Bombe in BonnErmittler vermuten Anschlagsversuch von Islamisten

Bonn ist wohl knapp einem Anschlag militanter Islamisten entgangen. Ein Konstruktionsfehler verhinderte eine Explosion. Der Bundesanwalt sucht nach drei Verdächtigen. von 

Wegen einer herrenlosen Tasche auf dem Bahnsteig des Gleises eins war am Montag im Bonner Hauptbahnhof Bombenalarm ausgelöst worden. In der Tasche fanden Beamte "potenziell zündfähiges Material" – die ermittelnden Behörden gehen von einem versuchten Anschlag aus und fahnden seither nach Verdächtigen. Ein Überblick über den Stand der Ermittlungen:

Wie gefährlich war der Sprengsatz?

Ob die Bombe tatsächlich voll funktionsfähig war, wird derzeit noch geprüft. Nach neuesten Erkenntnissen hat nur ein Konstruktionsfehler die Explosion verhindert . Die Bombe sei gezündet worden, aber nicht explodiert, berichteten mehrere Medien. Die Zündung sei über den mit dem Sprengsatz verbundenen Wecker erfolgt, berichteten der Tagesspiegel und Spiegel Online . Die Bombe sei aber wegen eines Schaltfehlers nicht hochgegangen.

Anzeige

Die Bombe habe "offenbar gezündet", zitierte Spiegel Online aus der kriminaltechnischen Untersuchung des Landeskriminalamts in NRW . Für diese Theorie spreche, dass die in der Sprengstofftasche gefundenen Batterien einen sehr niedrigen Ladestand gehabt hätten. Der Strom in den Batterien sei zu schwach gewesen, um nach der Zündung eine Explosion auszulösen.

Die Bundesanwaltschaft teilte mit , in der blauen Sporttasche auf dem Gleis eins des Bonner Hauptbahnhofs sei eine Sprengvorrichtung aus einem ungefähr 40 Zentimeter langen Metallrohr gefunden worden, das zündfähiges Ammoniumnitrat enthielt und mit vier Druckgaspatronen umwickelt war. Zudem seien ein Wecker und verschiedene Batterien mit dem Sprengsatz verbunden gewesen, die als Zündvorrichtung dienen sollten.

Der Einsatzleiter der Kölner Polizei hatte den Sprengsatz bereits am Mittwoch als höchst gefährlich bezeichnet. Die in der Sporttasche analysierten Materialien hätten "einen großen und gefährlichen Feuerball" mit beachtlicher Sprengkraft und großer Splitterwirkung entfachen können, sagte Norbert Wagner.

Handelt es sich um einen versuchten Terroranschlag?

Die Polizei ging recht schnell von einem versuchten Anschlag aus, die Bundesanwaltschaft hielt sich anfangs noch zurück. Inzwischen aber hat sie den Verdacht bestätigt und die Ermittlungen übernommen. Es gebe valide Anhaltspunkte für einen Anschlagsversuch einer Terrorvereinigung "radikal-islamistischer Prägung", teilte die Behörde mit .

Der Bundesanwaltschaft liegen nach eigenen Angaben "belastbare Hinweise" dafür vor, dass der unbekannte Mann, der die Bombe am Gleis eins abgestellt hatte, "über Verbindungen in radikal-islamistische Kreise verfügt".

Für diesen Verdacht spricht Medienberichten zufolge auch die Konstruktion der Bombe. Der Sprengsatz passe von der Machart zu einer Bombenbauanleitung aus dem Internet-Magazin Inspire , das die Al-Kaida-Filiale im Jemen produziert, berichteten Tagesspiegel und Spiegel Online . Bis auf wenige Abweichungen sei die Bombe mit der von Inspire beschriebenen Konstruktion identisch.

Die Polizei hatte zwischendurch bereits zwei Islamisten in Gewahrsam genommen. Der Verdacht gegen die beiden Männer hatte sich aber nicht bestätigt und sie wurden nach kurzer Zeit wieder freigelassen.

