Gewalt gegen Frauen : Indien trauert, statt Silvester zu feiern

In Indien gedenken viele Menschen am letzten Tag des Jahres des verstorbenen Vergewaltigungsopfers. Die Armee, Hotels und Clubs haben geplante Silvesterpartys abgesagt.
Eine junge Inderin gedenkt der getöteten Studentin. © Amit Dave/Reuters

Angesichts des Todes der brutal vergewaltigten Studentin sind in Indien zahlreiche Silvesterfeiern abgesagt worden. "Die indische Armee, Luftwaffe und Marine haben entschieden, alle geplanten Partys zum neuen Jahr abzusagen", sagte ein Beamter des indischen Verteidigungsministeriums . Sie wollten den letzten Tag des Jahres dem Gedenken der jungen Frau widmen. Der Beamte sagte, die Absage der Feierlichkeiten sei freiwillig geschehen und wurde nicht vom Ministerium angeordnet.

Auch Hotels und Bars fuhren ihr Silvesterprogramm zurück. Das staatliche Ashok Hotel in Neu Delhi schloss seinen Nachtclub, große Traditionsclubs der Stadt sagten ihre Silvesterpartys ab. "Unsere Mitglieder glauben, dass es nicht der richtige Zeitpunkt für eine laute Feier ist", sagte der Vorsitzende des Vasant-Vihar-Clubs. Stattdessen sollte am Abend in Gedenken an die getötete Studentin eine Kerzenmahnwache abgehalten werden.

Der fast hundert Jahre alte Gymkhana-Club strich seine traditionelle Silvesterparty ebenfalls. Dort treten zum Jahresende normalerweise Bollywood-Stars auf. Man trauere gemeinsam mit dem Rest des Landes um die junge Frau, sagte Clubchef. Die Mitglieder seien stattdessen eingeladen, an einer Mahnwache teilzunehmen. Auch in Neu Delhis Presseclub wurden die Feierlichkeiten abgesagt.

Kongresspartei debattiert Kastration von Vergewaltigern

Die Economic Times berichtete, bei privaten Hotels seien Buchungen für Partys zurückgegangen, weil den Menschen nach dem Verbrechen nicht nach Feiern zumute sei. "Unsere Gedanken sind bei der Familie der Frau, die so tapfer um ihr Leben kämpfte. Das Mindeste, das wir tun können, ist, unseren Respekt zu zeigen und die Botschaft zu senden, dass wir ihre Trauer teilen", sagte ein junger Mann, der sich an den durch das Verbrechen ausgelösten Demonstrationen gegen sexuelle Gewalt beteiligte.

Die Studentin war am 16. Dezember in einem Bus in Neu Delhi von sechs Männern brutal vergewaltigt und misshandelt worden, anschließend warfen die Täter sie aus dem fahrenden Bus. Am Samstag erlag die junge Frau in einem Krankenhaus in Singapur ihren schweren Verletzungen . Sie wurde am Sonntag in Neu Delhi bestattet . Die mutmaßlichen Täter sind wegen Mordes angeklagt. Der Vorfall löste in Indien eine Diskussion über Gewalt gegen Frauen aus und führte zu heftigen Protesten .

Die regierende Kongresspartei erwägt Medienberichten zufolge nun einen Gesetzesvorstoß zur chemischen Kastration von Vergewaltigern. Das gehöre zu einem Katalog schärferer Strafen, die diskutiert würden, berichtete die Economic Times unter Berufung auf Parteikreise. Die oppositionelle hindu-nationalistische Partei BJP forderte die Todesstrafe für Vergewaltiger. Auch der Bruder der getöteten Studentin verlangte die Todesstrafe für die Mörder seiner Schwester. Dafür werde die Familie "kämpfen bis zum Ende", sagte er der Zeitung Indian Express . Der Familie der Studentin sagte die Regierung eine Entschädigungszahlung von 1,5 Millionen Rupien (etwa 20.000 Euro) zu.

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Kommentare

38 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

@1 Nein - das wird keinen Abbruch tun !

die Menschen sind ohnehin jedes Jahr blöd genug, Millionen an Knallern in die Luft zu schicken.

Und dennoch ist es GUT, dass es DORT getan wird!

Es ist wohl das Mindeste, das getan werden kann. Und ich finde es sehr gut, dass, - wenn auch durch dieses schreckliche Opfer - Indien nun hoffentlich wach gerüttelt wird und zumindest ein Bewusstseinsschub im Bezug auf dieses Thema und die dringenden gesellschaftlichen Veränderungen, die es bedingt, angestoßen wurde !

Statt weiter rein populistisch und machtorientiert

das Land zu regieren, sollte sich die Kongresspartei lieber ein Vorbild an Ghandi nehmen. Stattdessen verhalten sich die Nachkommen Nehrus, als gehöre ihnen das Land, und benennen sich auch noch nach Ghandi.

Sexualstraftäter zu kastrieren bringt rein gar nichts. Dies würde eine solche Tat nicht verhindern. Wer soviel Hass in sich trägt, wie diese Männer, die ihre Frustation u.a. mit einer Eisenstange an der jungen Frau ausgelebt haben, macht dies auch im kastrierten Zustand.

Die Kongresspartei sollte sich auf ihr gewaltfreies Erbe besinnen, und so vielen ihrer Bürger wie möglich, eine sinnvolle und sichere Zukunft ermöglichen.

Hierzu kann ich auch einen Artikel aus der FAZ empfehlen.

http://www.faz.net/aktuel...

Medienkritik

Anstatt immer nur die Verantwortung auf die (indische) Kultur und Politik abzuwälzen, sollte es auch eine Kritik an der Öffnung der Märkte und mit ihnen dem Hereinbrechen westlicher Massenmedien geben.

Es ist nicht die Kultur allein (sonst hätte sie keine 100 Jahre überlebt), sondern immer die Symbiose aus (konservativer) Kultur und (westlicher) Medien, die Frauen nur als Sexobjekte darstellen (von "Topmodel" bis zur Pornoindustrie).

Dass sich hierzulande ausgerechnet Medienvertreter echauffieren und alles auf die einheimische Kultur des jeweiligen Landes abwälzen, ist die logische Folge - eine Art Abwehrreflex.

Eine interessante Diskussion hierzu gab es im Kommentarbereich des 'Standard': http://derstandard.at/135...

Ihre Aufgabe

Die Menschen gedenken des Opfers. Nicht dem Opfer. Ein Journalist sollte seiner Muttersprache mächtig sein. Und ja, es ist wichtig. Es ist Ihre Aufgabe, so zu berichten, dass der Leser gerade bei solchen schrecklichen Ereignissen nicht im ersten Satz über grausig falsches Deutsch stolpern muss. Sie wollen ja auch nicht am Eingang zur Trauerhalle auf einer Bananenschale ausrutschen.