Proteste wegen VergewaltigungIndiens Regierungschef ruft zur Ruhe auf

Die Proteste nach einer Vergewaltigung zwingen Premier Singh, ein Treffen mit Russlands Präsident umzuplanen. Er verlangt Ruhe – und verspricht den Frauen Sicherheit. von afp, dpa und reuters

Der indische Ministerpräsident Manmohan Singh während eines Auftritts in Neu-Dehli

Der indische Ministerpräsident Manmohan Singh während eines Auftritts in Neu-Dehli  |  © Mustafa Quraishi/Pool/Reuters

Angesichts gewalttätiger Proteste in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi hat Premierminister Manmohan Singh die Menschen zur Ruhe aufgerufen.

"Es gibt aufrichtige und gerechtfertigte Wut und Angst", sagte Singh in einer Fernsehansprache. Zugleich forderte er, der Ärger dürfe nicht in Gewalt umschlagen. "Ich appelliere an alle besorgten Bürger, Ruhe und Frieden zu bewahren." Er versicherte, es werde alles Erdenkliche getan, um Schutz und Sicherheit für Frauen im Land zu gewährleisten. Wegen der Proteste wurde das Treffen Singhs mit Russlands Präsident Wladimir Putin vom repräsentativen Hyderabad-Haus in die offizielle Residenz des Premierministers verlegt.

Auslöser der Demonstrationen war die V ergewaltigung einer jungen Frau in einem Bus vor etwa einer Woche gewesen. Landesweit kam es nach dem Verbrechen zu Protesten. Unter den Demonstranten waren zahlreiche junge Frauen, die sich für mehr Sicherheit für Frauen einsetzten. Sie forderten mehr Polizeipräsenz und schnellere Gerichtsverfahren bei Sexualstraftaten. Viele verlangten auch die Kastration oder die Todesstrafe für Vergewaltiger. In der indischen Hauptstadt wird laut Polizeidaten alle 18 Stunden eine Vergewaltigung gemeldet. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen.

Teilweise schlugen die Proteste in Gewalt um. In Neu-Delhi kam es am Sonntag zwischen Polizei und Demonstranten zu Auseinandersetzungen im Regierungsviertel. Die Beamten setzten Tränengas, Gummiknüppel und Wasserwerfer ein. Insgesamt gab es 143 Verletzte, darunter waren 65 Demonstranten und 78 Polizisten, teilte ein Polizeisprecher mit. Ein Journalist wurde bei Protesten im Nordosten des Landes von einem Polizisten erschossen . Auch am Montag gingen die Proteste trotz eines Demonstrationsverbots im Regierungsviertel von Neu Delhi weiter. Neun Metro-Stationen blieben geschlossen, berichtete die Nachrichtenagentur IANS.

 

Anzeige
Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • TDU
    • 24. Dezember 2012 12:28 Uhr
    1. Nutzen

    "Viele verlangten auch die Kastration oder die Todesstrafe für Vergewaltiger."

    Vielleicht nützt solche Barbarei was als Abschreckungsmittel für diese Banden. Aber die Mädchenmorde aus ökonomischen Gründen werden deswegen nicht aufhören.

    3 Leserempfehlungen
  1. "Er versicherte, es werde alles Erdenkliche getan, um Schutz und Sicherheit für Frauen im Land zu gewährleisten."

    Da bin ich gespannt, wie das aussehen wird. Ich glaube kaum, dass die Menschen sich mit solchen nichtssagenden Versprechen abspeisen lassen.

    2 Leserempfehlungen
  2. Wer der Art für die Sicherheit und Rechte von Frauen eintritt wie Demonstranten in Indien verdient meinen Respekt.
    Davon können sich einige angeblich hochentwickelte Länder eine Scheibe abschneiden.

    2 Leserempfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters, nf
  • Schlagworte Manmohan Singh | Regierungschef | Vergewaltigung | Wladimir Putin | Bus | Frieden
Service