GewaltVergewaltigte Inderin ist ihren Verletzungen erlegen

Die 23-Jährige Studentin, die in einem Bus vergewaltigt worden war, ist an ihren Verletzungen gestorben. Die Gewalttat hat in Indien große Proteste ausgelöst. von afp und dpa

Demonstranten in Mumbai

Demonstranten in Mumbai  |  © Punit Paranjpe/AFP/Getty Images

Die indische Studentin, die in einem Bus vergewaltigt worden war, ist ihren schweren Verletzungen erlegen. Das teilte das Krankenhaus in Singapur mit, in das sie verlegt worden war. Ein Team aus acht Ärzten hatte sich bemüht, das Leben der 23-Jährigen zu retten. Sie sei im Kreis ihrer Angehörigen "friedlich eingeschlafen", teilte der Leiter der Klinik mit. Als Todesursache nannte er Organversagen.

Die Vergewaltigung hat in Indien eine große Debatte um sexuelle Gewalt ausgelöst hat. In einem Bus in Neu Delhi war die Studentin vor zwölf Tagen von sechs Männern vergewaltigt worden.

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Wenige Stunden vor ihrem Tod hatte das Krankenhaus mitgeteilt, der Zustand der jungen Frau habe sich sehr verschlechtert. Sie war am Donnerstag von Neu Delhi nach Singapur verlegt worden. Nach Angaben der Klinik hatte die Studentin einen Herzstillstand sowie schwere Hirnverletzungen erlitten. Zudem habe die junge Frau Entzündungen in Lunge und Unterleib.

Sie war in Neu Delhi von mehreren Männern vergewaltigt worden, als sie mit ihrem Freund nach einem Kinobesuch in einen Bus stieg. Sie erlitt schwere Darmverletzungen, weil ihre Peiniger sie mit einer Eisenstange misshandelten. Schon vor ihrer Verlegung nach Singapur musste sie mehrfach operiert werden. Sechs Männer wurden mittlerweile als mutmaßliche Täter festgenommen.

Weitere Proteste befürchtet

Die Tat hat gewaltsame Proteste in Neu Delhi und anderen indischen Städten ausgelöst. Vor allem junge Menschen protestierten gegen die Gewalt und warfen den Behörden vor, nicht ausreichend gegen Vergewaltigungen und sexuelle Gewalt vorzugehen. Bei den Protesten war auch ein Polizist ums Leben gekommen. Der Tod der 23-Jährigen könnte weitere Proteste zur Folge haben.

Der Fall beschäftigt auch die Politik: Die Entscheidung, die Studentin nach Singapur zu bringen, hatte das indische Kabinett am Mittwoch getroffen. Die Regierung von Premierminister Manmohan Singh hatte außerdem zugesichert, der Staat werde alle Behandlungskosten übernehmen. Kritiker mutmaßten allerdings, mit der Verlegung nach Singapur wolle die Regierung den Protest mildern, es sei weniger um die medizinische Versorgung der Frau gegangen .

Tätern soll ein schneller Prozess gemacht werden

Die Regierung will die Täter so schnell wie möglich zur Rechenschaft ziehen. Der Prozess könnte schon nächste Woche beginnen. Als weitere Maßnahmen kündigte die Regierung außerdem an: Es soll eine Datenbank vorbereitet werden, in der alle verurteilten Vergewaltiger des Landes erfasst werden. Ihre Namen, Porträtfotos und Adressen sollen auf der Website der Polizei veröffentlicht sein.

In der Hauptstadt Neu Delhi richtete die Polizei eine spezielle Notrufnummer für Frauen ein. Auch sollen Straßen besser beleuchtet und Busse häufiger kontrolliert werden.

Die Demonstranten hatten in den vergangenen Wochen noch härtere Regelungen gefordert: "Rasche und zuverlässige Strafen für jedes Verbrechen gegen Frauen", stand auf ihren Plakaten. Sie wollen, dass Vergewaltiger binnen 100 Tagen ihre Strafe erhalten. Viele forderten für sexuelle Verbrechen auch die Todesstrafe, die in Indien immer noch angewandt werden kann.

