Griechenland : Die an der Krise verrecken

In Athen steigt die HIV-Infektionsrate um rund 1.600 Prozent pro Jahr, vor allem weil mehr Menschen Heroin spritzen. Von Mohamed Amjahid
Drogensüchtiger im Zentrum von Athen © Iakovos Chatzistavrou/AFP/Getty Images

Die Taube scheint nicht wahrhaben zu wollen, dass die Spritze ungenießbar ist, die sie gerade anpickt. Auf manchen Straßen im Zentrum von Athen liegt mindestens eine Spritze pro Quadratmeter. Mehr als 20.000 Athener sind seit Ausbruch der Krise obdachlos geworden und etwa ein Viertel von ihnen sucht Halt im gemeinsamen Rausch.

Obdachlose, Drogenabhängige, Bettler gehören zu jeder Großstadt. Doch in Athen ist das Zentrum inzwischen fest in der Hand der "neuen Obdachlosen". Viele von ihnen haben sich mit dem HI-Virus infiziert. Wer auf der Straße landet, kein Geld hat und mit Drogen in Kontakt kommt, hat oft keine Kraft mehr, nach einer frischen Spritze zu suchen und teilt sich entweder eine Injektionsnadel oder bedient sich vom Bürgersteig.

Es ist Freitag 13 Uhr. Im "Drogenhaus", wie die Einrichtung der Hilfsorganisation Okana genannt wird, haben die Drogenabhängigen aufgegessen, es gab belegte Brötchen mit Salami. Nur Vassilis und Minas sitzen noch in dem bunten Foyer, das aussieht wie aus einem IKEA-Katalog. Vassilis ist 38 Jahre alt, Analphabet und gebürtiger Athener. Irgendwo im Norden der Hauptstadt sitzt seine 16-jährige Tochter allein zu Haus. Er kann sich nicht um sie kümmern, denn er ist oft so zugedröhnt, dass er sich nicht mehr an den Weg nach Hause erinnert. Probleme hat er selbst genügend: "Vor drei Monaten habe ich erfahren, dass ich HIV-positiv bin", flüstert er, "ich wollte sterben".

Staatliche Hilfen für Drogensüchtige wurden gestrichen

Während die Zahl der Infektionen unter homo- und bisexuellen Männern in Athen leicht zurückgeht, explodiert sie unter den Drogenabhängigen. Im Jahr 2011 stieg die Zahl der drogenbedingten HIV-Neuinfektionen um 1.600 Prozent. Wurden vor der Krise jedes Jahr gerade mal zehn bis fünfzehn Neuinfektionen durch Drogenkonsum registriert, waren es im Jahr 2011 plötzlich 241 neue Fälle, im Jahr 2012 werden es deutlich mehr als 500 sein.

Angelos Hatzakis ist Professor für Epidemiologie an der Universität von Athen. Über seine Kontakte in das Gesundheitsministerium hat Hatzakis eine Millionen Euro aus EU-Fördergeldern akquiriert, um eine Studie zur Verbreitung von HIV im Großraum Athen durchzuführen: "Es gibt eine eindeutige Korrelation zwischen Obdachlosigkeit, Drogenkonsum und HIV-Infektionen." Die Wahrscheinlichkeit, dass Obdachlose am Virus erkranken, ist 33 Prozent höher als für die restliche Bevölkerung.

Im Zentrum von Athen sind die meisten Obdachlosen auf sich allein gestellt, denn staatliche Beihilfen, gesundheitliche Aufklärung und Versorgung wurden in Griechenland rigoros gestrichen.

Vassilis besitzt ein Haus, das er nun nicht mehr findet. Vor der Krise hat er hier und dort als Tagelöhner, in Speditionen, auf Baustellen gearbeitet und schoss sich ab und zu eine Dosis Heroin in die Vene. Seit zwei, drei Jahren, erzählt er, muss er sich für seine Sucht die nötigen fünfzehn Euro pro Tag zusammenbetteln. Zuerst fand er keine Arbeit mehr, dann landete er auf der Straße, stieg auf billigeren Stoff um und fing an, sich diesen zwei, drei Mal am Tag zu spritzen. Auch das eine von vielen Erklärungen für die steigende Infektionsrate: Wer sich öfter am Tag eine Dosis verabreicht, hat auch mehr Gelegenheiten, sich zu infizieren.

