GerichtsurteilUnd führe ihn nicht in Versuchung

Ein Zahnarzt feuerte seine Assistentin, weil er sie unwiderstehlich attraktiv findet. Sie gefährde seine Ehe, sagt er. Das Oberste Gericht von Iowa gibt ihm Recht. von afp

Das Bild "American Gothic" von Grant Wood wird oft als Sinnbild des puritanischen ländlichen Amerikas interpretiert. Das Haus auf dem Bild stand in Iowa.

Das Bild "American Gothic" von Grant Wood wird oft als Sinnbild des puritanischen ländlichen Amerikas interpretiert. Das Haus auf dem Bild stand in Iowa.  |  © Flickr/Phil Roeder/CC BY 2.0

Das Magazin Slate gibt eine sarkastische Warnung aus: "Frauen von Iowa , seid vorsichtig: Wenn euer Boss euch wahnsinnig gut aussehend findet, kann er euch feuern. Das ist vollkommen legal." Und Amerika staunt, entrüstet oder amüsiert sich über ein Urteil des Obersten Gerichts von Iowa. Für die eine Hälfte der USA zeigt sich in dem Richterspruch nur die bigotte Doppelmoral des Mittleren Westens – die andere Hälfte ist erfreut über den Bann gegen Unzucht und Verführung.

Es geht um eine attraktive Arzthelferin, die Beule in der Hose ihres Chefs, zweifelhafte Macho-Sprüche, die Eifersucht der Arztgattin, eine Kündigung wegen Unwiderstehlichkeit und die höchstrichterliche Rettung von "Familienwerten". Der Fall Nelson vs. Knight hat das Zeug, ein Klassiker der US-Rechtsgeschichte zu werden.

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James Knight, 53, ist Zahnarzt, er lebt in Fort Dodge, Iowa. Melissa Nelson, 32, war seit 1999 seine Zahnarzthelferin. Beide sind verheiratet und haben Kinder. Der Zahnarzt betrachtete seine Angestellte als brillante Mitarbeiterin, trotzdem entließ er sie 2010. Der Grund: Er fand sie unwiderstehlich anziehend und sah deshalb seine Ehe gefährdet.

Frau Nelson klagte wegen Diskriminierung, doch ein Bezirksgericht und nun in letzter Instanz der Supreme Court von Iowa gaben dem Zahnarzt Recht. Das ausschließlich männlich besetzte Gericht beschloss am vergangenen Freitag mit sieben zu null Stimmen: Eine solche Entlassung könne zwar unfair sein, sei aber keine Diskriminierung aus Gründen des Geschlechts.

Wie ein Lamborghini in der Garage

Begonnen hat die Geschichte Anfang 2010. Der Zahnarzt fing plötzlich an, sich über die angeblich hautenge Kleidung seiner Praxishelferin zu beklagen. Sie bringe ihn aus dem Konzept. Sollte Frau Nelson Ausbeulungen seiner Hose bemerken, dann wisse sie, dass ihre Kleidung zu freizügig sei.

Ein weiteres geschmackloses Kompliment machte der Arzt seiner Mitarbeiterin, als sie ihm anvertraute, sie habe eher selten Sex mit ihrem Mann: "Das ist wie einen Lamborghini in der Garage zu haben und ihn nie zu fahren." Später vertraute er Frau Nelsons Ehemann an, er habe befürchtet, eine zu enge persönliche Bindung zu entwickeln und eine Affäre mit ihr zu beginnen.

Melissa Nelson sagte dem TV-Sender CNN , dass sie unter dem Laborkittel niemals provozierende Kleidung getragen habe. Sie sei glücklich verheiratet und "absolut nicht" in eine Affäre mit ihrem Arbeitgeber verwickelt gewesen. "Ich habe keine Ahnung, was sich geändert haben soll", beteuerte sie, "es ist hart, ich habe wirklich damit zu kämpfen. Es ist nicht fair und auch nicht rechtens."

Leserkommentare
  1. 33. [...]

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    • clair11
    • 25. Dezember 2012 18:19 Uhr

    Dann hatte die Frau die Wahl zwischen

    1. am Arbeitsplatz sexuell belästigt bzw. vergewaltigt zu werden
    2. freiwillig zu gehen
    3. gekündigt zu werden

    Hier auf Antidiskriminierung zu pochen ist zwecklos, wenn

    1. der Mann sich in die Frau verliebt hat und sich nicht mehr beherschen kann
    2. der Mann die Frau sexuell so anziehend findet, dass er sich nicht beherrschen kann

    Vor allem gilt der Kündigungsschutz in Deutschland bei einem 1-Mann-Betrieb nicht wie in einem 100-Mann Betrieb.