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Leserkommentare
    • clair11
    • 28. Dezember 2012 17:18 Uhr

    Die Gesetze in Frakreich kenne ich nicht.

    In Deutschland war das Strafrecht auch bis 1997 so, dass nur Frauen vergewaltigt werden konnten. Seit 1998 ist §177 StGB geschlechtsneutral. Körperverletzung usw. hätte man aber trotzdem annehmen können, wenn man wollte.

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    Antwort auf "nur mal so"
  1. Der in der taz veröffentlichte Artikel ist leider sehr tendenziös und verwendet den Begriff "Patriarchat" nach feministischer Definition.

    Vergewaltigungen von Frauen in Tschetschenien gab es aber nicht nur seitens einheimischer Männer, sondern auch durch die russische Armee vor über zehn Jahren, als Schröder mit Putin befreundet war und wir in Europa von dem Konflikt ums Öl profitierten, der bis heute anhält.

    http://www.tagesspiegel.d...

    Zudem müssten Sie noch eheliche Vergewaltigungen, Vergewaltigungen in Krisengebieten - und im Umkehrschluss auch Kindsmorde (durch Mütter) in westlicher Kultur miteinbeziehen, um nicht den Anschein zu erwecken wir seien "höherentwickelt" und müssten uns auf irgendetwas ausruhen.

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    dass wir hier "höher"entwickelt seien. Ich denke, wenn die Umstände so sind, dass eine Gesellschaft extrem hierarchisch ist und Teile dieser Gesellschaft (in weiten Teilen der Welt eben die Frauen) als minderwertig angesehen werden, wenn solches Verhalten nicht geächtet, nicht als Verbrechen angesehen wird und nicht verfolgt wird, dann kommt es in JEDER Gesellschaft, die derartig verfasst ist, zu solchen abscheulichen Verbrechen. Schon gar, wenn in Bürgerkriegen und Kriegen normale Gestze nichts mehr gelten.
    Was nun allerdings Kindsmorde von Müttern in westlicher Kultur damit zu tun haben, bleibt mir rätselhaft.
    In den allermeisten Fällen sind Kindsmorde von Müttern erweiterte Suizide. Wenn sie neugeborene Säuglinge töten, befinden sie sich meist in einer extremen Ausnahmesituation, die sie als vollkommen ausweglos empfinden.
    Und sie handeln eindeutig GEGEN die Werte der hiesigen Gesellschaft.

    Das kann man im Falle dieser Gewaltverbrechen gegen Frauen und weibliche Kinder in Indien vor allem so einfach nicht sagen.
    Allerdings sind oft auch Frauen und das durchaus mit Brutalität an der Erzwingung dieser Abtreibungen und Mädchentötungen beteiligt.
    Die Abwertung des eigenen Geschlechts hat sich tief eingefressen in die Psyche aller Mitglieder dieser Gesellschaft, auch in die der Frauen.

    • uwilein
    • 28. Dezember 2012 18:59 Uhr

    die mit aller Härte bestraft werden muss - ein furchtbares Verbrechen, das einen sprachlos macht -

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  2. Ich bin bestürzt – und mir fehlen die Worte.
    Meine Gedanken und Gebete sind bei der 23-Jährigen.

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    • clair11
    • 28. Dezember 2012 19:38 Uhr

    Deswegen ist es gut, wenn auch seriöse Medien wie ZEIT sich das Thema Vergewaltigung annehmen (und nicht nur das Thema Falschbeschuldig), denn das Thema geht allen etwas an und nicht nur EMMA-Leserinnen.

    Nein, nicht alle Männer sind potenzielle Vergewaltiger (es sei denn das wird im Kontext benutzt, dass jeder Mensch potenzielle Gewalttäter oder Mörder ist, weil jeder das Zeug zum Morden hat, wenn er genug Schlimmes im Leben erfährt und wo es um das nackte Überleben geht).

    [...]
    Nicht alle Vergewaltigungen verlaufen so eindeutig brutal und durch Fremdpersonen wie hier. Viele Fälle verlaufen subtiler.