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Kommentare

67 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Na, ich verwette meinen Hut

daß garantiert einer der Foristen das wieder auf das individuelle Fehlverhalten des Einzelnen schieben wird - natürlich hat die gesellschaftliche und ökonomische Entwicklung in Griechenland (Anstieg der Obdachlosigkeit, Armut, Anstieg der Prostitution) damit üüüüüüüüüüberhaupt nichts zu tun; jeder ist ja bekanntlich seines Glückes Schmied usw.
Es gibt leider mehr Pharisäer in Deutschland als ich dachte - und die werden schon gute Gründe finden, warum die Betroffenen selbst schuld sind; ansonsten wird einfach über diese Entwicklung hinweggeblickt, weil sie einen selbst ja nicht trifft, wenn man in einer gated community wohnt, immer schön im Luxuswagen mit verdunkelten Scheiben von zuhause zur Arbeit fährt und sich nur mit seinesgleichen trifft.
Manchmal wünschte ich mir, es gäbe in Deutschland mehr Augenärzte - um denen, die sich blind stellen, die Augen zu öffnen.

@25 r.schewietzek - Jedem bleibt seine eigene Spiritualität

Was das aber mit der fehlenden Verantwortung der Gemeinschaft für Krankheit Einzelner zu tun hat?

Mit Ihrer Äußerung implizieren Sie eine Verantwortung, denn Kain hat Abel erschlagen. Sie begründen dies aber nicht. Warum muss jemand drogensüchtig werden, wenn ein anderer erfolgreich ist und was hat der Erfolgreiche aktiv zu dieser Situation beigetragen?

Ich denke fast, Sie vertreten damit ein übles Dogma.

Wir sollten uns das Drama in Griechenlang genau ansehen!

Es kommt davon, wenn die Menschen eines Landes den Politikern glauben, daß sie ihre Aufgabe beherrschen. Sie tun es im Regelfall nicht. Wer kann von ihnen den schon Volkswirtschaft.
Auch in Deutschland sind die Alarmzeichen beängstigend. Sie Flugplatz in Berlin, in HH die Philharmonie, in Hessen der Nürburgring in Stuttgard, die Nordautobahn, das Navigationssystem Galileo ......
Mit riesen Schritten werden wir auf einen Zusammenbruch des Wirtschaftssystems zugesteuert. Nur keiner will es sehen.

Auswege aus der Mittelbarkeit von Leistungen?

Es immer deutlicher, dass die parlamentarische Demokratie weiterer Modifikationen Bedarf um die Verwendung der Staatsmittel zu optimieren.

Für die Politiker müsste es monetäre Gründe geben sinnvoll zu investieren statt bloß Lobbygruppen zu vertreten. Man könnte eine Prämienentlohnung im immens hohen Bereich (als billiger die Flughäfen Berlin, Kassel, Frankfurt, Paderborn bspw.) für Politiker einführen. Eine neu geschaffene Kommission müsste eine objektive Leistungsanalyse für jeden Politiker in machtvoller Position aufstellen, und dann entscheidet das Volk über Direktwahl bei der Vergabe. Jeder Bürger bekommt 5 zufällig ausgeloste Politiker, und 5 darf er selbst frei benennen. Beim Stimmzettel werden die Leistungsbeschreibungen der entsprechenden Politiker. Der Bürger darf dann mit "positiv" oder "negativ" bewerten. Politiker im Mittelbereich bekommen ne Standardprämie, der Bodensatz maximal ein Glas Orangensaft, und populäre Politiker eine Bänkerprämie.

