Indien : Vergewaltigte Studentin in Neu Delhi bestattet
Seite 2/2:

Sicherheitsbehörden rechnen mit neuen Protesten

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon drückte sein "tiefes Bedauern" über den Tod der Frau aus. Zugleich habe er das Verbrechen aufs Äußerste verurteilt, teilte ein Sprecher Bans mit. "Gewalt gegen Frauen darf nie hingenommen, nie entschuldigt, nie toleriert werden", hieß es in einer Erklärung Bans.

Die Hauptstadt Neu Delhi rüstete sich unterdessen für neue Proteste . Nach Polizeiangaben blieben das Regierungsviertel und das Wahrzeichen India Gate wieder weiträumig abgesperrt und zehn Metro-Stationen geschlossen. Für Gedenken und Proteste wurden zwei Plätze ausgewiesen. Am Samstag waren Tausende Menschen überall in Indien friedlich auf die Straßen gegangen. In mehreren Städten zündeten sie Kerzen für das Opfer an.

Demonstranten fordern Todesstrafe

Am Samstag hatten führende Politiker kondoliert und Maßnahmen versprochen, damit sich ein solcher Fall nicht wiederhole . So wird untersucht, ob in besonders schweren Vergewaltigungsfällen auch die Todesstrafe verhängt werden kann – diese Forderung war von zahlreichen Demonstranten erhoben worden. Auch sollen Vergewaltiger nicht mehr auf Kaution freikommen und besonders schnell vor Gericht gestellt werden.

Für Vergewaltigungsopfer soll ab dem ersten Januar eine spezielle Hotline bei der Polizei eingerichtet werden. Außerdem soll es in der Hauptstadt mehr Beleuchtung geben und öffentliche Busse besser überwacht werden. Daneben versucht die Polizei, mehr Frauen für ihren Dienst auszubilden.

Verlagsangebot

DIE ZEIT wird 70 ...

... und ihre Journalisten erzählen von den Geschichten ihres Lebens. Von Geheimnissen und Irrtümern unserer Zeitung. Und von den besten Lesern der Welt. Eine Festausgabe.

Mehr erfahren

Kommentare

246 Kommentare Seite 1 von 12 Kommentieren

Ganz konkret hoffe ich, dass die indische Regierung dafür Sorge trägt, dass der junge Mann nicht selber dran kaputt geht, und dass er nicht im Gerichtsverfahren wie "Mittäter" behandelt wird, insbesondere wenn er seine Aussage machen muss.

Und ich wünsche mir, dass die Medien nun nicht anfangen, die Freunde, Nachbarn und Familienmitglieder voyeuristisch zu befragen.

Notrufhotline und mehr Polizistinnen wären sicher nicht schlecht - aber werden die Anzeigen in Zukunft ernster genommen? Was bekommen die Opfer dort zu hören? Das wären die Herausforderungen.

Diskussion auf Zeit-Niveau ist wichtig

Und es ist mir wichtig, dass die Diskussion über das Thema Vergewaltigung auf ZEIT-Niveau passiert und nicht auf BILD-Niveau. Denn nur dann ist auch eine gesellschaftliche Änderung in Deutschland möglich. Leider war das Thema bisher nur auf BILD oder Frauenzeitschriften präsent, und die seriöse Medien hatten sich eher auf das Thema Falschbeschuldigung durch Frauen konzentriert.

Viel zu wenig!

Wenn Sie konkrete Kritiken an der Art der Berichterstattung und Darbietung hätten, würde man darüber ja diskutieren können. Aber so? Gewalt, ob in Form sexueller Gewalt oder systematisch als Hunger, indirekte Gewalt, die Selbstmordraten hochschnellen lässt oder Drogenkonsum, U-Bahnschläger, die Leute zu Tode prügeln sind Dauerbrenner, weil sie immer an den Rand gedrückt werden, nach dem Motto - es gebe sie halt.
Man kann das aber alles als Gesellschaftsthema begreifen und sein eigenes dazutun, damit es hier eine gewaltarme Gesellschaft geben kann.

Thema wichtig

Dieser Fall steht stellvertretend für alle vergewaltigungsopfer in Indien und aufgrund seiner großen Tragik und Grausamkeit soll er ein Beispiel dafür sein, dass ein grundsätzliches Umdenken stattfinden muss. Männer, die solch eine bestialische Tat durchführen, müssen meiner Ansicht nach hart bestraft werden (das geschieht bisher in Indien nicht) und es muss in der gesamten Gesellschaft darüber geredet werden und offen dazu Position bezogen werden, damit anderen potenziellen Tätern klar wird, dass sexuelle Gewalt an Frauen eine furchtbare Tat darstellt. Die zeit berichtet sehr wohl auch über verhungernde Kinder und andere wichtige Themen. Ihren Kommentar empfinde ich als zynisch, unangebracht und respektlos den Opfern gegenüber. Sollte ein solches Themengebiet, das intellektuell und sachlich in der zeit diskutiert werden kann und muss, nicht auch ausführlicher beleuchtet werden? Ich denke schon, da solche Gewalt auch bei uns viel zu oft ignoriert und tabuisiert wird. Wenn ihnen der Bericht über dieses Thema "zu viel ist", dann lesen sie ihn einfach nicht und diskutieren nicht mit.

Ohne Diskussion keine Veränderungen

Dieser Fall ist außergewöhnlich brutal und er bewegt die Menschen. Damit wird Leid an anderer Stelle und Form nicht verniedlicht. Wer übrigens die internationale Presse verfolgt wird feststellen, dass dort noch viel öfter und intensiver berichtet und diskutiert wird. In den Foren von AlJazeera diskutieren Frauen und Männer insbesondere aus islamischen Ländern, aber auch Hinduisten, Christen, etc. ernsthaft über Frauenrechte. In The Times Of India wird natürlich intensiv diskutiert. Hier kommen auf einmal Diskussionsprozesse in Gang, zwischen Menschen, die sich bisher nicht unbedingt als Gesprächspartner akzeptiert haben. Wenn dieser grausame Tod dieser jungen Frau, die in Indien übrigens den Namen Nirbhaya (Pseudonym) bekommen hat, irgendeinen Sinn haben kann, dann dass sich vielleicht in den Köpfen von Menschen was bewegt. Dazu braucht es die Berichterstattung. Wer verschweigt, tötet Nirbhaya ein zweites mal.

Was für ein Bohei...

Die Täter haben schlicht und ergreifend die versucht die Frau zu töten. (Und haben es letztendlich auch "geschafft".) In Deutschland hätten die sich dafür genauso eine Mordanklage eingehandelt, wie jetzt auch in Indien. Nachdem, was man über den Tathergang bekannt ist, wäre es hier auf eine besondere schwere der Schuld mit ggf. anschließender Sicherheitsverwahrung hinausgelaufen.

[...] Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/kvk