IndienMutmaßlichen Vergewaltigern droht die Todesstrafe

Nach dem Tod der vergewaltigten indischen Studentin sollen die mutmaßlichen Täter des Mordes angeklagt werden. Der Prozess soll schon nächste Woche beginnen. von dpa

Demonstranten protestieren in Neu Delhi gegen sexuelle Gewalt

Demonstranten protestieren in Neu Delhi gegen sexuelle Gewalt  |  © Sajjad Hussain/AFP/Getty Images

Die sechs Männer, die eine 23 Jahre alte Inderin in Neu Delhi vergewaltigt und tödlich verletzt haben sollen, müssen sich wegen Mordes verantworten. Ihnen droht die Todesstrafe. Ein Polizeisprecher sagte, die Polizei wolle das Anklageprotokoll schnellstmöglich ausfüllen. Der Prozess soll Medienberichten zufolge schon nächste Woche beginnen.

Die indische Studentin war vor fast zwei Wochen in Neu Delhi in einem Bus vergewaltigt, mit einer Eisenstange malträtiert und aus dem fahrenden Fahrzeug geworfen worden. Tagelang kämpften erst indische Ärzte und dann ein Spezialistenteam in Singapur um ihr Überleben, doch die junge Frau starb in der Nacht zum Samstag an ihren schweren Verletzungen. Zunächst waren die mutmaßlichen Täter der Vergewaltigung und des versuchten Mordes angeklagt worden, worauf maximal eine lebenslange Haftstrafe steht. 

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Die Leiche der jungen Frau wurde in Singapur von Medizinern obduziert. Sie wollen ihren Bericht schnellstmöglich an die indischen Behörden weiterleiten. Der Leichnam soll per Flugzeug nach Indien zurückgebracht werden. Die Eltern der Studentin seien mit an Bord, sagte Indiens Botschafter in Singapur.

Der Vorfall hat in Indien eine Debatte über den mangelhaften Schutz vor sexueller Gewalt in dem Land hervorgerufen und zahlreiche Proteste ausgelöst . Nach Informationen der New York Times wurden 2011 in Indien mehr als 24.000 Vergewaltigungen registriert, das ist ein Anstieg von 25 Prozent in den letzten sechs Jahren. Im Vergleich zum Jahr 2010 stieg die Rate nach einem Bericht von Al Jazeera um neun Prozent.

Insgesamt wurden demnach im Jahr 2011 mehr als zwei Millionen Verbrechen gegen Frauen registriert. In keiner anderen indischen Großstadt werden dabei so viele Sexualverbrechen gemeldet wie in der 16-Millionen-Metropole Neu Delhi. Im Schnitt wird nach Polizeiangaben alle 18 Stunden eine Frau vergewaltigt, andere sexuelle Übergriffe werden alle 14 Stunden registriert.

 
Die Nachricht vom Tod der jungen Frau löste auch am Samstag Proteste aus. In mehreren Städten zündeten die Menschen Kerzen für das Opfer an, Tausende demonstrierten gegen sexuelle Gewalt und für mehr Frauenrechte. Die Demonstranten in der Hauptstadt Neu Delhi riefen im Chor: "Wir wollen Gerechtigkeit." Einige forderten die Todesstrafe für Vergewaltiger, andere lehnten eine Verschärfung der Strafen ab, wollen aber ein härteres Durchgreifen der Polizei. Manche hatten sich schwarze Tücher über den Mund gebunden. "Wir haben genug geschrien", sagte eine junge Demonstrantin. "Jetzt wollen wir Taten sehen. Die Protestierende hielten Schilder hoch mit den Aufschriften "Sie ist tot. Aber ihr Kampf muss jeden aufwecken, jetzt etwas zu tun" und "Die Flamme, die sie entzündete, soll nie mehr verlöschen."