Unter allen zur Wahl gehenden werden 10000 Opel ( ;-) ) verlost. Dafür muss man nur eine personifizierte Frage direkt nach der Wahl beantworten - mit inhaltlichem Bezug zu der genannten Leistungsbewertung zum individuellen Wahlzettel - als Anreiz das Dingen auch zu lesen statt 5 beliebige Kreuze für ne Autoverlosung zu machen.

Erfolg ist eine Mode

Ergänzend zu den Aspekten gesellschaftlicher Verantwortung, die man auf die/das pure menschliche Empfindung/Bedürfnis, dass es auch anderen Menschen möglichst gut gehen soll, herunterbrechen kann:

Der "Erfolgreiche" wird in der westlichen Welt in einer eigens von Menschenhand geschaffenen Art bestimmt. Zum Großteil wird man erfolgreich geboren, im richtigen Land, im richtigen Hause. Das Sinnieren über 'unendliche' Möglichkeiten hat die gleiche Schwäche, wie einen jeden mit mehr als 5 Euro einen potentiellen Lottogewinner zu nennen. Nun tritt der "Erfolgreiche" des hiesigen Verständnisses nach natürlich für seine Interessen ein, bis er die sich kontinuierlich nach oben verschiebende Benchmark für "erfolgreich" nicht mehr überschreitet und an das breiter werdende 'Verlierertum' durchgereicht wird. Sollte es zur Optimierung nicht das Bestreben sein, die relative Anzahl der "Erfolgreichen" möglichst hoch zu halten?

Zu Relativität von "erfolgreich" ein Vergleich mit traditionellen Indianerstämmen im Amazonas - dort war der im Wohlstand/Glück/Erfolg der, der sich berauschte und begeisternde Geschichten von Visionen erzählte, mit dem Erbe von ein ein paar Blatt Papier und geprägtem Metall wärst du dort genau 1 Lagerfeuer weit gekommen. Aber den hätte der Stamm wohl auch noch mit durchgeschliffen. Unter dem Einfluss mächtiger Religionen waren die (augenscheinlich) Frommen die "Erfolgreichen", in anderen Gegenden die Eunuchen.

Analogien der Ebenen

Im Grunde ist Schicksal der Nationalstaaten denen der einzelnen Individuen im Hyperkapitalismus gleich. Wer in der Sonne liegt verweist auf das Leistungsprinzip als unausweichliches Manifest, dass unumstößlich wie die Grundaxiome der Mathematik scheint. Doch der Kreis wird elitärer, der ehemalige Abteilungsleiter von Schlecker ist das individuelle Griechenland. Der Fall ist tief. Harte Schicksale gibt es nicht, denn Politik und Medien erklären ihn gerade offiziell zum Schuldigen, der den derzeitigen Leistungserbringern hohe Abgaben beschert. Wahrscheinlich für ihn überraschend, dass man in dieser Situation noch als der Nutznießer des Systems, der Schnorrer, der Parasit, betitelt wird.

So lebte auch Griechenland im Penthouse der ersten Welt, nun wurde die Miete erhöht und sie landen auf der Straße. Und auch hier - das Bild in Medien ist das gleiche; der verschwenderische Grieche lebte in Saus und Braus und bekommt sein 'gerechtes' Schicksal, da die neue Leistungsbenchmark nicht erreicht wurde unvermeidbar. Die Entwicklung der Vermögensverteilung in der Welt ist unzweideutig, doch die Methode, die Verlierer den Gladiatoren gleich aufeinander zu hetzen bleibt das Mittel der Wahl.

In Griechenland passiert großes menschliches Elend, und nur zu hoffen dass der Wasserpegel bis kurz vor das eigene Liegetuch ansteigt und stoppt, scheint vermessen. Egal wie sich dieses Himmelfahrtskommando weiterentwickelt, liegt der Fokus hoffentlich bald darauf, Leid zu vermeiden.