    Und die Lösung kann z.B. darin bestehen, dass Männer nicht mehr einfach automatisch davon ausgehen oder sich einbilden, dass Frauen Sex mit ihnen wollen. Sondern dass sie offen vorher fragen, ob die Frau auch Lust hat - und nur dann weiter macht bei einem Ja.

    Die Einstellung, man dürfe einer Frau Sex aufzwingen, solange die Frau ihn nicht dran hintert, muss geändert werden.

    Gekürzt. Bitte belegen Sie ihre Thesen mit entsprechenden Quellen. Danke, die Redaktion/jp

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    • clair11
    • 28. Dezember 2012 19:49 Uhr

    Studie von Lisak und Miller:

    http://www.innovations.ha...

    Hier wurden Uni-Studenten nach Täterverhalten gefragt, ohne das Wort "rape" (Vergewaltigung) zu benutzen. Die Fragen lauteten also:

    1) Have you ever been in a situation where you tried, but for various reasons did not succeed, in having sexual intercourse with an adult by using or threatening to use physical force (twisting their arm, holding them down, etc.) if they did not cooperate?

    (2) Have you ever had sexual intercourse with someone, even though they did not want to, because they were too intoxicated (on alcohol or drugs) to resist your sexual advances (e.g., removing their clothes)?

    (3) Have you ever had sexual intercourse with an adult when they didn’t want to because you used or threatened to use physical force (twisting their arm; holding them down, etc.) if they didn’t cooperate?

    (4) Have you ever had oral sex with an adult when they didn’t want to because you used or threatened to use physical force (twisting their arm; holding them down, etc.) if they didn’t cooperate?

    6,4% der Probanden beantworteten mindestens eine der Fragen mit Ja.

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  3. dass wir hier "höher"entwickelt seien. Ich denke, wenn die Umstände so sind, dass eine Gesellschaft extrem hierarchisch ist und Teile dieser Gesellschaft (in weiten Teilen der Welt eben die Frauen) als minderwertig angesehen werden, wenn solches Verhalten nicht geächtet, nicht als Verbrechen angesehen wird und nicht verfolgt wird, dann kommt es in JEDER Gesellschaft, die derartig verfasst ist, zu solchen abscheulichen Verbrechen. Schon gar, wenn in Bürgerkriegen und Kriegen normale Gestze nichts mehr gelten.
    Was nun allerdings Kindsmorde von Müttern in westlicher Kultur damit zu tun haben, bleibt mir rätselhaft.
    In den allermeisten Fällen sind Kindsmorde von Müttern erweiterte Suizide. Wenn sie neugeborene Säuglinge töten, befinden sie sich meist in einer extremen Ausnahmesituation, die sie als vollkommen ausweglos empfinden.
    Und sie handeln eindeutig GEGEN die Werte der hiesigen Gesellschaft.

    Das kann man im Falle dieser Gewaltverbrechen gegen Frauen und weibliche Kinder in Indien vor allem so einfach nicht sagen.
    Allerdings sind oft auch Frauen und das durchaus mit Brutalität an der Erzwingung dieser Abtreibungen und Mädchentötungen beteiligt.
    Die Abwertung des eigenen Geschlechts hat sich tief eingefressen in die Psyche aller Mitglieder dieser Gesellschaft, auch in die der Frauen.

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    Antwort auf "@Bekassine"
  4. Ich habe mal vor langer Zeit von Sudhir Kakar "Kindheit und Gesellschaft in Indien" gelesen. Da zeigte er auf, dass die bürgerliche indische Kindheit sehr schön ist, vorausgesetzt man ist Junge.
    Frauen und Mädchen gelten als Last (Mitgift) und als Schwiegertochter erhöht sich ihr Ansehen erst, wenn sie den Sohn geboren haben. Dann erst ändert sich auch das Verhalten ihnen gegenüber.
    Mit den heutigen medizinischen Techniken werden nun tatsächlich in jeder Gesellschaftsschicht die Geburt von Töchtern häufig verhindert.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, sk
  • Schlagworte Behörde | Bus | Gewalt | Hauptstadt | Indien | Kabinett
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