Massenmorde USA : "Man bekommt leichter Waffen als psychische Hilfe"
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Wir dachten, das wäre genug, aber das war es nicht

ZEIT ONLINE : Was ist Ihre Konsequenz aus der schrecklichen Tat von Cho?

Roy: Ich will das Bewusstsein dafür stärken, dass diese Art von Angriffen sich immer wieder ereignen werden, solange wir nicht etwas ändern: Der Zugang zu Waffen muss eingeschränkt werden. Außerdem müssen die Einsparungen bei der Hilfe für psychisch Kranke rückgängig gemacht werden. Derzeit werden für viele Patienten keine Langzeittherapien bezahlt. So kann es passieren wie im Fall Cho, dass die nötige Behandlung ausbleibt. Dazu kommt, dass viele Lehrer auf auffällige Studenten sehr nervös reagieren, weil sie Angst haben müssen, dass sie bewaffnet sind.

ZEIT ONLINE : Und es hat sich nichts geändert bei den Behandlungsmöglichkeiten?

Roy: Doch, an der Virginia Tech schon, da wurde nach dem Amoklauf vieles überdacht, es hat sich einiges verbessert. Aber ich bekomme aus dem gesamten Land Hunderte E-Mails von Menschen, die keine Hilfe für ihre verhaltensgestörten Kinder bekommen können. Die Versicherungen zahlen das nicht und es gibt auch einen Mangel an Willen. Ich bin selbst Britin und ich weiß, wie schräg das für europäische Ohren klingt. Aber hier in den USA liegt der Schwerpunkt auf dem Individuum und nicht auf der Gemeinschaft. Und das Individuum muss irgendwie selbst klarkommen und funktionieren – und es muss sich bewaffnen dürfen.

ZEIT ONLINE : Verstehe ich das richtig: Ein Mensch mit psychischen Problemen hat nur zwei Möglichkeiten in den USA: Entweder er wird von selbst gesund oder er wird kriminell?

Roy: Das ist eine interessante Sichtweise. Ich denke, Amerika ist derzeit ein Land, das sich verleugnet. Die Menschen wollen nicht zugeben, dass hier schlimme Dinge wegen einer falschen Politik passieren. All die Kürzungen in der Bildung, all der Mangel an Gemeinschaft, die gewaltige Verbreitung von Waffen führen zu einer großen Verletzlichkeit unserer Gesellschaft. Es ist viel leichter, eine Waffe zu bekommen als psychische Hilfe. Das muss sich ändern, und nach dem Angriff auf die Grundschule in Newtown beginnen die Menschen aufzuwachen.

ZEIT ONLINE : Welche Rolle spielt, dass es eine Grundschule mit sehr jungen Opfern war?

Roy: Das ist schon makaber. Wir an der Virginia Tech glaubten damals, es würde sich nach den Morden hier etwas ändern, weil wir 32 Menschen verloren haben. Wir dachten, das wäre genug, aber das war es nicht.

ZEIT ONLINE : Nun versucht die Regierung von Präsident Barack Obama , den Zugang zu Waffen ein wenig einzuschränken.

Roy: Obama ist sehr mutig mit seinem Vorstoß . Wir müssen es schaffen, das die Öffentlichkeit am Thema bleibt, denn wir sind sehr vergesslich bei solchen Dingen. Aber in diesem Fall dürfen wir es nicht sein, wir müssen mit Obama darum kämpfen, dass wenigstens diese Gesetze geändert werden. Es kann nicht sein, dass man auf einer Messe eine Waffe kaufen kann, ohne überprüft zu werden. Er kann nicht sein, dass Sturmgewehre verkauft werden dürfen. Solche Waffen sind für den Massenmord konstruiert.

ZEIT ONLINE : Wie stehen die Chancen für dieses Verbot?

Roy: Ich hoffe, Newtown hat die Menschen geweckt, und dass es dafür nicht eine noch schrecklichere Schießerei braucht. Ich hoffe, dass die toten Kinder ein Signal sind, um die Leute aufzurütteln, damit andere Kinder geschützt werden.

ZEIT ONLINE : Reichen denn die geplanten Einschränkungen der Waffengesetze aus?

Roy: Nein, es bräuchte viel striktere Gesetze. Dennoch: Ich denke, es wäre ein sehr starkes Symbol, wenn es uns gelänge, auch nur diese Beschränkung der Waffen durchzusetzen. Denn manche Menschen hier glauben, dass es absolut unmöglich ist, sich gegen die National Rifle Association durchzusetzen. Sie denken, die Politiker sind dafür zu ängstlich. Wenn also Obama, die Demokraten und auch viele Republikaner das schaffen würden, dann wäre das ein sehr wichtiger erster Schritt.

