Amoklauf in GrundschuleUSA trauern um die Toten von Newtown

Es ist das schlimmste Schulmassaker in den USA: Ein 20-jähriger Amokschütze tötete 20 Kinder und sechs Erwachsene. Präsident Obama fordert politische Konsequenzen. von afp und dpa

US-Präsident Obama während seiner Rede nach dem Amoklauf von Newtown

US-Präsident Obama während seiner Rede nach dem Amoklauf von Newtown  |  © Alex Wong/Getty Images

Der Amoklauf an einer Grundschule mit 27 Toten hat die USA in einen tiefen Schock gestürzt. Es handelt sich um eines der schlimmsten Massaker in der Geschichte des Landes. Bei einer Rede im Fernsehen konnte Präsident Barack Obama die Tränen kaum zurückhalten. "Unsere Herzen sind gebrochen", sagte er und forderte mit Blick auf die laschen Waffengesetze des Landes politische Konsequenzen nach dem "abscheulichen" Verbrechen.

Die Tat ereignete sich an der Sandy Hook Grundschule in Newtown im Bundesstaat Connecticut . Nach Angaben der Polizei drang der 20-jährige Adam L. am Morgen um 09.30 Uhr (Ortszeit) gewaltsam in das Schulgebäude ein und erschoss dort in zwei Klassenräumen 18 Kinder. Zwei weitere Kinder sind demnach später im Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen. Die getöteten Kinder waren fünf bis zehn Jahre alt. In der Schule starben auch sechs Erwachsene, darunter die Rektorin und ein Psychologe.

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Laut Ermittler spielte sich der Amoklauf in der Schule innerhalb weniger Minuten ab. Während der Schießerei herrschte Panik und Entsetzen, Lehrer versuchten, ihre Schüler in Sicherheit zu bringen, Kinder versteckten sich in Schränken. Ein Kind berichtete, die Lehrer hätten sie mit der Begründung aus der Schule geführt, dass es dort "ein wildes Tier" gebe.

"Ich habe nicht geglaubt, dass wir überleben würden", sagte Kaitlin Roig dem Sender ABC. Als sie Schüsse hörte, habe sie sich mit ihren 14 Schülern auf der Toilette eingeschlossen. "Ich habe ihnen gesagt, sie müssten absolut still sein." "Es wird alles gut werden", habe sie die weinenden Kinder getröstet. "Es war einfach der Horror", berichtete die Mutter einer Drittklässlerin. "Alle waren hysterisch und in Panik."

Der Amokläufer Adam L., Medien zufolge ganz in schwarz gekleidet, beging am Ende Selbstmord. Augenzeugen berichteten, er soll zuvor bis zu 100 Schüsse abgegeben haben. "Es machte Bang, Bang, ich habe Schreie gehört", schilderte ein Junge die Szene. Bei sich hatte der Täter laut Medien ein Sturmgewehr und zwei Pistolen. Alle drei Waffen seien legal erworben worden und auf den Namen der Mutter registriert.

Auch die Mutter Nancy L. ist tot. Ihre Leiche wurde in ihrer Wohnung in Newtown gefunden. Noch ist unklar, ob und wann sie getötet wurde und ob der Amokläufer auch für diese Tat verantwortlich ist. Medienberichten zufolge soll der Amokläufer, der noch bei seiner geschiedenen Mutter gewohnt haben soll, Nancy L. erschossen haben, bevor er sich auf dem Weg zur Grundschule gemacht hat.

Leserkommentare
  1. Das unvorstellbar Schlimmste was passieren kann....Wenn der Selbsthass und grenzenlose Destruktivität eines Menschen der vor einem Jahrzehnt selber noch Kind gewesen ist im totalen Vernichtungswahn endet. Das Leid der Hinterbliebenen wird nie vergehen.
    Mein tiefes Beileid.

    Und ein scharfzüngiger polarisierender Kommentar: Welche Medien sind wohl am besten geeignet um die Hemmschwelle maximal zu senken, um den Abzug einer Waffe wirklich zu betätigen und auf Ziele die Menschen allzu sehr ähneln zu richten?