Leserkommentare
    • Uerige
    • 14. Dezember 2012 19:32 Uhr

    Die Szene ist sehr präsent in Bonn und durch die lasche Politik im Lande sehr aktiv.

    Man hat drauf warten können den sie wittern mehr Einfluss in NRW. Ihr Hauptstützpunkt ist die König-Fahd-Akademie in Bonn, finanziert aus Saudi Arabien.

    Man züchtet sich halt seine neuen Narzisten gerade indem man wichtige Dinge nicht sehen möchte.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Man sollte immer vorsichtig mit der Sau sein, die man durchs Dorf jagt. Allerdings drängten sich mir bereits ähnliche Gedanken auf. Nicht zuletzt, weil man z.B. an die ProNRW-Demo im Mai zurück denkt.

    Das soll bitte nicht als Panikmache interpretiert werden, aber als Bonner habe ich zumindest schon das Gefühl, dass Bonn und Umgebung in diesen Dingen mehr Aufmerksamkeit bekommen sollten.

  1. so mindestens 800A Entladestrom wären für ein Modell "exploding wire" Zündung schon erforderlich.....

    Und das funktioniert hinsichtlich der Detonationseinleitung auch nur wenn sehr weitgehende chemische und/oder physikalische Veränderungen am Ammoniumnitrat vorgenommen wurden. Eben um es hinreichend "kapselempfindlich" zu machen, und den kritischen Durchmesser weit genug zu reduzieren....

    Wenn sich nur unmodofiziertes AN in einen 3" Rohr befunden hat ist das vielleicht von der Widmung (durch einen absolut unfähigen Täter) aber technisch betrachtet keine funktionsfähige USBV!

    "Wenige Abweichungen"...das reizt zum Totlachen, denn es sind jede Menge ungefakter Daten und Anleitungen in Buchform und im Internet zugänglich....

    Aber was darf der Bürger auch erwarten, wenn manche Behördenvertreter glauben das ein Täter mit TATP versetztes PETN im Schuh mit sich herumträgt?

    MfG KM

  2. 3. Medien

    Gestern:

    Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet jedoch in ihrer Online-Ausgabe unter Berufung auf höhere Beamtenkreise, es habe sich um einen extrem gefährlichen Sprengsatz gehandelt. Dieser hätte ähnlich verheerende Auswikungen haben können wie die Bombenanschläge von Madrid im März 2004. Bei dem islamistischen Anschlag waren fast 200 Menschen ums Leben gekommen.

    Heute:

    »Die Untersuchungen zur Sprengkraft dauerten an. Es hätte aber einen großen Feuerball geben können, sagte er.« (Zeit.de)

    • Maczin
    • 14. Dezember 2012 19:52 Uhr

    Warum werden die radikalen Salafisten nicht einfach aus dem Lande ausgewiesen, sondern können hier auch noch rekrutieren?

  3. 5. hm...

    Diese erneute beinahe Katastrophe bestärkt mich in dem Eindruck das Medien, Politik und Sicherheitsbehöreden das islamistische Gefahrenpotential völlig unterschätzen. Ja man muss fast sagen sie sind auf diesem Auge blind. Gerade Zeitonline beschäftigt sich aus meiner Sicht mit diesem Thema praktisch gar nicht. Im Gegensatz zum Rechtsextremismus, da wird fast täglich ein Artikel dazu verfasst. Das finde ich sehr bedenklich, denn man könnte wenn man wollte sehr gut analysieren was wo falsch läuft, wenn besonders überzeugte und fromme Muslime solche Taten begehen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Naja, erst einmal ist die Lage ja noch recht nebulös. Aber stimmt schon, man kann in Deutschland vor lauter islamistischen Terroranschlägen gar nicht mehr schlafen.

    Die Beweislage ist wirklich erdrückend:

    "Der Sprengsatz passe von der Machart zu einer Bombenbauanleitung aus dem Internet-Magazin Inspire, das die Al-Kaida-Filiale im Jemen produziert, berichteten Tagesspiegel und Spiegel Online."

