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Kurt Maetzig

Kurt Maetzigs wohl schwärzeste Stunde war ein Artikel im Neuen Deutschland vom Januar 1966. Sein Film Das Kaninchen bin ich war gerade ob seiner Kritik am real existierenden Sozialismus vom SED-Regime verboten worden, und Maetzig geißelte sich im Parteiblatt selbst für seine mangelnde Linientreue. Später schämte er sich für die taktisch motivierte Selbstanklage. Schon mit seinem Zweiteiler über Ernst Thälmann hatte er 1954 und 1955 Heldenverehrung im Sinne der DDR-Spitze betrieben. Dann wagte er sich aber an dokumentarisch-realistische Filme mit wie Schlösser und Katen (1957) mit durchaus kritischen Zwischentönen. Sein wohl wichtigstes Werk, Ehe im Schatten (1947), schilderte die Flucht eines Schauspieler-Ehepaars vor den Nazis in den Tod. Zehn Jahre lang leitete er die Babelsberger Filmhochschule. 1976 hatte er die Kompromisse satt, sagte sich von der DDR-Filmfirma Defa los und drehte keine Filme mehr, blieb aber als Funktionär etwa der Internationalen Filmcluborganisation aktiv. Maetzig starb am 8. August 2012 mit 101 Jahren in Bollewick-Wildkuhl in Mecklenburg-Vorpommern.