TerrorverdachtPolizei lässt verdächtige Islamisten wieder frei

Die beiden Verdächtigen im Fall des Bonner Bombenfunds sind wieder auf freiem Fuß. Während die Polizei noch ermittelt, fordern Politiker bereits Konsequenzen. von afp, dpa und reuters

Noch kein Fahndungserfolg bei der Kölner Polizei, die im Fall des Bombenfunds am Hauptbahnhof Bonn ermittelt: Zwei Verdächtige, die am Dienstag in Gewahrsam genommen worden waren , kamen am Abend wieder frei. Ein erster Tatverdacht habe sich nicht erhärtet, hieß es von den Behörden.

Bei einem der Verdächtigen – beide Männer sollen der Islamistenszene im Raum Bonn angehören – handelt es sich um den Somalier Omar D. Sein Anwalt Mutlu Günal bestätigte, dass sein Mandant in Gewahrsam genommen worden sei, machte zum Tatvorwurf jedoch keine Angaben. D. ist den Ermittlern bekannt. 2008 war er auf dem Flughafen Köln /Bonn wegen des Verdachts festgenommen worden, in den Heiligen Krieg ziehen zu wollen.

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Am Montag war auf dem Bonner Hauptbahnhof nach dem Fund einer Tasche Bombenalarm ausgelöst worden . Nach offiziellen Angaben enthielt die Tasche "zündfähiges Material", nach Informationen von Spiegel Online befanden sich darin Butangas und Ammoniumnitrat sowie ein Metallrohr, ein Wecker und Batterien.

Polizei veröffentlicht Phantombild

Die Szenerie erinnerte an den Sommer 2006, als zwei Islamisten zwei Kofferbomben auf dem Kölner Hauptbahnhof in Regionalzügen deponiert hatten. Wegen technischer Mängel waren die Sprengsätze damals nicht explodiert. Wohl auch wegen dieses Vorfalls verdächtigten die Ermittler jetzt die Szene der hiesigen radikalen Islamisten.

Dabei stützten sie sich auch auf die Zeugenaussage eines 14-jährigen Schülers, der am Montag gesehen haben will, wie ein dunkelhäutiger Mann die blaue Tasche auf Gleis 1 des Bonner Bahnhofs abgestellt hat. Der Schüler beschrieb den Mann als 30 bis 35 Jahre alt und etwa 190 Zentimeter groß – Angaben, mit denen die Polizei ein Phantombild erstellt hat.

Ob der Vorfall aber tatsächlich ein versuchter Terroranschlag war, ist weiter offen. Die Bundesanwaltschaft, die in so einem Fall die Ermittlungen übernehmen würde, hat sich bislang nicht eingeschaltet.

Für die Politik ist die Sache bereits klar: In Bonn wollten Islamisten einen Bombenanschlag verüben. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann ( CSU ) sprach von einem "neuen Alarmzeichen, dass wir jederzeit mit Anschlägen auch aus dem islamistischen Bereich rechnen müssen". Der Passauer Neuen Presse sagte der CSU-Politiker: "Wir wissen von einer Reihe hochgefährlicher und gewaltbereiter Leute, deren Aufenthalt immer wieder zwischen Deutschland und arabischen Ländern wechselt."

Der innenpolitische Sprecher der CDU /CSU-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl , geht noch einen Schritt weiter und fordert bereits Konsequenzen: Zusammen mit dem Vorsitzenden des Bundestags-Innenausschusses, des CDU-Politikers Wolfgang Bosbach , will er Salafisten leichter ausweisen lassen. Zudem, so Uhl, müssten Einbürgerungen solcher Islamisten nachträglich überprüft werden. "Man muss sich die ganzen Einbürgerungsakten aus den Ländern deshalb noch einmal ansehen und fragen, ob womöglich falsche Angaben gemacht wurden. Wenn ja, dann könnte man ihnen die deutsche Staatsbürgerschaft wieder aberkennen", sagte er dem Kölner Stadtanzeiger .