(Teil 1) Freiwillige

Eingeständnisse hinsichtlich ihrer Macht können auch nicht erwartet werden. Die Entscheidungsgewalt ist auf zu viele Menschen verteilt und das System zu verkrustet,um ein anderes Motiv als den eigenen Vorteil Motiv für Entscheidungen werden zu lassen. Auch rechtlich ist das politische System absolut zementiert, mit dem durchaus verständlichen Motiv der Demokratiesicherung. Der Nachteil ist, dass eine Weiterentwicklung der Form im Normalzustand nicht möglich ist.

Täglich grüßt aber nicht nur das Murmeltier, sondern auch die Menschheitsgeschichte. Und die lehrt uns dass immer wieder neue Systeme implementiert wurden und diese in ihrem optimalen Zustand starten, deren Schwächen aber auch und nach immer mehr genutzt werden um sich zu Bereichern. Da der Mensch glücklicherweise nicht Maß halten kann treiben es die Nutznießer eines jeden Systems immer wieder auf die Spitze, der Kreis der Profiteure wird kleiner, die Zahl der Benachteiligten erreicht irgendwann die kritische Masse - und es knallt. Die daraus folgeden Umwälzungen haben mal größere, mal geringere Qualität, mal schafft es sich der Stand der Profiteure von einem System ins andere zu retten (russische Oligarchen), andere Male ist soviel Druck im Kessel dass wirklich die Würfel neu gemischt werden müssen (franz. Rev. in mehreren Akten).

Aber gemein ist eine Veränderung, die in den meisten Fällen theoretisch einer Ständegesellschaft entgegen wirken soll; Besitz- und Machtmonopole werden erschwert.

Teil 2

Aber aucch das folgende System wird der gewohnten Dynamik nicht widerstehen können. Aber es ist durchaus berechtigte Hoffung, dann es immer ausgefeilteer wird und längere Zeit mehr Menschen profitieren.

Als bloße Platzhalter in ihren Rollen ist den Politikern kaum ein Vorwurf zu machen dass sie ihre Machtposition gefährden. Daher meine Überlegung, dies über immense Geldanreize zu tun. Für mich wäre es nur logisch die Diäten der Politiker exorbitant zu erhöhen (mit hohem Prämienanteil). Die mögliche Rendite für den Staat und das Volk wäre exorbitant.

Schaun wir mal was in Zukunft passiert, spannend ist das schon, und pro Generation schepperts für gewöhnlich mindestens einmal richtig.

Da besteht doch noch ein kleiner, wichtiger Unterschied

Kain hat Abel erschlagen - dass ist ein kleiner, aber wichtiger Unterschied zu "links liegen lassen"

Und keiner sagt, man solle Kranken nicht helfen.

Gerade in Griechenland zeigen sich eben nicht die Folgen eines angeblichen "Raubtierkapitalismus", wie unsere sehr soziale und gerade mal so vielleicht noch frei zu nennende soziale Marktwirtschaft diffamiert wird.

Im Gegenteil, Griechenland zeigt, was wir alle von dem als Heilslehre propagierten, ständig zunehmenden INTERVENTIONISMUS (a la Flassbeck) und einem ÜBERSCHULDUNGSSTAAT zu erwarten haben.

Sozialstaat als Trugschluss

Die Begriffsbildung des Sozialstaates sorgt in der Diskussion um freie Märkte und der Möglichkeit aller am Wohlstand zu partizipieren für vermeintlich gegensätzliche Positionen, die keine sind.

Zieht man die hohe Abgabenlast als Grundübel heran, und Betrachtet Regulierungen nur aus der Perspektive dass Wertschöpfung eingeschränkt wird, ist das absolut nachvollziehbar. Doch so definiert sich ein Sozialstaat nicht.

Aus Wiki: "Ein Sozialstaat ist ein Staat, der in seinem Handeln soziale Sicherheit und soziale Gerechtigkeit anstrebt, um die Teilhabe aller an den gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen zu gewährleisten. Es bezeichnet konkret auch die Gesamtheit staatlicher Einrichtungen, Steuerungsmaßnahmen und Normen, um das Ziel zu erreichen, Lebensrisiken und soziale Folgewirkungen abzufedern. Der Staat verpflichtet sich, in Gesetzgebung und Verwaltung für einen sozialen Ausgleich der Gesellschaft zu sorgen.[1]"

Schauen wir uns die Entwicklung der Vermögensverteilung seit Dekaden an, passiert jedoch genau das Gegenteil. Die Schere klafft auseinander, bei steigender Weretschöpfung. Per Definition entwickelt sich der Staat also exakt gegenteilig ihrer Darstellung, nämlich _asozial_.

