Amoklauf an Grundschule : Obama ruft in Trauerrede auf, "diese Tragödien" zu beenden

Vor Trauernden in Newtown hat US-Präsident Obama versprochen, sich dafür einzusetzen, Kinder besser zu schützen. Bewegt suchte er nach Worten des Trostes.

Gemeinsam mit Angehörigen hat US-Präsident Obama die Opfer des Massakers von Newtown betrauert. In der Aula einer Highschool in der Stadt im Bundesstaat Connecticut äußerte er sein Entsetzen über die Tat des Gewalttäters Adam Lanza. Der 20-Jährige hatte in einem Amoklauf an einer Grundschule 20 Schüler und sechs Lehrer erschossen , bevor er sich selbst tötete.

In einer bewegenden und kraftvollen Rede (Wortlaut hier, engl.) sagte Obama, dass er das vierte Mal in seiner Präsidentschaft in der Situation sei, einer trauernden Gemeinde Trost zu spenden. "Wir können das nicht mehr tolerieren. Diese Tragödien müssen enden", sagte er.

Kritisch hinterfragte er das Engagement des Staates für die Kinder. "Tun wir genug, um unsere Kinder zu schützen?", sagte er. "Ich habe darüber in den vergangenen Tagen nachgedacht und wenn wir ehrlich sind mit uns selbst, ist die Antwort: nein."

Der Präsident deutete bereits Konsequenzen an, die in dieselbe Richtung deuten wie die Forderungen der Waffengegner. Er werde in den kommenden Wochen alles daran setzen, sein Amt dafür zu nutzen, "weitere Tragödien wie diese zu verhindern". Er räumte ein, dass "kein einziges Gesetz oder Bündel von Gesetzen Böses ausrotten kann". Aber das sei keine Entschuldigung für Untätigkeit. "Ganz sicher können wir es besser machen als bisher." Es gebe keine andere Wahl.

Die demokratische Senatorin Dianne Feinstein aus Kalifornien kündigte an, noch am ersten Tag der neuen Legislaturperiode ein neues Waffengesetz in den Kongress einzubringen.

Am Ende seiner Rede las Obama die Namen aller Opfer des Amoklaufs vor. Immer wieder durchbrachen Schluchzer die Stille in der Aula.

An vielen Plätzen in Newtown legten die Menschen Blumen und Kuscheltiere nieder und zündeten Kerzen an. Es fanden mehrere Gedenkfeiern statt, unter anderem für die Lehrerin Victoria Soto. Laut Medienberichten versteckte die 27-Jährige ihre Schüler noch in Schränken, bevor der Täter ins Klassenzimmer kam. Er erschoss die Lehrerin, aber die Kinder entdeckte er nicht.

Mehrere volle Magazine

Vor Obamas Besuch bestätigte die US-Polizei die Identität des Todesschützen und den Tathergang offiziell. Lanza hatte demnach am Freitag zunächst zu Hause seine Mutter und dann in der Sandy-Hook-Grundschule die sechs- und siebenjährigen Kinder und Erwachsenen erschossen . Wie seine anderen Opfer wies die Leiche von seiner Mutter mehrere Schusswunden auf. 

Bitte klicken Sie hier um die Fotostrecke zu sehen. © Douglas Healey/Getty Images

Lanza war ersten Erkenntnissen nach gewaltsam in die Schule eingedrungen. Er feuerte hauptsächlich mit einem Sturmgewehr vom Typ Bushmaster .223. Er gab Hunderte Schüsse ab. Sich selbst tötete er mit einer der beiden Handfeuerwaffen, die er dabeihatte.

Der Täter hatte mehrere volle Magazine für alle Waffen bei sich. Hunderte Schuss waren noch übrig, als er sich selbst tötete. In seinem Auto, das vor der Grundschule stand, lag eine vierte Waffe, ein Gewehr.

Das Motiv des Schützen ist nach wie vor unklar.

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Kommentare

90 Kommentare Seite 1 von 12 Kommentieren

Obamas Versprechen

glaube ich erst, wenn er sie wirklich umsetzt.

Nachgedacht hat er über das Thema schon vor der Wahl, es dann aber aus wahltaktischen Gründen in der Schublade gelassen.