Leserkommentare
  1. somit meinen Sie ist eine Vergewaltigung in Berlin besser als in Indien, verstehe ich Sie richtig? Anscheinend ja.

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    Antwort auf "Die Lage in Berlin?"
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    Ich habe das Gefühl, dass Ihnen nichts über die Lage der Frauen in Indien bekannt ist.
    Siehe z.B. hier.
    http://www.zeit.de/2012/1...
    Die in den Medien hochgekochte Vergewaltigung ist in diesem Zusammenhang nicht einmal die Spitze des Eisbergs. Auch deshalb habe ich im Zusammenhang mit indischen Politikern Heuchelei angedeutet. Denken Sie mal drüber nach!

    • uwilein
    • 29. Dezember 2012 20:54 Uhr

    in der Hoffnung auf Abschreckung. Ich bin Frau und das Leid, dass dieser jungen Frau angetan wurde, übersteigt meine Vorstellungskraft.

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  2. Die Todesstrafe ist und war nie angemessen. Sie gehört weltweit abgeschafft.

    Dass interessierte Kreise (NPD etc.) auch hier bei uns versuchen, das abscheuliche Verbrechen in Indien zu instrumentalisieren ist offensichtlich.

    Dem gilt es zu widersprechen und nicht dem Racherecht das Wort zu reden, oder mit den Kosten für den "Unterhalt der Verbrecher" zu "argumentieren".

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[...]"
  3. Überlgeungen werden von, meist konservativen, Poltiikern aber allzugerne als linkes Weicheigewäsch tituliert. Die Menge will eben den Daumen nach unten Strecken. Menschenrechte? Interessiert den emotionasgeladenen Wähler nicht.

    Wer die Todesstrafe fordert ist nicht besser als der der Vergewaltigungsrechte fordert. Beides ist entgegen der Menschenrechte.

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    • lxththf
    • 29. Dezember 2012 21:42 Uhr

    stellen. Als Gegner der Todesstrafe, sollte man dennoch den Wunsch verstehen. Diesen Wunsch auf eine Ebene mit einem Vergewaltigungsrecht zu stellen halte ich für sehr stark überzogen, da das eine eine Reaktion auf das andere ist, anders formuliert, dass eine ohne das andere nicht möglich wäre. Es sind zwei sehr unterschiedliche Schuhe, auch wenn beides gegen Menschenrechte verstößt.

    • clair11
    • 29. Dezember 2012 20:56 Uhr

    Das ist eine Sache der Perspektive. Es gibt durchaus viele Frauen in Indien, die sehr schön leben - mit Studium, Job, und gewaltfreies Leben in guter Wohnung.

    Und es gibt auch Vergewaltigungsopfer in Berlin.

    Statistik gibt nicht immer Einzelschicksäle wieder.

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    Antwort auf "Die Lage in Berlin?"
  4. Ich denke, mit einem Rest von Rachegefühl, aber mehr noch von der Gerechtigkeit, Resozialisierung (sofern schon einmal sozialisiert) und der Forderung nach Buße, tätiger Buße, wäre ein echt lebenslänglich wesentlich wirksamer; das läßt sich gut vermitteln.

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    Antwort auf "Frauen und Rechte"
    • Saphere
    • 29. Dezember 2012 21:00 Uhr
    32. Reality

    Ich verstehe die ganze Deabtte nicht richtig, da ich mich
    immer wieder frage und versuche zu verstehen, was die Medien
    da veranstalten! Wieso, bitte fragt denn keiner danach, was
    da in diesem Bus vor sich ging?
    Waren die Vergewaltiger mit der Frau und Ihrem Begleiter allein? Keine Anderen Fahrgäste, kein Busfahrer, keine Haltestelle???
    Und wenn da andere Reisende waren, was haben die da getan, während eine bestialische Attakke vor sich ging, haben die
    zugesehen, ist es in Indien normal?
    Wieso berichtet die deutsche Presse derart unlogisch und
    lückenhaft und wieso empört sich die Welt ohne den Rest zu
    erfahren.
    Für mich bleibt die Sache halb und nicht nachvollziehbar,
    und die Inder müssen sich die Frage nach Ihrer Courage
    stellen und wo überhaupt die Ehre und die Berechtigung
    gelagert sind auf dem sich Stolz und Selbstwert begründen.