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    Nüchtern betrachtet zieht sich jeder durchschnittliche Bundesbürger (und auch Amerikaner) pro Jahr mehr Mord und Totschlag rein, als ein durchschnittlicher Teilnehmer des zweiten Weltkriegs. Die Charakterzeichnung der meißten Rollen sind sehr negativ. "Normale Menschen" sind nur Randfiguren und bestenfalls Kanonenfutter.

    Auf der anderen Seiten nimmt die Anzahl der Sozialkontakte der Menschen stetig ab. Eine Gemeinschaft jenseits der Kleinstfamilie existiert oft gar mehr. Da können Familiendramen leicht zur Katastrophe werden.

    Hören sie mir auf die Aufmerksamkeit auf "Killerspiele" zu lenken und wiederholen sie nicht einfach, was ihnen populistische Medien servieren. Argumentativ möchte ich mich dazu nicht auslassen, da gibt es genug an Informationen im Internet für sie.

    Die Medien sind lediglich Spiegel unserer Gesellschaft. Die Fähigkeit anderen Leuten etwas Schlimmes anzutun lebt in allen Menschen von Geburt an. Meine kleine Tochter ist auch schon mal auf dem Spielplatz von einem anderen Kind mit einer Schaufel angegriffen worden, weil dieses genau das Spielzeug haben wollte, was meine Tochter gerade in den Händen hielt.

    Wer mir also erzählen will, dass der agressive vierjährige Zwerg auf dem Spielplatz zuviel Ego-Shooter oder Hollywoodfilme in seinem Leben gespielt oder gesehen hat, in denen immer die dummen und gewalttätigen Leute gewinnen und keine Agressivität zeigende, klüger handelnde Figuren immer als unverständliches Zeug erzählende Sonderlinge dargestellt werden, dann bezweifele ich das doch stark.

    Da die meisten Menschen heute schon aufgrund der Tatsache geistig unbewaffnet in eine Auseinandersetzung gehen, dass dank Verhütungsmitteln fast nur noch die Leute sich massenhaft fortpflanzen, die schon zu dumm und zu triebhaft sind an Verhütung zu denken oder Verhütungsmittel effektiv einzusetzen, und diese Leute auch noch wunderbar einfach geistig zu manipulieren sind, lernen viele Kinder eben schon von ihren kaum schlaueren Eltern, mit Aggressivität und Gewalt statt durch Nachdenken zu versuchen die eigenen Probleme zu lösen.

    Die Medien zeigen ihnen dann, dass genau das (zumindest im Film) funktioniert und geistig schwache Leute konsumieren eben viel mehr dummes Zeug in den Medien und verhalten sich dann wie ihre "Vorbilder".

  2. Eine Tat die Fassungslos macht!
    Meine Gedanken sind bei den Opfern.

    Aber liebe Zeit: Müssen solche "Highscorelisten" sein, wie sie am Ende auftauchen ("Mehr als da, aber weniger als da")? Ich glaube gerade bei Amokläufen sollte man da etwas mehr Vorsicht walten lassen - Leid ist nicht quantifizierbar. Von möglichen Wirkungen auf potentiellen Highscore-Amokläufern ganz zu schweigen.

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    ansonsten empfinde ich diesen Artikel als angemessen in Wortwahl und Inhalt. Ich hoffe, dass die Leser sich diesem Niveau anschließen und hier keine kleinteilige Zankerei über Waffengesetze und Schuldige einsetzt. Schuldig ist der Täter.

    • Koon
    • 15. Dezember 2012 11:43 Uhr

    ...Sie schreiben:

    "Müssen solche "Highscorelisten" sein, wie sie am Ende auftauchen ("Mehr als da, aber weniger als da")?"

