VideoüberwachungBitte mehr Kameras!

80 Prozent der Deutschen wollen mehr Überwachungskameras. Es ist erschreckend, dass wir nur noch über das "Wie viel" diskutieren, nicht mehr über das "Ob", findet Carolin Ströbele. von 

Mehr als 80 Prozent aller Deutschen befürworten, dass die Videoüberwachung ausgeweitet wird, erzählt die Nachrichtensprecherin im Radio. Ist ja auch ganz schön viel passiert in letzter Zeit, denke ich morgens um halb sieben beim Zähneputzen. Ein Junge wurde auf dem Alexanderplatz totgeprügelt, ein Anschlag auf den Bonner Hauptbahnhof gerade noch abgewendet. Dann halt noch ein paar Kameras mehr.

Moment mal: Habe ich das eben wirklich gedacht? Hätte man mir diese Frage vor ein paar Jahren gestellt, ich hätte nicht eine Sekunde gezögert und wäre im Brustton der Überzeugung für Datensicherheit und gegen den Überwachungsstaat eingestanden. Was also hat mich heute, im Dezember 2012, plötzlich zögern lassen?

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Fühle ich mich unsicherer als früher? Die Ausschreitungen in öffentlichen Verkehrsmitteln – gerade in Berlin , wo ich lebe – machen mir tatsächlich Angst. Auch ich habe schon Situationen erlebt, die nur um Haaresbreite gut gegangen sind. Aber würden mich Kameras beruhigen? Nein.

Videoüberwachung verhindert keine Straftaten, sie erleichtert höchstens deren Aufklärung. Und im Bonner Fall nicht einmal das. Dort wurde zwar aufgenommen, wie der Koffer abgestellt wurde, aber nicht aufgezeichnet. Viele empörten sich darüber : Wenn die Kameras schon angebracht seien, dann sollte man sie in Gottes Namen bitte auch auf Aufnahme schalten.

Solche Reaktionen zeigen, dass wir Kameras auf öffentlichen Plätzen gar nicht mehr hinterfragen. So wie es eben die Fluggastdatenübermittlung gibt und die Funkzellenauswertung .

Eigentlich aber müsste es uns erschrecken, dass es im öffentlichen Diskurs inzwischen nur noch um das "Wie viel?" geht statt um das "Ob" und das "Warum". Denn es gibt bisher keine Studie, die belegt, dass Kameras eine abschreckende Wirkung auf potenzielle Straftäter haben, wie es konservative Politiker so gerne behaupten.

Leserkommentare
  1. vor einiger Zeit war es ein Riesenskandal, dass man Apple-Geräte lokalisieren kann, wenn man die Funktion nicht abschaltet. Schlimmerweise hätte Apple als feststellen können, wann ich wo in Urlaub war, wobei ich kein Apple-Gerät habe, aber nicht deshalb.

    Als der Tochter eines Bekannten ihr iphone gestohlen wurde, konnte es aber mit der Lokalisierung gefunden werden, wenn auch nur in einem An- und Verkauf. Aber der hatte sich abgesichert und den Verkäufer erfasst.

    Mit anderen Worten: diese Lokalsierung hat durchaus auch Vorteile und ich habe sie bei meinem Nicht-Apple-Smartphone bewusst akutiviert. Genau aus den o.g. Gründen. Ich gehe davon auch, dass es tatsächlich keine Sau interessiert, von mir ein "Bewegungsprofil" zu erstellen. So wichtig nehme ich mich nicht.
    Aber ich habe Interesse, im Falle eines Diebstahls das Gerät zurückzubekommen. Und dem Dieb den Spaß daran zu verderben, günstigstenfalls ihn feststellen zu können.

    Auch hier zeigt sich das gleiche wie bei der Videoüberwachung. Je nach Lebenssituation kann das Ganze nützlich oder ärgerlich sein (die Lokalisierung war sicher für Dieb und Hehler ärgerlich). Ich vermute, die meisten meiner Mitbürger sind einfach ganz normale Leute, die keine Angst vor dem Staat haben müssen. Daher ist für sie Videoüberwachung nichts bedrohliches, zumal wir in einem demokratischen Rechtsstaat leben. Sondern sie ist ein Schutz oder eine Hilfe.

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    Mir ist im Urlaub schon einmal ein Notebook aus dem Wohnmobil gestolen worden, für dessen Wert man damals wohl einige iPhones bekommen hätte. Trotzdem habe ich heute KEINE Trackingsoftware im BIOS, weil die mich für den Anbieter der Software bzw. für dessen Mitarbeiter verfolgbar machen würde.

    Ich gebe meine Privatsphäre für kein Geld der Welt und schon garnicht für meine persönliche Bequemlichkeit auf, weshalb ich eben auch kein Handy/SmartPhone habe. Sicher wäre so ein Mobiltelefon manchmal sehr bequem, aber die Nachteile überwiegen eben.

