Pinochet-DiktaturHaftbefehle wegen des Mordes an Víctor Jara

Chile geht gegen acht Militärs vor, die an der Ermordung des Sängers Víctor Jara beteiligt gewesen sein sollen. Der Fall beschäftigt bis heute die Öffentlichkeit. von afp und dpa

Der chilenische Sänger Víctor Jara (Archiv)

Der chilenische Sänger Víctor Jara (Archiv)  |  © Victor Jara Foundation/Reuters

Fast vier Jahrzehnte nach der Ermordung des Sängers Víctor Jara zu Beginn der Pinochet-Diktatur in Chile hat die Justiz die Festnahme von acht Militärs angeordnet. Zwei Offiziere, die heute im Ruhestand sind, sollen Jara erschossen haben.

Sechs weitere Soldaten werden wegen Mittäterschaft angeklagt. Als Haupttäter werden Hugo Sánchez Marmonti und Pedro Barrientos Núñez gesucht. Gegen Núñez wurde ein internationaler Haftbefehl erlassen, weil er sich in den USA aufhalten soll.

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Der unaufgeklärte Mord an dem damals 41-jährigen Jara beschäftigt wie kaum ein anderer Vorgang der Diktatur von Augusto Pinochet bis heute die Öffentlichkeit. Jara wurde einen Tag nach dem Putsch festgenommen und mit 5.000 anderen Gefangenen im Estadio Chile interniert, einem Stadion im Zentrum Santiago de Chiles.

Laut den Ermittlungen der Justiz wurde Jara am fünften Tag nach dem Putsch, dem 16. September 1973, mit "mindestens 44 Kugeln" erschossen. Die Täter hatten seine Hände verstümmelt. Das Estadio Chile, das von der Junta als Folterlager genutzt wurde, trägt seit 2003 Jaras Namen. Unter Pinochets Herrschaft (1973 bis 1990) wurden in Chile mehr als 3.000 Menschen getötet oder verschwanden spurlos.

Vor drei Jahren wurden Jaras sterbliche Überreste beerdigt , rund 3.000 Menschen begleiteten den Sarg in einem Trauermarsch durch die Hauptstadt zum Friedhof Cementario General. Viele trugen Nelken, rote Fahnen und Bilder des Sängers und riefen "Víctor lebt im Herzen seines Volkes". Die Bestattung in Santiago war der Höhepunkt eines dreitägigen Gedenkens an Jara.

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Leserkommentare
    • gooder
    • 28. Dezember 2012 20:09 Uhr

    Wer hat eigentlich dafür gesorgt, daß es in Chile zu dieser Diktatur kommen konnte? Hat nicht Friedensnobelpreisträger Henry Kissinger selbst eingestanden,dass die USA die größtmöglichen Voraussetzungen dafür geschaffen haben?

    http://de.wikipedia.org/w...

    En Memoria
    http://www.youtube.com/wa...

    • Obscuro
    • 28. Dezember 2012 21:00 Uhr

    Aber die Junta hatte doch die Zusage vom Demokratischen "System" das sie Straffrei bleiben oder irre ich mich da?

    Davon abgesehen bin ich der Meinung das alle Offiziere die auch nur im entferntesten damit zutun hatten bestraft werden. Aber die (kleinen) Soldaten sollte man in Ruhe Lassen.

    • gag
    • 29. Dezember 2012 0:13 Uhr
    3. Mut:_

    Es macht Mut, dass endlich wenn auch im Kleinen Schritte unternommen werden um die Verbrechen der von den USA und dem Westen stark unterstützten Junta doch aufzuklären.

    Da weiter oben die Chicago-Boys bereits erwähnt wurden möchte ich mich meinem Vorredner anschließen und auf die unselige "Escuela de las Americas" (http://tinyurl.com/Escuel...) hinweisen die damals auf amerikanischer Seite schwer involviert war in der Ausbildung südamerikanischer Offiziere und Diktatoren in Folter und Säuberungsaktionen.

  1. wirkliche 11. September (1973) !!

  2. hat man ihm die Hände abgeschlagen und nicht einfach nur 'verstümmelt'. Man sollte die Wahrheit nicht beschönigen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    seine Hände wurden gebrochen.

  3. seine Hände wurden gebrochen.

    • toruse
    • 29. Dezember 2012 3:17 Uhr

    ist es ja so, dass das Nationalstadion seit dem 5. Juli 2008 Estadio Nacional de Chile Julio Martínez Prádanos heißt nach einem Fußballreporter von Canal 13 und eben nicht nach Victor Jara benannt wurde.

    Es gibt allerdings ein kleines Indoorstadion namens Estadio Chile in der Nähe der Estacion Central, das nach Victor Jara benannt wurde.

    Die Hände von Jara sind auch nicht verstümmelt worden.

    Ist doch nicht zuviel verlangt, sauber zu berichten, oder?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Liebe/r toruse,

    Victor Jara wurde im Estadio Chile interniert und dann ermordet, nicht im Nationalstadion - das ist im Text missverständlich formuliert und wird gleich geändert. Darüber, wann das Stadion umbenannt wurde, gibt es unterschiedliche Angaben. Die Seite des Stadions selbst gibt den 12. September 2004 an, während die Nachrichtenagentur AFP von 2003 schreibt. Ich vermute, die Stadionbetreiber wissen es besser.

    (Quelle hier: http://www.ind.cl/recinto...)

    Jaras Hände wurden von seinen Peinigern gebrochen, um ihm die Fähigkeit zu nehmen, Gitarre zu spielen. "Verstümmeln" bedeutet "unbrauchbar machen durch gewaltsame Beraubung eines notwendigen Körperteils." (Quelle: http://www.kruenitz1.uni-...) Selbst wenn Jara alle Körperteile behielt, so waren seine Hände doch unbrauchbar geworden. Insofern passt "verstümmeln" hier gut.

    Herzliche Grüße aus der Redaktion,
    Alexandra Endres

  4. Nun werden also doch noch die Namen der Folter- und Mörderbande bekannt. Immer noch aber dauert es viel zu lange bis zum Haftbefehl. Die internationale Gemeinschaft hat es auch nach Beendigung der Diktatur es nicht genügend Druck ausgeübt. Wieder kam es zu keinen zeitnahen Ermittlungen und Anklagen.

    In den USA ist mir keine Initiative der Justizorgane oder Anklage bekannt geworden, dass die Hintermänner des Militärputsches im CIA und Regierung enttarnt und vor Gericht gestellt werden.

    "Gegen Núñez wurde ein internationaler Haftbefehl erlassen, weil er sich in den USA aufhalten soll."

    Wäre es verwunderlich, wenn sich die hochrangigen Mörder in den USA auf ein geruhsames Alter eingerichtet hätten?

    Die Entwicklung der US-rechtsprechuung hat mit der Entwicklung der Rolle der USA in der Welt nicht Schritt gehalten. Wieviele Aktionen vergangener Regierungen haben Blutspuren hinterlassen, die auf eklatante Verstöße von Armee und Geheimdienst gegen die Menschenrechte zurückzuführen sind? Wieviele blutige Diktaturen haben die US-Regierungen unterstützt? Zu wievielen Ermittlungen und Strafverfolgungen ist es gekommen? Wäre doch mal eine Recherche durch DIE ZEIT wert?

    Die US-Verfassung jedenfalls schützt nicht Pinochets Bluthunde und Folterknechte, die sich womöglich in den USA sich eingenistet haben.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, rav
  • Schlagworte Augusto Pinochet | Chile | Militär | Bestattung | Diktatur | Ermittlung
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