Verdacht fällt auf Salafisten-Szene

Die Äußerungen der Innenpolitiker richtet sich an die Gruppe der Salafisten, die vor allem in Nordrhein-Westfalen aktiv ist. Die Radikalen gerieten durch die Verteilung kostenloser Koranschriften und wegen des Mordaufrufs gegen Journalisten und Anhänger der rechtsextremen Partei Pro NRW in die Schlagzeilen. Im Frühjahr sorgten zudem zwei Salafisten in Bonn mit einer Messerattacke auf Polizisten am Rande einer Demonstration für Aufsehen.

Zuletzt erhöhten die Sicherheitsbehörden den Druck auf die gewaltbereite Szene, indem sie im Sommer die Vereinigung Millatu Ibrahim im nordrhein-westfälischen Solingen verbot. Gegen zwei weitere salafistische Gruppen wurden Ermittlungen eingeleitet.

Allerdings gibt es Zweifel, ob diese Maßnahmen ausreichen. "Ich frage mich, ob nach den Zwischenfällen im Frühjahr in Bonn die Polizei in NRW den Fahndungsdruck auf die Salafistenszene ausreichend erhöht hat", sagte der Innenexperte und Fraktionsvize der Union, Günter Krings, der Rheinischen Post . Denn, dies zeige der Vorfall am Hauptbahnhof, "die akuteste Bedrohung für unser Land geht von gewaltbereiten Salafisten aus".

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Leserkommentare
  1. "Katholizisten gibts nicht. Also wären gewaltätige Katholiken immer Katholiken z. B. IRA. Und wenn andere Katholiken was tun würden, gäbs sicher eine Riesendiskussion darüber, ob nicht alle so sind."
    Diese Diskussion hat es im Bezug auf Lords Resistance Army, Ku Klux Klan und Army of God nie gegeben.
    Nuun gibt es auch Vereinigungen, die keine Gewalt ausüben aber dafür radikale Tendenzen haben wie z.B. Opus Dei. Da gab es keine Diskussion.
    Die Medien würden auch nie auf die Idee kommen, alle Christen über einen Kamm zu scheren.
    Oder im Kongo werden jeden Tag 1.100 Frauen vergewaltigt. Da kommt auch keiner auf die Idee von "den" Christen zu sprechen.
    Wenn in Konflikten "Jesus Guns" genutzt werden, spricht auch keiner von religiösen Fundamentalisten, oder?

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    Antwort auf "@ 65 Andre D"
  2. war z.B. ein Terroranschlag mit rechtsextremistischem Hintergrund. Das war am 26. September 1980. Der Kommentator "TDU" erwaehnte ein weiteres. Und fuer mich sind die Brandanschlaege der Rechtsextremen, bei denen auch viele Menschen sterben mussten ebenfalls Terror!

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    • siccle
    • 12. Dezember 2012 15:03 Uhr

    Dieses Attentat hat weit mehr als nur mit der rechten Szene zu tun. Dieses Attentat wird der Gladio Operation der Nato zugeschrieben. Strauß (CSU) nutze dieses Attentat als Wahlwerbung, und das schon einige Std. danach. Akten und Zeugenaussagen wurden gezielt vom VS manipuliert oder im Abschlussbereicht nicht erwähnt.
    Schon damals wurden "extrem Konservative Gruppierungen" vom VS kontrolliert (Stichwort V-Mann) um gezielt Angst zu verbreiten.

    http://www.investigatingt...

    http://www.youtube.com/pl...

    Auch wenn hier Medien-wirksam von Geheimarmeen und so weiter die Rede ist, es ist denoch keine Verschwörungstheorie. Diese Aktion wurde vom mehreren europäischen Staaten nach 1990 untersucht (außer in Deutschland) und bestätigt.

  3. in Wirklichkeit wollten die Bombenleger niemandem weh tun? Der mangelnde Erfolg lag wohl eher am technischen Unvermögen. Da wo eine simple Handfeuerwaffe zum Einsatz kam, wurde der Anschlag auf amerikanische Soldaten sehr wohl DURCHGEFÜHRT.

    Antwort auf "Islamismus"
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    • AndreD
    • 12. Dezember 2012 17:42 Uhr

    Darauf spielen Sie wohl an.
    Sie können jedoch getrost davon ausgehen, dass ich das nicht tue. Ich sehe nur gerne etwas genauer hin und versuche festzustellen, warum dieser Mensch diese Tat begangen haben könnte. Natürlich nur soweit es meine begrenzten Informationsmöglichkeiten zulassen.

