen Wecker, vier Batterien und eine kleine, funktionsfähige Glühlampe konnten die Spurensicherer ebenfalls finden. Was fehlt, ist ein Zünder. Ob ihn der Wasserstrahl der Entschärfungskanone bei dem Sondereinsatz am Montag wegschoss oder ob die Tasche gar keinen enthielt, sollen die weiteren Ermittlungen ergeben.

Das versucht nun die Staatsanwaltschaft Bonn gemeinsam mit mindestens drei Polizeibehörden zu klären. Beteiligt sind die Bundespolizei, das Landeskriminalamt und die Kölner Polizei. Die hatte den Fall am Dienstag von den Bonner Kollegen übernommen. Das sei bei allen Ereignissen größerer Dimension wie etwa Geiselnahmen oder großen Schadensfällen so, sagte ein Sprecher. Die Kölner Beamten riefen die Tatortgruppe Sprengstoff/Brand des Landeskriminalamts zu Hilfe, beharren aber bislang auf der Hoheit über die Ermittlungen.

Zu viel oder zu wenig

Das funktioniert nicht immer ruckelfrei, wie sich bereits zeigte: Während die Kölner Behörde am Nachmittag bereits das Phantombild veröffentlichte, ließ sich ein Polizeisprecher zitieren, es gebe kein Material, das sie zur Fahndung an die Öffentlichkeit geben könnten. Wer während des Einsatzes der Wasserkanone auf dem Bahnsteig die Einsatzleitung hatte, konnten die Beamten im Kölner Polizeipräsidium ebenso wenig sagen. "Wir haben anderes zu tun", wehrt ein Mitarbeiter Detailfragen ab.

Die Arbeit der Ermittler ist in solchen Fällen schwierig. Zu viele Informationen für die Öffentlichkeit können den unbekannten Tätern die Flucht erleichtern oder gar Nachahmer animieren. Zu wenig Information lässt Spekulationen wuchern. Auch will man dem Verdacht entgegenwirken, untätig zu sein oder einseitig zu fahnden, wie es die Sicherheitsbehörden auf der Suche nach den rechtsterroristischen NSU-Mördern taten: "Von Anfang an" habe man "in alle Richtungen" ermittelt, wiederholte Polizeipräsident Wolfgang Albers in einer Pressekonferenz.

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Kommentare

128 Kommentare Seite 1 von 12 Kommentieren

Somit ist die Story unglaubwürdig

Der/die Terroristen wussten natürlich, dass auf Gleis 1 keine Kameras sind, darum wählten sie gerade dieses Gleis aus. Leider haben sie vor lauter Hunger vergessen, dass der im Bahnhof befindliche McFress sehr wohl Videoüberwacht wird. Ja ne ist klar. Wer drückt sich denn vor einem Anschlag am Bahnhof noch ein paar Burger rein (gerade da wo er den Anschlag durchführen will), ist so schlau eine knall blaue Tasche zu nehmen die auch sicher auf jeden Video wiedererkannt werden kann (bei schwarzen Taschen wäre es wohl zu schwer)..

Ich vermute hier soll uns mal wieder ein paar Plän zu unserer Überwachung, äh sorry Sicherheit verkauft werden!

Darum geht es gar nicht. Ich bin nicht gegen die Überwachung von Bahnhöfen. Ich bin aber gegen die Beschneidung unserer Freiheitsrechte und immer tiefer greifende Sicherheitsmaßnahmen die uns Überwachen und im Falle des Falles eher gegen uns wirken als uns schützen (Telefondatenspeicherung, Handyortung, etc.) Eine Kamera am Bahnhof interessiert da nicht, es geht um die vielen kleinen Schritte die zum großen Ganzen gehören. Vor allem werden diese schön an uns vorbei geschleust... man denke daran das wir jetzt schon die BW im Inneren haben

Ja toll, wieder ne billige Verschwörungstheorie.