Die Tatsache, dass eine elitäre Kaste sich nach und nach den ganzen Wohlstand einverleibt, weil sie selbst die Politik steuert und die Wirtschaft lenkt, hat _nichts_ mit einem Sozialstaat zu tun.

Teil 2

Einzig die Methode der mit staatlicher Hoheitsmacht (wie die göttliche Legitimation mit deren Hilfe Kirche damals abkassierte) durchgeführten Abgaben ist ein Mittel der Umverteilung.

Die Globalisierung hat letzte nationalstaatliche Hürden genommen um die den Staaten zugeführten Abgaben direkt an die Interessenvertreter abzuführen. Es ist mir unbegreiflich, wie man sich mit Begriffen wie Neid, Unfairteiler und Leistungserbringer darauf einschießen kann, die absolut schwächste Gruppe des Systems, die sozial schwachen, wäre in irgendeiner Weise privelegiert oder gar der Feind der eigenen Interessen.

Die Hartz4ler partizipieren in überhaupt keiner nennenswerten Größe an den Abgaben. Was hätte man davon diese Leute zu beschneiden, selbst wenn es teils faule Schmarotzer sind? Dem Mittelstand würde nichts zu Gute kommen, da ist doch überhaupt nichts zu holen. Resultat wäre nur die absolut Verelendung ganzer Bevölkerungsschichten/Länder etc.

Auch Griechenlanmd hat nichts mit _sozial_ am Hut. Die Leute da sehen nichts von den Milliarden die da herüber wandern. Das Schulden- und Zinszahlungsinstrument ist doch von den immer gleichen Leuten aufgezogen, die seit Jahren jede Krise befeuern und dann abkassieren. Was eroffen sie sich denn aus weiterer 'Deregulierung'? Wo ist da die Hoffnung?

Abschließend

muss ich ihnen natürlich hinsichtlich überbordender Bürokratie zustimmen, die immer nur negative Effekte bringt und massiv speziell zu Griechenlands Situation beigetragen hat. Auch der Interventionismus war sehr schädlich. Doch nur mittelbar in dem Sinne Flassbeckscher Wettbewerbsvernichtung, sondern der blanken Korruption. Auch nicht perfekte Märkte überleben, aber die enormen Geldmengenabflüsse aus dem Wirtschaftssysteme ohne jede Gegenleistung brach das Genick.

Damit war es serviert den Laden den Laden durch Ratingagenturen sturmreif schießen zu lassen, ordentlich verzinst zu beleihen und jetzt abzukassieren.

Ich will nochmals betonen dass ich ihre Thesen nicht umfassend abwerten wollte, dondern die von mir vorher formulierte Auslegung des _sozialen_ Trugschlusses. Ebenso sind viele c. p. Theorien freier Märkte in der Theorie ein Segen für die Menschen, das wissen wohl die meisten. Aber in der Realität sind nun einmal Kapitalanhäufungen wie Goldman Sachs so groß und entfesselt, dass sie mit Nationalstaaten Ping Pong spielen. Wie bekommt man das alles unter Kontrolle?

Zahlen, Zahlen, Journalisten

Zitat 1: "...In Athen steigt die HIV-Infektionsrate um rund 1.600 Prozent pro Jahr..."

Nach 4,5(!) Jahren sind damit alle Griechen HIV infiziert.

Zitat 2: "...waren es im Jahr 2011 plötzlich 241 neue Fälle, im Jahr 2012 werden es deutlich mehr als 500 sein..."

Beim besten Willen sind das etwas über 100%!

So macht man das!

