Im Fall des Sprengsatzes vom Bonner Hauptbahnhof suchen die Ermittler neben einem dunkelhäutigen Mann nun auch einen hellhäutigen . Dieser sei auf Videoaufnahmen aus einer McDonald's-Filiale zu sehen, sagte der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers. Nähere Einzelheiten nannte Albers dazu zunächst nicht. Von Anfang an seien die Ermittlungen in dem Fall in alle Richtungen gegangen.

Der leitende Kriminaldirektor Norbert Wagner sprach mit Blick auf den hellhäutigen Mann von einer heißen Spur. Er komme als Tatbeteiligter in Betracht. Auf dem Video trage er eine dunkelblaue Tasche. Es sei davon auszugehen, dass es sich um die Tasche mit der Sprengvorrichtung handele.

Von einem Dumme-Jungen-Streich könne keine Rede sein, sagte Wagner. Die Untersuchungen zur Sprengkraft dauerten an. Es hätte aber einen großen Feuerball geben können, sagte er.

Rohrbombe sei höchst gefährlich

Auch die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass der Sprengsatz höchst gefährlich war. In der Sporttasche habe sich ein mit Ammoniumnitrat gefülltes Metallrohr befunden, sagte der für Terrorismus zuständige Bundesanwalt Rainer Griesbaum.

Um das Rohr seien vier Butangaskartuschen befestigt gewesen und es habe eine Zündvorrichtung mit einem batteriebetriebenen Wecker gegeben. Ein Zünder sei nicht gefunden worden. Für eine Explosion sei jedoch eine Initialzündung erforderlich.

Es könnte sein, dass ein Zünder bei der Entschärfung zerstört oder weggeschleudert wurde. Die kriminaltechnische Untersuchung sei noch nicht abgeschlossen, sagte Griesbaum.

Zeugen sahen, wer Tasche abstellte

Griesbaum ergänzte, der Tathintergrund sei noch unklar. Es könne sich um politisch motivierte oder allgemeine Kriminalität handeln. "Mit einem Wort: Alles ist offen."

Zwei jugendliche Zeugen hätten am Bahnhof einen Mann beobachtet, der die Sporttasche nach ihren Angaben direkt vor ihnen abgestellt habe, erläuterte Griesbaum. "Interessant, dass aus der Tasche blaue Drähte herausragten und dass man auch durch die geöffnete Tasche sehen konnte: Kabel, längliche Behältnisse und einen Wecker."

Generalbundesanwalt Harald Range sagte, sobald sich zureichende Anhaltspunkte dafür ergäben, werde seine Behörde das Verfahren übernehmen. Bislang befinde man sich aber lediglich in Kontakt mit der Staatsanwaltschaft Bonn .

Ein erster Verdacht gegen zwei Männer hatte sich am Dienstag nach Angaben der Polizei nicht erhärtet. Die beiden wurden nach der Ergreifung wieder freigelassen.