In Bezug auf Guantanamo und Folter, hat er auch schon versprochen "sich einzusetzen", aber im Ergebnis nur wenig getan. Er bleibt vage, wo andere, wie Bloomberg oder Feinstein sofort sehr konkret werden. Mutig für einen "change" geht er nicht voran.

Der Wahnsinn ist kaum zu stoppen

Die wirkliche Tragödie ist doch, daß die Amerikaner insgesamt mehrheitlich wohl nicht bereit sind, diesen Wahnsinn durch entsprechende Gesetze und Verordnungen einzudämmen.

Die Statistik in den USA sagt aus, daß ca. 280 Millionen registrierte Waffen in den Haushalten existieren. Das macht pro Einwohner fast eine Waffe, Säuglinge und Ururomas eingeschlossen. Über nicht registrierte Waffen läßt sich die Behörde erst gar nicht aus, sie weigert sich sogar, hier Schätzungen zu veröffentlichen. Die Behörde weiß vermutlich auch warum.

Wie will man diesen Wahnsinn denn ernsthaft stoppen in einem Land, deren Einwanderer-Nachkommen sich heute immer noch zu gern in einer Linie mit ihren Vorfahren sehen, die den Natives ihr Land über 200 Jahre lang mit Waffengewalt raubten. Und Landbesitz, der teilweise einen sehr hohen Blutzoll forderte, wird natürlich weiter mit der "Waffe in der Hand" verteidigt. In welchem Land auf dieser Erde darf man sonst Menschen, die vielleicht unbeabsichtigt fremdes Eigentum betreten haben und nach Aufforderung nicht sofort verschwinden, erst mal erschießen?

Wes Geistes Kind muß die die politische Führung in einigen Bundesstaaten im Süden der USA sein, die Gesetze erläßt, die verbale Beleidigung u.U. einer körperlichen Gewalt gleichsetzt und ihnen erlaubt, wenn sie sich dadurch bedroht fühlen, den Kontrahenten einfach niederzuschießen...

Hier müßte, wenn überhaupt etwas bewegt werden soll, ein grundsätzliches Umdenken in Bezug auf Waffen einsetzen.

@44 Das Problem ist doch nicht allein der Präsident

Er kann nicht alleine entscheiden, aber er könnte klar sagen was er will. "I have a dream, that one day....."

Überall im Land sind die Stimmen seiner Parteifreunde zu hören, werden Initiativen gegründet, sogar schon Gesetzesvorlagen zur Einreichung vorbereitet, aber Obama bleibt im Vagen, anstatt sich an die Spitze dieser Bewegung zu stellen. Für mich hat das den Beigeschmack von politischer Taktiererei, wie er sie schon vor den Wahlen gezeigt hat, als er das "Waffenthema" mit Blick auf die Swingstates nicht anfassen wollte.

Die Demokraten werden es schwer haben, wenn der eigene Leader nicht an der Spitze der Bewegung steht.

@42 "Wes Geistes Kind muß die die politische Führung in einigen Bundesstaaten im Süden der USA sein, die Gesetze erläßt, die verbale Beleidigung u.U. einer körperlichen Gewalt gleichsetzt und ihnen erlaubt, wenn sie sich dadurch bedroht fühlen, den Kontrahenten einfach niederzuschießen..."

Gibt es dazu Quellen?

Das Versprechen kann er garnicht umsetzen

Das sieht man schon daran, dass Deutschland, als eines der Länder mit den schärfsten Waffengesetzen überhaupt, auch schon solche Amokläufe und Privatpersonen, die sich, bis an die Zähne bewaffnet, Schlachten mit der Polizei geliefert haben, gesehen hat.

Es gibt keine 100%ige Sicherheit und man kann Gewalttäter ähnlich wie Treibtäter nicht "abschrecken". Nicht mit lebenslangem Gefängnisaufenthalt und, wie man sieht, auch mit der Todesstrafe nicht. Leute, die ihrer Meinung nach nichts zu verlieren haben, interessiert es überhauptnicht, was für eine Strafe sie erwartet, wenn sie ein Verbrechen begehen. Die denken nicht einmal bis zu einer möglichen Bestrafung.