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Kommentare

19 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Das Umfeld muss rechtzeitig reagieren

...bei all der Diskussion finde ich sehr wichtig, dass auch das Umfeld von psychisch labilen Menschen, die eine Gefahr fuer andere sein koennten im Vorfeld reagiert, dass es dafuer sorgt, dass in dem Umfeld dieses Menschen keine Waffen zu finden sind:
1) muss es moeglich sein dass bei Waffenkauf ein "psychotest" moeglich ist, sodass solche Personen nciht an Waffen kommen
2) Eltern, die ein auffaelliges Kind haben muessen ihre Waffen entweder abgeben oder an einem dem Kind absolut unzugaenglichen Ort aufbewahren...es braucht Aufklaeung i der Gesellschaft fuer diese Notwendigkeit ... und dass die Eltern erkennen was eine gefaehrliche psychische Labilitaet ist
3) Lehrer, die diese Persoenlichkeiten erkennen muessen Sozialarbeiter an der Hand haben, die die Familie besuchen und die eltern bezueglich dem Zuhause als Waffenleerer Raum aufklaeren...und sonstige Unterstuetzung fUer den Beduerftigen anbieten...

Waffen verbieten

Ein anderer Vorschlag:
Man verbietet das Tragen bzw. Aufbewahren von Waffen in privaten Haushalten und spart sich damit die ganzen Soziologen und Psychologen an Universitäten, Schulen und in den Kindergärten. Und wohlmöglich wäre es dann auch möglich, als verhaltensauffälliger Mensch ein Leben zu führen, das nicht unter ständiger Kontrolle stehen würde?
Aber mal im Ernst: verhaltensauffällig bedeutet im Zusammenhang mit Amokläufen, dass Verdächtige im Vorfeld massive Tötungsabsichten äußerten. Diese aus der Vielzahl von Äußerungen herauszufiltern und den Menschen dann zu behandeln muss unterschieden werden zu anderen "Auffälligkeiten", die doch eigentlich den Charakter eines Menschen ausmachen, oder?
Fazit: Ohne Gewehre und Pistolen wären Amokläufe solchen Ausmaßes nicht möglich. Also verbieten.

Einbahn

bei all der Diskussion finde ich sehr wichtig, dass [...].
1) muss es moeglich sein dass bei Waffenkauf ein "psychotest" moeglich ist, sodass solche Personen nciht an Waffen kommen

Gute Idee.
Ich bedauere schon lange, dass in keinem einzigen Geschäft Psychotests zum Erwerb von Scheren, Messer, Äxten ... stattfinden.
Vermutlich wegen der pädagogischen Weisheit "Messer Schere Gabel Licht, dürfen ..."
*ironie aus

Ich fände einen Psychotest dahingehend interessanter, warum Menschen Waffen besitzen wollen.

Stimmt in Newton offenbar nicht

Das mag richtig sein. Im Falle Newton stimmt das aber so nicht, der Täter bzw ddie Mutter hatten Zugang zu allen Betreuungsmöglichkeiten.
Hat nur offenbar nichts genutzt.
Angeblich soll seine geplante Einweisung durch die Mutter bevorgestanden haben.

Und mal nebenbei: Er konnte sich legal keine Waffen kaufen. Hat allerdings wenig genützt, weil er die Sammlung seiner Mutter genutzt hat.
Und als Anmerkung: Damit wird die Tat in die Rubrik "Mord durch "illegalen" Waffenbesitz" einsortiert.

Verletzlichkeit der Gesellschaft

ich denke auch an den vergangenen Wahlkampf in den USA, mit den Herabwürdigungen des politischen Gegners, mit einem Hass auf den Andersdenkenden. All dies zusammen ein Symptom einer echt kranken Gesellschaft- einer Gesellschaft, die sich so stark auf christliche Werte beruft. Kaum zu verstehen.

Mehr Gewalt und Hass als anderswo

Die leichte Verfüpgbarkeit der Waffen ist sicher ein großes Problem, aber nicht die Ursache für all den Hass und die Gewalttätigkeit in den USA.

Es gibt zig Saaten wo auf dem Land in jedem Haus Jagdwaffen vorhanden sind, und trotzdem gibt es nicht diese Gewalt wie in den USA. Und ein Pseudo-Sturmgewehr ist für ein Blutbad gewiss nicht nötig ...

In den USA werden ja per 100.000 noch mehr Morde bzw Totschläge mit Messern etc verübt, als in anderen Staaten überhaupt

http://bjs.ojp.usdoj.gov/...

und der größte Teil bei Schusswaffen erwartungsgemäß mit Pistolen und Revolvern