    Ah-ja... vermutlich muss man vor Benutzung dieser Seite erst den Koran rezitieren, sonst darf man die Bauanleitung nicht einsehen -.-

    Man verstehe mich nciht falsch, natürlich ist es möglich, das Islamisten hinter dem Anschalgversuch stecken. Aber Beweise, seien wir ehrlich, scheint es dafür noch nicht so wirklich zu geben.

    • big1953
    • 14. Dezember 2012 22:12 Uhr

    gleich zu welchem Thema kann man ziemlich sicher vorhersagen, wie von dieser und wie von jener Onlineausgabe einer Zeitung/Zeitschrift reagiert wird.
    Mord und Terror sollte nie verharmlost werden - und dabei ist es völlig gleich, wer ihn verbreitet.
    Medien haben aber darüber nur objektiv zu berichten - oder Meinungen als Kommentar abzugrenzen.
    (das gilt bei jedem Thema).
    Und ja - bie der Zeit wird meiner Meinung nach genau so einseitig berichtet und kommentiert, wie auf anderen Medien auch - die Vorzeichen ändern sich nur gelegentlich

    • ST_T
    • 14. Dezember 2012 22:59 Uhr

    Wie viele islamistische Anschläge gab es denn bisher wirklich in Deutschland?
    Die Zahl ist im besten Fall einstellig, und nicht einmal hoch. Selbst die Opferzahl ist gering, und die Anschläge von Spanien und London waren dabei noch das Schlimmste.
    Es ist doch absurd, von einer islamistischen Bedrohung zu sprechen wenn sie nicht existiert!
    Selbst 2009 und 2010 gab es in Europa zw. 250 und 300 Anschlägen, davon wurden 2009 nur EINER von einem Islamisten und 2010 3 von Islamisten ausgeführt! Wohlgemerkt: Ganz Europa!
    Friedrich selbst redet von 130 Personen, die als potentielle Terroristen in Frage kämen. (Quelle: http://www.welt.de/politi...)

    Das heißt, bis auf die Anschläge von Madrid und London sind kaum Menschen gestorben! Anders beim Rechtsextremismus: Alleine in Deutschland sind über 140 Menschen seit 1990 durch Rechtsextreme ermordet worden!
    (Quelle: http://www.tagesspiegel.d...)
    Breivik? alleine 77 Tote an einem Tag!

    Und jetzt wissen wir: Es gibt diesen Schwachsinn gar nicht von wegen "islamischer Terror"! Es ist eine versinkend kleine Anzahl und unsere Regierung will von Rechtsextremismus ablenken, kein Wunder: Sind doch Teile der involvierten Institutionen selbst teilweise von Rechtsextremen unterwandert!

    Deswegen glaube ich auch nicht, dass im Falle von Bonn ein solcher Verdacht zutreffen dürfte...

    Wer begeht hier was ? Fromme, überzeugte Muslime ? Islamistisches Gefahrenpotential ?? Wo soll das sein ? Täglich Berichte über Rechtsextreme ?! Wo ? Hier wird mal wieder Aufgebauscht und ausgenutzt um Stimmung zu machen und Ängste zu schüren...

    • lxththf
    • 15. Dezember 2012 11:46 Uhr

    seit wann Sie ZO lesen und andere Medien verfolgen. Stern, Spiegel, SternTV, Zeitonline usw. sie alle beschäftigten sich bereits mehr als einmal mit Salafismus und was die Augenblindheit betrifft:
    die Rechten sagen, der Staat ist auf dem linken Auge blind
    die Linken, der Staat ist auf dem rechten Augen blind
    dazu jetzt noch auf dem islamfundamentalistischen Auge blind

    Vor lauter Blindheit könnte man meinen, man lebt in einer Gesellschaft, in der täglich 500Menschen zu Tode kommen, weil sie ermordet werden. Einem Land in dem Terrorismus zur Tagesordnung gehört.
    Wenn die Angaben stimmen, dann ist es ein großes Glück, dass die Bombe nicht hoch ging (vielleicht sollte sie das ja auch gar nicht, denn Terror soll ja nur Angst verbreiten und da reicht (Ihr Kommentar zeigt das) die Drohung), die Frage ist nur, welche Lehren man daraus ziehen kann. Betrachtet man es realistisch, dann kann jederzeit und überall ein Anschlag verübt werden und die Chancen diesen zu verhindern sind verschwindend gering. Das hat nichts mit Staatsblindheit zu tun, denn diese greift, wenn überhaupt, erst nach der Tat.

