Wegen einer herrenlosen Tasche auf dem Bahnsteig des Gleises eins war am Montag im Bonner Hauptbahnhof Bombenalarm ausgelöst worden. In der Tasche fanden Beamte "potenziell zündfähiges Material" – die ermittelnden Behörden gehen von einem versuchten Anschlag aus und fahnden seither nach Verdächtigen. Ein Überblick über den Stand der Ermittlungen:

Wie gefährlich war der Sprengsatz?

Ob die Bombe tatsächlich voll funktionsfähig war, wird derzeit noch geprüft. Nach neuesten Erkenntnissen hat nur ein Konstruktionsfehler die Explosion verhindert . Die Bombe sei gezündet worden, aber nicht explodiert, berichteten mehrere Medien. Die Zündung sei über den mit dem Sprengsatz verbundenen Wecker erfolgt, berichteten der Tagesspiegel und Spiegel Online . Die Bombe sei aber wegen eines Schaltfehlers nicht hochgegangen.

Die Bombe habe "offenbar gezündet", zitierte Spiegel Online aus der kriminaltechnischen Untersuchung des Landeskriminalamts in NRW . Für diese Theorie spreche, dass die in der Sprengstofftasche gefundenen Batterien einen sehr niedrigen Ladestand gehabt hätten. Der Strom in den Batterien sei zu schwach gewesen, um nach der Zündung eine Explosion auszulösen.

Die Bundesanwaltschaft teilte mit , in der blauen Sporttasche auf dem Gleis eins des Bonner Hauptbahnhofs sei eine Sprengvorrichtung aus einem ungefähr 40 Zentimeter langen Metallrohr gefunden worden, das zündfähiges Ammoniumnitrat enthielt und mit vier Druckgaspatronen umwickelt war. Zudem seien ein Wecker und verschiedene Batterien mit dem Sprengsatz verbunden gewesen, die als Zündvorrichtung dienen sollten.

Der Einsatzleiter der Kölner Polizei hatte den Sprengsatz bereits am Mittwoch als höchst gefährlich bezeichnet. Die in der Sporttasche analysierten Materialien hätten "einen großen und gefährlichen Feuerball" mit beachtlicher Sprengkraft und großer Splitterwirkung entfachen können, sagte Norbert Wagner.

Handelt es sich um einen versuchten Terroranschlag?

Die Polizei ging recht schnell von einem versuchten Anschlag aus, die Bundesanwaltschaft hielt sich anfangs noch zurück. Inzwischen aber hat sie den Verdacht bestätigt und die Ermittlungen übernommen. Es gebe valide Anhaltspunkte für einen Anschlagsversuch einer Terrorvereinigung "radikal-islamistischer Prägung", teilte die Behörde mit .

Der Bundesanwaltschaft liegen nach eigenen Angaben "belastbare Hinweise" dafür vor, dass der unbekannte Mann, der die Bombe am Gleis eins abgestellt hatte, "über Verbindungen in radikal-islamistische Kreise verfügt".

Für diesen Verdacht spricht Medienberichten zufolge auch die Konstruktion der Bombe. Der Sprengsatz passe von der Machart zu einer Bombenbauanleitung aus dem Internet-Magazin Inspire , das die Al-Kaida-Filiale im Jemen produziert, berichteten Tagesspiegel und Spiegel Online . Bis auf wenige Abweichungen sei die Bombe mit der von Inspire beschriebenen Konstruktion identisch.

Die Polizei hatte zwischendurch bereits zwei Islamisten in Gewahrsam genommen. Der Verdacht gegen die beiden Männer hatte sich aber nicht bestätigt und sie wurden nach kurzer Zeit wieder freigelassen.