    Ich meine, man sollte sogar noch weiter gehen und eine monatliche oder gar wöchentliche Statistik über die Anzahl der durch "legal erworbene Waffen" ermordete in allen zugänglichen Medien veröffentlichen. Der Irrsin in den USA scheint doch gar nicht anders einzudämmen zu sein. Ich erinnere an die Schießerei in dem Kino in Denver zur Batman Premiere: 12 Tote! Der zynische Kommentar der Waffenlobby: "Hätten andere Gäste Waffen dabei gehabt, wären nicht so viele Tote zu beklagen gewesen!". So traurig es auch sein mag, aber ich vermute, die Waffenindustrie wird zur Selbstverteidigung amerikanischer Schulanfänger spezielle Waffen entwickeln, die diese - und das ist ja ein durch die Verfassung garantiertes Recht - auch bei sich tragen und benutzen dürfen. Was macht im übrigen eine Grundschullehrerin mit einem Sturmgewehr und zwei Pistolen? In so einem Fall müssten Behörden hellhörig werden. Ich halte es für bezeichnend, dass Obama sagte: "...wir werden unsere Kinder etwas fester in den Arm nehmen.". Wäre der Anlass nicht so traurig, ich würde darüber schmunzeln müssen. Sie haben eine ganze Legislaturperiode Zeit, Herr Obama! Die richtige Antwort wäre gewesen: "Ich werde alles daran setzen, die Waffengesetze zu reformieren!" DAS wäre eine politische Ansage gewesen.

  3. "Er habe zudem eine schusssichere Weste getragen."
    Wer braucht denn bitte bei einer Grundschule eine solche Weste?

    "Das Böse hat unsere Gemeinde besucht. Es ist eine schreckliche Zeit."
    Ja, es ist eine schreckliche Zeit, aber bitte das nicht sofort als Böse abstempeln. Das klingt wieder so nach einer Schwarz-weiss-welt.

    "Nancy L. habe als Lehrerin an der Schule gearbeitet."

    Ich habe die These, dass sie in dieser Schule von den anderen Lehrern gemobbt wurde, oder sonst wie überfordert war und sich selber getötet hat. Der Sohn hat dies vermutlich auf die Schule geschoben, die ja nun seine Mutter genommen hat und hat nun überreagiert.

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    man sollte vielleicht erst einmal die untersuchungen abwarten bevor man hier mit kruden theorien hausieren geht. es ist schrecklich was hier passiert ist, da brauche ich ihre kruden vermutungen nicht auch noch.

  4. ansonsten empfinde ich diesen Artikel als angemessen in Wortwahl und Inhalt. Ich hoffe, dass die Leser sich diesem Niveau anschließen und hier keine kleinteilige Zankerei über Waffengesetze und Schuldige einsetzt. Schuldig ist der Täter.

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    ... das muss man ja auch mal loswerden.

    Aber natürlich geht es hier in den Kommentaren um Waffengesetze. Wobei man an den Amokläufen in Deutschland merkt, dass man Pumpguns nicht beim Bäcker kaufen können muss, um an Waffen zu kommen. Es reichen Schützenvereine.

    "Schuldig ist der Täter."

    Schuldig ist in einem Rechtsstaat, wer von einem ordentlichen Gericht für eine Tat verurteilt wurde. So schrecklich das Geschehene ist - ob der Täter wirklich schuldig war, kann erst eine sorgfältige Untersuchung der Begleitumstände, der möglichen Motive und des psychischen Zustands während der Tat erweisen. Möglicherweise muß man den Täter selber als weiteres Opfer sehen. Da er tot ist, werden wir das vielleicht nie erfahren.

    • Orgon
    • 15. Dezember 2012 8:45 Uhr

    Um diese Tragödie zu erklären, gibt es sicher viele Ursachen. Einige betreffen nur den Täter, andere sind der Gesellschaft zuzuschreiben.
    Für mich als Europäer scheinen auf den ersten Blick die laschen Waffengesetze ein gewichter Grund für dieses alle halbe Jahr wiederholende Ereignis zu sein.
    Man sieht die Menschen trauern und fragt sich, warum pocht ein großer Teil dieser Gesellschaft auf der Freiheit Waffen besitzen zu dürfen? Diese Freiheit beraubt die Amerikaner der Möglichkeit, bedenkenlos einen Abendspaziergang zu machen.
    Für mich gibt es keine andere Erklärung, als dass ein großer Teil dieser Gesellschaft solche Tragödien nicht der Tatsache zuschreibt, dass man dort in jeder Bäckerei ab 10 Brötchen eine Pump Gun geschenkt bekommt.
    Soetwas nennt man wohl Froschperspektive

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    etwas seit 1970. Zuvor war selbst das WaffR in den Staaten der USA noch liberaler!