    Antwort auf "Laut eigener Aussage"
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    beherrschen kann???? Genau das ist ja mein Kritikpunkt und ich finde diese Argumentation einfach widersinnig - er KANN sich nicht mehr beherrschen? Das ist doch wohl dann SEIN Problem und nicht das seiner Assistentin.
    Fällt er dann demnächst über die nächste Verkäuferin her, über die Angestellte im Kino, in der Bäckerei oder sonstwo, weil er sich nicht mehr beherrschen KANN und diese attraktiv findet???
    Dann hat er wirklich ein Problem - sollte aber nicht seine Assistentin dafür verantwortlich machen, sondern zum Therapeuten gehen.

  2. 35. [...]

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    Antwort auf "[...]"
  3. Werte clair11, Ihre Kommentare waren irgendwie auch schon mal frauensolidarischer... ;-)

    Wie wäre es, wenn der Mann sich einfach mal professional verhalten und sich zusammengerissen hätte?

    6 Leserempfehlungen
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    • clair11
    • 25. Dezember 2012 18:26 Uhr

    Wie wäre es, wenn der Mann sich einfach mal professional verhalten und sich zusammengerissen hätte?
    ------------

    Wir reden ja hier konkret von Männern, die das nicht können. Also potenzielle Vergewaltiger.

    Und da wäre es mir lieber, gekündigt zu werden, als vergewaltigt zu werden.

    Besser wäre natürlich, wenn eine Abfindung für die Kündigung gezahlt werden würde (und ich denke mal, dass es beim Prozess eigentlich darum ging). In Deutschland würde aber kein Arbeitgeber so blöd sein, um das als Kündigungsgrund anzugeben.

    Theoretisch könnte man sagen, dass das frauenfeindlich wäre - aber das würde man anders sehen, nachdem man vergewaltigt worden ist, das kann man nämlich nicht mehr rückgängig machen und auch nicht mehr wiedergutmachen.

    Wenn Sie damit meinen, von einer Vergewaltigung oder anderen körperlichen Übergriffen Abstand zu nehmen, stimme ich zu. Nur leider genügt dies zeitgenössischen Massstäben bzgl. sexueller Belästigung nicht. Da genügen schon verbale Flirtversuche, Witze oder zweifelhafte Bemerkungen für ruinöse Klagen, weshalb der Zahnarzt nur vernünftig gehandelt hat.

  4. Die Geilheit des Chefs wird einer Angestellten zum Verhängnis. Wahrscheinlich trägt eine Frau in Iowa auch die Schuld wenn sie aufgrund ihres hübschen Aussehens vergewaltigt wird.

    Wie vermessen ist es eigentlich, dass dieser Arzt davon ausgeht, dass seine Angestellte mit ihm eine sexuelle Beziehung eingeht? Auch wenn er was von ihr wollte, heißt das noch lange nicht, dass sie das auch mitspielt und offensichtlich hat sie ja nicht einmal mit ihm geflirtet.

    Es gibt in den USA leider Teile die weltfremd und unaufgeklärt leben.

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    "Es gibt in den USA leider Teile die weltfremd und unaufgeklärt leben."

    trifft es genau:

    Afghanistan ist überall!

    Da stimme ich Ihnen voll und ganz zu.

    Gestern wurde an Heiligabend in einigen Medien Big H gefeiert. Der britische Thronspross wurde gefeiert, weil er eigenhändig aus einem Helikopter heraus, einen Taliban killte. Harry selbst habe den Knopf gedrückt, so ein Kamerad, der die edele Stimme von Big H gehört haben will.

    Man stelle sich vor es würde auf einer deutsch-islamischen Seite ein Taliban gefeiert, der Nato-Soldaten umgebracht hätte.

    Dann gäbe es wohl 14 Tage lang bedrückte Interviews von Herrn BM Friedrich und unzählige Debatten.

    Aber wenn selbst die Kanzlerin sich an Morden erfreuen kann, darf man den Medien kein Vorwurf machen.

    In so einem Umfeld sollten einen auch solche richterlichen Urteile nicht wundern.

  5. gibt es sehr viele blonde Menschen...........ich frage mich wie einige Leute blond und blöd in Verbindung bringen???

  6. Es kommt ganz allein darauf an, wie sie in den Augen des Zahnarztes und vielleicht auch in den Augen von dessen Frau ausgesehen hat.

    Sexuelle Anziehungskraft wird vom Hirn aus gesteuert und da hat fast jeder Mensch seinen eigenen Typ.

    Im Übrigen ist der Fall kein Anlass für einen Geschlechterkampf. Der unglaubliche Vorfall ist wohl sowohl vom Zahnarzt als auch von dessen Frau zu verantworten.

    Eine Leserempfehlung
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  7. "Es gibt in den USA leider Teile die weltfremd und unaufgeklärt leben."

    trifft es genau:

    Afghanistan ist überall!

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "USA ha ha ha"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, sc
  • Schlagworte CNN | Abfindung | Arbeitgeber | Arzt | Diskriminierung | Ehe
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