1600%

sind doch richtig gerechnet. Die Rate von 15 auf 241 beträgt 1600% als Anstieg von 2010 zu 2011.
Von 2011 zu 2012 beträgt die Rate über 200%, also fast das Doppelte. Die Rate verringert sich, trotzdem es insgesamt mehr Neuinfektionen 2012 zu verzeichnen gibt. von 15 auf 241 sind 226 Neuinfektionen. von 241 zu 500 sind es 259 Neuinfektionen.
Da der Anstieg der Rate durch die Obdachlosigkeit bedingt ist, kann nicht ganz Athen infiziert werden, da nicht alle obdachlos werden und nicht alle gleichermaßen mit der Krise umgehen.
Der Vater mit der 16jährigen Tochter allerdings, so habe ich das verstanden, fixte schon vor der Krise?
Das ausgerechnet Drogendealer von der Krise profitieren, ist einfach ein mieses Zeichen.

Zeigen sie doch mal ihre Rechnung.

100%=241, dann das Doppelte, also noch mal 100% dazu, ist eine Neuinfektionsrate von 200% im Vergleich zum Vorjahr. Die vorherigen 241 Neuinfektionen fallen ja nicht weg. Sprich, es gibt nach drei Jahren 15+241+500 infizierte AthenerInnen.
500=200%von250. sprich auch einfach, dass Doppelte an Neuinfektionen als noch im Vorjahr. die 200% drücken in Zahlen mit Prozent den Fakt der Verdoppelung aus.

Ihnen scheint nicht aufzufallen...

... dass ich nur die Rechenweise der Autoren des Artikels dargelegt hatte. Mit ein wenig Kenntnis in Wachstumstheorie sollte ihnen doch wohl klar sein, dass es nicht exponentiell mit Infizierte*16^n steigt, sondern dass es sich hier um einen abgeschwächten exponentiellen Verlauf mit Maximalwert handelt.

Setzen sie doch mal 2 Hasen (m/w) auf einer einsamen Insel aus. Im ersten jahr wird sich die Population auch rasant steigern, doch irgendwann wird die Population ihren Maximalwert erreichen weil kein Platz mehr da ist.
Ähnlich ist das hier.

Das die Wachstumsrate der Neuinfektionen dN/dt mit der Zeit abnimmt ist völlig normal. Trotzdem ist sie im Vergleich mit Anfang 2011 um mehr als 1500% angestiegen. Und darum geht es! Nicht etwa darum, wie rasant sie jetzt noch steigt, sondern darum wie groß der Bruch ist zwischen der Neuinfektionszahl vor der Wirtschaftskrise und in der Wirtschaftskrise. denn vorher war die Zahl wohl konstant.
Ist doch gar nicht so schwer zu verstehen...

Erstdiagnose

Athen ist eine Grossstadt, eine 4 Millionenstadt.

In praktisch allen Grossstädten werden die Erstdiagnosen HIV erfasst.

Köln ( 2005 ) lag diese bei 13,6 auf 100.000 Einwohner.

Nehmen wir also diese etwas ältere Zahl aus Köln und setzen diese mit der Einwohnerzahl von Athen in Verbindung ( 40x13,6=544 ) so zeigt sich doch nur das es gar kein wirklich signifikantes " Problem " gibt.

Was hier als drastisch in Athen geschildert wird ist längst viel schlimmer hier in Deutschlad gewesen.

Nur so am Rande, nebenbei

Bildzeitungsniveau

Ich finde, dass derartige Artikel, wo vollkommen willkürlich Zusammenhänge zwischen Aids und Wirtschaftskrise in Griechenland hergestellt werden, zutiefst fragwürdig.
Bildzeitungsniveau.
Und sollte hier tatsächlich ein Problem vorliegen, dann doch wohl deshalb, weil die griechische Politik sich des Problems nicht annimmt.
Am Geld kann es ja nicht liegen, solange man Reeder steuerfrei stellen kann.
So gesehen betrachte ich den Artikel als eingeschränkt informativ. keinesfalls lassen sich daraus irgendwelche Folgerungen für uns Deutsche ableiten.