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    • clair11
    • 29. Dezember 2012 21:06 Uhr

    Wieso, bitte fragt denn keiner danach, was
    da in diesem Bus vor sich ging?
    ------------

    Weil viele ahnen, dass sie die Details gar nicht verkraften können, außerdem wäre das respektlos gegenüber dem Opfer.

    Das war wohl ein Privatbus, in den das Opfer irrtümlich eingesteigen wollte.

    • uwilein
    • 29. Dezember 2012 21:08 Uhr

    haben den öffentlichen Bus entwendet und sind damit durch die Gegend gefahren - ob sie schon mit dem Vorsatz ein Vergewaltigungsopfer zu finden, losgefahren sind, werden die Gerichte klären.

    Für mich zählt hier nur eines: Das Opfer, dass unvorstellbar grausam -ermordet- wurde. Diese Tat ist mit nichts zu entschuldigen, mit nichts....

    Der Bus war gar nicht "im Dienst", daher gab es keine anderen Fahrgäste, nur die sechs jetzt verhafteten mutmaßlichen Täter.

    Es wird vermutet, dass das Ganze absichtlich geplant war - also gezielt eine Haltestelle angefahren wurde, an der eine junge Frau stand.

    Laut Aussage des mutmaßlichen "Haupttäters" (was immer das bedeutet) war der ursprüngliche Plan, die Studentin und ihren Freund zu entkleiden, die Frau zu vergewaltigen und beide dann aus dem Bus zu werfen.

    Dass die Frau sich wehrte, habe dazu geführt, dass man die Eisenstangen eingesetzt habe.

    Was mich besonders zu allem anderen bedrückt: Nachdem die beiden verletzt aus dem Bus herausgeworfen worden waren, sammelte sich eine Menschenmenge um sie, aber erst nach 40 Minuten hat jemand Hilfe angefordert.

    ... was vorgefallen ist.

    a. Pärchen steigt in Bus.
    b. Außer den Tätern ist sonst niemand im Bus.
    c. Einer der Männer will die Frau vergewaltigen. Diese wehrt sich, und beißt diesen Mann u.a. in die Hand.
    d. Der rastet daraufhin völlig aus.
    e. Die Beiden werden jetzt mit einer Eisenstange brutal zusammen geschlagen.
    f. Frau wird von 6 Männern vergewaltigt.
    g. Danach noch einmal mit besagter Stange penetriert.
    h. Danach wurden die beiden aus dem Bus geworfen.

    Der Bus gehörte einem Unternehmen, das Studenten im Auftrag einer Universität befördert. Weshalb die Beiden völlig ahnungslos in den Bus stiegen, in dem 6 betrunkene Männer saßen, die gemeinsam auf Party aus waren. Der Bus hielt danach, wie bereits erwähnt nur noch einmal.

    Kann man alles in Zeitungen nachlesen. Ich empfehle da englischsprachige indische Zeitungen.

    • Flari
    • 29. Dezember 2012 22:33 Uhr

    Es gibt Medien, die sich sehr ausführlich mit den Tateinzelheiten beschäftigen und Sensationsneugier befriedigen.
    Für diesen bestimmten Fall dürften Sie da aber bei einem Qualitätsmagazin falsch aufgehoben zu sein.

    Google gibt Unterstützung, wenn Sie etwas in Ihrem Interesse suchen.
    Die Seiten von Bild und RTL sollten auch bekannt sein.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, nf
  • Schlagworte Behörde | Chor | Emotion | Gewalt | Indien | Manmohan Singh
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