    MfG KM

    • Orgon
    • 15. Dezember 2012 9:01 Uhr

    Das bedeutet gar nichts. Vielleicht war die Gesellschaft in den 70er Jahren weniger labil, gewaltätig oder psychisch gesünder...ud wer sagt, dass es damals nicht auch schon übermäßig viele Morde gegeben hat?!

    Unter den 100.000 Menschen mit Schussverletzungen sind auch viele Kinder. Nicht erst seit gestern.

    "Matt Bennett, Mitgründer des Thinktanks "Third Way", zieht deshalb im Gespräch mit der Washington Post ein ernüchterndes Fazit. "Nichts ist passiert, als einer Kongressabgeordneten [Gabrielle Giffords, d. Red.] in den Kopf geschossen wurde. Nichts passiert, wenn ein Dutzend junger Menschen in einem Kino erschossen werden. Das ist eine furchtbare Wahrheit, aber so ist es."
    http://www.sueddeutsche.d...

    Was wird jetzt passieren?

    Die Bereitschaft im Namen der Freiheit Kriege um Recourcen (Öl, Gas etc.) und Vormachtstellungen zu führen sind wie die laschen Waffengesetze Ausdruck einer inneren Haltung vieler Menschen (nicht nur) in den USA. Dabei sollte man nicht zu sehr verallgemeinern, das wahre Bild ist sicher differenzierter. Aber das Bewusstsein, "im Notfall" selbst aktiv werden zu "müssen" ist in den USA Teil des Mythos vom Selfmademan (- als wäre ein äußerer Erfolg ohne das Zutun und die Infrastrukturangebote der Gesellschaft möglich!)

    Das führt dazu, dass sich nach solchen Taten nichts ändert - eben das Bewusstsein breiter Wählerschichten, die die Implikationen nicht vollständig bedenken, lässt eine Änderung nicht zu.

    "Verbrechen - oder sonstige Bedrohungen? Ich will mich notfalls selbst schützen können! - Das ist bei uns gute alte Tradition" und schon gibt es Millionen Waffen mit der entsprechenden Infrastruktur. - Und die Waffenlobby investiert viel Geld und Einfluss um den Status quo zu erhalten....

  5. In den USA läuft nach einem Amoklauf stets das gleiche Spiel ab: Amoklauf-Betroffenheit seitens der Adminstrative-Forderung nach polit. Konsequenzen-Druck der Waffenlobby

    und am Ende verändert sich NICHTS.

    Ein Trauerspiel.

    • RGFG
    • 15. Dezember 2012 8:46 Uhr

    In der Schule waren offenkundig bereits weitreichende Sicherheitsmaßnahmen in Kraft. Jetzt fangen in Amerika schon die Stimmen an, nach denen man die Lehrer bewaffnen solle, weil die Täter dann 'abgeschreckt' würden.

    Was passieren würde, zeigt sich ja jetzt schon: Die Täter würden sich einfach besser vorbereiten. Der Amokläufer im Kino trug eine schusssichere Weste. Der hier auch. Das Problem ist, dass man leicht an Waffen und an 'body armor' kommt. Was man 'upstream' vermasselt kriegt man 'downstream' deutlich schwerer in Griff.

    Was wir vermutlich dennoch wieder lernen werden ist, dass die 'Freiheit', sich mit Waffen und Munition einzudecken in Amerika jedes Opfer wert ist. Die zwanzig Kids werden nicht die letzten gewesen sein...

    • inecht
    • 15. Dezember 2012 8:52 Uhr

    Die bizarre Schuldfrage muss leider konsequent gestellt werden, weil nur mit weitreichenden gesellschaftliche Veränderungen die nächsten Massaker verhindert werden können.
    Echtes Mitgefühl fragt auch nach Mitverantwortung.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, kg, sc
  • Schlagworte Barack Obama | CNN | USA | Amoklauf | Grundschule | Lehrer
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