    Ein providergespeichertes Bewegungsprofil oder andere Daten, die der Provider automatisiert aus den SmartPhones seiner Kunden auslesen kann, interessieren so lange niemanden, wie Dataminingsoftware in diesen Daten keinen Treffer findet.

    Wenn sie das tut, kann es aber heutzutage vorkommen, dass man sich als unbescholtener britischer Tourist ein Einreiseverbot in die USA wegen 2 falsch verstandener Twitter-Posts einfängt und vom amerikanischen Flughafen nicht in den Urlaub, sondern nach Irland zurückreisen darf. Wie hier geschehen:

    http://www.zeit.de/digital/internet/2012-01/dhs-verweigert-einreise-wege...

    Auch wenn das DHS behauptet 300 Mio. tägliche Tweets nicht durchsuchen zu können, ist das für einen Computer kein Problem und zufällig muss das DHS die Wortliste nach der es die Internetkommunikation automatisiert durchsucht sogar ins Internet stellen, was beweist, dass dort gewiss nicht nur Twitter überwacht wird.

  2. .!..der findet sie unjd nach miner rfahrng hat e auch gengend Möglichkeiten. Was öffentlih esehen weden kann dar auch gefilmt weden! Die Welt kann so einfah sein.

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    Wer Privatsphäre haben will, kriegt sie auch? Wie denn, wenn diese verloren geht, sobald man irgendwie in Kontakt mit anderen Menschen tritt, deren Entscheidung über die Mitführung bestimmter elektronischer Geräte man eben nicht beeinflussen kann? Ein Vorredner hat ja ein tolles Beispiel genannt: Man braucht ja gar keine Wanze mehr zu installieren, sondern einfach von der Ferne das Handy einer Person zum Lauschen benutzen, mit der man in Kontakt tritt. Und Kontakte mit anderen Menschen sind ja nicht zu vermeiden.

    • c2j2
    • 23. Dezember 2012 11:54 Uhr

    durcheinandergebracht:

    a) Mehr Überwachungskameras: nicht schlecht an sich. Aber es muss werden, dass der Zugriff nur nach einzelnem richterlichem Beschluss gewährt wird den Fall der Aufklärung einer erwiesenen kriminellen Straftat. Nicht der Fall (und das steht zu befürchten): dann Finger weg!

    b) Mehr Überwachung: schlechte Idee, ausser durch Überwachung von Brennpunkten mit dem Ziel der Verhinderung von Straftaten, durch ausgebildete Leute, die dann auch eingreifen können und müssen.

    • eculeus
    • 23. Dezember 2012 12:08 Uhr
    164. Zitat

    Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.

    Benjamin Franklin

  3. @Polizeikritikerin 194.,

    nein, ich klammere keinen „Gewaltbereich“ aus. Mir geht es momentan auch nicht um Prävention, wenngleich ich sie für sehr bedeutsam halte.

    Es geht mir um die Verfolgung, Aufklärung und Aburteilung von Gewalt in „öffentlichem Raum“. Hier gibt es deutliche Steigerungen. Deshalb ist meine These: Die Justiz weicht zurück, weil sie die Anzahl der Fälle kaum noch bewältigen kann. Dazu ein Beispiel aus der Berliner Justiz. Dort verweigerte man ein Verfahren mit folgender Begründung: „Die obergerichtliche Rechtsprechung gestattet es den Bürgern, Polizeibeamte und Angestellte von Ordnungsämtern und andere Vertreter des Staates zu beschimpfen und herabzuwürdigen“. Dabei sollen selbst Bezeichnungen als Rassisten und Nazis sowie die Aberkennung jeglicher Fähigkeiten zur Dienstausübung nicht strafbar sein.“ Dies ist ein deutliches Zeichen des staatlichen Zurückweichens.

    In Berlin gibt es eine Fülle von Intensivtätern, die zwanzig, dreißig und mehr schwere Körperverletzungen auf dem Kerbholz haben. Immer wieder von der Justiz laufen gelassen. Irgendwann fragt man sich doch: Hat die Justiz überhaupt noch ein Interesse daran, diese „Leute“ festzusetzen? Haben Sie mal darüber nachgedacht? So gesehen macht es doch Sinn, wenn die Justiz die Videoüberwachung ablehnt!

    • clair11
    • 23. Dezember 2012 12:51 Uhr

    Die Überwachungskameras sind auch deswegen notwendig geworden, weil die Polizei nicht mehr rechtzeitig am Tatort eintreffen kann, um die Täter inflagranti fassen zu können.

    Auch schauen viele Passenten einfach weg, statt einzugreifen und sich als Zeugen zu stellen.