    Die Schublade "Islamist" ist die Einordnung für die man am wenigsten Information und Selbstkritik braucht.

  4. Immerhin, ein Gutes bleibt: Es wurde mal wieder bewiesen, dass Deutschland noch ein Rechtsstaat ist und wenn die Politiker noch so sehr poltern und empören. Ohne hinreichenden Tatverdacht keine U-Haft. In den USA würde gelten: Ohne hinreichenden Unschuldsverdacht ab nach Guantanamo.

  5. Man sollte mal diese Rechten von Pro-NRW fragen. Vielleicht wissen die mehr darüber wer hier Menschen töten wollte. Könnten sicher auch Breivikversteher gewesen sein. Einfach mal Pro NRW fragen!

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    • fse69
    • 12. Dezember 2012 14:56 Uhr

    "...Denn, dies zeige der Vorfall am Hauptbahnhof, "die akuteste Bedrohung für unser Land geht von gewaltbereiten Salafisten aus"...."

    ... kommt mir dieser Satz so vor, als würde sich der Herr insgeheim darüber freuen, dass er die Terrordebatte endlich wieder weg von der rechtsextremen Szene, hin zu den Islamisten lenken kann.

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    • Morein
    • 12. Dezember 2012 15:00 Uhr

    „Demnach soll die Tasche mit verdächtigem, womöglich bombenfähigem Inhalt, die ein bislang Unbekannter auf einem Bahnsteig des Bonner Hauptbahnhofs am Montag abgestellt hatte, zuvor ein Mann weißer Hautfarbe beim Besuch des Schnellrestaurants bei sich gehabt haben. Diese Tasche sei dem Mann weißer Hautfarbe anschließend bei „McDonalds“ von einem Mann schwarzer Hautfarbe „entwendet“ worden, heißt es aus Sicherheitskreisen.Dabei sei es zwischen den beiden zu keiner Rangelei gekommen.“ so konnte ich es dem General-Anzeiger-Bonn entnehmen.
    http://www.general-anzeig...

    Also,da kratz ich mir das Kinn und sinniere einmal nach:

    Ein weißer Mann sitzt in einem Schnellrestaurant mit Tasche mit Bombe drin. Dann kommt ein schwarzer Mann und stiehlt dem weißen Mann die Tasche mit Bombe.Weißer Mann denkt wohl:OK,Tasche mit Bombe bei schwarzen Mann,dann passt ja alles und der weiße Mann lässt sich Tasche mit Bombe stehlen.Später lässt der schwarze Mann Tasche mit Bombe bestens platziert auf dem Hauptbahnhof stehen.

    Also, den Drehbuchautor möchte ich sehen der mit dem Drehbuch durchkommt. Wo leb ich den hier bloß?

    3 Leserempfehlungen
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    • AndreD
    • 12. Dezember 2012 17:35 Uhr

    haben die deutschmuslimische Union gegründet, die gegen alles vorgeht, was nicht deutsch und muslimisch gleichzeitig ist. Die DMU ist hiermit offiziell Fakt.

    Mensch, denken Sie doch mal nach! ;-)

    • siccle
    • 12. Dezember 2012 15:03 Uhr
    80. Gladio

    Dieses Attentat hat weit mehr als nur mit der rechten Szene zu tun. Dieses Attentat wird der Gladio Operation der Nato zugeschrieben. Strauß (CSU) nutze dieses Attentat als Wahlwerbung, und das schon einige Std. danach. Akten und Zeugenaussagen wurden gezielt vom VS manipuliert oder im Abschlussbereicht nicht erwähnt.
    Schon damals wurden "extrem Konservative Gruppierungen" vom VS kontrolliert (Stichwort V-Mann) um gezielt Angst zu verbreiten.

    http://www.investigatingt...

    http://www.youtube.com/pl...

    Auch wenn hier Medien-wirksam von Geheimarmeen und so weiter die Rede ist, es ist denoch keine Verschwörungstheorie. Diese Aktion wurde vom mehreren europäischen Staaten nach 1990 untersucht (außer in Deutschland) und bestätigt.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters, kg
  • Schlagworte Polizei | CDU | CSU | Hans-Peter Uhl | Wolfgang Bosbach | Bundesanwaltschaft
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