Gerichtsurteil : Und führe ihn nicht in Versuchung
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Kein Flirt mit der "Vaterfigur"

Die 21 Jahre jüngere Assistentin habe ihren Chef als Vaterfigur angesehen und sei niemals an einer sexuellen Beziehung interessiert gewesen, sagte ihre Anwältin Paige Fiedler. Auch wurde Melissa Nelson während des Prozesses kein Flirtverhalten vorgeworfen. Das hatte in einem ähnlichen Fall vor Gericht noch die Kündigung einer Angestellten gerechtfertigt – sie wurde von der Ehefrau eines Unternehmers als Gefahr für ihre Ehe angesehen.

Nach Ansicht des Richters Edward Mansfield vom Supreme Court von Iowa steht die Entscheidung im Einklang mit der Rechtsprechung in dem Bundesstaat und den USA, derzufolge Angestellte entlassen werden dürften, wenn sie Beziehungen eingehen, die Eifersucht und Spannungen in einem Betrieb verursachen können.

Offenbar hatte die Gattin des Arztes einen gewissen Anteil an der Entlassung: Da sie auch in der Praxis arbeitete, bekam sie E-Mails zu lesen, die ihr Mann und Nelson austauschten. Zwar ging es darin wohl nur um harmlose persönliche Dinge, zum Beispiel Mitteilungen über ihre Familien. Die Ehefrau verlangte dennoch die Entlassung der Assistentin. Das Ehepaar Knight konsultierte sogar noch einen Pfarrer, der ebenfalls zur Entlassung der Helferin riet. Also handelte Knight: Er kündigte der Arzthelferin und zahlte ihr ein Monatsgehalt als Abfindung.

Nelson klagte auf Diskriminierung aus Gründen des Geschlechts und argumentierte, sei wäre nicht entlassen worden, wenn sie ein Mann wäre. Sie verzichtete allerdings darauf, den Arzt wegen sexueller Belästigung zu verklagen, da dessen Verhalten keinen beleidigenden Grad erreicht hätte, erklärte ihre Anwältin.

"Sehr religiöser und moralischer Mensch"

Was den Fall so spektakulär macht, ist die Tatsache, dass die Klägerin sich überhaupt nichts zuschulden kommen ließ, wie auch der Verteidiger des Zahnarztes, Stuart Cochrane, anerkannte. Das Motiv für die Entlassung sei vielmehr gewesen, dass James Knight, der ein sehr religiöser und moralischer Mensch sei, seine Ehe habe retten wollen.

Er habe ein Familienmitglied gegenüber einer Angestellten bevorzugt, indem er den Wunsch seiner Frau, dass Nelson gefeuert werde, "respektiert" habe. Das Urteil sei ein Triumph für die "Familienwerte", sagte Cochrane. Es ermögliche künftig auch anderen Arbeitgebern, Angestellte zu entlassen, um ihre Ehe zu bewahren.

Die Anwältin der Klägerin, Paige Fiedler, kritisierte, das Gericht habe die alltägliche Diskriminierung von Frauen am Arbeitsplatz nicht berücksichtigt. "Diese Richter senden eine Botschaft an die Frauen in Iowa: Sie glauben nicht, dass Männer für ihre sexuellen Begierden verantwortlich sind. Sie meinen, dass die Frauen in Iowa auf der Hut sein und ihre Chefs beobachten und kontrollieren sollen. Wenn die Männer nämlich außer Kontrolle geraten, können die Frauen legal gefeuert werden."
 

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Kommentare

438 Kommentare Seite 1 von 32 Kommentieren

Ja gelesen

und ich hab mich dabei eher auf andere Dinge konzentriert wie z.b. den zentralen Inhalt des Textes. Wie die Frau aussieht ist doch sowas von nebensächlich. Aber mich freut es daß Sie es nun endlich auch wissen. Daß sie uns Ihr Urteil darüber nicht ersparen konnten war zu erwarten... ist aber ebenso nebensächlich.
Auch wenn sie den Artiekl gelesen haben, haben Sie ihn verstanden ?

Wie die Frau ausgesehen hat, ist tatsächlich unerheblich

Es kommt ganz allein darauf an, wie sie in den Augen des Zahnarztes und vielleicht auch in den Augen von dessen Frau ausgesehen hat.

Sexuelle Anziehungskraft wird vom Hirn aus gesteuert und da hat fast jeder Mensch seinen eigenen Typ.

Im Übrigen ist der Fall kein Anlass für einen Geschlechterkampf. Der unglaubliche Vorfall ist wohl sowohl vom Zahnarzt als auch von dessen Frau zu verantworten.

was für ein argument

Das geht so in die Richtung: "Na, bei DEM Rock ist sie aber selber schuld, wenn sie..."

Ich dachte, darüber seien wir schon hinweg.

Abgesehen davon habe ich in dem Artikel gar nichts von dem gelesen, was Sie behaupten. Nach Aussage des Arztes habe sie enge Kleidung getragen, nach eigener Aussage habe sie UNTER dem Kittel normale Kleidung getragen. Herrje. Wenn sie NICHTS angehabt hätte, wär es sicher auch nicht recht gewesen.

Moralische Werte

Auch bei uns ist von Karriereberatern der Tip für Frauen hören, sich im Berufsleben auf keinen Fall erotisch anziehend zu stylen.

Im amerikanischen Bible Belt ist man eben schon einen Schritt weiter.

Und noch einen Schritt weiter gedacht kommt man zum Verschleierungszwang für Frauen, damit sie nicht gefahrlaufen, ihre Jobs zu verlieren.

adfgaegfa

"Auch bei uns ist von Karriereberatern der Tip für Frauen hören, sich im Berufsleben auf keinen Fall erotisch anziehend zu stylen.

Im amerikanischen Bible Belt ist man eben schon einen Schritt weiter.

Und noch einen Schritt weiter gedacht kommt man zum Verschleierungszwang für Frauen, damit sie nicht gefahrlaufen, ihre Jobs zu verlieren."

das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.
männer haben nach krierreratgebern noch weitaus mehr einschränkungen hinsichtlich ihrer kleidung als frauen.

ich empfinde es auch als unprofessionell, wenn jemand vor meinem schreibtisch sitzt und mir möpse oder brusthaar zeigt.

@ Laoyafo, 5

"Mein Gott, sind solche Männer armselig, die sich nicht im Griff haben."

Mein Gott, sind solche Menschen armselig, die aus politischer Korrektheit oder religiöser Verblendetheit nicht akzeptieren können, daß es Gefühle der Erregung, der Verliebtheit und der Liebe gibt, die sich nicht kontrollieren lassen.

Der Umgang mit ihnen ist etwas anderes. Eine Möglichkeit ist, sich dem Objekt der Begierde nicht auszusetzen.

Hätte der Zahnarzt denn die Versuchung gestehen sollen? Dann hätte doch die Frau ihn wegen sexueller Belästigung verklagt. Oder sie wäre von selbst gegangen statt gegangen zu werden. Was ist nun besser?

Leicht ist es jedenfalls nicht in unseren, ach, so freien und politisch korrekten Verhältnissen. Unser Bewusstsein ist nur ein kleiner Teil von uns. Der Rest ist oft mächtiger.