Amoklauf : Obama reist nach Newtown

Der US-Präsident wird an einer Gedenkfeier in Newtown teilnehmen. Obama kündigte an, "sinnvolle Maßnahmen" gegen solche Tragödien zu ergreifen – ohne konkret zu werden.
Die US-Flagge des Weißen Hauses ist auf halbmast gesetzt. © Yuri Gripas / Reuters

US-Präsident Barack Obama hat nach dem Amoklauf an der Sandy-Hook-Grundschule angekündigt, nach Newtown zu kommen. Er wird am Sonntagabend auf einer Gedenkfeier für die erschossenen 20 Grundschulkinder und sechs Erwachsenen sprechen. Dort wolle er auch die Familien der Opfer treffen. Obama hatte sich kurz nach der Bluttat vom Freitag in einer Ansprache auch als Vater von zwei Mädchen bestürzt und den Tränen nahe gezeigt: " Unsere Herzen sind heute gebrochen – für die Eltern und Großeltern, Schwestern und Brüder dieser kleinen Kinder, und für die Familien der Erwachsenen, die wir heute verloren haben. Unsere Herzen sind auch für die Eltern der Überlebenden gebrochen."

Erstmals meldeten sich auch Eltern der Opfer öffentlich zu Wort und sprachen über den schrecklichen Verlust. Emilie sei "klug, kreativ und sehr liebevoll" gewesen, sagte der 30 Jahre alte Robbie Parker Journalisten über seine sechsjährige Tochter. Er wisse nicht, wie diese Tragödie durchzustehen sei, sagte der dreifache Vater mit Tränen in den Augen. Auch für die Familie des Schützen müsse dies eine schreckliche Erfahrung sein.

Auch der Vater des Täters ging an die Öffentlichkeit. Er drückte den Angehörigen der Opfer sein Bedauern über die "enorme Tragödie" aus. In einer vom Sender CNN veröffentlichten Mitteilung erklärte er am Samstag, seine Familie arbeite mit den Ermittlern eng zusammen. Sie seien schockiert und hätten keine Erklärung für die Tat.

Die Schule hatte ein neues Sicherheitssystem

Aufschluss über das Motiv des Täters erhofft sich die Polizei von Unterlagen, die im Haus des Todesschützen sichergestellt wurden. Der 20-Jährige soll Berichten von Nachbarn und Bekannten zufolge in Newtown aufgewachsen sein. Er wird als klug, sehr scheu und introvertiert beschrieben. Laut Polizei verschaffte sich der Todesschütze gewaltsam Zutritt zur Schule . Erst vor Kurzem war dort ein neues Sicherheitssystem installiert worden. Medienberichten zufolge müssen Besucher klingeln und erscheinen dann auf einem Monitor. Erst wenn jemand innen auf den Türöffner drückt, kann man eintreten.

An allen öffentlichen Gebäuden in den USA wurden die Flaggen auf Halbmast gesetzt. Weltweit löste das Attentat Bestürzung aus . Bundeskanzlerin Angela Merkel ( CDU ) äußerte ihr Mitgefühl. "Die Nachrichten aus Newtown machen mich tieftraurig. Wieder einmal stehen wir voller Entsetzen vor einer Tat, die wir nicht begreifen können." Bundespräsident Joachim Gauck sprach in einem Brief an Präsident Obama seine Anteilnahme aus. Papst Benedikt XVI . bezeichnete den Amoklauf als "sinnlose Tragödie".

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Kommentare

44 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

Die Lösung liegt so nah!

"Dafür äußerte sich auf dem konservativen TV-Sender Fox News der frühere republikanische Präsidentschaftsbewerber Mike Huckabee. Mit strengeren Gesetzen lasse sich ein derartiges "Blutbad" nicht verhindern, sagte er. Stattdessen schlug er vor, Gott und Religion in den Schulen mehr Raum zu geben."

Die mächtige Waffenlobby NRA

ist professionell organisiert und wird daher kaum den Fehler begehen, so kurz nach dem Attentat ihre Haltung zu Waffenbesitz, heraus zu posaunen.
Ich würde mich aber wundern, wenn die Lobbyarbeit hinter den Kulissen, nicht schon angelaufen wäre.

Warum Obama nicht konkreter wird, lässt sich eigentlich nur mit politischer Rücksichtnahme auf Parteifreunde erklären, denn er selbst, muss sich in seiner zweiten Amtszeit diese Zurückhaltung eigentlich nicht mehr auferlegen. Die klare Haltung von Bloomberg gefällt mir da wesentlich besser.