Möglicherweise hat der Täter von Newtown seine Mutter im Affekt getötet und sich dann gesagt: Aus der Nummer komme ich ohnehin nicht mehr raus, dann kann ich jetzt auch einfach wahllos noch ein paar Leute mehr erschiessen und mir so durch die Presse in der Weltöffentlichkeit ein Denkmal setzen, was keiner so schnell vergisst.

Fazit:

100%ige Sicherheit ist eine reine Illusion, für welche die Amerikaner und inzwischen auch die Europäer einen hohen Preis zahlen. Sie zahlen nämlich mit ihrer individuellen Freiheit indem sie zulassen, dass ihre ganze Kommunikation vom Staat mitgloggt und ihre Daten ausspioniert und zentralsiert gepeichert und durchforstet werden.

Das hält Terroristen und Verbrecher nicht ab, da diese problemlos verschlüsselt kommunizieren können. Nur der dumme Normalbürger wird umfassend ausspioniert.

Obamas Versprechen...

...sind in etwa so konkret wie die Prognosen von Nostradamus. Sprich: Sich für etwas einzusetzen, kann man auslegen, wie man will, sodass man ihn auf nichts festnageln kann.

Auch hier wurde wieder ganz bewusst sehr schwammig von Obama formuliert, es wurde nicht ein einziger konkreter Schritt benannt, sprich, es wird sich auch nichts tun, da sollte man sich keinen Illusionen hingeben. Ein Mann, der wirklich etwas bewegen will, redet nicht so um den heißen Brei.

hallo NOOtrack

Sie schreiben, es gibt keine 100%ige Sicherheit. deshalb würde es auch nichts nützen, wenn man die Waffengesetze verschärfen würde. Siehe Deutschland.

In Amerika gab es mehr als 10mal soviele Tote durch Amokläufer
als in Deutschland. Dies auch, weil die Deutschen Verrückten keine Automatikwaffen haben.

Nach Ihrer Logik soll man nichts verbieten, was man nicht 100%ig beherrschen kann.
Also: keine Parkverbotschilder, keine Schilder an Auobahnen, daß man nicht gegen die Richtung fahren darf (Geisterfahrer), keine Tressore in Banken (es gibt immer wieder Bankräuber, die es schaffen Banken auszurauben)

Hätte der letze Amokläufer "nur" einfach Gewehre oder Revolver gehabt, dann würden bestimmt noch merh Kinder leben. Einen Irren mit einer halbautomatischen Waffe können sie kaum überwältigen.

Das Versprechen kann er garnicht umsetzen

Die zentrale Aussage meines Kommentars war NICHT, dass es keinesfalls etwas nützt in den USA die Waffengesetze zu verschärfen. Es verhindert solche Taten halt nur nicht zu 100%. Herr Obama kann also sein Versprechen nicht halten, weil es ab einem bestimmten Punkt nichts mehr nützt, diese Gesetze WEITER zu verschärfen. Bei uns kann man mittlerweile Probleme bekommen, wenn man sich ein neues Küchenmesser mit einer langen Klinge in der Stadt kauft und damit in eine Polizeikontrolle gerät.

Mit dieser Logik müsste man erst recht Autos verbieten, weil ich mit einem Auto gewiss auf jeder halbwegs befahrenen Strasse mehr Leute wahllos verletzen und umbringen kann, als ich das je mit einem Küchenmesser in einer Menschenmenge schaffen würde.

Genauso ist es beispielsweise Schwachsinn, dass man keinen Schluck zu trinken in einer Plastikflasche mit ins Flugzeug nehmen darf, die ganzen Li-Ionen-Akkus von Laptop, Handy und Co. aber erlaubt sind.

Bei einem Bekannten hat mal ein solcher Laptop-Akku angefangen zu brennen und er war heilfroh, dass er kein MacBook mit fest eingebautem Akku hatte und den Akku daher vom Notebook abkoppeln und aus dem Fenster in seinen Garten befördern konnte. Zu löschen war der nämlich nicht, das hat er im Garten versucht. Das Teil wurde so heiss, das es ihm trotz Löschversuchen mit einem Feuerlöscher ein beachtliches Loch in den Rasen gebrannt hat.