    Ferner bekommen verurteilte Straftäter oft nur Bewährungsstrafen, so dass diese die Taten wiederholen.

    Überwachungskameras sind also Billig-Ersatz für fehlende Zivilcourage, genügend Personal bei der Polizei und der Justiz.

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    Es fehlt natürlich vielen an Zivilcourage, daß haben doch z.B. die Straftaten in Berlin, die von Videoüberwachung aufgezeichnet wurden, gezeigt.

    Auf der anderen Seite hätte es ohne diese Kameras keine Aufklärung der Straftaten gegeben. Aus meiner Sicht sind Kameras an Bahnhöfen, in öffentlichen Verkehrsmitteln und an Verkehrsknotenpunkten nützlich, da Sie neben der Gefahrenabwehr im Hinblick auf Straftaten z.B. auch den Zugabfertigern oder Lokführern ihre Arbeit erleichtert.

    Das aber Kameras Polizeikräfte ersetzen oder Zivilcourage ist eine falsche Annahme. Nur in Kombination von Beiden, also Technik und Mensch kann die gefühlte Sicherheit wieder angehoben werden. Technik kann die Arbeit erleichtern und eine schnellere Reaktion ermöglichen, sie ersetzt aber nie den Menschen. Technik soll in meinen Augen nicht dazu genutzt werden dem Überwachungsstaat das Wort zu reden. Hier sind neben Polizeikräften auch wir als Bürger gefragt in dem wir Zivilcourage zeigen!

  4. für den Schutz der persönlichen Eigentums, also für eine Liegenschaft was ein privates Problem darstellt.
    Hier geht es aber um Kameras für den öffentlichen Raum und dafür gibt es auf dem Lande kaum geeignete Aufstellungsplätze es sei denn sie würden alle Kreuzungen überwachen. Dann können Sie auch gleich alle Kennzeichen vorbeifahrender Autos automatisch einlesen (vom Verfassungsgericht untersagt).

    Es ging hier um die 80% Zustimmung die hier angeblich vorhanden sind. Das halte ich weiterhin für manipuliert.

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    • clair11
    • 23. Dezember 2012 14:24 Uhr

    Natürlich ist so eine Umfrage zu pauschal, insbesondere wenn nicht gleichzeitig gefragt wurde, wo diese Überwachungskameras stehen sollen.

    Auch Menschen, die auf dem Lande wohnen, können für mehr Überwachungskameras in Berlin sein, was aber nicht heißt, dass sie für mehr Überwachungskameras in ihrem Dorf wären.

    • Flari
    • 23. Dezember 2012 21:53 Uhr

    "Nun, was Sie beschreiben sind Kameras für den Schutz der persönlichen Eigentums, also für eine Liegenschaft was ein privates Problem darstellt."

    Das ist soweit richtig.
    Allerdings hätten es meine damaligen (potentiellen) Kunden viel lieber gehabt, wenn auch eine Überwachung der öffentlichen Bereiche rechtlich möglich gewesen wäre.

    "Dann können Sie auch gleich alle Kennzeichen vorbeifahrender Autos automatisch einlesen (vom Verfassungsgericht untersagt)."

    Lesen Sie das Urteil genau..
    Gegen die elektronische Erfassung der Kennzeichnen mit sofortiger (Personen/Halter) Auswertung hatte das Gericht nichts, sondern gegen die Abspeicherung der verbundenen Daten mit nicht geklärten Zugriffsmöglichkeiten.

    Es ist ein wichtiger Unterschied, ob "man" eine einfache Datenabfrage starten kann, wer oder welches KFZ, Handy, etc. wann wo war, oder diesen Ermittlungen eine Tat vorausgegangen sein muss und durch das Alles Zeit und Ort eingeschränkt sind.

    "Es ging hier um die 80% Zustimmung die hier angeblich vorhanden sind. Das halte ich weiterhin für manipuliert."

    Demoskopie kann immer nur einen Adcoc-Zustand aufnehmen/abbilden.
    Hier ist die aktuelle Berichterstattung und die Ereignissein Bonn selbsverständlich beteiligt.
    Aber was soll an den Ergebnissen durch die Umfrageinstitute manipuliert sein?

    => (II)

    • clair11
    • 23. Dezember 2012 14:24 Uhr

    Natürlich ist so eine Umfrage zu pauschal, insbesondere wenn nicht gleichzeitig gefragt wurde, wo diese Überwachungskameras stehen sollen.

    Auch Menschen, die auf dem Lande wohnen, können für mehr Überwachungskameras in Berlin sein, was aber nicht heißt, dass sie für mehr Überwachungskameras in ihrem Dorf wären.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Datensicherheit | Anschlag | Aufklärung | Gedächtnis | Gewalt | Radio
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