Es sollen zu fraglichem Zeitpunkt auf diesem Bahnhof aber auf allen Gleisen Kameras installiert gewesen sein, die eben nur nicht funktionierten (Bahn: Staatsunternehmen, nichts funktioniert richtig, ist aber wurscht, weil alle trotzdem ihr Geld bekommen. McDoof: Privatunternehmen, fast alles funktioniert, weil sonst Konsequenzen drohen). Das werden die Täter aber eher nicht gewußt haben, sondern es war ihnen zumindest egal, ob sie bei ihrer Tat gefilmt werden, oder nicht. Salafisten sind nun mal nicht die schlauesten, sonst wären sie ja keine Salafisten, aber irgendwann wird trotzdem mal irgendwo so eine Bombe tatsächlich hochgehen, mit vielen Toten, und dann werden Kommentare wie der Ihre leider einfach nur noch peinlich erscheinen.
Ich bin eindeutig für eine (funktionierende) Videoüberwachung an solchen Plätzen, das wird die möglichen Opfer zwar leider nicht retten, aber zumindest kommt man so an die Täter und ihre Hintermänner.

wieso ich gegen eine...

flächendeckende überwachung bin. weil ich was zu verbergen habe. sie gehen ja auch nicht nackt in die öffentlichkeit. und warum nicht? weil sie was zu verbergen haben! das heisst aber noch nicht das dies was schlimmes oder krimminelles ist.
ich habe keine lust auf einen totalen überwachungsstaat. keine lust ständig zu hören und zu lesen wie die informationen missbraucht werden oder zu fälschlichen beschuldigungen führen. habe keine lust mich in diese "das ist nur für die ganz bösen buben" masche einlullen zu lassen.

und zu bonn: jetzt mal ehrlich, nur der verfassungsschutz ist so "klug" um seine tasche mit sprengstoff irgendwo abzustellen. es könnte ja auch bnd oder diese jungs http://www.berlinerumscha... gewesen sein. aber mit sicherheit kein "terrorist".

Ich bin mir unsicher...

Irgendwie scheint es mir, als ob die Menschen, die diese Explosionsversuche durchführen, nicht ganz so gefährlich sind, wie es scheint.

Der Zünder hat diesmal gefehlt (oder wurde durch eine Polizeispritze weggeschleudert).

Die anderen wie die Sauerlandbomber hatten keine Ahnung, dass ihnen das BKA eine falsche Flüssigkeit untergeschoben hatte.

Und die Kölner Regionalzugtäter hatten eine Flüssigkeit in ihrer Bombe, die nicht explodieren konnte.

Und jedesmal funktioniert die Bombe nicht.
Erlauben Sie mir die Frage: Ist die Konsequenz daraus, dass sogenannte islamistische Täter in Deutschland keine Bomben bauen können?

Ntürlich soll die Frage nur gelten, falls dieser Bonner Anschlag "den" Islamisten zugeschrieben werden kann.

Sie wollen damit also...

... andeuten, dass das Video nicht zur Festnahme der Täter führen soll, sondern lediglich ein Coup der Regierung oder der Polizei oder von wem auch immer sein soll um eine Politik für mehr Überwachung durchzusetzen?
Vermutlich war die Bombe auch Teil der Verschwörung.
Was ist da wohl wahrscheinlicher, eine Verschwörung des "Überwachungsstaats" oder einfach nur dilettantische Bombenleger?

Wichtig ist die Frage

ob die Täter wussten, dass das, was sie da abstellen, nicht hochgehen kann oder ob sie bis zuletzt dachten, sie hätten alles richtig gemacht, auf den grossen Knall warten und der kommt nicht. In der Regel, wenn man die Möglichkeit hat, die Zustaten zu sabotieren, lässt man die Täter ihre Tat auch umsetzen, ohne das was explodiert. Aber so können sie sich vor Gericht nicht rausreden "Das sollte ja auch nur Angst machen. Es sollte niemand zu Schaden kommen". In der Sache Köln-Koblenz hatten wir Bahnreisenden vielleicht einfach nur eine Menge Glück. In Sachen Sauerland waren die Behöreden gut aufgestellt (leider hat sich ein Streifenpolizist bei einer Routinekontrolle dämlich angestellt und sich verplappert). Es ist also eine Mischung aus Vielem.