Wenn das in einem Flugzeug passiert, sind die Passagiere Toast und auch für Anschläge ist das zu nutzen.

Das ist echt ein wenig zu platt

Obama ist zwar der Präsident aber auch kein Diktator der ohne den Senat oder Kongreß kaum etwas erreichen kann. Guantanamo ist am Ende durch den Kongreß gescheiter und durch die mangelnde Unterstützung aus dem Ausland. In den anderen Industrienationen waren die Politker doch dankbar das die Amerikaner die Drecksarbeit gemacht haben. Das die natürlich ihre eigene Agenda hatten ist auch klar, aber dennoch muss man sagen das die Schließung Guantanmos an anderen Sachen gescheitert ist als an den mangelnden Versuchen Obamas.

Im Bezug auf das Waffenproblem sieht es anders aus.
Dort hat Obama ganz mies versagt. Hier einige Fakten
zu Obamas Waffenpolitik.
http://www.youtube.com/wa...
http://www.youtube.com/wa...

Da muss man ihm schon starke Vorwürfe machen, weil er ja , wie er grade selber zugegeben hat zu wenig für die Sicherheit der Menschen vor Waffen getan hat. Die Tränen waren wohl auch nicht nur Tränen der Trauer sondern vielleicht auch Tränen der Reue weil er selber weiß das er zu wenig gemacht hat.

Als das Recht auf Waffen in die Constitution aufgenommen wurde gab es Musketen und Revolver mit einigen Schüssen, nirgendwo stand etwas von dem Recht von Privatpersonen auf Sturmgewehre und voll automatische Handfeuerwaffen mit bis zu 30 Schuss. Weiterhin ist auch nirgendwo gesagt , das eine Patrone in Supermärkten für unter 10 Cent über den Ladentisch geht.

Der einzige nicht militärische Zweck dieser Waffen ist Massenmord!

Hallo L diplomatico

Ich finde meien Kommentar nicht platt. Nur kurz und prägnant.
Obame sagte, er würde Quantanamo schliessen. Es sei ein Schandfleck für Amerika. Dann wurde er gewählt.

Quantanamo widesprcht der amrikanischen Verfassung. Wenn nicht der Präsident darauf hin arbeitn kann dieses illegale Folterinstitut zu schliessen, wer dann?
Und den anderen Ländern eine Mitschuld zu geben? Ich weiß nicht!
Obama wird nicht machen gegen die Interessen der Waffenindustrie. Da verwette ich meine kleine Rente.

Worte, Phrasen, schauspielerisches Getue, das ist Obama unser Friedensnobelpresiträger. Daß er nicht anders kann, ist vielleicht richtig. ABER DANN SOLL ER NICHTS VERSPRECHEN.

Tun wir genug, um unsere Kinder zu schützen?

Ein unangemessener Vergleich

Gleichzeitig mit den Berichten über das Massaker in Newtown erschien in der ZEIT ein Bericht über Obamas Drohnenkrieg. Beides Mal geht es um Gewalt, beides Mal sterben Kinder.

»Terror Tuesday«, sagen Insider, heiße der Dienstag mittlerweile im Weißen Haus. Jeden Dienstag werde Barack Obama im Oval Office eine Liste von Personen vorgelegt, die seine Geheimdienste als »Terroristen« eingestuft haben. Der Präsident wird dann zum Herrn über Leben und Tod.
http://www.zeit.de/2012/5...

Und die Folgen dieser Drohnenangriffe? Die Huffington Post berichtet:

“The report, by Stanford University and New York University, warns that the CIA's drone campaign, which has escalated under Obama, "terrorises men, women and children" in north-west Pakistan "twenty-four hours a day". The detailed report - which was compiled over nine months using interviews with the local population, including victims of strikes, humanitarian workers and medical professionals – explains that hundreds of civilians have been killed through drone strikes.”

“It quotes figures from the London-based Bureau of Investigative Journalism (TBIJ), which says that from June 2004 to mid-September 2012, drone strikes killed between 2,562 and 3,325 people in Pakistan, of whom 474 to 881 were civilians, including 176 children.”

http://www.huffingtonpost...