    • scoty
    • 14. Dezember 2012 19:54 Uhr

    Terroristen die eine Bombe bauen und diesen mit Noname Batterien bestücken und eine Tasche die hin und her gereicht wird so das die Ermittler noch mehr im Dunkeln tappen.

    • mores
    • 14. Dezember 2012 19:57 Uhr

    Generalbundesanwalt Holm machte sich einst lächerlich, als er eine Prügelei mit einem Asylanten zur Chefsache machte. Der jetzige Generalbundesanwalt Range besitzt mehr Augenmaß u. wartet zunächst die ad-hoc-Ermittlungen ab, ehe er übernimmt. Für das bei uns beliebte Kleinreden besteht daher nicht der geringste Anlass!

  4. "Der Bundesanwaltschaft liegen nach eigenen Angaben "belastbare Hinweise" dafür vor, dass der unbekannte Mann, der die Bombe am Gleis eins abgestellt hatte, "über Verbindungen in radikal-islamistische Kreise verfügt"."

    Der Mann ist unbekannt, aber man hat belastbare Hinweise, dass Verbindungen zu radikalen Islamisten hat?

    "Das Unternehmen habe die Bilder freiwillig zur Verfügung gestellt, erklärte die Kölner Polizei auf Anfrage von ZEIT ONLINE. Mit einem richterlichen Beschluss hätte eine Herausgabe aber auch erzwungen werden können. Damit die Videoaufnahmen wie nun geschehen auch in Medien veröffentlicht werden können, sei ein solcher richterlicher Beschluss notwendig gewesen, sagte ein Sprecher."

    Es gab also doch einen richterlchen Beschluss, obwohl McDonalds das Video freiwillig zur Verfügung gestellt hat? Um die Weitergabe an die Medien abzusichern?

    Oder _wäre_ ein richterlicher Beschluss notwendig gewesen, wenn das Unternehmen das Video nicht übergeben hätte?

    Ist die Website "Inspire" auf Englisch zugänglich = kann sich dort jeder Anleitungen zum Bombenbau herunterladen? Oder nur auf arabisch, was darauf hindeuten würde, dass einer der Beteiligten entsprechende Sprachkenntnisse haben müsste?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es gab keinen Gerichtsbeschluss, McDonalds hat das Video so geliefert.

    Das Inspire Magazine war eine englischsprachige Publikation. Ich halte es für fragwürdig, aufgrund der tatsächlich vorhandenen Parallelen zur dort veröffentlichten Anleitung gleich auf einen islamistischen Hintergrund zu schließen. Dass Inspire, wie die Redaktion meint, im Jemen bzw., wie seine Quelle ausgibt, zumindest auf der arabischen Halbinsel fabriziert worden sei, kann man außerdem bezweifeln. Das Mediendesign deutet an verschiedenen Stellen eher auf einen Ursprung im französischsprachigen Maghreb hin. Manche spekulieren auch über einen nachrichtendienstliche Fälschung, weil verschiedene Anleitungen daraus, z.B. besagte Bombenbauanleitung oder auch eine zur Bedienung des islamistischen Verschlüsselungstools "Asrar al Mujahideen", grobe Fehler enthalten. Meines Erachtens liegen diese Fehler aber daran, dass die Autoren mangels Sprachfertigkeiten ihre arabischen Primärquellen, eben z.B. die arabische Online-Dokumentation von "Asrar al Mujahideen", nicht ausreichend verstehen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service